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Chronik der Ernestina
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Teil 1: Von den Anfängen bis zur Anerkennung 1906
verfaßt von Franz Flessa


Gründung der Ernestina 1871

Als ich 1966 bei der Ordnung der Akten des AHV gedruckte "Statuten der Ernestina von 1871" fand, faßte ich den Plan, den Ursprung der Ernestina zu erforschen. Das Mitgliederverzeichnis des AHV von 1930 nennt 29 Namen von Bundesbrüdern, die vor 1880 schon der Ernestina angehört haben. 1925 überreichte AH Forstmeister Max Flohrschütz an AH Arno Lerch das älteste Bild der Ernestina von 1871 mit 14 namentlich bekannten Aktiven. Auf diesem, seit 1945 verschollenen Bild, sieht man das bis zur Weihnachtskneipe 1971 im Besitz der Aktivitas befindliche Horn, das eine Stiftung des AH Gerbereibesitzers Gustav Dietz (71) war. Auf einem weiteren verschollenen Bild von 1873 finden wir die Bundesbrüder Dietz, Fischer und H. Köhler. Durch Flohrschütz und Fischer erfuhr AH Lerch um 1925 insgesamt Namen von 25 Bundesbrüdern vor 1880. Aus zwei vorhandenen Bierzeitungen von 1878 haben wir Kenntnis von weiteren vier Bundesbrüdern.

Aufgrund dieser 29 Namen durchforschte ich die Schulakten des Ernestinums und stellte die Klassenjahrgänge der uns bekannten Bundesbrüder fest. Die Konferenzakten dieser Zeit brachten mir dann Namen von insgesamt 57 Bundesbrüdern, die mit den uns bekannten wegen "gemeinschaftlichen" Kneipens bestraft wurden. So bildete sich allmählich das Gerüst der "aktivsten" Ernestiner heraus. Die nicht erwischten Mitläufer sind uns leider unbekannt geblieben. Die Biernamen hatten damals ihren Sinn, denn die Inhaber konnten so leicht unerkannt eine Strafe vermeiden. Aus dieser Zeit stammt noch die Bestimmung, daß jeder jeden "bei Strafe des Spinnens" beim Biernamen nennen mußte.

Diese 1871 gegründete Verbindung sah 14 Mann am Gründonnerstag im "Sprühler's Garten" (= "Bonengel" = "Löwen", ="Dal Pasadore", ="Maccaroni", Oberer Bürglaß). Wenn man zwar feststellt, daß schon in der Tertia die Möglichkeit gegeben war, in die Ernestina einzuspringen, so dürfen wir nicht vergessen, daß das Alter der Aktiven trotzdem im Durchschnitt 16 Jahre war.

Mit der "Obersekunda-Reife" machte man das "Kleine Abitur" = Maturitätsexamen, das für die Studienfächer Apotheker, Architekt, Mathematiker, Naturwissenschaftler, Tier- und Zahnarzt genügte. Ferner konnte man ohne Prüfung an einer Vollanstalt in die Prima eintreten.

Aus dieser Zeit vor 1880 besitzen wir heute noch zwei Bierzeitungen von 1878 und die oben genannten Statuten von 1871. Diese Statuten, die bei Roßteutscher-Coburg im Jahre 1871 gedruckt wurden, bestimmten die Strafen noch mit Kreuzer-Währung. Handschriftlich sind nun die Kreuzer in Pfennigbeträge umgeschrieben worden. Da diese Markwährung am 1. Januar 1876 eingeführt worden ist, muß um 1876 ein Fortbestand der Ernestina gewährleistet gewesen sein.

Vermutlich suspendierte sich die Ernestina mehrmals bis 1880. Größere Schulstrafen brachten immer wieder Existenznöte. Die Akten der Ernestina wurden in Nottagen schnell durch Verteilung an Bundesbrüder in Sicherheit gebracht und gingen somit leicht verloren. Aufgrund der Bierzeitung von 1878 Nr. 1 heißt es im Eingangslied "Heil Ernestina Dir" in der dritten Strophe: "Schon dreimal tagtest Du, doch gingest bald zur Ruh". Somit kann angenommen werden, daß eine Aktivitas bestand von:

1871-1872, 1874-1875, 1876, 1877-1879.

Wenn Schüler eine "Verbindung" gründen,versuchen sie doch zuerst die Dinge sich zu beschaffen, die optisch nötig sind, also Schläger, Bänder und Cerevise. Das aber hatten die "Gründer" schon auf dem Bild von 1871! Und dazu noch die gedruckten Statuten! Wie kann das möglich sein? Bestand vielleicht schon eine Verbindung? Warum steht im Inventarverzeichnis der Aktivitas vom Jahre 1919 verzeichnet: "Vorhanden sind Akten aus dem Jahre 1862, nebst 'Bierzeitung'?" In der Chronik der Aktivitas von 1885 wird erwähnt: "Anwesend auf dem Stiftungsfest vom 21.3. war auch Oberlehrer Georg Beck vom Ernestinum, ein Mitglied der Ernestina vor 1880." (Georg Beck geb. 7.7. 1846 zu Coburg, machte am Ernestinum Ostern 1865 das Maturitätsexamen. Ab 1871 wurde er Lehrer am Ernestinum. Beck müßte somit also schon um 1864 aktiv gewesen sein!) AH Flohrschütz (71) gab AH Lerch schon 1925 die Versicherung, daß eine Verbindung gleichen Namens schon vor 1871 bestanden habe!

Noch 1925 hatten AH Hans Luthardt (71) einen Bierkrug mit Wappen von 1871 und AH Flohrschütz (71) einen Pfeifenkopf mit Wappen von 1871.

Woher nehmen Schüler ohne Anleitung und Vorbild Statuten nach studentischem Brauch? Wenn die Statuten nur "Abschriften" wären, so hat man bei Gründung noch nicht die nötige Erfahrung. Liegt da nicht der Verdacht nahe, daß schon vorher durch Studenten aus Jena eine Ferienstammtischgemeinde herangezogen wurde, aus der sich dann eine Verbindung entwickeln konnte? Wenn wir die Statuten lesen, fallen so viele Ausdrücke auf, die bei Jenenser Burschenschaften damals üblich waren.

Gleich im Paragraph 11 wird von "Schleppfüchsen" gesprochen, diesen Ausdruck kennen nur fechtende Verbindungen. Und dann die Paragraphen 13, 16, 25 und 26 sprechen nur von "burschenschaftlichen" Angelegenheiten und "burschenschaftlicher" Tracht. Die Farben Schwarz-Rot-Gold, die ja an der Schule nicht existierten, sind auch burschenschaftlich. (Die Casimiriana ist auch durch Burschenschafter aus Jena inspiriert worden). Der Zirkel war zuerst der kleine Burschenschafter-Zirkel. Weiterhin wird das Kneiplokal aus Tarngründen zu dieser Zeit "Burgkeller" wie in Jena genannt.

Nachdem der Name "Ernestinum" erst 1875 zur Einweihung des neuen Schulgebäudes auf dem Glockenberg der Schule verliehen wird, hat also eine Verbindung seit 1871 den Namen "Ernestinia"! (Mit der öffentlichen Anerkennung 1906 wurde der Name in "Ernestina" geändert. Das "Warum" ist nicht mehr zu ergründen). Im Paragraph 27 werden schon Ehrenphilister genannt. Die müssen doch älter als die Statuten sein! Fragen über Fragen! Eine Lösung wird wohl nicht mehr gefunden werden, oder doch? Woher nahm die Aktivitas 1871 die Gelder, um gleich diese Kneipausstattung zu besitzen? Denn jeder Aktive mußte neben Band und Mütze noch einen eigenen Bierkrug und eine lange Pfeife haben. Wieso druckt man Statuten, wenn man 1871 nur ganze 14 Mitglieder hat?

Da der AHV erst 1910 gegründet wurde, verblieben bis dahin leider alle Akten bei der Aktivitas. Wie oft liest man in den Chroniken, daß die "Truhe, worin sich die Akten befanden", "aufgeräumt" oder "alter Ballast" verbrannt wurde! So wurde die Gelegenheit verpaßt, doch wenigstens einiges retten zu können. Bei schulischen Beschlagnahmungen von Ernestina-Eigentum griff die Aktivitas oft zu Fälschungen oder gab falsche Eigentumsverhältnisse an. Aufgrund des bisherigen Beweismaterials können wir also die Gründung der Ernestina bestimmt auf den 22.06.1871 festsetzen!

Bis 1897 hatten die Füchse ein Semester als Fuchs zu absolvieren. Ab wann es das Fuchsenband gab, ist nicht mehr festzustellen. Vermutlich trugen die Füchse bis 1900 kein Fuchsenband, wie es bei den Burschenschaften üblich war. 1894 spricht der Chronist noch von der "Burschenschaft Ernestinia". Die damalige Semestereinteilung:
SS = Ostern bis Michaelis (29. September),
WS = Michaelis bis Ostern.

Warum wurde die Ernestina 1880 "wieder" eröffnet?
Um die Ursachen zu finden, die vor 1880 Suspendierung der Ernestina führten, denn das muß ja geschehen sein, weil man sie 1880 "wieder" eröffnete, stellte ich als Schriftführer des AHV 1966 Nachforschungen in den Schulakten des Ernestinums an. Diese Mühe wurde reichlich belohnt! So fand ich die wichtige Eintragung:
"Am 2. April 1879 fand eine Lehrerkonferenz statt, weil 16 Schüler unerlaubt in einem Bierlokal versammelt, in starker Weise gezecht und unpassende Lieder gesungen hatten. Ähnliche Kneipereien sind schon vorher vorgekommen." Von diese 16 Schülern waren uns bis 1966 vier als "alte" Ernestiner bekannt, zwei von diesen werden in den Schulakten als Rädelsführer bezeichnet, 14 Schüler des Jahrgangs 1877/79 erhielten für ihre Kneiperei zusammen 61 Stunden Karzer, nur zwei werden verwarnt. Unter den mit vierstündigem Karzer Bestraften befand sich auch der spätere Anstaltsleiter Robert Amhof (geb. 1862, +1912).

Ein Fortbestand der Ernestina schien besonders gefährdet, da ja auch noch im Wiederholungsfalle mit der Verweisung von der Anstalt gedroht wurde. So wird sich die Ernestina wieder einmal suspendiert haben. Im Frühjahr 1880 haben dann acht Mann des letzten Ernestiner-Jahrgangs 1879, nachdem sie in die Obersekunda versetzt waren, die Verbindung wieder eröffnet. In der verschollenen Chronik von 1880 wird ausdrücklich von einer "Wiedereröffnung" gesprochen! Als Gründungsdatum wurde an Stelle des 22. Juni 1871 der 22. März 1880 als Ehrung für Kaiser Wilhelm I. (geb. 22.03.1797, gest. 09.03.1888) ausgewählt. Die "Wiedereröffner" waren: Clemens Bauer, Albert Brückner, Carl Elflein, Eugen Knauer, Edmund Möller, Nicolaus Oberender, Reinhold Sembach und Wilhelm Wicklein.

Die Wiedereröffnung scheint in den Osterferien 1880 erfolgt zu sein, denn am 24. April stieg schon die erste Kneipe in Seidmannsdorf. Acht Burschen vom Jahrgang 78/79 bildeten mit zwei Füchsen vom Jahrgang 80 die Anfangscorona, die sich bald darauf auf 14 Bundesbrüder steigerte. Man kneipte jeden Samstag und "bei Bedarf" führte man an den Mittwochnachmittagen noch "Exkneipen" durch. Als Stammlokal wurde eine Wirtschaft in Seidmannsdorf gewählt. Auf der Kneipe vom 12.06.1880 wurde die erste Bierzeitung in Gegenwart von AH Traut (78) verlesen. Da jedoch der Schulleitung das Kneiplokal verraten wurde, vertagte man sich bis zum WS.

In der "Hübnerschen Bierwirtschaft" auf dem Oberen Bürglaß wurde das WS am 23.10. mit einer Kneipe eröffnet. Exkneipen stiegen in der "Gärtnerschen Bierwirtschaft" ("= Zum Bausenberg") in Cortendorf. Da man sich hier vor der Schulleitung sicher fühlte, holte man mit 18 Aktiven eine Christbescherung am 22.01.81 nach. In der Stadt tagte man vorübergehend in der Langen Gasse bei "Schöppach" und feierte dort auch die erste Lumpenkneipe nach Wiedereröffnung. In der "Wagners-Brauerei" im Neuen Weg fand die Aktivitas endlich ein prächtiges und sicheres Hinterzimmer. Am 12.03.81 taufte man begeistert dieses Lokal auf den Namen "Burgkeller". Dieser Name tritt nun oft in den Chroniken auf. Das erste Stiftungsfest nach Wiedereröffnung wurde am 31.03.81 unter Anwesenheit von AH Max Pfrenger (78) feierlich begangen. Auf einer späteren Kneipe fand AH Richard Müller (76) ("Sprechsaal-Müller") wieder Anschluß zur Aktivitas. 20 Kneipen in Coburg und vier Ex-Kneipen in Cortendorf zeugen vom Erstarken der Verbindung.

Bei neuem Zuwachs an Füchsen herrschte im SS 81 auf fünf Kneipen fröhliches Treiben. Da Störversuche bekannt wurden, beschloß man das offizielle SS mit einer Kneipe am 18.06.81. Eine Exkneipe im Juli in Cortendorf brachte jedoch neun Ernestinern je zwei Stunden Karzer wegen "unerlaubten Kneipens" ein. Im WS 81/82 begann man mit zwölf Aktiven nach dem Reinfall im Juli erst am 21.12. mit der Semesterantrittskneipe, die zugleich Weihnachtskneipe war. Zum zweiten Stiftungsfest am 21.03.82 wurde erstmals der Landesvater gestochen. Mit 13 Aktiven verbrachte man im SS 82 sieben Kneipen. Das neue Bundeslied "Wo Mut und Kraft" wurde an die Stelle des alten (?) von Wilhelm Wicklein (78) eingeführt. Dieser wurde zum Ehrenphilister ernannt. Da das Bestehen der Ernestina in die Öffentlichkeit gedrungen war, hielt man ab 19.08. keine weiteren Kneipen bis Michaelis. Da das WS mit Aktivenmangel begann, übernahmen AHAH so lange die Leitung, bis der Nachwuchs diese wieder selbst übernehmen konnte. In dieser Zeit herrschte reger Verkehr zur Casimiriana. Elf Kneipen wurden abgehalten. Zum Stiftungsfest wurde Carl Müller (81) am 17.03.83 zum Ehrenphilister ernannt. 14 Bundesbrüder erlebten im SS 83 15 Kneipen. Das erste Biergericht findet statt. Da im WS 83/84 nach der ersten Kneipe am 13.10. ernste Gefahr drohte, wurde die Weihnachtskneipe im "Grünen Tal" (Pilgramsroth) abgehalten. Elf Kneipen zeugen vom sprühenden Leben der Aktivitas. Auf dem Stiftungsfest am 20.03.84 wurden Carl Elflein (78) und Eugen Knauer (78) im Beisein von 25 Bundesbrüdern zu Ehrenphilistern ernannt.

Das wichtigste Ereignis des SS 84 war die Einführung eines neuen Comments, der auf dem Jenenser fußte. Überreicht wurde dieser Biercomment von AH Ernst Altenstädter (82). Dieser Comment wurde erst 1921 wieder geändert. Wegen unerlaubten Kneipens gab es wieder einmal am 23.06.84 für zehn Ernestiner je zweiStunden Karzer.

Im WS 84/85 gab es unter der Leitung der neugeschaffenen vierten Charge (Paukwart Paul Muther) regelmäßige Fechtstunden. Ab Februar wurde aus Sicherheitsgründen der "Burgkeller" nach der "Wilhelmshöhe" (Festungsstraße) verlegt. Schlachthofinspektor AH Emil Müller (77) findet zur Ernestina zurück. Auch das verschollene Trinkhorn von 1871 kam wieder in den Besitz der Aktivitas. Zum sechsten Stiftungsfest mit Musik auf der "Kapelle" wurde wieder unter Anwesenheit vieler AHAH und Gäste der Landesvater gestochen. AH E. Pfaffenberger wurde Ehrenphilister. In der Chronik steht:
"Anwesend war ein Mitglied vor 1880, Oberlehrer Beck."
Im SS 85 entstand das heute noch gültige große Wappen der Ernestina. Es wurde von W. Stammberger (85) erstellt. Auf dem Semesterbild vom 22.03.85 ist noch ein einfaches Wappenschild zu sehen. Ab 1886 zeigen die Semesterbilder zwei Wappen:
1. Wappen: Reichsadler mit gold-rot-schwarzem Brustschild und der Umschrift "Ernestinia vivat-crescat-floreat".
2. Wappen: wie noch heute geführt.
Zum Beginn des SS 86 umfaßte der Bund schon nach fünf Jahren fünf Ehrenphilister, 31 AHAH und neun Aktive. Um weiterhin eine verschworene Gemeinschaft zu bleiben, wurden viele Quertreiber exkommuniziert. Auf sechs Kneipen wurde der gute Kontakt zwischen der Aktivitas und den AHAH immer wieder bewiesen. Da nur ein Fuchsensemester zur Burschung nötig war, mußten diese Füchse fleißig Comment und Lieder pauken, um geburscht zu werden. Sechs Kneipen fanden teils auf der Wilhelmshöhe, teils bei Scheidmantel in Cortendorf statt.

Daß die Aktivitas wirklich "Aktiv" war, bewiesen die zwölf Bundesbrüder auf 18 Kneipen im WS 86/87. Auf einem Heimweg brachte ein Streit um einen Spazierstock Berührung mit der Polizei. Eine Anzeige bei der Schulleitung brachte für fünf Ernestiner wegen "unerlaubten Kneipens" je vier Stunden Karzer. Eine Haussuchung durch die Schulleitung auf der Wilhelmshöhe förderte nichts zutage; da man alle Kneiputensilien außerhalb in Verstecke gebracht hatte, so "konnte kein Verdacht einer Verbindung gehegt werden". Man kneipte nun aus Sicherheitsgründen in Cortendorf. Dennoch wagte man das siebte Stiftungsfest auf der Kapelle abzuhalten. Acht Mann Militärmusik erfreuten 22 Ernestiner und zwölf Gäste. Ein Landesvater beschloß das Fest. Zu dieserZeit gehörten alle AHAH dem Verband der Aktivitas an.

Im SS 87 umfaßte der Verband schon 49 AHAH und zwölf Aktive. Aus Sicherheitsgründen verlegte man die 14 Kneipen nach Cortendorf, Lützelbuch und in die Wagners-Brauerei im dauernden Wechsel. Doch hatte auch der Heimweg Gefahren; so lesen wir in der Chronik: "Zwei Bundesbrüder vergriffen sich an einem Velocipedisten, indem einer ihm seinen barbarischen Stock ins Rad steckte." Beide Ernestiner erhielten aufgrund polizeilicher Anzeige von der Schule drei Stunden Karzer.

Im WS 87/88 kneipte man durchgehend auf "Wilhelmshöhe". Die acht Kneipen litten langsam unter Aktivenschwund, da man wieder einmal rigoros Ausschlüsse vornahm. So sah man sich gezwungen das Stiftungsfest ausfallen zu lassen.

Da nun das SS 88 mit nur zwei Aktiven begonnen werden mußte, übernahmen fünf AHAH wieder die Leitung der Aktivitas. So konnte man dennoch den Kneipbetrieb auf sieben Kneipen bei wechselnden Lokalen aufrecht erhalten. Auch das WS 88/89 sah auf den vier Kneipen die AHAH bei der Kneipführung.

Erst im SS 89 konnten zehn Aktive wieder die Leitung übernehmen. Zwölf Kneipen brachten wieder einmal für acht Mann einen "Disziplinar-Fall" in der Schule. Allen acht Ernestinern wurde bei Wiederholung die Androhung der Entlassung von der Schule zudiktiert. Leider steht über diesen "Fall" nichts in der Chronik. Trotz dieser "Androhung" hielt im WS 89/90 die Aktivitas mit 17 Aktiven19 Kneipen entweder in der "Reichshalle" (Casimirstraße) oder beim "Sturm" (Ketschengasse) ab. Die Weihnachtsfeier brachte zum ersten Male eine Versteigerung. 14 Tage "Influenza-Ferien" im Januar brachte viel Zeit zum Kneipen. So feierte die Aktivitas ihr zehntes Stiftungsfest wieder auf der Kapelle mit sechs Mann Militärmusik. 20 AHAH, elf Aktive stachen den Landesvater. Das Fest schloß mit einem herrlichen Semesterumzug.

Zum SS 90 umfaßte der Verband schon 73 AHAH, davon fünf Ehrenphilister. 17 Aktive erlebten 20 Kneipen teils auf der "Wilhelmshöhe", teils bei Scheidmantel in Cortendorf oder in Lützelbuch. Obwohl ein Liter Bier nur 20 Pfennige kostete, waren Bierschulden bei der Kasse sehr häufig. Das WS 90/91 brachte den 14 Aktiven einen schweren Tiefschlag seitens der Schulleitung. Auf dem Heimweg von der vierten Kneipe im "Goldenen Stern" (Leopoldstraße) kam man in Kontakt mit der Polizei, die eine Anzeige wegen Ruhestörung erhob. In den Schulakten erschien nun zum ersten Mal der Name "Ernestinia". Am 19. und 20.11.90 fand eine langwierige Konferenz über das Bestehen einer Verbindung Ernestinia statt. Durch eine anonyme Anzeige und durch die Aussagen von ertappten Schülern der Verbindung Bavaria (Ober-Tertia + exkommunizierte Ernestiner) sowie der Escordia (Quarta) erhielt die Konferenz Kenntnis der Namen der Ernestiner. Nach langem Einzelverhör erfolgte der Urteilsspruch:
Auslieferung der Chroniken, der Kassenbestände und des sämtlichen Inventars, darunter auch das große Horn! Im Weigerungsfalle erfolge die Erteilung des Consilium abeundi! Der Chronist Knopf schreibt:
"Wir nahmen deshalb einige Prügel (= Kommersbuch) und Schläger nebst einigen Wappen und lieferten sie der Schule aus."
Auf die Erklärung hin, daß das große Horn Eigentum der AHAH sei und die Aktivitas nicht arüber verfügen könne, wurde die Abgabe des Hornes nicht mehr verlangt. Nach der Übergabe des Kassenbestandes von 1,50 Mark erfolgte das Urteil:
Fünf Haupttäter: acht Stunden Karzer und Unterschreibung eines Reverses (liegt kurioserweise bei den Akten des AHV) Acht Täter: sechs Stunden Karzer Ein Mitläufer: zwei Stunden Arrest. Der Chronist beschließt dieses tragische Semester mit den Worten: "So glaubte man auf einmal der Ernestinia Stamm und Wurzel geraubt zu haben." Somit mußte das elfte Stiftungsfest ausfallen.

Aber im SS 91 traf man sich wieder am 27.06. in der Finkenau. Hier leiteten AHAH als Chargierte sieben Kneipen.

Da das WS 91/92 einen Mitgliederschwund brachte, feierte man die Weihnachtskneipe im "Goldenen Stern" und das zwölfte Stiftungsfest auf der "Kapelle" im engste Kreise ohne Gäste.

Im SS 92 können von den wenigen Aktiven keine großen Kneipen abgehalten werden. Deshalb übernehmen im WS 92/93 acht AHAH die Leitung der Aktivitas. DerComment wird vereinfacht und gekürzt. Durch zehn Kneipen wächst die Zahl der Aktiven wieder auf sieben junge Bundesbrüder. Man kneipt in Cortendorf, im "Goldenen Stern" und auf der "Wilhelmshöhe". Wieder gestärkt kann das 13. Stiftungsfest auf der "Kapelle" mit Landesvater stattfinden.

Auch im SS 93 werden die drei Chargen durch AHAH besetzt. Mit fünf Aktiven halten sie bei dauerndem Lokalwechsel dennoch acht Kneipen ab. Es bildet sich der erste Kegelclub der Ernestinia, der wöchentlich in der "Fischerei" kegelt. Dieser Kegelclub macht am 04.06.93 eine Fahrt mit dem Leiterwagen nach Hellingen. Die Chargen fahren in voller Wichs! In Hellingen steht die Bevölkerung Kopf. Der Gesangverein und das Musikcorps ziehen eine Tanzveranstaltung auf. Diese gelungene Fahrt bildet den Anfang für glanzvolle spätere Himmelfahrtsausflüge.

Acht Aktive übernehmen im WS 93/94 wieder die Leitung. In wechselnden Lokalen hält man neun Kneipen ab. So kann auch das 14. Stiftungsfest wieder auf der Kapelle stattfinden, jedoch nur mit Klavierbegleitung. Trotzdem wird wieder der Landesvater gestochen. - Von einem Biertisch am Sonntagnachmittag in Neuses wird einem Fräulein aus Rudolstadt eine Ansichtskarte geschickt. Diese gelangt durch mysteriöse Umstände zum Direktorat. Wie "üblich" erhalten fünf Mann drei Stunden Karzer und zwei Mann drei Stunden Arrest.

Das SS 94 zeigte eine besondere Prägung: Neben neun Kneipen führten die sieben Aktiven zum ersten Male eine Sedankneipe durch. Auf den Kneipen erfreuten immer wieder Solo-Gesänge und Vorträge die Corona. Ja man hielt sogar zweimal "Lateinische Bierreden". Viele Convente und Aussprachen festigten das Leben der "Burschenschaft Ernestinia".

Im WS 95/95 führten die zwölf Aktiven 18 Kneipen durch. Aus Sicherheitsgründen kneipte man am Nachmittag in Scheuerfeld. Auf einer Kneipe in der "Finkenau" erschien zufällig der Anstaltsleiter Dr. Riemann, er "konnte aber abgelenkt werden", berichtet der Chronist. Das 15. Stiftungsfest fand unter Beteiligung einer sechs Mann starken Militärkapelle in Cortendorf statt. Sechs AHAH, neun Aktive und drei Vertreter der Kartellverbindung Arminia am Casimirianum nahmen am Landesvater teil.

Das SS 95 brachte elf Aktiven fünf Kneipen in Scheuerfeld und drei in der Wirtschaft "Herget" (Neustadter Straße). Das WS 96/96 sollte ein sehr schwerer Prüfstein für die Ernestina werden:
Am 19.10.95 nimmt Professor "Klotzbach" einem Sextaner eine Bierzeitung der Ernestina ab und bringt sie vor die Konferenz. Chronist:
"Nur dem treuen Zusammenhalten und der Schweigsamkeit sämtlicher Commilitonen, sowie der ausgezeichneten Verteidigung unserer Sache durch unseren lieben Kneipwirt Stephan Scheidmantel ist es zu danken, daß der 'Reinfall' keine ernstere Folgen für die Corona hatte. Vom sämtlichen Inventar wurden fünf Einladungskarten (!) und ein kleines, gefälschtes Kassenbuch ausgeliefert."
Konferenzakte:
"Es hat sich herausgestellt, daß eine Schülerverbindung besteht unter dem Namen Ernestinia, wie die in früheren Jahren aufgehobene. Bänder, Cerevise, Bierzeichen wollen sie nicht getragen haben, auch hatten sie keinen Kneipschmuck, kein Trinkhorn, keine Schläger. Erkundigungen beim Wirt Scheidmantel haben nichts zutage gefördert. Bezüglich eines festen Präsidiums ist nichts weiter zu eruieren."
Beschluß: Sieben Ernestiner je acht Stunden Karzer; zwei Ernestiner je sechs Stunden Karzer; ein Ernestiner zehn Stunden Karzer, weil er während der Untersuchung wieder gekneipt hat!

Der BC beschließt vorläufig keine weiteren Kneipen abzuhalten. Aber am 20.12. fand im Hahnweg schon wieder eine Kneipe statt. Der Chronist schreibt: "Hier zeigte sich auch wieder so recht, daß wenige, die zusammenhalten, eher etwas Tüchtiges zustande bringen, als eine zusammenhanglose Masse." ; Zehn Kneipen beweisen, daß verbotene Früchte besonders gut schmecken. So kneipte man eben nachmittags, oft mit der Arminia vom Casimirianum. Zu den nun üblichen Bierreden auf Lateinisch gesellten sich auch englische Reden! - Als der Coburger Turnverein nach Rodach marschierte, waren Ernestiner mit dabei. Mit zufällig anwesenden Aktiven der Georgiana-Hildburghausen wurde spontan eine Kneipe aufgezogen. Und man macht sich auf den Heimweg von Rodach nach Coburg - per pedes! 16 Kilometer Nachtmarsch! Müssen das harte Burschen gewesen sein! Da der Anstaltsleiter Dr. Rieman anonym eine Einladung zur Stiftungsfestkneipe erhielt, mußte diese schon vorbereitete Festkneipe ausfallen.

Im SS 96 helfen AHAH den acht Aktiven auf den Kneipen mit. Karl Büchner v. Sumpfhuhn blieb auf diese Weise sieben Semester aktiv. Der "Thüringer Hof" in der Judengasse wird nun zum Stammlokal für elf Kneipen. - Am Himmelfahrtstag zogen nur vier Ernestiner (fünf weitere waren unabkömmlich) per pedes zum Plestener Spitzberg. Nach dem Mittagessen in Fürst a. Berg stieg die Kneipe, die bald abgebrochen wurde, um sie nach einem weiteren Marsch in Neustadt fortzusetzen. Die wackeren Zecher hatten immer noch nicht genug. Am Abend legten sie die letzten Kilometer der 37-Kilometer-Tour per pedes nach Coburg zurück.

Im WS 96/97 sahen sich die sechs Aktiven gezwungen, ihre Kneipen schon nachmittags im Thüringer Hof abzuhalten. Nachdem noch die Weihnachtskneipe im "Goldenen Anker" gefeiert werden konnte, verlegte man vier Kneipen aufs Land. Dennoch wurde das 17. Stiftungsfest im "Goldenen Anker" mit vier AHAH und fünf Gästen gefeiert. Auch hier stieg der Landesvater. Von einer Exkneipe in Obersiemau berichtet der Chronist: "Hier gab sich Herr Lehrer Eduard Fißmann (Vater des mit uns kneipenden Gymnasiasten) als einen Ernestiner des Jahrganges 1871 zu erkennen. Er nahm mit Band an der Kneipe teil!"

Das SS 97 sah sieben Aktive auf neun Kneipen in verschiedenen Lokalen. Aus Sicherheitsgründen veranstalteten die elf Aktiven im WS 97/98 nur fünf Kneipen.

Das Ernestinum wird Ober-Realschule 1898

Im SS 98 und im WS 98/99 fanden wegen erhöhter Gefahr durch die Schule geschnappt zu werden, keine offiziellen Kneipen statt.

Im SS 99 herrschte dagegen wieder reger Betrieb. 14 Aktive konnten 14 Kneipen durchführen, meist außerhalb Coburgs und zumeist an Nachmittagen, auch "wenn es sein mußte, am Sonntag" ! So steht in der Chronik vom 24.06. 99: "Caschpar (= Dr. Bähr) hatte sein Schulstipendium verwendet, um uns ein kleines Fäßchen aufzulegen." Das waren halt noch gute alte Zeiten.

Im WS 99/1900 brechen tolle Zeiten unter der Leitung Caschpers x an. 16 Aktive erleben 19 Kneipen und viele Stammtische. Die Lokale werden, wie üblich, gewechselt und schon am Nachmittag wird gekneipt. Ein Bierritt unter Anführung von Caschper x durch eine ganze Ortschaft zeugt von überschäumendem Jugendfrohsinn. - So wurde auch das 20. Stiftungsfest wieder auf der "Kapelle" mit drei Mann Musik und dem Landesvater gefeiert, "ein Unterprimaner zeigte den Mut als Fuchs einzuspringen" , berichtet der Chronist mit Hochachtung.

Im SS 1900 wird in der Chronik zum ersten Male von Fuchsenbändern gesprochen. - So kneipte die Corona "wie üblich" nachmittags auf den Dörfern. - Das Bier kostete 18 Pfennige pro Liter. Und wieder berichtete der Chronist: "Caschper x zeigte durch das Bezahlen des Bieres, daß er sein Prämiengeld richtig anzulegen verstand."

Das WS 00/01 brachte dem Ernestinum das erste Abitur! - Elf Aktive feierten elf Kneipen in wechselnden Lokalen. Hofrat Dr. "Knorz", der als Burschenschafter der Ernestina "unerlaubter Weise" sehr zugetan war, "verirrte sich ins Kneiplokal, aber er verschwand gleich". 23 Bundesbrüder feierten in Ketschendorf das 21. Stiftungsfest. Vier Mann Militärkapelle halfen die Stimmung zu heben. Auch hier wird der Landesvater gestochen.

Gewarnt durch unseren lieben "Knorz" begann das SS 02 mit einem wichtigen BC-Beschluß: "Jeder Ernestiner der Nichternestinern gegenüber irgendwelche Äußerungen betreffs der Ernestina verlauten läßt, hat eine Geldstrafe (30 Biere!) an die Kasse zu entrichten. Im Wiederholungsfalle Ausstoßung!" Neun Aktive führten unter erhöhten Schwierigkeiten acht Kneipen durch, auf denen sehr oft auch die Casimiriana vertreten war. Mit welcher Begeisterung jeder an seinem Bund hing, beweist der Satz der Chronik: "Ein Frischgeburschter hat sich hinreißen lassen, die ganze Bierschuld von 28 Litern zu zahlen."

Im WS 01/02 gab es gleich nach der zweiten Kneipe Schwierigkeiten. Die Chronik meldet: "Es wurde suspendiert, da zwei Bundesbrüder, die dem Rauchclub 'Concordia' angehörten, 'hereingefallen sind' und neben vier Stunden Karzer das 'Consil' als milde Dreingabe erhalten hatten." ; - Mit welcher Treue alle Bundesbrüder zum Bunde standen, beweist der Satz der Chronik: "Unser Fuchs Woldemar Fuchs v. Orpheus erschien später auf der Kneipe, obgleich er am Nachmittag eine Karzerstrafe von vier Stunden wegen Kneipens abgesessen hatte." - 14 Aktive führten so zehn Kneipen bei starker "Feindeinwirkung" in verschiedenen Lokalen durch. Auf dem 22. Stiftungsfest in Ketschendorf wurde von 22 Ernestinern der Landesvater gestochen. Zur Sicherheit standen zwei Füchse mit starken Karbidlampen vor dem Lokal Wache. Man muß sich eben zu helfen wissen.

Tatendurstig begannen 21 Bundesbrüder das SS 02. Für das Inventar wurde eine Kiste angeschafft. Alle anderen Utensilien wurden verteilt bei Ernestinern aufbewahrt. Die Fechtutensilien verwahrte der xxx, der sich sogar selbst eine Vollwichs kaufte. - So stiegen eben die 14 Kneipen wieder am Nachmittag auf den Dörfern. Ein Exbummel nach Banz rundete das Kneipleben ab.

Ein festes Stammlokal wurde im WS 02/03 bei "Höllein" in Wüstenahorn gefunden. "Jeglicher Lärm auf dem Heimweg von Wüstenahorn wird mit den Kosten für 40 Flaschen Bier bestraft." Da Professor Motschmann geäußert hatte, daß man bald die Ernestina "abfangen" wolle, wurde der Nachtwächter von Wüstenahorn auf den Namen "Hutz" getauft und mit einem Spieß bewaffnet. Dieser nahm als Conkneipant oft an den Kneipen teil. Als weitere Sicherheitsmaßnahmen standen immer zwei Füchse mit Acetylenlampen auf dem Marschberg Vorposten. Für AHAH lagen immer Mützen bereit, die man endlich einmal "wenden" ließ. So verbrachten 20 Aktive 15 Kneipen im sicheren Wüstenahorn. Die Kaiserkneipe und das 23. Stiftungsfest wurden im "Erbprinzen" (jetzt "Münchener Hofbräu" in der Johannisgasse) begangen.

13 Kneipen verbrachten die 23 Aktiven im SS 03, die, wie gewohnt, in verschiedenen Lokalen stattfinden mußten. - Zum ersten Mal stieg die "Welsberg-Fahrt". Über Seßlach, wo man im "Roten Ochsen" einen ausgedehnten Frühschoppen machte, gelangte man gegen 13 Uhr ans Ziel. Ein "frugales Mahl mit Mocca" wurde "eingenommen". Eine ausgelassene Kneipe mit Bierpolonäse durch das ganze Dorf beschloß den Nachmittag. Nach einem Tänzchen mit den Dorfschönen pilgerte die Corona zum Nachtzug nach Rossach. - Um den Inventarbestand zu erhöhen, mußte jeder Fuchs bei seiner Taufe einen Prügel stiften. Das Einsprungsgeld entsprach dem Preis von 25 Flaschen Bier.

Da angeblich im WS 03/04 den 24 Aktiven große Gefahr drohte, wurde suspendiert; aber nach drei Wochen beschloß der BC die "Suspension zu suspendieren" und Kneipen ohne Couleur abzuhalten. Die Kneiputensilien befanden sich bei AHAH in Sicherheit. Der F.C. Verbindung "Solmontia" wurden Schlägerscheiden für eine Festkneipe geborgt, da auch Ernestiner dort aktiv waren. Unfaßbar! - So sahen in diesem Semester verschiedene Lokale zehn Kneipen. Auch wurde zum ersten Male ein Karpfenessen in der Finkenau veranstaltet. - Das 24. Stiftungsfest in Cortendorf brachte neben dem Landesvater auch ein Theaterstück "Tugend" von 1 1/2 Stunden Dauer.

Einen starken Wechsel an Aus- und Wiedereintritten erlebte das SS 04. 15 Kneipen fanden nach dem üblichen Wechselschema statt. Am Himmelfahrtstag stieg die zweite Fahrt nach Welsberg. Bis Seßlach war die Corona schon ein paar Mal "inoffiziell" eingekehrt, um es dann im "Roten Ochsen" in Seßlach "offiziell" zu tun. In Welsberg angekommen, konnten sich die "nimmersatten Pößnecker" am reichlichen Essen so vollfressen, daß "manche sich in der Mittagspause wie gefüllte Riesenschlangen im Grase herumwälzten" . Dann begann die Kneipe, zu welcher " Damen per Glocke eingeladen waren." Diese Damen waren ob des städtischen Besuches so begeistert, daß sie die unermüdliche Schar noch zum Bahnhof nach Rossach begleiteten. - Die Sedankneipe brachte eine Überraschung: AH Dietz (71), Stifter des seit 1971 verschollenen Trinkhornes, war zum ersten Male auf einer Veranstaltung der Aktivitas.

Das WS 04/05 brachte viele Vorbereitungen für das 25. Stiftungfest. Auf zwei AHC wurden durch die AHAH Oskar Wicklein, Paul Brockardt und Ernst Wicklein die Sammlung sämtlicher AHAH von auswärts beschlossen. Das Fest fand mit acht Mann Militärkapelle wieder auf der "Kapelle" statt. 22 AHAH und sieben Gäste konnten das neu geschaffene Sonderliederbuch in Farben bewundern und nahmen am Landesvater teil. Der am nächsten Tag stattfindende Frühschoppen zog sich bis 17 Uhr hin und wurde dann "in die Loreley verlegt" ;. - So verbrachten 17 Aktive acht Kneipen in bester Harmonie. - Leider verstarb AH Gustav Dietz (71) am 17.04.05. Die Aktivitas nahm in Couleur an seiner Beisetzung teil.

Neun Aktive erlebten im SS 1905 in verschiedenen Lokalen sechs Kneipen. Am Himmelfahrtstag unternahm die Corona die dritte Fahrt nach Welsberg. Traditionsgemäß "trank man sich über Seßlach nach Welsberg durch" . Nach dem Festmahl mit Tauben und Klößen kegelte man, um dann nach einer Kneipe zum Bahnhof Rossach zu trollen.

Da das WS 05/06 sechs Austritte zu verzeichnen hatte, übernahm AH Oskar Wicklein (01) die erste Charge; zehn Aktive erlebten bis Weihnachten sechs Kneipen. Da zum Ende des Semesters nur noch drei Aktive vorhanden waren, suspendierte man bis SS 06. Diese drei aktiven Burschen Wilfried Bölian, Wilhelm Dietz und Carl Müller warben unter ihren Mitschülern so aktiv, daß das SS 06 wieder mit 28 Aktiven begonnen werden konnte. - So wurde die vierte und letzte "Welsberg-Fahrt" wieder ein voller Erfolg. Nach einem Antrunk in Eicha kam man mit guter Stimmung zum "Roten Ochsen" in Seßlach, wo sich die Corona mit Bratwürsten und Bier stärkte. Nach dem "Mittagsmahl" in Welsberg stieg um 16 Uhr die Kneipe, wozu der Gemeindediener die Mädchen durch das Ausläuten eingeladen hatte. Da kam plötzlich ein "wachhabender" Fuchs ins Lokal gestürzt und meldete, daß der Religionslehrer Hofrat "Dipperle" im Anmarsch sei. Flugs packte man alle zusammen und setzte sich nach Großheirath ab. Um 20 Uhr fuhren fast alle mit der Bahn nach Hause, während drei Unentwegte per pedes nach Coburg eilten. - Der BC beschloß, um wieder eine einsatzfähige Aktivitas zu bekommen, daß jeder einspringende Unterprimaner sofort geburscht werden konnte. Sonst wurde festgesetzt:
1.+2. Semester = Fuchs; 3. Semester = Jungbursche; 4.+5. Semester = Altbursche;
darüber hinaus = bemoostes Haupt.
So feierten die 28 Aktiven 13 Kneipen in verschiedenen Lokalen und erlebten auf der letzten Kneipe, daß die ganze Aktivitas der Casimiriana geschlossen erschienen war.

 


 

Teil 2: Die "öffentliche" Ernestina 1906 bis zur Suspendierung 1935
verfaßt von Franz Flessa


Die "öffentliche" Ernestina bis zum 1. Weltkrieg 1914

28 Aktive begannen ein ereignisvolles WS 06/07. In der Chronik finden wir von Hermann Kühn folgenden Eintrag:

"Mit der Kneipe vom 27.10.1906 in der 'Cortendorfer Bierstube' schließt ein großer und ereignisvoller Abschnitt der Geschichte unserer Ernestina ab. Die Bundesbrüder haben seit dem Tage der Gründung der Ernestina deren Banner aufrecht gehalten. Ihrer Treue und Liebe zur Verbindung und ihrem gegenseitigen Vertrauen im Interesse der Ernestina sei hiermit auf ewig gedacht! Möchten die nachfolgenden Generationen der Ernestina in ihren gepriesenen Vorgängern das Vorbild erkennen und ihnen in Wort und Tat Nachfolger sein!

Das stetige Wachsen und Blühen unserer Ernestina und der Umstand, daß die Herren Pauker der Penne, der die Verbindung schon manchen wackeren Wirker herangezogen hat, bereits seit geraumer Zeit so ziemlich in die Geheimnisse der Ernestina eingeweiht waren, mußten natürlicherweise in der Geschichte der Verbindung eine glückliche oder verhängnisvolle Wendung herbeiführen. Dies sollte den Aktiven andeutungsweise der 1. November 1906, endgültig der 3. November, bringen.

In der Erwartung, bald wieder eine urfidele Kneipe erleben zu können, betrat man am erstgenannten Tag freudig die Schwelle des Pennals, wenn es auch hie und da munkelte, daß es demnächst von Seiten des Direktoriums etwas setzen würde. Unser lieber Wilhelm Dietz fand es daher für angebracht, an dem betreffenden Tag nach der ersten Stunde die Aktiven nochmals zur Standhaftigkeit anzustacheln, falls der Herr Chef "Näheres" über die Ernestina wissen wollte.

Aber wie war man enttäuscht, als dieser in der fünften Schulstunde sich in einer längeren Rede vertrauensvoll und wohlwollend an seine Oberprimaner wandte und erklärte, daß er nicht abgeneigt sei, die zweifellos am Ernestinum bestehende Ernestina zu einer öffentlichen zu machen. Er bedauere, meinte er, daß man sich von Seiten der Verbindung gescheut habe, ihn darum zu bitten, an seiner Anstalt den Schülern der Prima die gleiche Freiheit zu gewähren, wie sie die Angehörigen der Oberklassen des Gymnasiums in der Casimiriana genössen. Auch wünsche er nicht, daß sich seine Schüler, die der Verbindung angehörten, aus Furcht, bestraft zu werden, in gemeinen Kneipen und Spelunken, wie ihm das zu Ohren gekommen sei, herumdrücken müßten. Man möge ihm daher, meinte er weiter, einen Abgesandten der Verbindung schicken, um mit ihm näher über die Angelegenheit zu sprechen.

Daß solch schneidig und aufrichtig gesprochene Worte unseres Herrn Chefs jeden Ernestiner freudvoll stimmen mußten, ist klar und natürlich, und unser lieber Wilfried Bölian x hatte nichts Eiligers zu tun, als für 17 Uhr und 20.30 Uhr am selbigen Tag einen BC bzw. AC einzuberufen.

Zur bestimmten Zeit versammelten sich alle Burschen in der "Fischerei" und berieten da über den Antrag. Man war der Meinung, dem Chef beizustimmen, aber sich auf jeden Fall Farben und Abzeichen vorzubehalten. Die Füchse aus der Obersekunda mußten natürlich ausspringen. Nach längerer Besprechung der Angelegenhei erhielt Dietz den Auftrag, beim Chef am nächsten Tag mit folgender Anweisung vorstellig zu werden:
1. Ihn um Entschuldigung zu bitten, daß wir seither hinter seinem Rücken gekneipt hatten.
2. Ihm die Namen der Aktiven bekanntzugeben.
3. Ihm mitzuteilen, wo wir seither gekneipt, und vor allem, daß seither Zucht und Ordung in der Verbindung geherrscht habe.
Zur anberaumten Zeit stieg der AC, auf dem außer Boelian (x) und Karl Mühlich (xxx) einige Burschen und sämtliche Füchse erschienen waren. Dem Nachwuchs wurde offiziell der Antrag des Chefs mitgeteilt und ihm zu wissen getan, daß er notwendigerweise bis Ostern 1907 suspendiert werden müsse, was ihm schwer zu Herzen ging. Jeder Ernestiner war gespannt, was die Welt morgen bringen würde: Sie brachte ihm Freude und Erfüllung seiner Wünsche.

Zwar wies der Herr Chef unseren Parlamentär darauf hin, daß die Konferenz erst über die Angelegenheit zu beraten habe, aber es war zu erwarten, daß sie ihrem Präsidium in seinem Wunsche beistimmte. Und so geschah es auch.

Am 3. November 1906 ließ der Herr Chef Boelian (x) in sein Zimmer kommen und verkündete ihm, daß die Ernestina zukünftig erlaubt ist. Damit ist der 3. November 1906 urkundlich als Gründungstag der öffentlichen Ernestina festgelegt.

Als ständiges Kneiplokal ist mit Genehmigung des Herrn Chef das Restaurant "Bonengel" (heute: Dal Passatore) gewählt worden. Farben und Abzeichen durften beibehalten werden. Dem damals amtierenden Direktor der Anstalt, Herrn Oberschulrat Dr. Riemann, der der Ernestina diese große Gunst erwiesen hat, sei aber hiermit ehrerbietigst gedankt!"

 

In den Konferenzakten des Ernestinums findet man folgenden Eintrag:
"2.11.1906. Herr Oberschulrat Riemann teilt mit, daß 14 Primaner ein Geständnis bezüglich der Zugehörigkeit zur Ernestina abgelegt haben. Er schließt hieran den Vorschlag, die Verbindung in Anbetracht der eigentümlichen Verhältnisse, wie sie hier in Coburg liegen, in besonderer Form zu gestatten. Vor allem sollen die Teilnehmer unter keinen Umständen studentische Abzeichen tragen dürfen. Gegen den Vorschlag erhebt sich kein Einspruch.

gez. Riemann gez. Bähr (=Caschper 98)".

Am 10.11.06 steigt die erste "erlaubte" Kneipe in Vollwichs. Die drei Chargierten sind: Wilfried Boelian (x), Paul Leonhardt (xx) und Karl Mühlich (xxx). Da von Seiten der Schule keine Bedenken gegen eine wöchentliche Kneipe bestehen, nützt man das weidlich aus. Auf einer der nächsten Kneipen (15.12.) erscheint zum ersten Mal Dr. Riemann und bringt den Beschluß der Konferenz, daß keine studentischen Abzeichen getragen werden sollen, nochmals zur Diskussion. Aber er genehmigt auch dieses. Als Casimirianer und Jenenser Burschenschafter hat er sicher diese Erlaubnis "gerne" erteilt.

Von den 28 Aktiven zu Beginn des Semesters waren zehn Füchse der Obersekunda wieder ausgetreten und somit die Bedingung zur Anerkennung erfüllt. So feierte man die Weihnachtskneipe "in allen Räumen" bei "Bonengel". Das Lehrerkollegium war zahlreich erschienen und der Chronist meldete: "Diesmal konnte die Anwesenheit von Paukern keinen Einfluß auf die Gemütlichkeit der Aktiven ausüben, denn sie selber waren ja, namentlich Dr. Grube-Einwald (02), Dr. Bähr (98), Dr. Krug (98) nur würdige Vertreter des Gambrinus. Natürlich waren alle Aktiven in Couleur und die Herren Pauker äugten nicht schlecht, als sie die Präsiden in solch schneidigem Wichs erblickten." Mit der Unterstützung der Kapelle Zimmermann feierten 19 AHAH, 13 Gäste und die Aktivitas.

Das 27. Stiftungsfest im "Alten Schießhaus" auf dem Anger war wieder ein voller Erfolg. "Dr. Grube-Einwald dankte im Namen des Lehrerkollegiums für die Einladung und rieb mit seinen Amtsbrüdern auf das Gedeihen der Ernestina einen Salamander."

Als Stammlokal wählte man im SS 07 die "Finkenau". 17 Aktive weilten so jeden Samstag zu löblichem Tun in dem kühlen Garten. Die Statuten wurden den neuen Forderungen angepaßt. Es entwickelte sich ein sehr enges Verhältnis zur Casimiriana. Zu Himmelfahrt "konnte man sich etwas bisher Niedagewesenes leisten, nämlich eine zweitägige Leiterwagenfahrt nach Römhild!" Bei Gluthitze fuhr die Corona mit den AHAH von Coburg los, aber in Neuses "mußte das Horn schon seine erste Füllung erdulden." Der Durst und der Staub zwangen zur öfteren Einkehr in den vielen Gasthöfen entlang der Straße. Nach einer Irrfahrt kam man hungrig und müde gegen 20 Uhr im schönen Städtchen Römhild an. Einige Gäste besuchten die um 21 Uhr beginnende Kneipe, die so lustig war, daß sie erst mit Polizeigewalt gegen 3 Uhr geschlossen werden konnte. Trotzdem war man früh wieder munter und bestieg die Steinsburg. Am Nachmittag wackelte der Leiterwagen mit begeisterten Ernestinern zum Abendschoppen nach Rodach. Frisch gestärkt zogen die Rösser die fidelen Aktiven nach Coburg zurück. In der "Fischerei" wurde diese erste Römhildfahrt unter den Tisch getrunken.

Als im WS 06/07 das Tragen von Bierzipfeln in der Öffentlichkeit von der Schule nicht erlaubt wurde, trug man "eben" Ansteckwappen auf dem Rockaufschlag. - Da zum 28. Stiftungsfest der Chef der Aktivitas verboten hatte, eine Kapelle zu engagieren, so übernahm dies die Altherrenschaft.

Da der Weg zur "Finkenau" nicht immer leicht zu überwinden war, beschloß man im SS 08 das Stammlokal nach Ketschendorf zu "Ehrlicher" zu verlegen. Um die Keilarbeit zu intensivieren, mußten alle Aktive viele Lieder auswendig lernen, um auf den Schulausflügen den Klassenkameraden zu imponieren. - Die schulische Genehmigung der Ernestina wirkte sich in der Folgezeit in denkbar erfreulichster Weise auf das Gedeihen der Verbindung aus. Der stets als lästig empfundene, aber notwendig gewesene Lokalwechsel fiel jetzt fort; Kovente und Kneipen fanden von nun am im WS bei "Bonengel" statt, während in SS die Ehrlichersche Gastwirtschaft in Ketschendorf die Verbindung aufnahm. Hier und dort erhielten die Kneipzimmer einen entsprechenden Schmuck und sowohl die in Coburg ansässigen als die vorübergehend sich in Coburg aufhalten AHAH wußten stets, wo sie die Aktivitas zu suchen hatten. Die Festkneipen der Ernestina am Stiftungsfest, am Sedanstag und zu Weihnachten sowie an Kaisers Geburtstag vereinigten stets eine große Zahl von AHAH mit den Aktiven und trugen wesentlich dazu bei, die Beziehung zwischen der Altherrenschaft und der Aktivitas in wachsendem Maße inniger zu gestalten. Häufig konnte die Aktivitas jetzt auch Vertreter des Lehrerkollegiums in ihrem Kreise begrüßen, ein Zeichen guten Einvernehmens zwischen Ernestina und Ernestinum.

Am Himmelfahrtstag zogen 24 Aktive zur zweiten Römhildfahrt "in den Himmel, in die Gefilde der Seligkeiten." " Unter geistreichen" Gesprächen und fröhlichen Liedern erreichte man nach zwei Stunden Rodach. Nach einem kleinen Aufenthalt in Streufdorf rollte die ausgelassene Corona gegen 20 Uhr in Römhild ein. Zur Kneipe erschienen leider wenige Gäste, aber "ein starkes Orchester ließ mit der ganzen Wucht seiner Instrumente die Kneiplieder ertönen." Am nächsten Morgen ging es zum Kleinen Gleichberg und zum Frühschoppen ins "Waldhaus". "Wir fühlten uns auf dieser laubumkränzten Höhe wie Götter auf dem Olymp." Zum Mittagessen zog man mit dem lauten Orchester nach Römhild zurück. Gegen Abend rollte das Gefährt mit der Götterschar in die heimischen Gefilde.

Leider brachte das WS 08/09 vielleicht einen schmerzlichen Verlust für das Archiv des AHV, denn "altes Inventar" wurde auf dem Hofe bei "Bonengel" verbrannt. - Der Kneipbetrieb lief nun ungestört und hatte viele Gäste, besonders die Casimiriana. Da am 09.03.1909 Oberschulrat Dr. Riemann plötzlich verstarb, wurde bis Semesterschluß offizielle Trauer angeordnet und keine Kneipe abgehalten.

Als man erst im SS 09 das 29. Stiftungsfest feierte, meldet die Chronik: "Vor allem erfreute uns Herr Oberlehrer Dr. Bähr von Caschpar (98) durch sein Erscheinen. Ins erste Präsidium genommen, verlangte er einen Bierquatsch 'Über die Magister'."

"Es war ein Mittwoch, hell und klar" als die Aktivitas zur dritten Römhildfahrt aufbrach. Nach anstrengender Wagenfahrt gelangte die Corona bei dieser Stimmung in Rodach zum "Auftanken" an. Mit Entzücken betrachtete man den Straufhain und die Gleichberge auf der weiteren Fahrt. Mit Gesang zog die Ernestinerschar in Römhild ein, um nach der Quartiersuche im "Schulhaus" sich zum Kommers einzufinden. Diesmal waren honorige Gäste erschienen, darunter der Apotheker Kade. Die Stadtkapelle "strapazierte die Trommelfelle und das Harmoniegefühl" der Corona. "Um so besseres leistete die Kapelle aber im Essen, Rauchen und Trinken." Herr Kade brachte eigene Gedichte im Römhilder Dialekt zum Vortrag. So erlebten die 23 Aktiven in honoriger Umgebung bis um 3 Uhr eine urfidele Kneipe. Dennoch begann am Morgen um 9 Uhr ein "direkter Sturmlauf quer durchs Gelände" zum Gipfel des Kleinen Gleichbergs. Erschöpft und schweißgebadet wurde das Siegesbanner, ein "pitschnasser Gesichtserkertrockenlappen", gehißt. Auf zivilisierten Wegen wurde der Abstieg zum "Waldhaus" vollzogen. Auch hier fand sich eine Kapelle vor, "die in bezug auf falsche Töne der Kapelle vom vorangehenden Abend nichts nachgab." In ausgelassener Stimmung fuhr die Corona nach Rodach zurück, wo noch eine "Kunstpause" eingelegt wurde, die solche Strapazen mit sich brachte, daß die ganze Schar schlafend in Coburg ankam. In der "Fischerei" "warfen sich die Unsoliden dem Alkohol noch mehr in die Arme."

Auf der Sedankneipe mit acht Mann Stadtkapelle in Ketschendorf wurden Prof. Dr. Wilhelm und die Casimiriana begeistert begrüßt. Sogar ein Theaterstück "Monsieur Hercules" wurde aufgeführt. Ein halber Liter Bier kostete zehn Pfennige. An diesem Abend regte AH Beyersdorfer (03) die Gründung eines AHV an.

Das WS 09/10 sah mit 23 Aktiven regen Kneipbetrieb. Von der Weihnachtskneipe wurde berichtet: "So zahlreich wie noch nie zuvor waren die Herren Lehrer des Pennals vertreten, an ihrer Spitze Herr Direktor Amhof (77), Dr. Bähr (98), Dr. Wilhelm, Günzel, Pechtold, Löck." Der älteste AH war Altenstädter (82). - Und wieder meldet die Chronik von "Verbrennungen von alten Utensilien."

Viel Unfug stiftete die Lumpenkneipe: "Am Sonntag glänzten die Spitzen des Gitters am Prinz-Albert-Denkmal im schönsten Hellbraun. Der hochwohllöbliche Magistrat unserer Stadt geruhte nach einigen Tagen das Gitter wieder schwarz überstreichen zu lassen."

Am 18.03.10 wurde in der "Fischerei" der AHV gegründet. Dieses wichtige Werk hatte AH Heinrich Munz (93) aus Leipzig vollbracht.

Das 30. Stiftungsfest brachte über 100 Teilnehmer zusammen. Dr. Grube-Einwald, Dr. Wilhelm, Dr. Daniel vetraten das Ernestinum. Der Bierverbrauch stieg auf 250 Liter und die Cuprumkasse brachte 40 Mark.

Ein turbulentes SS 10 bescherte den 23 Aktiven viel Aufregung. Beide Coburger Zeitungen berichteten von nächtlicher Ruhestörung mit Zerschlagen von Laternen, die sich anschließend nach einem "Saufgelage" in Ketschendorf zugetragen habe. Die Täter fielen der Polizei in die Hände. Untersuchung bei der Polizei und dem Direktorat ergaben als Täter: Ein Fuchs (sieben Tage aktiv) und ein Gast. "Der Fuchs wurde ausgeschlossen. Somit war die Ernestina wieder einmal herausgehalten." - Um bessere Disziplin für den Heimweg zu garantieren, beschloß der BC für Unfug nach Kneipen eine Strafe in Höhe des Wertes von 30 bis 50 Flaschen Bier zu bestimmen. - Ein Exbummel nach Altenhof brachte der Kasse die Ebbe! Füchse zogen einen Wagen, auf dem die Burschen saßen, im Dauerlauf durchs Dorf. An einer scharfen Kurve erfolgte ein Zusammenstoß mit eine Radler, dessen Rad "unter die Räder" kam. Dem armen Schulmeisterlein aus Tambach mußte der Kassier ein neues Rad bezahlen.

Gleich mit zwei Wagen zog die Aktivitas am Himmelfahrtstag nach Römhild. Die Kneipe, diesmal ohne Musik, sah viele Gäste, darunter wieder Herrn Apotheker Kade, der später als alter Corpsstudent die Kneipe im 1. Präsidium vorzüglich leitete. Erst um 4 Uhr wurde die Kneipe unter den Tisch getrunken. Am Morgen marschierte die Corona unter Vorantritt der Chargierten in Wichs vor die Stadt, wo sie von der Römhilder Stadtkapelle empfangen und zum "Waldhaus" geleitet wurde. Ein fröhlicher Weinschoppen mit Gästen und Damen brachte bei Tanzmusik recht viel Freude. Nach dem Essen zog man mit den Gästen nach Milz, wo nochmals getanzt wurde. Dann trugen die zwei Wagen die hungrig gewordenen Ernestiner nach Rodach zum Abendessen. Störungsfrei kam man wieder in Coburg an.

Im WS 10/11 hatten 21 Aktive regen Kontakt mit der Casimiriana. Auf der Sedankneipe mit acht Mann Stadtkapelle wurde sogar ein Theaterstück aufgeführt. - Zur Weihnachtskneipe, an der Dr. Wilhelm teilnahm, waren die Casimiriana und die Georgiana- Hildburghausen liebe Gäste. - Das Semester schloß mit dem 31. Stiftungsfest auf der "Kapelle" in Anwesenheit von drei Lehrern und der Casimiriana.

Das SS 11 sah das übliche Bild einer gesunden Aktivitas. - Wieder zog die Aktivitas zur Römhildfahrt los. Bei strömendem Regen stieg in Rodach auf dem Brunnen zum ersten Male das Flamberglied. Obwohl auf der Weiterfahrt die Gleichberge in den Wolken verschwanden, stieg die Stimmung. Wieder erschien Kade mit prominenten Gästen zur Kneipe und übernahm in der ersten Fidulität das Präsidium. Da man nicht nur innen, sondern auch noch außen sehr naß war, wurde die Kneipe um 2 Uhr unter den Tisch getrunken. Am anderen Morgen marschierte die Corona bei strömendem Regen, die Chargierten in Wichs, zum "Waldhaus" zum Weinfrühschoppen. Da die Stadtkapelle wieder so "harmonisch" spielte, "entrissen die Füchse den Musikanten die Instrumente und brachten den Römhildern einen Begrff von Musik bei." Nach einer langen Kaffeepause in Rodach rollte die Corona zur Musenstadt zurück.

Auf der Sedankneipe war wieder Dr. Wilhelm Gast. Neben der Casimiriana wurde zum ersten Male die Neapolitania-Neustadt begrüßt.

Da im WS 11/12 die Aktivitas so gefestigt war, wurde beschlossen, von nun an keine Unter- und Oberprimaner mehr als Keilgäste einzuladen. - Nach der Kaiserkneipe fand noch das 32. Stiftungsfest im "Alten Schießhaus" auf dem Anger statt. Neben der Casimiriana war auch wieder die Neapolitania als Gast anwesend.

Höhepunkt im SS 12 war für die 16 Aktiven die sechste Römhildfahrt. Mit zwei Leiterwagen fuhr man, wie üblich, am Tage vor Himmelfahrt nach Rodach. Zumersten Male hatte die Aktivitas eine eigene, sechsköpfige Kapelle engagiert. In Rodach munterte das Flamberglied die Einwohner auf. Nach dem feierlichen Einzug in Römhild folgte dann die Kneipe, die eine erdrückende Zahl von Gästen brachte, voran wieder Apotheker Kade. Durch die eigene Kapelle war eine bessere Kneipdisziplin gegeben. Mit Marschmusik wallfahrte die Corona am nächsten Morgen mit Damen um "Waldhaus". Bei Wein und Tanz verging der Vormittag schnell. Als man wieder auf seinem Wagen saß, begann es munter zu regnen. Nach einer ausgiebigen Kaffeeschlacht in Rodach rollte die Ernestinerschar in die heimischen Gefilde.

Das WS 12/13 brachte die üblichen Kneipen, von denen nichts Aufregendes zu berichten ist.

Der Jahrgang 13/14 war sehr spärlich in den Berichten der Chronik. So wird die siebte Römhildfahrt nur mit wenigen Zeilen beschrieben. Die 17 Aktiven haben recht und schlecht sich "tadellos" verhalten und somit keinen Anlaß gegeben, markante Punkte in der Chronik zu hinterlassen.

Das SS 14 begann für 22 Aktive in ruhigen Bahnen. Zur achten Römhildfahrt hatte der AHV 100 Mark spendiert. Nach dem Flamberglied in Rodach zog man nach Römhild. Die Festkneipe war in diesem Jahr spärlich besucht, aber Kade war wieder dabei. Nach dem Frühschoppen auf dem "Waldhaus" zog die Corona zur letzte Einkehr nach Rodach. Nach Einbruch der Dunkelheit landete man wieder in Coburg.

Fröhlich war man in die Sommerferien gezogen,da brach vor Beendigung der Ferien am 2. August 1914 der Krieg aus! Jedes persönliche Interesse schwand. Die Burschen machten ihr Abitur und meldeten sich zum Heereseintritt. Die Füchse wollten nicht nachstehen, bis auf drei folgten auch sie dem Rufe zu den Waffen. "Möge aus dem Blute ein herrlicher Friede aufgehen", so schrieb Chronist Erich R euß (xx) am 14. Januar 1915.

So eilten 13 Aktive sofort zu den Waffen. Die Ernestina supendierte ihre Aktivitas.

Von der Wiedereröffnung 1916 bis zur Suspendierung 1935

Zu Beginn des SS 16 veranstalteten zehn AHAH, zum Teil als Fronturlauber, eine Keilkneipe bei "Bonengel". Die Unterprimaner Otto Nuglisch und Fritz Wirsing traten sofort der Ernestina bei. Die 1. Charge übernahm Oberlehrer Dr. Hermann Grube-Einwald (02), das Fuchsmajorat Dr. Franz Carl (12), hingegen entfiel die 2. Charge. Diese AHAH begannen mit viel Erfolg in kurze Zeit eine achtköpfige Fuchsencorona aufzubauen. Die Füchse leisteten noch nebenbei Dienst bei der Feuerwehr. So konnten nur kleine Kneipen und Fuchsenbummel stattfinden. Der Chronist schildert ein tragisches Ereignis: "Bei einer Nachmittagskneipe in der 'Finkenau' erschien Oberlehrer Dr. 'Kotz' auf der Bildfläche, um sich in ein Glas Milch zu vertiefen. Von uns aufgefordert, nahm er an der Kneiptafel Platz, wobei er eine mächtige Bierrede hielt, worin er betonte, daß er nicht zu den Arschpaukern gehöre." Fünf Tage später wurde die Corona von der Finkenau zum stellvertretenden Chef, Hofrat Dr. Wilhelm zitiert. "Wegen ungebührlichen Betragens in der 'Finkenau' habe die Lehrerkonferenz eine Suspendierung der Ernestina bis Michaelis ausgesprochen. Ohne uns zu Worte kommen zu lassen, wurden mit dem Kommando 'Links um' zur Türe hinausgeworfen." Trotzdem stieg an diesem Abend eine Kneipe, auf der Oberlehrer Dr. Grube Einwald (x) einen Verachtungsschluck auf seinen Kollegen Kotz trank. Trotz Verbot wurden noch zwei Kneipen abgehalten.

Durch erneute Einberufung zur Wehrmacht konnten nur noch fünf Aktive das WS 16/17 eröffnen. Zur Casimiriana besteht weiterhin guter Kontakt. An Stelle der Kneipen finden Kartabende bis zur Polizeistunde um 22 Uhr statt. Die Weihnachtsfeier kann noch steigen. Da nun auch der Chronist eingezogen wird, finden wir nur noch spärliche Einträge in der Chronik.

Zwölf Aktive erleben im SS 17 nur noch Kneipen auf den Dörfern. Als durch die Einberufung im WS 17/18 nur noch sechs Aktive zurückbleiben, hält man die Kneipen im "Erbprinzen" in der Johannisgasse ab.

Nur noch drei Burschen bauen im SS 18 wieder eine Fuchsencorona mit 16 Mann auf. Auf der Abschlußkneipe sitzen drei Lehrer des Ernestinums als AHAH im Präsidium. Bei einem Bierjungen sekundieren Oberlehrer Woldemar Fuchs (01) und Oberlehrer Köhler (07).

"Das bis zur Verdünnung verdünnte Kriegsbier hatte im WS 18/19 Einfluß auf die Geister der Aktivitas. Dennoch wuchs die Aktivitas auf 28 Mann an." Die Kneipen mußten immer vor 23 Uhr geschlossen werden. Enge Beziehungen zur Casimiriana werden weiter gepflogen. - Das erste Tänzchen nach dem Kriege steigt zu Weihnachten auf der Rosenau. Allmählich kommt wieder Ordnung in das Aktivenleben. Die erste Lumpenkneipe steigt und das 39. Stiftungsfest wird wieder in der "Goldenen Traube" gefeiert.

Im SS 19 zeigt die Aktivitas 36 Bundesbrüder. - Der Beschluß, daß von jetzt an Unterprimaner die Fuchsenfarben und die Oberprimaner die Burschenfarben an der öffentlichen Schülermütze tragen sollen, wird vom Direktorat genehmigt. Die Einrichtung der Verkehrsgäste kommt endlich zum Fortfall, da diese "Gäste" sich zuviel angemaßt hatten. Kneipen werden dort abgehalten, wo man gutes Bier (bayerische Dörfer, z.B. Eicha) oder gutes, markenfreies Essen bekam. In Eicha mußten z.B. alle Kneipteilnehmer Kartoffeln mitbringen, um diese zum Quark der Wirtin zu verspeisen.

Das WS 19/20 sieht wieder einen regen Besuch der AHAH auf den Kneipen der Aktivitas, das zumeist bei "Görauch" in der Ketschengasse abgehalten wurden. - Das 40. Stiftungsfest, eingeleitet mit einem Tanzkränzchen in Ahorn, stieg auf der "Kapelle" in Anwesenheit von 30 AHAH und vielen Gästen.

(Leider ist die Chronik von 1920-1924 verschollen. Wir können uns nur an die Aufzeichnungen von AH Arno Lerch von 1930 halten).

Die im Kriege heruntergekommenen Bierverhältnisse besserten sich allmählich und mit höchster Freude meldet der Chronist von der Semesterantrittskneipe des WS 20/21, daß zum ersten Male nach dem Kriege achtprozentiges zum Ausschank gelangte.

Im SS 21 konnte wieder die Römhildfahrt (9.) in gewohnter Weise vollendet werden. Wir lassen hier noch eine kurze Schilderung aus der Mitte der 20er Jahre folgen:
"Am Mittwoch vor Himmelfahrt traf sich die Aktivitas, angetan mit dunklen Anzügen (welch eine Folter an heißen Tagen), bestieg die Laderampe eines mit frischem Grün geschmückten Lkw und ab ging die Fahrt in Richtung Rodach. Auf dem dortigen Marktplatz steig das Flammberglied, wobei der jüngste Fuchs ein großes Holzschwert mit flammenähnlich gewellter Klinge zu schwingen hatte, die diesjährige Römhildfahrt wurde angetrunken. Mit gefülltem Horn brauste die Schar gen die Gleichberge und artistische Körperbeherrschung bewiesen alle Teilnehmer beim Umtrunk während der Fahrt, denn bei der Füllung soll es nicht geblieben sein. Wie die Wirkung auf den Gleichgewichtssinn war, verrät keine Chronik. Vorbei an der Ruine Straufhain führte der Weg ins Städtchen, wo Apotheker Kade seine Schäfchen in Empfang nahm, die Quartiere verteilte und zum Abendessen aufforderte. Höhepunkt dieses Tages: Der große Festkommers im Saal des Schützenhauses unter Teilnahme der Honoratioren der Stadt und kritisch-freundlicher Bewunderung durch die holde Weiblichkeit, die hoch vom Balkon die Ereignisse verfolgte. Vorangegangen war ein Fackelzug, angeführt von den Chargen hoch zu Roß (keine Schlachtrösser, sondern brave Ackergäule mit meterbreitem Kreuz) und begleitet vom klingenden Spiel der Stadtkapelle.
Über die Begebenheiten während der Nacht, die sich als Folge des fleißig genossenen Gerstensaftes ergaben, schweigt des Chronisten Höflichkeit noch immer. Es bleibt nur zu hoffen, daß vielleicht doch noch einiges ans Licht des Tages kommt. Der Frühschoppen auf dem Marktplatz; ein Nachmittagsausflug zum Waldhaus (wunderbar zwischen den Gleichbergen gelegen) mit Damen natürlich und die Besichtigung der Steinsburg unter sachkundiger Führung von Apotheker Kade bildete das Programm des Himmelfahrtstages. Wie die Heimfahrt vonstatten ging, können wir uns heute lebhaft vorstellen und braucht deswegen hier nicht ausgemalt zu werden. Das also war Römhild, ein Begriff in den Jahren 1907 bis 1934, mit einer Unterbrechung durch Krieg und Inflation von 1914 bis 1921."

Nicht weniger als 17 BC und AC fanden in diesem bewegten Semester statt. Sie beschäftigten sich einerseits mit dem Verhältnis der Ernestina zu einer anderen unerlaubten Verbindung der Anstalt, andererseits mit dem Verlangen der Lehrerkonferenz nach Abänderung der Statuten.

Die in den Jahren 1922 und 1923 immer mehr sich bemerkbar machende Geldentwertung wirkte sich naturgemäß auf den Betrieb in der Verbindung aus. Die Zahl der Aktiven schwankte zwischen 22 und 28.

Einen Höhepunkt brachte das SS 23 mit der 75-Jahr-Feier des Ernestinums. Der AHV hatte zu einem Begrüßungsabend auf der "Kapelle" eingeladen. In Scharen waren die Bundesbrüder von nah und fern herbeigeeilt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Übergabe der Ehrentafel an die Aktivitas durch den 1. Vorsitzenden des AHV, Reichenbach (99). Ein von AH ürgermeister Altenstädter (82) besonders zu dieser Feier verfaßtes Lied " Unseren Helden" bildete den würdigen Abschluß dieser erhebenden Feier. Zum Abschluß der Schulveranstaltungen trafen sich die Ernestiner mit Damen auf der Rosenau und abend beim Tanz in Oeslau.

Mit Beginn des WS 23/24 zog die Aktivitas ins "Goldene Kreuz" in der Herrngasse, um jedoch schon im nächsten Semester in die seit alters her beliebte "Fischerei" überzusiedeln.

Im SS 24 stifteten ehemalige Schüler zum 76. Stiftungsfest des Ernestinums eine Fahne. Die Übergabe erfolgte durch AH Prof. Albin Weißbrod (06) an die drei Fahnenträger, die zugleich die drei Chargierten der Ernestina waren. (Die Ernestina trug bei jedem Schulfestzug diese Fahne). Die Festrede im "Coburger Hofbräu" hielt AH Bürgermeister Altenstädter (82).

"Begeistert sind wir auf unsere beiden Leiterwagen gestiegen, begeistert haben wir in Rodach unser Flamberglied gesungen, begeistert sind wir zum elften Male in Römhild eingezogen! Es war eine Himmelfahrt für uns!" schreibt der Chronist im SS 25. Die Römhilder überboten sich an Gastfreundschaft. Die Kneipe war ein rauschendes Fest, das sich am Frühschoppen am nächsten Tage nochmals steigerte. Unter den Klängen der "disharmonischen" Stadtkapelle marschierte die Festcorona zum "Mittagsschmaus". Nach einem ausgedehnten Tänzchen im "Waldhaus" zogen die beladenen Wagen gegen Abend nach Rodach, um erst gegen Mitternacht in Coburgs Mauern zu landen. Im WS 25/26 konnte wieder der "Bonengel" bezogen werden. Hier fühlte man sich wirklich heimisch, hier fand auch die Ehrentafel einen würdigen Platz. An den Wänden hingen die Jahrgangsbilder aller Jahrgänge ab 1871. - 27 Aktive waren Gast beim Weihnachtsball des AHV im "Gesellschaftshaus". - Diesmal brachte die Lumpenkneipe einen Stadtumzug.

Das SS 26 wurde wieder turbulent. 25 Aktive waren, trotz schlechten Bieres, dem Alkohol mehr zugetan, als ihre Geldbeutel es verkraften konnten. Schwierig wurde das Eintreiben der Bierschulden. Als die diktatorischen Burschen eine Kneipe auf den Tanzstundenabschlußball der Füchse legten, kam es zur ersten Fuchsenrevolution in der Geschichte der Ernestina. Durch die Hilfe des Anstaltsleiters Dr. Bähr und des AHV-Vorsitzenden Prof. Weißbrod konnte diese Machtprobe überwunden werden. - Das 46. Stiftungsfest fand, wie üblich, wieder auf der "Kapelle" statt.

Zur 12. Römhildfahrt bestieg die Corona zum ersten Mal ein Lastauto. In sausender Fahrt ging es über Rodach nach Römhild. Bei 37 Freiquartieren konnten auch die teilnehmenden AHAH gut untergebracht werden. Die "Sphärenklänge" der Stadtkapelle verschönten schon den Abendschoppen. Um 21 Uhr begann der Fackelzug, die Chargierten und AH Lerch auf hohem Roß. Als Reichel x seine Festrede auf dem Marktplatze mit einem donnerndem "Hoch" auf Römhild schloß, gingen sogar die Pferde hoch. Auf dem Kommers erhielt dann Apotheker Kade das erste Ehrenband der Ernestina überreicht. Da die Kneipe wieder sehr spät schloß, wurde der Frühschoppen erst um 11 Uhr angesetzt, der etwas unter Regen litt. Es formierte sich nun ein Festzug, Chargierte und AH Lerch wieder hoch zu Roß, der zum Marktplatz ging, wo AH Lerch den Dank an die Römhilder Bürger nochmals aussprach. Nach dem Mittagessen fuhr alles (noch viele AHAH waren mit ihren Gattinen nachgekommen) zum "Waldhaus", um dort bei Tanz und Wein bis abends fröhliches Beisammensein zu feiern. Die Heimfahrt in der Nacht brachte die sehr müde gewordene Corona direkt ohne Aufenthalt zum "Bonengel", wo man sich mit Heringen und Gurken wieder auffrischte.

Auf der Sedankneipe erschien zum ersten Male die Ernesto-Albertina, die von nun an gern gesehener Gast war. Zum ersten Male fand nach einer Kneipe eine "Mensur" zwischen Chargen im Kneiplokal statt, die zum mitternächtlichen Besuch einer Apotheke zwang. Das Semester war eben doch zu turbulent.

Auch das SS 27 begann wieder ebenso turbulent. Bei einem Frühschoppen nach dem Schulgottesdienst saß die Corona im Garten bei "Bonengel", als ein Wirtshausgast am Tische erschien und sich als "König von Bulgarien" ausgab. Da er ihm so täuschend ähnelte, wurde er als "Monarch" gefeiert. Alles war an sich harmlos. Über dieses Vorkommnis wurde in einem Pamphlet gegen die Ernestina im "Volksblatt" berichtet (Verfasser: ein aus der Ernestina ausgeschlossener Fuchs). Daraufhin bekamen alle Teilnehmer eine Stunde Rektoratsarrest und Herbert Wacker x sogar zwei Stunden. Die Ernestina wurde seitens der Schule bis zum Herbst suspendiert. So wurden eben alle Veranstaltungen wieder auf die Dörfer verlegt.

Im WS 27/28 lief der wieder erlaubte Kneipbetrieb im üblichen Rahmen. - Zum 80. Geburtstag Hindenburgs wurde ein großer Kommers gehalten und dem Heerführer ein Telegramm übersandt. - Auf den Kneipen waren immer wieder die Casimiriana, die Ernesto-Albertina und oft die OR-Bamberg als Gäste. - Am Weihnachtsball des AHV im "Gesellschaftshaus" nahm die Aktivitas bis 4 Uhr teil.

Das SS 28 wurde mit 40 Aktiven begonnen. Auf den Kneipen konnten immer wieder die Lehrer, die Casimiriana, die Ernesto-Abertina, die Abituria Bamberg und die OR-Bamberg begrüßt werden. - Lobenswerte Beschlüsse des BC sind festzuhalten: Zur Burschenprüfung mußte jeder schwimmen können. Wer schlechte Leistungen in der Schule zeigt, konnte an keinem Tanz teilnehmen. - Zum 80. Stuftungsfest der Schule durfte zum ersten Male in der Öffentlichkeit Couleur getragen werden.

Mit einem Lastauto zogen die Aktiven zur 13. Römhildfahrt nach Rodach. Nach dem üblichen Flamberglied "raste" man nach Römhild. Nach dem herrlichen Fackelzug, diesmal ohne Pferde, fand wie üblich ein Gedenken an die verstorbenen Bundesbrüder bei zusammengeworfenen Fackeln statt. Die Kneipe war für jedermann wieder ein großes Fest. Nach dem Frühschoppen zog die Corona mit der Kapelle zum Marktplatz, wo AH Lerch, der geeignetste Mann dafür, den Dank an die Bevölkerung aussprach. Nach einem Tänzchen im "Waldhaus" fuhr alles zum Abtrunk zum "Bonengel".

Im WS 28/29 war der Weihnachtsball des AHV im Gesellschaftshaus "das Ereignis in Coburg". - Das Semester schloß mit dem 49. Stiftungsfest auf der "Kapelle" unter Anwesenheit vieler Gäste.

Im SS 29 wurden endlich Biermarken eingeführt. Bisher hatte man die Bierschuld gemeinsam geteilt, deshalb gab es solch große "Schulden". Der Liter Bier kostete jetzt 60 Pfennige. - Die 36 Aktiven hatten immer wieder die befreundeten Verbindungen als Gäste bei sich.

Auf dem Rodacher Marktplatz wurde mit dem Flamberglied die 14. Römhildfahrt eröffnet. In Römhild fand vor der Kneipe ein Fakelzug und ein Totengedenken statt. Viele Römhilder Bürger hatten sich eingefunden. Auf dem Marktplatz verlebte die Aktivitas einen herrlichen Frühschoppen. Ein gemütlicher Aufenthalt im "Waldhaus" schloß sich an. Die von AH Kade gestiftete Stammtischfigur konnte nach Rückkehr am späten Abend bei "Bonengel" gleich eingeweiht werden. Im WS 29/30 wurden im großen Saal bei "Bonengel" die Sedankneipe festlich begangen. Das Ehrenband erhielten für ihr Eintreten für die Ernestina die Lehrer Dr. Walter Diesel und Karl Schwesinger. - Es gab auch Bundesbrüder, die "in Anbetracht ihrer Schuleistungen" ihre Charge niederlegten! Höhepunkt war wieder der Weihnachtsball im Gesellschaftshaus.

Der Gipfelpunkt des SS 30 war das 50.Stiftungsfest der Aktivitas zu Ostern. Zum Begrüßungsabend konnten die 18 Aktiven schon 80 AHAH begrüßen. Die Leitung des Kommerses war drei Burschenschaftern übertragen worden, die geeignet waren, diesen schweren Anforderungen gerecht zu werden. So hatte AH Friedel Götz (24) das 1., AH Kurt Schröder (27) das 2. und AH Ewald Gemmer (29) das 3. Präsidium inne. 250 AHAH waren neben den Gästen anwesend. Die Festrede hielt in alter Bravour AH Arno Lerch (13). Einen weiteren Höhepunkt des Abend bildete eine Bierparade beim ältesten Ernestiner AH Eugen Knauer (78). Das Fest klang mit einem Ball im "Gesellschaftshaus" aus.

Wieder wurde mit dem Flambergschwert die 15. Römhildfahrt in Rodach "angestoßen ". " Aus heller Begeisterung hatte man sich dann verfahren, aber man gelangte dennoch zeitig nach Römhild." Nach dem Dämmerschoppen führten die Chargierten, wieder hoch zu Roß, den Fackelzug an. Doch zuvor wurde der Fuchsmajor "zum Schrecken aller Passanten, denn wie ein Wilder raste er auf seinem Gaul durch alle Straßen." Der Fackelzug zum Marktplatz brachte die Rede des x an die Bevölkerung. Danach Totengedenken am "Schützenhaus". Der Kommers sah wieder neue Gesichter in den Reihen der "Stammgäste", die wieder begeistert mitfeierten. Nach dem Frühschoppen auf dem Marktplatz bildete sich ein Festzug mit Musik zum "Schützenhaus". Am Nachmittag fand zum ersten Male ein großer Ball im "Schützenhaus" statt. Auf der abendlichen Rückfahrt wurde nochmals in Beiersdorf ein Abtrunk "bewältigt". Eine Kneipe zur Rheinlandbefreiung brachte den Abschluß des ereignisreichen SS 30. - Vom WS 30/31 sei nur noch der Weihnachtsball des AHV zu nennen.

Auf den Kneipen des SS 31 konnten die 19 Aktiven immer wieder AH Dr. Diesel und Dr. Schmorl neben der Casimiriana und der Ernesto-Albertina begrüßen.

Nach einer Ehrenrunde um den Coburger Marktplatz gelangte die Ernestinerschar mit einem Schnellaster bald nach Rodach und zum 16. Male nach Römhild. Nach dem Dämmerschoppen machte man sich zum Fackelzug bereit. "Die Pferde kamen und unsere Chargierten beäugten erst einmal diese wilden Tiere, ehe sie sich auf den Sattel hinaufarbeiteten. Schellerer xx, ein schneidiger Renner, wurde nach kurzem Ritt vom Gaul heruntergedreht. Elstner xxx ging mit seinem Gaul, oder vielmehr der Gaul mit ihm durch die Latten, so daß nur Seifert x bei uns war. Jedoch, als wir an dem Platze, wo der Fackelzug seinen Anfang nehmen sollte, angekommen waren, waren zu unserem großen Erstaunen die drei Gäule auch da: sie kannten scheinbar den Platz noch vom letzten Jahr her." Nach der üblichen Abendfeier für die Toten, stieg die Kneipe. Der Festcorona brachte diesmal die Kapelle "mit außerordentlicher Feinfühligkeit" mehrmals ihren "Dichter und Bauer" zu Gehör. Der übliche Kaffee, den Kade immer stiftete, beendete das große Fest. Aber nach dem Frühschoppen zwang ein gewaltiger Gewittersturm alles zum Mittagessen. Als die Sonne wieder schien, zogen die Streitrosse mit den Chargierten vor dem "musikalischen" Festzug zum "Waldhaus". Gegen Abend wurde zum Abtrunk mit Käse nach Beiersdorf gestartet.

Im Juni zog die Aktivitas des besseren Bieres und Wirtes wegen ins quot;Münchener Hofbräu" (Johannisgasse).

Im WS 31/32 fand unter Leitung der Casimiriana eine gemeinsamen Sedankneipe in Cortendorf statt. Die Georgiana-Hildburghausen war zum ersten Male als Gast erschienen. - Den letzten Höhepunkt bildet der Weihnachtsball des AHV.

Mit dem SS 32 begannen zwei ruhige Jahre. Nach Eröffnung der 17. Römhildfahrt in Rodach fuhr die Corona über Streufdorf nach Römhild. Aus Geldgründen mußte auf eine Kapelle und auf den Fackelzug verzichtet werden. Somit war die Kneipe, trotz vieler Gäste, sittsam und endete mit dem "Kade-Kaffee". Nach dem Frühschoppen in der "Quelle" fand im "Schützenhaus" bis zur Abfahrt ein gemütliches Beisammensein statt. Mit dem Abtrunk in Beiersdorf schloß die ruhige Fahrt.

Die 15 Aktiven sahen eine Sedankneipe ohne Casimiriana. - Der Weihnachtsball im "Gesellschaftshaus" war der Höhepunkt im WS 32/33. Die ersten Anzeichen einer inneren Unruhe waren zu bemerken.

Nachdem 15 Aktive in Cortendorf einen Ostertanz auf die Beine stellten und einige Kneipen feierten, beschloß man die Römhildfahrt ausfallen zu lassen. So lief das SS 33 recht müde aus.

Im WS 33/34 finden wir in der Chronik den lapidaren Satz: "Von nun an (22.9). fallen alle Veranstaltungen aus, weil niemand erscheint!"

Nachdem nun der AHV sich "gleichgeschaltet" und Dr. Adalbert Heim v. Adam (21) die Führung übernommen hatte, wurde die Leitung der Aktivitas AH Dr. Hermann Zang (23) am 13.1.34 übertragen. Es gelang ihm wieder vorübergehend Ordnung in die Aktivitas zu bringen.

So begann das SS 34 mit 16 Aktiven. Doch schreibt der Chronist: "Mögen größere Zeiten wieder für die Ernestina anbrechen, Zeiten, wie sie einst waren." Die Burschen waren in kurzer Zeit vom "neuen Geist" beseelt und versuchten, alles Überkommene mit Füßen zu treten. " Die neuen Chargierten gaben dem alten Regime den Gnadenstoß." Unter diesen geistigen Voraussetzungen stieg die letzte, die 18. Römhildfahrt. Die Fahrt hatte der AHV finanziert. Mit Postomnibus rauschte die Corona nach Rodach zur Flambergfeier am Brunnen. Abends war in Römhild großer Fackelzug mit berittenen Chargierten. Die anschließende Kneipe stand schon ganz im "Umbruch". Nach dem Frühschoppen auf dem Marktplatz zog die Ernestinerschar ins "Waldhaus". In Beiersdorf "bewilligte Dr. Heim der Aktivitas eine Maß Bier, da er mit dem schneidigen Auftreten restlos zufrieden war." Zum letzten Male verspürte man noch Reste des alten Ernestinergeistes, denn mehrere AHAH verhinderten eine Entgleisung.

Das SS 35 bringt unter Oskar Volk x vorübergehend wieder Ordnung in den Aktivenbetrieb. Hoffnungsvoll feiert der AHV Ostern sein 25. Bestehen mit einem AHC und einer Festkneipe. Auch der Tanz in Oeslau scheint die Wogen wieder geglättet zu haben. Das Verhältnis zur Schule ist wieder gut. Auch ein Tänzchen in der "Rosenau" läßt das kommende Unheil noch nicht erahnen.

Da folgt der Beschluß des BC vom 22.11.1935: Auflösung mangels Nachwuchses wird einstimmig beschlossen. Das Inventar bekommt der AHV zu treuen Händen. Alle Aktiven treten dem AHV bei.

Zunächst blieb der AHV bestehen. Bei der "Gleichschaltung" übernahm Dr. Heim den Vorsitz. 1937 wurde auf dem AHC beschlossen, eine "Kameradschaftliche Vereinigung ehemaliger Abiturienten des Ernestinums" zu schaffen. Am 11.11.37 wurde diese ins Vereinsregister eingetragen. 1. Vorsitzender wurde nun Studien-Professor Fuchs, 2. Dr. Zang, Kassier Dipl.-Volkswirt H. Wacker.

Es blieben Stammtische und einige Tanzveranstaltungen. Der Krieg 1939 machte auch hier ein Ende.

 


 

Teil 3: Von der Wiedereröffnung 1949 bis zum 100. Stiftungsfest 1971
verfaßt von Franz Flessa


Wieder-Eröffnung 1949

Nachdem der AHV am 14.1.1949 zu neuem Leben erweckt war, kam bald der Wunsch auf, wieder eine Kneipe alten Stils zu feiern. So wurde am 28.5.1949 die ersten Kneipe bei "Schröck" (Hahnweg) gehalten. Erstmals seit 1935 wurden wieder die alten, vertrauten Lieder gesungen. 21 AHAH saßen in alter Bundesbrüderlichkeit an der lange vermißten Kneiptafel.

Diese Kneipe hatte solche Begeisterung ausgelöst, daß man am 18.6. die zweite Schröck-Kneipe folgen ließ. 56 Teilnehmer saßen nun an der Kneiptafel, an der Spitze Oberstudiendirektor Dr. Karl Schmorl, der schon 1930 zur Ernestina gefunden und ihr die Treue gehalten hatte. Deshalb erhielt Dr. Schmorl unter donnerndem Applaus das Ehrenband feierlich überreicht. Verheißungsvoller Höhepunkt war der Einsprung des ersten Nachkriegsfuchsen Rolf Bernhard, der vielleicht der Anfang einer erhofften Aktivitas werden konnte.

Die dritte Schröck-Kneipe am 8.7. brachte die erste Burschentaufe nach 1935. An der Spitze des Fuchsenrittes sah man AH Dr. Karl Schmorl, der mit den übrigen 31 Täuflingen durch AH Arno Lerch in unnachahmlicher Weise in den Burschenstand erhoben wurde.

Der Ernestina-Schrank, der seit 1935 auf dem Gang im Ernestinum stand, wurde mit großer Erwartung geholt. Man sah sich getäuscht, denn man fand nur von Motten zerfressene Reste von zwei blauen Pekeschen und die Lederteile der Chargencerevise. Da die Pekesche des Fuchsmajors aus Samt war, war sie noch "brauchbar". Wichtige Chroniken und Akten wurden mit 20 Prügeln vorgefunden.

Aufgrund des stürmischen Nachwuchses an Abiturienten, beschloß ein aoAHC im "Goldenen Stern" (Leopoldstraße) am 12.9.1949 wieder eine Aktivitas aufzubauen. Fünf AHAH erklärten sich trotz beruflicher Belastung bereit, als Reaktivierte die Leitung einer neuen Aktivitas zu übernehmen. Die Aufbauleitung lag in den Händen von:

Oskar Volk (34)       x
Rolf Werg (34) xx
Heinz Fratz (29) xxx
Herbert Wacker (26) Kassier
Arno Lerch (13) Chronist

Diese unermüdlichen Aktivisten eröffneten am 1. Oktober 1949 im "Halben Mond" (Steintor) die erste Aktivenkneipe nach 1935. 18 ehemalige Frontsoldaten, Studenten und Abiturienten sprangen als Füchse ein. Zwölf AHAH und neun Schüler füllten den engen Kneipraum. Der Chronist berichtet: "Es war ein wohlgelungener und verheißungsvoller Anfang für die kommenden Veranstaltungen der Aktivitas." Der Höhepunkt des Abends war das Bundeslied, das nun nach 14 Jahren auf einer Kneipe wieder in alter Frische erklang.

Auf der zweiten Kneipe konnten fünf Füchse geburscht werden. - Die Weihnachtskneipe bei "Schröck" sah 17 AHAH von der Casimiriana in drangvoller Enge mit der neuen Aktivitas vereint.

Der erste Tanz fand in der "Goldenen Traube" statt.

Nachdem nun der Schuljahresschluß im Juli lag, wurden die Semester neu eingeteilt: WS = September bis 1. Februar (Zeugnis), SS = Februar bis Juli (Zeugnis). Ab Januar 1950 übernahmen nun aktive Burschen die Chargen. 14 Füchse aus der Unterprima (= 8. Klasse) treten ein.

Am 19. März 1950 findet im "Halben Mond" die 70-Jahr-Feier seit Wiedereröffnung statt. - Zu Ostern steigt das erste Aktiventänzchen in Waldsachsen in der "Jägersruh". - Der Aktivitas gehören nun drei AHAH, 24 Burschen und 22 Füchse an. - Ein Ausflug mit dem Leiterwagen nach Banz dient als Ersatz für die Römhildfahrt. - Zum Stiftungsfest des Ernestinums tragen die Chargen die Fahne und die Aktivitas mit 18 AHAH nehmen in Vollcouleur am Festzug teil. Unter der tatkräftigen Förderung des Anstaltsleiters, unseres lieben AH Dr. Schmorl, geht es mit dem Leben der Aktivitas sprunghaft aufwärts. So kann der Chronist Lerch melden: "Unser Opfer an Zeit für die Aktivitas war nicht umsonst."

Das WS 50/51 bringt neue Pekeschen und damit ein farbigeres Bild an die Kneiptafel. - Da die Schüler des Casimirianums keine Verbindung haben dürfen, der Anstaltsleiter verbot dies, kommen sie auf die Ernestinakneipen und nehmen so teil am Frohsinn der Jugend.

Das SS 51 bringt immer wieder überfüllte Kneipen im "Halben Mond". Welch ein Geist herrschte, mögen die Worten des ersten aktiven Chronisten bezeugen: "Mancher von uns Jungen hat in der Ernestina Vorbilder und Kameraden gefunden, die ihm oft halfen über schwierige Dinge hinwegzukommen. So wurden wir wirklich Bundesbrüder! Wir wollen keinen Krieg mehr; wenn er aber nicht zu vermeiden ist, wissen wir: wo zwei Ernestiner zusammentreffen, werden sie gemäß ihrem Motto zusammenstehen! Abschließend gilt der Verbindung mein Wunsch, daß sie auch in Zukunft Idee und Gestaltung treuer Bundesbrüderlichkeit bleiben möge, so wie es bisher ihre vornehmste Aufgabe war."

Nach schweren Arbeitswochen in der Schule zog eine lustige Schar am 1. Juli 1951 mit dem Omnibus ins schöne Seßlach. Ein herrlicher, mit Birken geschmückter Marktplatz, lockte die durstige Meute zum erlabenden Frühschoppen. Der stellvertretende Vorsitzende des AHV, Herbert Wacker, wurde eigens für seine Festrede per Auto von seinem Sportkampf geholt. Ein Konzert trieb die Stimmung bald auf den Höhepunkt. Bürgermeister Kolb hieß die Gäste willkommen und forderte seine Bürger auf, sich doch auch an die Tische zu setzen. Langsam tauten die Seßlacher auf. Nach einem prächtigen Mahle folgte ein Stadtrundgang mit Besichtigung der Geyersburg. Am Nachmittag sah man viele AHAH mit ihren Gattinnen und das fröhliche Volk der Seßlacher. So war es kein Wunder, daß die Bevölkerung beim triumphalen Abmarsch die begeisterten Ernestiner bis zum Omnibus vor die Tore Seßlachs geleiteten.

Das WS 51/52 sah weiterhin überfüllte Kneipen im "Halben Mond". - Das erste größere Fest der Aktivitas bildete die Feier im "Löwen" (früher Bonengel) am 3. November 1951 zur 45jährigen Anerkennung durch die Schule. - Die Weihnachtskneipe stieg im "Halben Mond". - Der Tanz wurde in der "Goldenen Traube" recht festlich gestaltet.

Das SS 52 brachte etwas Neues: BC im Ernestinum im Klassenzimmer 11 mit Bier! "Es war sonst kein Lokal aufzutreiben!" - Die Schüler des Casimirianums sind weiterhin gern gesehene Gäste. - Das 72. Stiftungsfest wurde im "Löwen" gefeiert. Hier überreichte AH Franz Flessa der Aktivitas sein neuerstelltes Wappen nach dem Vorbild von 1885. - Zum Schulstiftungsfest wurde ein Kranz am Reiterdenkmal des Schulgründers Ernst II. niedergelegt.

Ein Maitanz im "Schützenhaus" bildete eine schöne Bereicherung des Aktivenbetriebs. - Den Höhepunkt brachte die zweite Seßlachfahrt im Juni. Mit einem Omnibus und einer Kapelle fuhr die lustige Schar vom Marktplatz ab. 50 Mann verstopften jeden freien Platz im Wagen. Dennoch zog man mit Pauken und Trompeten frisch in voller Wichs in Seßlach ein. Nach einem Dämmerschoppen "mit Freßpause" begann dann um 21 Uhr die Kneipe. Viele Seßlacher waren erschienen und garantierten für nötige Stimmung. Der neue Bürgermeister Franz begrüßte seine Gäste in launigen Worten. Es war ein ganz gelungenes Fest. Der ausgefallene Frühsport wurde dann durch einen strammen Frühschoppen ersetzt. Am Nachmittag war wieder im "Roten Ochsen" ein fröhlicher Tanz für ganz Seßlach angesetzt, der auch Coburger Damen an den geschmückten Tischen sah. Gegen 20 Uhr wurde diese köstliche Fahrt unter den Tisch getrunken.

Das WS 52/53 und das SS 53 brachte bei gleichbleibenden, ruhigen Veranstaltungen nur einen Höhepunkt, die dritte Seßlachfahrt. Wieder war die "Hauskapelle" Hacker dabei. Alles verlief nach Tradition. Zum Kommers begrüßte das Stadtoberhaupt seine Gäste und AH Dr. Heim, Seßlachs Männerwelt und, besonders erfreut, Abituria Bayreuth. Wieder schlugen die Wogen der Fröhlichkeit sehr hoch. Zum Frühschoppen brachte ein Bus aus Coburg die "Angetrauten, die Mütter und solche, die es noch werden wollten" zur lustigen Ernestinerschar. Ein Tanz am Nachmittag zog sich bis abends hin. Nach dem Abtrunk fuhr alles wieder nach Coburg zurück.

Das WS 53/54 sah auf den Kneipen zum ersten Male nach dem Kriege die "Ernesto-Albertina" und die" Absolvia Germania-Lichtenfels". - Der Kneipbetrieb lief nun in den gewohnten Bahnen. - Der Weihnachtstanz des AHV wurde zum ersten Male im Hotel "Excelsior" gehalten.

Im SS 54 erschien auf der Stiftungsfestkneipe am 20. März im "Münchner Hofbräu" AH Ernst Ponsel (21) aus französischer Kriegsgefangenschaft. - Der Ostertanz war im "Excelsior". - Im Juni brach die Ernestinerschar mit einem Bus zur vierten Seßlachfahrt auf. Die Aktivitas mußte sich eine neue Kapelle engagieren, die aber recht hinter den Wünschen zurückblieb. Auf dem Kommers konnte nur ein Seßlacher Bürger begrüßt werden: Bürgermeister Franz. Jedoch erschien gegen Mitternacht der Gesangverein und entschädigte die Corona durch einige schöne Volkslieder. Die Abituria Bayreuth hatte gleich zum Tanz ihre Damen mitgebracht. Nach dem Frühschoppen, der durch "Sonntagsfahrer" verschönert wurde, ging es in die Tanzveranstaltung des Nachmittags über. Bei brütender Hitze schwang man das Tanzbein und versuchte Kühlung durch das frische Bier zu finden. Nach dem Abtrunk am Abend rollte der Bus mit der müdegewordenen Corona zurück.

Nach einem kurzen Lokalwechsel zum "Maulaff" (Ecke Zinkenwehr/Böhmsgäßchen) im WS 54/55 eilte man dankbar zum "Halben Mond" zurück. Die Kneipen verliefen ohne größere Ereignisse.

Das SS 55 brachte sogar 19 Füchse. - Das 75. Stiftungsfest wurde Ostern recht groß gefeiert. Am ersten Tage fand in der kleinen Aula des Ernestinums eine Heldengedenkfeier statt. Anschließend wurden Kränze auf dem Friedhof an den Gräbern von Oberschulrat Dr. Riemann, Schulrat Amhof und am Grabe des Ehrenvorsitzenden Prof. Weißbrod niedergelegt. Später wurde am Ehrenmal auf dem Schloßplatz sowie auf dem Callenberg für Herzog Carl Eduard Kränze niedergelegt. Am Abend fand nach einem kurzen AHC im "Münchner Hofbräu" ein sehr fröhlicher Begrüßungsabend statt. Am zweiten Tage stieg im "Saalbau Bätz" (Kanonenweg; das Gebäude wurde abgerissen. Zwischenzeitlich befand sich an dieser Stelle eine Tankstelle bzw. ein Gebrauchtwarenhändler) ein beachtlicher Festkommers. Nach dem Chargeneinzug konnte der zweite Vorsitzende des AHV, Herbert Wacker, die drei Bürgermeister begrüßen sowie Vertreter des Bundesgrenzschutzes, des Landrates, des Waffenrings, Vertreter der Verbindungen Casimiriana, Ernesto-Albertina, Abituria Bamberg, Abituria Bayreuth, Absolvia Germania Lichtenfels und Rosenburgia Kronach. Der erste Vorsitzende des AHV, Dr. Heim, überreichte bei seiner Festrede 100-Semesterbänder an die anwesenden Uhlich (89), Schamberger (89), Dr. Bähr (98), Fuchs (01) und von Berg (07). Kapellmeister Karl Fichtner erhielt das Ehrenband. Nach der Festrede übermittelte Oberbürgermeister Dr. Walter Langer Grußworte der Stadt, während Oberstudienrat Dr. Eugen Geyrhalter die Glückwünsche des Ernestinums überbrachte. Viel Freude machte die gereimte Festrede von Dr. Friedrich von der Casimiriana. Das Fest klang am nächsten Tage mit einem Ball im Festungshof aus. Drangvolle Enge ließ dennoch eine ungeheure Fröhlichkeit aufkommen. - Die Aktivitas wollte für Seßlach einen besseren Ort finden, da dies aber nicht gelang, fiel diese Fahrt diesmal aus.

Die Veranstaltungen nach eingefahrenem Geleise laufen Semester für Semester im Gleichklang ab. Aus dem SS 56 sei ein Kuriosum berichtet: bei der 56. Stiftungsfestkneipe im "Münchner Hofbräu" saßen wie vor 25 Jahren im Jahre 1931 die damaligen drei Chargierten Dr. Otto Dehler, Hans Richter und Dr. Albert Elstner im Präsidium. - 23 Füchse hatte dieses Semester. - Aus Terminschwierigkeiten fiel die Seßlachfahrt wieder aus. - Jedoch zur 900-Jahr-Feier der Stadt nahm am 8. Juli 1956 die Aktivitas mit Fahne und Couleur am Festzug teil.

20 Burschen und 39 Füchse feierten am 3. November 1956 die Anerkennung durch die Schule vor 50 Jahren mit einer Festkneipe in der "Goldenen Traube". Viele Lehrer und viele Gäste waren hierzu erschienen. - Das WS 56/57 erlief wieder programmgemäß, ebenso das SS 57. - Der Ostertanz auf dem Festungshof brachte eine Kometbesichtigung als "Einlage". - Zum ersten Male übernahm die Aktivitas die Ausrichtung des Schulballs zum Stiftungsfest, aber der Festungshof erwies sich als zu klein.

Dem WS 57/58 mögen die Worte des Chronisten K.H. Schindhelm vorausgehen: "Es besteht die Meinung, das Amt des Chronisten bringe nur Arbeit und Mühe mit sich. Wer dies glaubt, hat noch nie eine Chronik geführt. Wer kennt nicht die innere Freude, die der wahre Chronist erlebt. Der Chronist darf die Erlebnisse in der Gemeinschaft aufschreiben und aufbewahren, auf daß die Bundesbrüder einst, vielleicht nach langer Trennung, im Erinnern an vergangenes Glück oder Leid wieder zueinander finden. Doch um dem Geschriebenen die Seele zu geben, muß der Chronist mit dem Herzen dabei sein. Dann kämpft er gegen das Vergessen, gegen das Vergehen. Er bannt die Zeit und kettet sie in Worte, und seine Sätze bedeuten Geschichte!"

Mit 34 Burschen und 31 Füchsen findet die Antrittskneipe im "Reichsgraf" statt. Man muß nun in größere Säle ausweichen. So findet die Weihnachtskneipe in Cortendorf, der Weihnachtstanz im Saalbau "Bätz" statt.

Aus dem SS 58 ist der erste gemeinsame ,Drei-Farben-Kommers" der Coburger Schülerverbindungen im "Münchner Hofbräu" zu erwähnen, dem am nächsten Tage noch ein "Drei-Farben-Tanz" auf dem ,"Festungshof" folgte. 23 Füchse werden geburscht; hierzu schreibt der Chronist: "Aber ist der Bund nicht zu groß? Es wird wohl etwas zu leicht geworden, Ernestiner zu werden und zu sein. Hoffen wir, daß der Geist jener schweren Jahre der Wiedergründung nach dem totalen Zusammenbruch Deutschlands wiederkehren möge!" Hierzu paßt sehr gut die Bitte der Ernesto-Albertina sie zu unterstützen, da "das Lehrerkollegium ihre Verbindung aus pädagogischen Gründen nicht verantworten könne." Der Schulfestball fand wieder unter der Leitung der Aktivitas im Rosengarten bei Regen und großer Enge statt.

23 Burschen und neun Füchse erlebten auf der Antrittskneipe eine "Spezial- Einlage": Der xxx erhält ein "Podest" in den Ernestinafarben "um seine Länge zu verlängern";, da er nun nicht mehr mit dem Schläger den Tisch erreicht, bekommt er auf einer späteren Kneipe ein "erhabenes Schlagbrett". Dennoch war der xxx ein prächtiger Bursche. - Auch die Weihnachtskneipe erlebte eine "Spezial-Einlage": für 20 Liter Freibier für die Aktivitas ließ sich ein junger AH den Bart von der Corona "entfernen". Dieser Jahrgang war voller Humor und Tatendrang.

Im SS 59 übernahm auf der Stiftungsfestkneipe in der "Goldenen Traube" die "Familie Schmorl" in der Fidulität alle drei Chargen. - Den Schultanz im Rosengarten leitete wieder die Aktivitas.

Das WS 59/60 verlief wieder im gewohnten Rahmen. Es fand der zweite "Drei-Farben- Kommers" im Saalbau "Bätz" statt. - Wieder wurde an Bundesbrüder in der DDR, wie seit Jahren üblich, Geschenkpakete geschickt.

Das SS 60 brachte Ostern im Saalbau "Bätz" die Festkneipe anläßlich der "80 Jahre Aktivitas und 50 Jahre AHV". In seiner Festrede sagte Seidel x: "Die Liebe zur Vergangenheit hat nichts mit reaktionärer Politik zu tun. Die völlige Zerstörung der Vergangenheit ist aber vielleicht das größte aller Verbrechen. Denn die Zukunft gibt uns nichts, wir sind es, die ihr alles geben müssen!" AH Fuchs (01) und v. Berg (07) werden Ehrenmitglieder. Am Sonntag stieg der AHC und am Montag war ein Ball auf dem "Festungshof". Ein Exbummel vereinigte nochmals die Ernestiner auf der Eckardtsklause. - Den zweite Höhepunkt des Semesters bildete die fünfte Seßlachfahrt. Drei Stunden vor Abfahrt erlitten x und xxx mit ihrem Motorrad einen schweren Unfall. So mußte schnell noch ein Ersatzpräsidium gewählt werden. Bei leichtem Regen fuhr der Bus mit der aufgeregten Ernestinercorona in Seßlach ein. Auf der Kneipe begrüßte Bürgermeister Franz wieder mit herzlichen Worten seine Ernestina. Ein erfreuliches Ereignis war der neue Kaplan, der trinkfreudig am abendlichen Geschehen sich beteiligte. Am nächsten Vormittag war Burschung und Chargenwahl. Der Nachmittag sah die "erweiterte" Ernestinerfamilie beim Tanz. - Auch in diesem Jahr leitete die Aktivitas den Schulfestball im Rosengarten.

Das WS 60/61 verlief reibungslos. Liederpaukabende brachten Abwechselung auf die Kneipen. - Die Gefallenenfeier der Schule wurde von der Aktivitas gestaltet. - Um den Vätern der Aktiven durch eigenes Erleben einer Kneipe bei der Ernestina mehr Verständnis für unsere Ziele zu geben, fand zum ersten Male eine "Väterkneipe" statt, die sehr großen Anklang bei den Vätern fand.

Das SS 61 brachte eine "Gemeinschaftskneipe" in Weismain. Die Teilnehmer: Germania Lichtenfels, Abituria Bayreuth, Casimiriana, Ernesto-Albertina, Germania Fürth und Ernestina. Doch alles verlief mit einem vorausgesagten Mißklang.

Am 26. April 1961 verschied plötzlich der Ehrenvorsitzende des AHV, Dr. Adabert Heim, der in ganz Coburg unter seinem Biernamen "Adam" bekannt war. Die Aktivitas nahm in Couleur mit Schulfahne und den Chargen an der Beistzungsfeierlichkeit mit vielen Trauernden teil. Ein Stück Ernestina war gegangen.

Mit "Ein Heller und Batzen" zog eine frohe Schar zum sechsten Male in "die zweitkleiste Stadt Bayerns", in Seßlach ein. Ein Dämmerschoppen leitete zur Burschung über. Auf der Kneipe konnte der x neben Bürgermeister Franz auch diesmal mehrere Bürger begrüßen. Zwölf AHAH halfen laustark auf der Kneipe mit. Als dann auch noch der Herr Kaplan den Saal betrat, schlugen die Wogen der Freude himmelhoch. Diesmal wurde wirklich ein Frühsport durchgeführt. Ein "Mädchenbus" und mehrere Privatwagen mit Damen trugen zum Gelingen des Tänzchens am Nachmittag wesentlich bei. - Wieder leitete die Aktivitas den Schulball im Rosengarten.

Im WS 61/62 führten 18 Burschen und 21 Füchse den Betrieb reibungslos durch. Hervorzuheben ist der "Drei-Farben-Tanz" im Festungshof. - Die Gefallenenfeier in der Schule lag wieder in den Händen der Aktivitas. - Mit der Väterkneipe und den Weihnachtsveranstaltungen schloß dieses ruhige Semester.

Den Höhepunkt im SS 62 bildete die siebte Seßlachfahrt. Erwartungsvoll stellte sich die Corona bei Ankunft in Seßlach dem "betriebseigenen Filmteam". Der Dämmerschoppen auf dem Marktplatz brachte mit seiner Bonbonverteilung unter die Kinder Seßlachs beiden Seiten viel Freude. Da der Saal der Krone "umfunktioniert" war, zog die Ernestinerschar im feierlichen Zuge zur Geiersburg. Nach der Burschung stieg eine fröhliche Kneipe, auf der 15 Füchse einsprangen. Bürgermeister Franz war sehr erfreut über die vielen AHAH aus Coburg. Nach dem Frühsport, der in einem Fußballspiel "Altburschen gegen Jungburschen" gipfelte, siegte die "reifere" Mannschaft, die Altburschen mit 9:3. Nach dem Frühschoppen auf dem Markt pilgerte man wieder zur Burg, um dort am Nachmittag nach Ankunft des "Mädchenbusses" bis abends recht "modern" die Tanzbeine zu schwingen. - Nach der Semesterabschlußkneipe, die wieder sehr stark besucht war, leitete die Aktivitas diesmal mit der SMV den Schulball im Rosengarten.

Im WS 62/63 hielten 17 Burschen und 26 Füchse ihre Veranstaltungen im gewohnten Rahmen ab.

Im SS 63 konnte die Aktivitas auf der Stiftungsfestkneipe am 23. März den neuen Anstaltsleiter, Oberstudiendirektor Ernst Höfer, in ihren Reihen begrüßen, der vorher immer zum Wochenende bei seiner Familie auswärts weilte. - Der Ostertanz fand auf dem Festungshof statt. - Bei herrlichem Sommerwetter brach die Ernestinerschar im Juli per Bus zur achten Seßlachfahrt auf. Der Dämmerschoppen war vorüber und das Abendbrot gerade eingenommen, als ein schweres Gewitter den Kneipbeginn auf der Geiersburg weit hinausschob. Diese Kneipe brachte wieder das gewohnte Bild mit aller Ausgelassenheit und Lebensfreude. Ein Fußballspiel gegen die beiden Seßlacher Vereine brachte am nächsten Vormittag der "konditionsgeschwächten" Ernestinermannschaft eine 3:7 Niederlage ein. Der Nachmittag war wieder dem Tanzsport gewidmet. - Diesmal war der Schulball im "Coburger Hofbräu", den die Aktivitas gestaltete.

Im WS 63/64 verlief für 20 Burschen und 18 Füchse das Programm der Kneipen in gewohnter Weise. - Neben der Gefallenenfeier in der Schule, nahm die Aktivitas an der Einweihung der Ernestina-Ehrentafel (nach einem Entwurf von AH Franz Flessa entstanden) auf dem Friedhof teil. - Die Weihnachtskneipe war wieder in der "Goldenen Traube"; hingegen fand zum ersten Mal der Tanz im Kongreßhaus statt.

Im SS 64 stieg wieder der Tanz zu Ostern im Festungshof. - Nach üblicher Weise begann man die neunte Seßlachfahrt mit dem Dämmerschoppen und der Bonbonverteilung auf dem Marktplatz. Nach dem Abendimbiß wandelte die Corona zur Kneipe auf den Geiersberg. Zur Kneipe war von den Seßlachern nur Bürgermeister Franz erschienen. Für gute Führung erhielt Dudek x aus der Hand des ersten Vorsitzenden des AHV, Herbert Wacker, einen Ernestinabierkrug überreicht. Das Fußballspiel am nächsten Morgen fiel dem Regen zum Opfer. Der Nachmittag vereinigte alle Ernestiner zu einem sehr lautstarken Tanz auf der Geiersburg. - Auch dieses Mal wurde ein Kranz am Denkmal Ernst II. zum Stiftungsfest der Schule niedergelegt. Der Schulball war wieder unter der Leitung der Aktivitas im "Münchner Hofbräu".

Auch das WS 64/65 nahm für 17 Burschen und 18 Füchsen den gewohnten Verlauf. - Neben der Leitung der Gefallenenfeier im Ernestinum, nahm die Aktivitas an der Totenfeier im Friedhof teil. - Die Weihnachtskneipe in der "Goldenen Traube" war wieder einmal überfüllt. - Der Tanz stieg im Kongreßhaus.

Unter starker Beteiligung der AHAH und vieler Gäste stieg im SS 65 im Kongreßhaus die 85. Stiftungskneipe. - Der zweite Höhepunkt im Semester war die zehnte Seßlachfahrt. Der Dämmerschoppen fand des Regens wegen in der "Krone" statt. Zum ersten Male standen Privatquartiere zur Verfügung. Auf der Geiersburg konnte die Aktivitas neben Bürgermeister Franz auch einige Stadträte, Vertreter der Casimiriana, der Cheruskia und sehr viele AHAH begrüßen. Der Vorsitzende des AHV Wacker überreichte Bürgermeister Franz eine Spende von 100 Mark und einen Stich von Coburg. Mit großer Freude überreichte Wacker das Ehrenband unserem treuen Bürgermeister Franz, der sich tiefgerührt darüber bedankte und die AHAH in das "Goldene Buch der Stadt Seßlach" eintragen ließ. Ferner überreichte er einen Stich der Stadt. Anschließend wurden zwölf Füchse getauft. Die prächtige Kneipe schloß mit einem Salamander auf unseren jüngsten AH Franz. Das Fußballspiel fiel dem Regen zum Opfer. Am Nachmittag wurde wieder ausgiebig bis zur Abfahrt getanzt. - Auch in diesem Jahre wurde ein Kranz am Denkmal Herzog Ernst II. niedergelegt. Der Schulball unter Ernestinerleitung wurde im Kongreßhaus gehalten.

13 Burschen und 26 Füchse begannen das WS 65/66 sehr verheißungsvoll. Nach dem Drei-Farben-Kommers im "Coburger Hofbräu" lockerte sich die Disziplin. Jedoch konnte das Semester nach außen hin durch Erfüllung der üblichen Veranstaltungen über eine innere Gärung hinwegtäuschen. So konnte noch die Weihnachtskneipe in der "Goldenen Traube" und der Tanz im Kongreßhaus die Wünsche des AHV erfüllen. Aber schon zur 86. Stiftungsfestkneipe im "Bayernzimmer" des "Coburger Hofbräu" schreibt der Chronist: "Beim besten Willen war keine Ordnung mehr hinein zu bringen." Die Kneipen werden nur noch schwach besucht. Aber dafür wird zum ersten Male eine "Damenkneipe" veranstaltet. Die mangelnde Erziehungstätigkeit des xxx (nur eine Fuchsenstunde im Semester) zeigt sich auch im einzigen Fuchsenbummel: von 19 Füchsen erschienen neun und die erleben keinen Fuchsenbummel, sondern eine Bierreise durch fünf Lokale Coburgs. Der xx verschickt keine Einladungen mehr und somit werden auch keine Keilfüchse eingeladen.

Selbst der Chronist notiert in seiner Chronik böse Worte über die Pflichtvergessenheit des Präsidiums. Da kommt die "Nacht der starken Männer": vier Burschen, darunter x und xxx machen eine böse Tour mit Klassenkameraden durch den nächtlichen Hofgarten. Große bebilderte Zeitungsartikel erscheinen in beiden Zeitungen über die Verwüstungen. Auf Druck des AHV setzt die Aktivitas die zwei Chargierten ab und bestraft die Täter mit Suspension bis Semesterende. - Die Seßlachfahrt konnte nicht stattfinden, weil der x keine Vorbereitungen getroffen hatte. - Das Bild der bisher vorbildlichen Ernestina ist bei der Schule stark getrübt. - Auf der Abschlußkneipe erhält der Vorsitzende des AHV, Herbert Wacker, für "fast 30 Jahre im Dienst des AHV" ein Cerevis. Er bedankt sich mit den Worten: "Auch unter der neuen Mütze wird der alte Kopf stecken."

Auch das WS 66/67 bringt für 20 Burschen und 21 Füchse viel Disziplinlosigkeit. Auf der Antrittskneipe verschwindet die Kasse mit 200 Mark. Unter erheblichen Schwierigkeiten konnte diese mysteriöse Angelegenheit (das Geld kam wieder zurück) zu den Akten gelegt werden. Es scheint, daß der gesäte Ungeist der modernen Pädagogik Früchte tragen wird. So verschwand auf dem Drei-Faben-Kommers in der "Goldenen Traube" die Cuprum-Kasse. Ernste Verstimmung brachte für diese Kneipe schon um 22 Uhr den Schluß.

Sollte das so weitergehen? Der AHV schafft es nochmals wieder Ordnung in die Reihen der Aktivitas zu bringen. Die ausgefallene Stiftungsfestkneipe im SS 66 wird mit der Feier der 60jährigen Anerkennung und der Weihnachtskneipe gekoppelt nachgeholt. Die Begrüßung der überaus zahlreich erschienenen Bundesbrüder übernimmt AH Franz Flessa. Der Vorsitzende des AHV, Dr. Wilhelm Schramm, teilt der Corona mit, daß AH Franz Flessa schriftliche Beweise zusammengetragen habe, die das Gründungsdatum der Ernestina auf den 22. Juni 1871 festlegen müssen. - Auch der Tanz fand im Kongreßhaus statt.

Im SS 67 springt nachweisbar der 1000. Fuchs in die Ernestina ein. - Die seit mehreren Semestern andauernde Diskussion über das Bundeslied findet nun seinen Abschluß. Eine siebenköpfige Kommission unter der Leitung von AH Dr. Harald Bachmann (61) war zur Ausarbeitung von Vorschlägen eingesetzt worden. Man war sich einig, daß das alte Bundeslied erhalten und nur eine Änderung im Text erfolgen soll. So genehmigte der Osterconvent am 23. März 1967 eine "Kürzung" des Liedes auf die Strophen 1, 2 und 6 und folgenden Refrain:
"Wenn Treu und Glauben weichen,
Ihr Brüder habt zum Zeichen,
den Burschen reißt es fort in Sturmeswehen,
im Lebenskampfe seinen Mann zu stehn."

Allerdings scheint der Refrain in dieser Form nicht gesungen worden zu sein. Vielmehr setzte sich die auch heute noch gebräuchliche Form durch, bei der lediglich die letzten beiden Zeilen übernommen wurden. -

Den Höhepunkt und zugleich Abschluß des SS bildete die elfte Seßlachtfahrt, verbunden mit der 96. Stiftungsfestkneipe (neuerer Rechnung). Der Dämmerschoppen mußte wegen Nieselregens in die "Krone" verlegt werden. Auf der Kneipe im Saal der Geiersburg erhielten neun Füchse das Band. Neben AH Franz waren mehrere prominente Bürger erschienen. Vertreter der Cheruskia, sowie sehr viele AHAH konnte der xx begrüßen. Eine fröhliche, ausgelassene Kneipe ließ den AHV-Vorstand die Sorgen vergessen. Nach Abschluß der Kneipe bildete sich ein Fackelzug, der nach Seßlach bis zur Brücke über die Rodach führte. Dort gedachte AH Marpert bei einer kurzen Feier unserer Bundesbrüder jenseits der Zonengrenze. Am Morgen beendete ein internes Fußballspiel den offiziellen Teil. Schon um 14 Uhr zog die müde Corona nach Coburg zurück.

Das WS 67/68 begann für die 16 Burschen und 17 Füchse mit recht viel Sorgen. - Es wurde ein neuer, gedruckter Comment eingeführt, der von der Aktivitas gewünscht worden war. - Eine stark besuchte Väterkneipe gab nach außen wieder das bekannte gute Bild. Doch fehlte es immer wieder am Einsatzwillen der ganzen Aktivitas. "Angeregt durch den Zeitgeist" wollte sich keiner mehr für die Gemeinschaft einsetzen, daher brachte die Weihnachtskneipe im Kongreßhaus ein sehr schlechtes Bild: Kein Klavier, keine Dekoration, kein Weihnachtslied verschönten die Kneipe. Gerade einige studierende AHAH zeigten sich recht widerspenstisch und wenig einsichtsvoll. - Der Weihnachtsball fand im Kongreßhaus und die Abschlußkneipe im "Bayernzimmer" statt.

Das SS 68 brachte zu Ostern wieder einen Höhepunkt: Durch zahlreiche Spenden der ältesten AHAH konnte eine schlichte Fahne angeschafft werden. Für Festveranstaltungen hatte man sich bislang die Fahne der Schule ausgeliehen. Um diesen Zustand zu beenden, spendete der Ernestina-Jahrgang 1918 anläßlich der 100-Semester-Band-Verleihung spontan eine größere Summe. Der anschließende Spendenaufruf führte bald zu dem gewünschten Ergebnis, so daß AH Hermann Hofmann (18) auf der Festkneipe im Anschluß an den Osterconvent 1968 der Aktivitas die neue, eigene Fahne übergeben konnte. -

Zum Stiftungsfest am 28. Juni zog um 19 Uhr ein feierlicher Zug alter und junger Ernestiner mit der neuen Fahne vom Ernestinum zur Kranzniederlegung zum Reiterdenkmal. Dort wurde in schlichter Form des Stifters unserer Schule, Ernst II., gedacht. Auf der Kneipe waren zwei Vertreter des Literarischen Bundes zu Mühlhausen (Thüringen) erschienen, die die Bitte vortrugen, alle zwei Jahre einmal ihre Zusammenkunft mit unserer koppeln zu dürfen, da sie keine Aktivitas mehr haben, Ihr Wunsch wurde freudig erfüllt, zumal wir gemeinsam dasselbe Bundeslied haben.

Auf Kosten des AHV wurde an Stelle der Seßlachfahrt ein Ausflug nach Schloß Banz unternommen. Um 15 Uhr saß die Aktivitas mit vielen AHAH im Garten der Schloßwirtschaft. Das beschauliche Bratwurstessen wurde durch einen fremden "Mädchenbus" jäh unterbrochen. Der Abend brachte eine sehr turbulente Kneipe, die daher sehr bald schloß. Dennoch saßen die Vernünftigen ab 22 Uhr im trauten Kreise wieder friedlich beisammen und harrten sehnlich auf den Omnibus, der aber erst nach Mitternacht zur Heimfahrt erschien.

Das WS 68/69 zeigte zum ersten Male nur zwölf Burschen und elf Füchse. Die fehlende Keilarbeit machte sich nun ganz arg bemerkbar. Natürlich mußte wieder eine "Damenkneipe" stattfinden auf Kosten einer soliden Männerkneipe. Ohne Schwung zog sich das Semester bis zur Weihnachtskneipe hin, die in der "Goldenen Traube" ein übervolles Haus, sogar bei vier Tischreihen, brachte. Mangelnde Liederkenntnisse, mangelnde Fuchsenerziehung brachten einen recht lahmen Kneipbetrieb.

Im SS 69 zeigte ein "Drei-Farben-Kommers" im "Bayernzimmer" recht wenig Lichtblicke. - Wieder einmal zog die Ernestinercorona zur zwölften Fahrt nach Seßlach. AH Franz hatte als Bürgermeister seine Mühe gehabt, für uns den Burgsaal zu beschaffen. Wie üblich zog die Corona singend in das schöne Städtchen. Am Dämmerschoppen nahmen sogar die AHAH von Berg (80 Jahre) und Dr. Franz Carl (74 Jahre) in jugendlicher Frische teil. Die Kneipe fand im "Raubrittersaal" bei bester Stimmung statt. Kerzen schafften etwas Licht in den trüben Raum. Nur AH Franz und Rektor Thiersch waren von Seßlach erschienen, dafür aber umso mehr viele AHAH. Wieder zog man mit Fackeln zur Stadt zurück und wieder hielt AH Marpert die Feuerrede.

Das 98. Stiftungsfest fand diesmal im Gegenwart von 13 Vertretern des Literarischen Bundes zu Mühlhausen statt. Es begann eine Verbrüderung und die Stimmung war ganz großartig. Für besonders aktiven Einsatz erhielten drei Aktive aus den Händen des AHV-Vorsitzenden Dr. Schramm eine Geldprämie.

Das WS 69/70 mit elf Burschen und elf Füchsen zeigte eine starke Auflösungserscheinung. Der xxx verunglückte schwer und mußte sein Amt abgeben. Die Ansicht der "aktiven" Chargierten beweist der Ausspruch des xx: "Ich bin gegen Kneipen, weil die mir mit dem Schreiben der Einladungen viel Arbeit machen." So finden die Antrittskneipe, eine schlecht organisierte Väterkneipe und die vom AHV vorbereitete Weihnachtskneipe statt. Fuchsenstunden fielen aus, da "die Füchse schon alles wissen."

So brachte das SS 70 durch die Lahmheit der Chargierten der Aktivitas fast den Untergang. Es fehlte den Burschen die Fuchsenerziehung und der Verständnis der nötigen Keilarbeit. Deshalb beschloß der Vorstand des AHV eine selbstgeleitete Keilkneipe aufzuziehen. Dieser Abend hatte sich gelohnt: 45 Spefüchse füllten die "Loreley" bis auf den letzten Platz. Solch eine schwungvolle Kneipe hatte selbst die Aktivitas noch nicht erlebt.

Auf der Antrittskneipe im WS 70/71 sprangen gleich 23 Füchse ein. Da das Abitur schon Anfang Mai abgelegt wird, hat der AHV-Vorstand beschlossen, künftig schon die 11. Klasse (=Obersekunda = 7. Klasse) in die Ernestina aufzunehmen, da der Burschenjahrgang schon ab Ostern inaktiv wird.

Die Talsohle ist durchschritten, mit den einsatzfreudigen neuen Füchsen sind wir wieder beim Aufstieg!

Franz Flessa (26)

Hier endet der anläßlich des 100. Stiftungsfestes von Franz Flessa verfaßte Auszug aus der Chronik. Die Fortsetzung wurde von Andreas Kuschbert zum 125. Stiftungsfest verfaßt.


 

Teil 4: Vom 100. Stiftungsfest 1971 zum 125. Stiftungsfest 1996
verfaßt von Andreas Kuschbert


Das große Stiftungsfest
Zu einem großen Ereignis wurde das 100. Stiftungsfest unserer Verbindung, das Ostern 1971 gefeiert wurde, angefangen vom Begrüßungsabend am Gründonnerstag im Kongreßhaus bis hin zum improvisierten Frühschoppen am Ostermontag auf der Burgschänke. AHV-Vorsitzender Herbert Wacker beklagte jedoch im Nachhinein das geringe Interesse gerade der in Coburg und der näheren Umgebung ansässigen Bundesbrüder (viel hat sich bis heute daran nicht geändert).

Beim Osterconvent wurde AH Erich Hitzbleck zum Ehrenmitglied ernannt, trug er doch einen wesentlichen Teil der Aufwendungen für die 100-Jahr-Feier. Im Jubiläumsjahr umfaßte die Aktivitas sieben Burschen und 23 Füxe. An der Spitze standen die Chargen Siegbert Graßme, Michael Müller und Klaus Martin. Den Berichten zufolge wurde mit verschiedenen Veranstaltungen ein reges Bundesleben entfaltet. Im Mittelpunkt des SS 71 stand aber die Festkneipe am 10. April 1971 zum 100. Bestehen der Ernestina. Über 240 Aktive, Alte Herren und Gäste hatten sich im Saal des Kongreßhauses eingefunden, um die Festkneipe zu feiern. Als Erstchargierter fungierte hierbei Joachim Dudek. Unterstützt wurde er von den Mitpräsiden Siegbert Graßme (x) und Klaus Martin (xxx) sowie vom AHV- Vorsitzenden Herbert Wacker und vom zweiten Vorsitzenden Franz Flessa. Die Festrede hielt Staatsanwalt AH Klaus Budewig (heute Präsident des OLG Dresden). Er setzte sich mit der Zukunft der Ernestina kritisch auseinander. Der Rede schloß sich ein langer Reigen von Glückwünschen an. Das gemeinsam gesungene Bundeslied beschloß den offiziellen Teil das Abends. Doch die Kneipe ging noch lange weiter.

Einen Tag später traf man sich wieder im Kongreßhaus - diesmal zum festlichen Tanz, der mit einer Polonaise unter Leitung von AH Wacker mit Gattin und Franz Flessa mit Gattin eröffnet wurde. Bis 1 Uhr tanzten die Bundesbrüder um sich dann zum Frühschoppen auf der Burgschänke zu versammeln. Eine stattliche Anzahl Alter Herren tranken dabei die Feierlichkeiten unter den Tisch.

Bei aller Freude über die gelungenen Feierlichkeiten zum 100jährigen Bestehen der Ernestina, der Alltag hatte die Bundesbrüder bald wieder eingeholt. Die Probleme innerhalb der Aktivitas waren noch lange nicht überwunden. So stieg zwar die Zahl der Aktiven von Mai bis Dezember 1971 erfreulich an, "der Kneipbetrieb bekommt dadurch langsam wieder eine Form und einen gewissen Inhalt", konstatierte AHV-Vorsitzender Herbert Wacker im Mitteilungsblatt der Ernestina.

So waren die Semesterabschlußkneipe in der "Stadtschänke", die Semesterantritts- und Keilkneipe im "Weißen Roß" und eine Monatskneipe ebenfalls im "Weißen Roß" teilweise sehr gut besucht. Es fehlte den Aktiven jedoch an jeglicher Erfahrung. Bezeichnend für den desolaten Zustand der Aktivitas war die Tatsache, daß sich von den letzten zwei Abiturientenjahrgängen drei frühere Aktive nicht zum Altherrenverband angemeldet haben, darunter zwei ehemalige Chargierte. Im WS 71/72 umfaßte die Aktivitas 25 Burschen und 15 Füxe.

Zusammen mit dem AHV-Vorstand beschlossen die Aktiven in diesem Semester, die Seßlachfahrt künftig auf einen Tag zu verkürzen. Begründet wurde dies von Herbert Wacker im Mitteilungsblatt folgendermaßen: "Nachdem ich selbst alle 13 Seßlachfahrten mit-'erlebt' habe, mußte ich immer wieder die Erfahrung machen, daß bei einer zweitägigen Fahrt nach einem glanzvollen ersten Tag der zweite Tag, auch ohne Regen eine triste Angelegenheit war."

Fünf Veranstaltungen im WS 1971/72 folgte im SS 72 ein AC, dem auch Franz Flessa bewohnte, und von dem der zweite Vorsitzende des AHV im Mitteilungsblatt berichtete. So schreibt Flessa: "Von 39 Aktiven waren 16 bis 20 Mann vorübergehend anwesend. Aufgrund des Statuten der Aktivitas war der Convent nicht beschlußfähig, denn es hätten 26 Mann sein müssen. Dennoch wollte man sofort den veralteten Comment vom Oktober 1967 überholen und wesentliche Dinge abschaffen. Alle anwesenden Aktiven hatten in ihrer Fuxenzeit nur eine Fuxenstunde 'genossen', daher hatte keiner Kenntnis vom Inhalt und Zweck der Statuten, denn die Fuxenstunden werden als 'überflüssig' angesehen. So stimmte man gleich darüber ab, ob man weiterhin Farben tragen wolle (obwohl die Chargierten selbst auf Minikneipen mit Paradewichs herumsitzen). Nach mehreren Abstimmungsversuchen kam man aber doch noch überein, die Couleur beizubehalten. Man besprach nun die einzelnen Paragraphen. Der Begriff 'Vaterlandsliebe' sollte als 'abstrus' gestrichen werden. Unser 'Motto' sei schon allein deshalb veraltet und gehöre daher abgeschafft, weil es keine 'Anstandsregeln und keine Sitte mehr gebe'."

Wie sehr sich die Aktivitas von ihren Statuten entfernte zeigt auch die Tatsache, daß das letzte Semesterbild aus dem WS 68/69 stammte, die Chronik datenmäßig nur sehr oberflächlich geführt wurde und aus den Jahrgängen 1968 und 1969 von den 22 eingetretenen Füxen acht wieder ausgetreten und nur fünf Aktive zum AHV gekommen sind.

Daß die Aktivitas aber anscheinend dennoch in der Lage war, eine "anständige" Kneipe auf die Beine zu stellen, zeigt der Bericht der AHAH Bernd und Rainer Axmann, Klaus Budewig und Helmut Hübner von einer Keilkneipe am 9. Juni 1972 im Lokal "Steintor 11". Sie schreiben im Mitteilungsblatt Nr. 15 (September 1972):
"Trotz aller Abwertung der Aktivitas wagten einige jüngere AHAH den Weg hin zur Keilkneipe am 9. Juni. Was würde einem wohl dort widerfahren? Wir wurden freundlich in Empfang genommen. Um auch kritische Stimmen zu Wort kommen zu lassen: Es war keine Keilkneipe - denn der verhältnismäßig kleine Kneipraum in dem Lokal 'Steintor 11' ließ es nicht zu. Dafür wurde es eine Kneipe mit viel Schwung, Freude und Gesang - trotz des Fehlens einer Bierorgel. Und die Überraschung für die Unterzeichneten: Bei all dem ging es ordentlich und diszipliniert zu. Die jungen Bundesbrüder bekannten sich, auch wenn es an diesem Abend nicht ausdrücklich dem Worte nach geschah - ... - so doch dem Verhalten nach zu den Idealen der Ernestina; und auf das Verhalten kommt es ja letztlich an. ... So verließen voller Zuversicht und auch voll Vertrauen für die Zukunft der jungen Ernestinaner die jungen AHAH diese gesellige Junikneipe."

Betrüblich war in diesem Semester jedoch die Beteiligung der Aktivitas an der letztmalig zweitägigen 14. Seßlachfahrt. Von den 30 Aktiven waren lediglich 15 erschienen.

Obwohl die Amtszeit des AHV-Vorsitzenden erst Ostern 1974 enden sollte, erklärteHerbert Wacker bereits ein Jahr zuvor aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt. So mußte auf dem Osterconvent 1973 ein neuer Vorsitzender gewählt werden. Nach längerer Debatte stand nur noch Jürgen Marpert (56) zur Wahl. Er wurde mit 34 Ja-Stimmen bei zwei Nein-Stimmen und drei Enthaltungen gewählt.

Der neugewählte AHV-Vorsitzende versprach, alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit die 15. Seßlachfahrt, die am 2. Juni 1973 stattfinden sollte, zu einem Ereignis werde. Und sie wurde es. Nach einem Fußballspiel AHAH gegen Aktivitas (3:0) ging es zum Abendessen auf die Geyersburg. So konnte Fischer xx neben 40 AHAH auch Bürgermeister AH Franz begrüßen. Rektor Thiersch, Stadträtin Winkelmann und drei Seßlacher ,Väter" wurden ebenso begrüßt wie Hans-Georg Kosuch als Lehrkraft des Ernestinums und die ersten vier Spe-Füxe des Semesters. Rektor Thiersch, der bereits zum fünften Mal Gast bei der Ernestina war, bekam das Band ehrenhalber überreicht. Zudem fand die Burschung von vier Füxen statt. In die Fidulität wurden die AHAH Martin, Dr. Bachmann und Thiersch berufen. Sie sorgten für einen heiteren und wortreichen Verlauf des Abends, dessen Höhepunkte die Bierrede von AH Seidler und der "Bierrekord" von AH Rose waren.

125 Jahre Ernestinum
Im Herbst 1972 trug unser Verbindungsmann zum Ernestinum, Kurt Martin, in einer Lehrerkonferenz die Bitte des AHV vor, doch im Jahre 1973 durch eine Feier das 125jährige Bestehen der Schule eigens zu würdigen. Unternähme die Schule nichts, so würde der Altherrenverband der Ernestina eine eigene Feier gestalten. Unter der Voraussetzung, daß genügend Spenden zusammenkämen, um die Feier zu finanzieren, stimmte die Konferenz einer Feierstunde zu. Bundesbruder Dr. Harald Bachmann übernahm die Ausgestaltung und die Festrede. Als Termin wurde die Zeit vom 24. bis 26. Mai festgelegt.

Das Fest wurde mit einem Begrüßungsabend im Kongreßhaus-Restaurant eröffnet. 40 AHAH in Couleur mit der Aktivitas stellten mit etwa 20 AHAH der Cheruskia die Mehrzahl der Besucher. Der Höhepunkt des Festes war der am nächsten Tag folgende Festakt im Saal des Kongreßhauses. Im Mittelpunkt stand die Rede von Dr. Bachmann mit dem Thema "125 Jahre Ernestinum zu Coburg." Im Laufe des Abends überreichte AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert einen Scheck in Höhe von 1000 Mark an den Direktor des Ernestinums, Oberstudiendirektor Ernst Höfer, als finanzielle Unterstützung für die Feier. Musikalische Einlagen gaben der Feier den würdigen Rahmen. Der offizielle Teil des Festes wurde mit einem gelungenen Ball abgeschlossen. Die Balleitung lag in den Händen der Aktivitas. Mit einem Tag der offenen Tür am Ernestinum endeten die Feierlichkeiten zum 125jährigen Bestehen der Schule.

Obwohl der AHV erst im August 1974 davon erfuhr, hatte sich die Aktivitas im Januar 1974 aufgelöst "mangels geeigneter Kräfte", wie es hieß. Traditionsbewußte jüngere Burschen setzten sich jedoch sofort zusammen und bauten erfolgreich eine neue Aktivitas auf. "Es geht aufwärts! So jedenfalls ist der Eindruck nach den letzten Veranstaltungen der Aktivitas." Richtig euphorisch klang es, was Jürgen Marpert im Dezember 1973 im Mitteilungsblatt schrieb. Kleinere Unstimmigkeiten im WS 73/74 schrieb er der Tatsache zu, daß mehrere Jahre lang keine Fuxenstunden abgehalten wurden und somit den Aktiven die nötige Erfahrung fehlte. Die Aktivitas zählte in diesem Semester 18 Burschen und sechs Füxe.

Und die positive Stimmung setzte sich auch im SS 74 fort. "Der alte Ernestinergeist hat in dieser Aktivitas wieder an Boden gewonnen und wir hoffen, daß uns das kommende Semester wieder eine lebendige Aktivitas schenkt", heißt es im Mitteilungsblatt vom Mai 1974. Inzwischen hatten die Aktiven (20 Burschen, acht Füxe) ein festes Stammlokal gefunden: die Gaststätte "Halber Mond" im Steintor.

Beim Osterconvent wurden einige Aktive des Jahrgangs 1924 zu 100-Semester-Band- Trägern ernannt. Er waren dies Dr. Ulrich Müller, Dr. Wolfgang Wilhelm und Wilhelm Wischer. Auch Dr. Wolfgang Krauß (23) erhielten das 100-Semester-Band. Andreas Höllein verlas den Bericht der Aktivitas und berichtete von Kneipen, Fuxenstunden, einem Fuxenbummel und einem Liederpaukabend.

18 Burschen und acht Füxe bildeten unter der Leitung von x Andreas Höllein, xx Karlheinz Trissnak und xxx Bernd Seeliger die Aktivitas des SS 74. Nach einem Drei-Farben-Kommers mit der Casimiriana und der Ernesto-Albertina und zwei Monatskneipen wurde die Seßlachfahrt wieder einmal zum Höhepunkt des Semesters.

Für diese Fahrt bezog die Aktivitas zum ersten Male ihre Unterkunft in der neuen Verbandsschule Seßlach. Bei gutem Wetter zog die Teilnehmerschar mit Motorkraft nach Seßlach. Bei einem Fußballspiel ließ die AH-Mannschaft den Aktiven beim 8:3 keine Chance. Nach einem Abendessen auf dem Marktplatz eröffnete x Andreas Höllein im Saal des "Roten Ochsen" die Kneipe, an der eine große Schar von AHAH teilnahm. Nach einem zünftigen Fuxenritt konnten drei Füxe das Burschenband empfangen. Nach einer humorvollen Fidulität schloß Andreas Höllein den Abend gegen Mitternacht ab. Mit einem Fackelzug geleitete die Jugend die AHAH zum bereitstehenden Bus.

Im WS 74/75 waren x Andreas Höllein, xx Ulrich Aumann und xxx Horst Engel dieChargierten der Aktivitas, der neun Burschen und 16 Füxe angehörten. Die Festkneipe "25 Jahre Aktivitas seit der Wiedereröffnung 1949" stellte den vielversprechenden Auftakt des Semesters dar. Enttäuschung gab es unter den Aktiven bei der Couleurfahrt mit Damen über Kloster Banz nach Seßlach, nachdem nur drei AHAH daran teilnahmen. Auch beim Osterconvent des Jahres 1975 wurden einige AHAH zu 100-Semester-Band- Trägern ernannt: Dr. Fritz Fleischmann, Dr. Eduard Raab, Joachim Schmidt, Dr. Kurt Völler und Dr. Weiß.

Wieder einmal, nämlich im 208. Semester (SS 75), war eine Seßlachfahrt einHöhepunkt des Geschehens. Unter der Leitung der Chargierten Andreas Höllein, Claus-Peter Fischer und Rolf Eichler machten sich 14 Burschen und zwölf Füxe sowie zahlreiche AHAH zum 17. Mal auf in Richtung Seßlach. Schossen die AHAH die Aktiven bei den letzten Fußballspielen meist deutlich vom Platz, so stand es diesmal am Ende Unentschieden. Nach einem Dämmerschoppen und dem Abendessen auf dem Marktplatz stieg das 104. Stiftungsfest. Zwei Füxen wurde das Burschenband übergeben und fünf Burschen fanden Aufnahme in den AHV. Unter Fackelschein geleiteten die Aktiven nach der Kneipe die AHAH zum Bus, während die Aktivitas in der Schule übernachtete.

Am Morgen fand, nach dem Frühstück, ein Frühschoppen, das gemeinsame Mittagessen und ein gemütlicher Ausklang statt, ehe die Aktiven von Seßlach Abschied nahmen. Nach einer Monatskneipe fand ein BC statt, bei dem auch die Chargen für das 209. Semester neu bestimmt wurden. In diesem Semester übernahmen Carsten Aumann, Hans-Jürgen Lichy und Andreas Höllein die Führung der Aktivitas.

Anläßlich der Einweihung des Schulgebäudes und der Verleihung des Namens "Ernestinum" vor 100 Jahren fand am 21. Juli 1975 im Kongreßhaus ein Festakt sowie am Abend ein Festball statt. An beiden Veranstaltungen nahmen die Aktivitas und viele AHAH regen Anteil.

Im 209. Semester bestand die Aktivitas aus 16 Burschen und 13 Füxen. Zahlreiche Kneipen und weitere Veranstaltungen fanden statt, darunter auch wieder eine Couleurfahrt in den Frankenwald, die von den AHAH jedoch nur sehr schwach besucht wurde.

Im SS 76 erlebte der Kneipbetrieb eine straffe Führung. Viele Stammtische wurden auch zur Vertiefung der Freundschaft durchgeführt. 19 Burschen und zehn Füxe bildeten die einsatzstarke Corona. Zudem nahmen einige Aktive auch am Kegeln des AHVteil.

Ganz im Zeichen der Neuwahlen zum Vorstand stand der Osterconvent des Jahres 1976. Nachdem Jürgen Marpert als Vorsitzender in seinem Amt bestätigt worden war, entspannten sich lange Diskussionen um die Besetzung des zweiten Vorsitzenden sowie des Kassiers. Letztendlich wurden Wilhelm Leffler zum 2. Vorsitzenden und Walter Hofmann zum Kassenwart gewählt. Als Beisitzer wurden Franz und Rolf Flessa gewählt, die aus ihren bisherigen Ämtern (Schriftführer, Kassenwart) ausgeschieden waren. Mit Hans Beyersdorf, Franz und Rolf Flessa, Hans Meyer, Dr. Walter Sommer und Herbert Wacker ernannte AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert neue 100-Semester-Band-Träger. Ferner erhielt Erich Bauer (23) nachträglich sein Ehrenband.

Nur wenig zu berichten gibt es aus dem Jahre 1976. Im Mitteilungsblatt Nr. 24 schrieb AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert: "Meine Hauptsorge besteht darin, daß das notwendige Verhältnis zwischen Aktivitas und AHV zur Zeit gestört scheint." Die Seßlachfahrt wurde nicht wie sonst im Juni, sondern diesmal im Herbst (Oktober) durchgeführt. Und das Ergebnis war überwältigend: Über 50 AHAH und Aktive beteiligten sich an der Fahrt. Nach einer sachkundigen Führung durch Bürgermeister AH Franz durch Seßlach fand eine harmonische Kneipe statt.

Beim Osterconvent 1977 berichtete x Carsten Aumann darüber, daß von Seitender Aktivitas umfangreiche Semesterpläne erarbeitet wurden. Jürgen Marpertbeurteilte das abgelaufene Jahr als eines der normalen in der Geschichte der Verbindung. Zugleich räumte er ein, daß der Kontakt zur Aktivitas gut sei, aber dennoch noch besser sein könnte. Er führte dies darauf zurück, daß der Vorstand nur kurz im Amt sei und auch zur Berufsausübung mehr Zeit aufwenden müsse, "als manch alter Routinier".

Ein kleines Jubiläum stellte die Seßlachfahrt des Jahres 1977 dar, war es doch immerhin die 20. in der Geschichte der Ernestina. Das Fußballspiel zum Auftakt zwischen einer Seßlacher Mannschaft und der Ernestina wurde zu einem Fiasko für die Coburger. So schrieb x Martin Bauer rückblickend: "Die Ernestiner schlugen sich tapfer, aber man konnte nach einstündiger Spielzeit froh sein, ein zweistelliges Ergebnis abgewehrt zu haben."

Kurz vor 17 Uhr marschierten die Ernestiner - die Chargen in Wichs voran - begleitet von einer Blaskapelle zum Marktplatz zum Dämmerschoppen. Danach zog man in kleinen Gruppen zur Geyersburg, wo eine urige Kneipe über die Bühne ging. Während die AHAH gegen Mitternacht mit dem Bus zurück nach Coburg fuhren, machte sich eine übermüdete Aktivitas erst wieder am kommenden Tag auf in Richtung heimische Gefilde.

1978 gab es nach einer Entscheidung des erweiterten AHV-Vorstandes eine Änderung in Sachen Bundesfahrt. Allgemeine Tendenz war "Weg von Seßlach". Probeweise fuhr man im SS 78 sowohl nach Seßlach als auch nach Rodach. Das Ergebnis: Seßlach prima, Rodach brachte keinen Erfolg. Und so entschied man, auch weiterhin nach Seßlach zu fahren. Eine Übernachtung der Aktivitas in Seßlach wurde jedoch für die Zukunft ausgeschlossen. Der Grund: Es gab Randale in der Schule.

Im 215. Semester (WS 78/79) waren Rainer Bechauf (x), Joachim Hübner (xx) und Hans Bärnreuther (xxx) die Chargierten. Am 17. Juni 1978 fand erneut die Fahrt nach Seßlach statt. Entgegen dem sonstigen Programm fiel das übliche Fußballspiel zugunsten einer "Volkswanderung" rund um Seßlach aus. Eine beachtliche Corona versammelte sich am Abend auf der Geyersburg zur Kneipe zum 107. Stiftungsfest. Zusammen mit den AHAH traten gegen Mitternacht die Aktiven die Heimreise nach Coburg an.

"Bundesabend ex! Rodach ade!" so schilderte xx Joachim Hübner die Bundesfahrt nach Rodach. Nach einer Wanderung zum Georgenberg ging es ins Alt-Rodach zurück, wo eine lockere Kneipe abgehalten wurde.

Hart ins Gericht ging AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert beim Osterconvent 1979 mit den AHAH angesichts der mehr als mäßigen Beteiligung bei der traditionellen Totenehrung. Aufgrund einer Krankheit bat Franz Flessa bei diesem Osterconvent, von seinem Amt als Beisitzer entbunden zu werden. Der Convent stimmte dem zu.

Trauer um Franz Flessa
Wenige Monate später, im Juni 1979, hieß es Abschied nehmen von Franz Flessa, der seit 1926 ein begeisterter Ernestiner war. Er erlag wenige Wochen nach seinem 71. Geburtstag einer heimtückischen Krankheit. Am 18. Juni nahm eine großer Zahl AHAH und die chargierende Aktivitas Abschied von AH "Zorn," der von 1966 bis 1976 zweiter Vorsitzender des AHV und nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand auch weiterhin Beisitzer und Berater war. Franz Flessas unermüdlicher Forschungen (im Archiv des Ernestinums) ist es zu verdanken, daß das Gründungsjahr der Ernestina wieder auf das Jahr 1871 zurückverlegt wurde. In seinem Nachruf schrieb Herbert Wacker: "Mit Franz Flessa ist ein großer Ernestiner von uns gegangen. Er hat die Geschichte unseres Bundes nicht nur geschrieben, er hat sie über Jahrzehnte mitgestaltet und ist bereits zu Lebzeiten selbst in diese eingegangen. Wer ihn gekannt hat, wird ihn nie vergessen. In den Herzen aber derer, die sich seine Freunde nennen durften, wird er ewig leben."

Unter Desinteresse der Seßlacher Bevölkerung litt die Seßlachfahrt des Jahres 1979. Das tat der guten Stimmung der Bundesbrüder jedoch keinen Abbruch. Den Auftakt zur Fahrt bildete eine Quizwanderung, die Siegerehrung fand dann beim Dämmerschoppen im "Roten Ochsen" statt. x Rainer Bechauf führte die Siegerehrung durch, wobei AHV-Schatzmeister Walter Hofmann den 1. Preis, einen Ernestina-Krug und einen Stich der Stadt Seßlach erhielt. Frisch gestärkt zog man anschließend zur Geyersburg, wo Bechauf die Kneipe eröffnete. Bei dieser Veranstaltung gedachte man neben Franz Flessa auch dem verstorbenen Studiendirektor AH Georg Weigelt (55).

Den Höhepunkt der Kneipe bildete die Burschung der Füxe Andreas Schneider und Hans Karl Rippel. Nach einem kurzen Silentium erfolgte die Chargenübergabe. x Rainer Bechauf übergab sein Amt Rüdiger Schubart, xx Joachim Hübner wechselte mit Hans Karl Rippel und xxx Hans Bärnreuther mit Ralf Dehler. Anschließend wurden einige Abiturienten (Rainer Bachnick, Hans Bärnreuther, Rainer Bechauf, Wolfgang Carl, Peter Müller und Detlef Räppold) von Jürgen Marpert in den AHV aufgenommen.

Im Inoffizium lieferten sich AH Dr. Bachmann und AH Kurt Martin mitreißende Rededuelle. Da der Bus jedoch um 24 Uhr nach Coburg abfuhr, mußte Dr. Bachmann die Kneipe vorzeitig ex schlagen.

Auch das 109. Stiftungsfest feierte man wieder in Seßlach. 26 Burschen und vier Füxe machten sich nach Witzmannsberg auf, von wo aus eine mit Fragen gespickte Wanderung Aktive und AHAH gleichermaßen nach Seßlach führte. Am Abend stieg eine zünftige Kneipe, in deren Rahmen die Aktiven Jürgen Auernhammer, Uwe Dötschel, Joachim Hübner, Georg Martin, Andreas Schneider, Herbert Spielmann und Stefan Wank in den AHV aufgenommen wurden. Die Aktivitas übernachtete nach der Kneipe in beziehungsweise an der Geyersburg, wo am nächsten morgen ein Frühschoppen stattfand.

An der Semesterabschlußkneipe wurden wieder die Chargen gewechselt. So übernahmen Michael Schramm, Stephan Schreiner und Georg Brehm die Führungsämter. Nur schwach war die Beteiligung an der Couleurfahrt. Ganze zwölf Teilnehmer fuhren mit dem Bus nach Kloster Ebrach. Seinen Ausklang fand das Semester mit einem Fußballspiel gegen die Ernesto Albertina. Friedlich trennte man sich am Ende mit 2:2.

Ein besonderes Ereignis des Wintersemesters 80/81 war eine Familienfahrt in die Haßberge. Weiterhin fanden einige Kneipen, Stammtische und das Weihnachtstänzchen statt. Und auch in diesem Semester hieß es Abschied nehmen von treuen Ernestinern. So verstarben unter anderem die 100-Semesterband- Träger Kurt Reukauf (19), Erich Schmidt (28) und Wilhem Wischer (24).

Große Ereignisse werfen ja bekanntlich ihre Schatten voraus. So auch bei der Ernestina, bei der hinter den Kulissen bereits das 110. Stiftungsfest von einem Stiftungsfestbeirat gewissenhaft vorbereitet wurde. Es wurde ein Programm ausgearbeitet und an die Bundesbrüder zusammen mit einem Antwortschreiben versehen verschickt. Die Rückantworten flossen jedoch nur spärlich. Um die Kosten für die Feier decken zu können, wurde beschlossen, eine Umlage von zehn Mark zu erheben. Zudem wurde ein neues Mitgliederverzeichnis erstellt.

Das 110. Stiftungsfest
Ostern 1981, genau vom 16. bis 20. April, war es dann endlich soweit. Nach dem Osterconvent im Restaurant des Kongreßhauses fand an gleicher Stelle ein Begrüßungsabend mit Damen statt, an dem 60 AHAH und fünf Aktive teilnahmen. Beim Convent wurde AH Werner Eichhorn in den Kreis der 100-Semesterband- Träger aufgenommen. Nach acht Jahren als Vorstand gab Jürgen Marpert bekannt, daß er aus beruflichen Gründen sein Amt niederlegen muß. Ein besonderes Ereignis beim Osterconvent war die Ernennung von drei Ehrenmitgliedern. So schlug Jürgen Marpert vor, Dr. Günther Weisheit, Herbert Wacker und Rolf Flessa aufgrund ihrer Verdienste um den Bund zu Ehrenmitgliedern des AHV zu ernennen, was bei den Anwesenden große Zustimmung erntete.

Nach dem Rücktritt von Jürgen Marpert wurde Klaus Beyersdorf, der bislang schon als Beisitzer im Vorstand tätig war, zum neuen ersten Vorsitzenden des Altherrenverbandes gewählt. Zum neuen Beisitzer wurde anschließend Fritz Grosch gewählt.

Der Samstag stand ganz im Zeichen eines Festkommerses zum Jubiläum. Unter den Klängen des Coburger Marsches, intoniert auf der Bierorgel von AH Werner Lorenz, zogen die drei Chargierten Michael Schramm, Thomas Engel und Georg Brehm in den Saal des Kongreßhauses ein. x Michael Schramm eröffnete den Festkommers und gab die Leitung weiter an AH Andreas Höllein. In seiner Begrüßungsrede ging der scheidende AHV-Vorsitzende Jürgen Marpert auf die lange Geschichte der Ernestina ein. Die Festrede zum Thema hielt "Die Wahrheit und das Recht im Strafprozeß" hielt AH Prof. Dr. Klaus Volk, Ordinarius für Strafrecht an der Ludwig-Maximilian-Universität München. Mahnende Worte richtete Oberstudiendirektor Fritz-Otto Volck an die Festcorona. Er blickte mit Sorge auf die unruhigen Zeiten, in denen man sich befand.

Die Grüße der Stadt Coburg überbrachte Bürgermeisterin Edith Seifarth. Unter anderem führte sie dabei aus: "Eine Demokratie in unserem heutigen Sinn braucht genau solche Werte wie Freundschaft, Vaterlandsliebe und Treue in der Gemeinschaft, welche die Ernestina mit Erfolg praktiziert." Bundesbruder Günther Seiler überbrachte in seiner Eigenschaft als stellvertretender Landrat die Grüße des Landkreises Coburg. Der Vertreter der Coburger Schülerverbindungen, Dr. Kunze (Ernesto-Albertina), erinnerte an eines der Ideale, nämlich die Freundschaft, die in der heutigen Zeit beinahe in Vergessenheit geraten sei. Würde es keine Schülerverbindungen geben, gingen alle Abiturienten nach der Schulzeit auseinander, ohne sich später regelmäßig wiederzusehen. Ein weiteres Grußwort sprach ein Vertreter der "Abituria Radantia Bamberg".

Am Sonntag trafen sich zunächst der Vorstand des AHV sowie die Chargierten im Ernestinum und gedachten mit Blumenschmuck des Gründers der Schule, Herzog Ernst I. Anschließend gedachten zahlreiche AHAH und Aktive auf dem Friedhof der verstorbenen Bundesbrüder. An den Gräbern der ehemaligen ersten Vorsitzenden Weißbrodt und Adam Heim sowie am Grab von Franz Flessa legte die Corona Blumengebinde in Anerkennung der Verdienste der Verstorbenen um die Schülerverbindung nieder.

Den Abschluß des 110. Stiftungsfests bildete der Festball am Ostersonntag im Saal des Kongreßhauses. Die Tanzkapelle "Mayas" spielte für alt und jung auf. Aufgelockert wurde der Abend durch Rock'n'Roll-Vorführungen der Tanzschule von AH Thomas Weinberg. Mitglieder des Landestheaters gaben Operettenmelodien zum Besten. Auch der Semestertanz unter der Leitung von Ralf Dehler fand viele Anhänger. Der Frühschoppen am Ostermontag im "Münchner Hofbräu" war ein gemütlicher Ausklang.

Neben dem großen Stiftungsfest fanden im 220. Semester aber noch weitere Veranstaltungen statt, so beispielsweise wieder die Seßlachfahrt. Treffpunkt für die Wanderung war diesmal Tambach. Leider gingen jedoch nicht nur die Aktiven, sondern alle wanderfreudigen AHAH samt Familienangehörigen buchstäblich baden. Es regnete fast ohne Unterbrechung, so daß die Wanderung schließlich abgebrochen werden mußte. Allem Wetter zum Trotz fand der Dämmerschoppen dennoch im Freien, nämlich auf dem Seßlacher Marktplatz statt. Am Abend zog man hinauf zur Geyersburg. Unter Leitung von x Michael Schramm und seinen beiden onchargen fand eine stimmungsvolle Kneipe statt. An diesem Abend wurden Ralf Dehler, Gerd-Gunnar Gräf, Bernd Gruber, Kurt Höfelmnn, Harald Jakobi, Volker Neugebauer und Frank Rosenthal in den AHV übernommen.

Und schließlich fand noch eine Veranstaltung statt, bei der die Teilnehmer in die Vergangenheit zurückversetzt wurden. So mieteten sich Aktive und AHAH ein Pferdegespann und man unternahm eine Leiterwagenfahrt. War früher Hellingen das Fahrtziel, so steuerte man diesmal die Hoffmannsteiche an. Bei der Rückfahrt mußten die Teilnehmer, um die Pferde zu schonen, bei jeder größeren Steigerung absteigen und nebenher laufen. Fröhlich und ausgelassen kamen alle am Abend wieder in Coburg an.

Mit einem Chargenwechsel bei der Semesterabschlußkneipe ging das SS 81 zu Ende. Wiedergewählt wurden x Michael Schramm und xx Thomas Engel, neuer xxx wurde ein anderer Bundesbruder.

Eine Familienrallye, an der AHAH und Burschen mit ihren Autos teilnahmen, zählte zu den Höhepunkten des WS 81/82. Die Fahrt führte durch den Coburger Landkreis über die Langen Berge, nach Neukirchen, vorbei am Steinernen Tisch nach Oberwohlsbach, dann Richtung Grub am Forst in den Lichtenfelser Forst, über Buch am Forst und schließßlich über Weißenbrunn wieder zurück nach Coburg, wo man sich in fröhlicher Runde zur Preisverteilung zusammenfand.

Bei der Seßlachfahrt im Juni 1981 wurde von Seßlachs Bürgermeister AH Karl Franz eine Anregung gemacht, die gleich zündete und von der Aktivitas begrüßt wurde: Franz hatte vorgeschlagen, daß die Ernestiner an der Feier am 17. Juni in Gleismuthausen teilnehmen. So reihten sich Aktive und AHAH am 17. Juni mit in die Reihe der Teilnehmer ein.

Die Aufnahme von Burschen in den Altherrenverband Ende Juni 1982 wurde von einem schweren Verkehrsunfall (Alkohol war mit im Spiel) eines Bundesbruders überschattet. Angesichts dieses Unfalls schrieb Klaus Beyersdorf im Mitteilungsblatt Nr. 33: "Wenn sich auch der Baum einmal mehr als stärker erwiesen hat, ist die Sache Gott sei Dank glimpflich verlaufen, doch wird man sich bei weiteren Vorkommnissen ernsthaft Gedanken machen müssen, wie man eventuell durch interne Disziplinarmaßnahmen das Verantwortungsbewußtsein fördert." In den AHV wurden aufgenommen: Gerd Adler, Georg Brehm, Thomas Engel, Volker Fischer, Martin Herrmann, Dietmar Herold, Jürgen Rempel, Stephan Steiner, Michael Schramm und Norbert Schramm.

Im Mai 1982 stifteten die Ernestiner Norbert Schramm, Georg Brehm, Volker Fischer, Dietmar Herold, Martin Herrmann, Michael Schramm und Jürgen Rempel anläßlich ihres Abiturs dem Ernestinum einen Schaukasten, damit die historische Schulfahne ausgestellt werden kann. In einer kurzen Ansprache hob Michael Schramm hervor, daß die Arbeit der Ernestina gerade auf dem Gebiet der Erhaltung alter Werte liege. Er wies aber darauf hin, daß Tradition nicht die bedingungslose Konservierung von Überholtem bedeute. Georg Brehm hatte die Idee, der Schule einen Schaukasten zu stiften, er war auch für die Realisierung des Projektes zuständig. Früher von den Chargierten vorneweggetragen, fristete sie nun ein "trauriges Dasein" in einem Schrank.

Im WS 82/83 machten sich 16 Aktive per Zug auf in Richtung München, um den dort im Februar des gleichen Jahres von Rainer Weißbrodt gegründeten Ernestina- Stammtisch zu besuchen. In der bayerischen Landeshauptstadt angekommen, wurden die Coburger von Rainer Weißbrodt und wenig später von frisch zubereitetem Leberkäse empfangen. Gestärkt nutzte man den freien Nachmittag zu einem Bummel durch die Innenstadt, welcher nach einem feuchten Verlauf im Hofbräuhaus endete, wo die Weihnachtsfeier des Münchner Ernestina-Stammtisches stattfand. Höhepunkt des Abends war die feierliche Überreichung eines vom ältesten Bundesbruder Immo Wilde und dem AHV-Vorstand gestifteten Wimpels an den Ernestina- Stammtisch. Der weitere Verlauf des Abend stand ganz unter der nicht zu bremsenden Trink- und Sangeslust der Aktivitas, die, gemeinsam mit den jungen AHAH, für einen bleibenden, und positiven Eindruck sorgte.

Die Unterbringung bei AHAH und einer in München ansässigen Studentenverbindung verlief problemlos, so daß sich am nächsten Morgen alle - mit mehr oder weniger verquollenen Augen - zu einem Frühschoppen im Weißbierkeller trafen. Nach einer kurzen Unterbrechung zum Besuch einer Krippenausstellung wurde der Frühschoppen bis zur Abfahrt des Zuges am späten Nachmittag ausgedehnt. Wohlbehalten und in bester Stimmung trafen alle Aktiven am Abend dann wieder in Coburg ein.

Ein Novum gab es zum Ende des SS 82 in der Geschichte der Ernestina, denn erstmals nahm man am Schulhoffest des Ernestinums teil. "Eine bessere Gelegenheit, für uns und unsere Farben zu werben, als das Schulhoffest des Ernestinums sie geboten hat, war wohl schwer vorzustellen", resümierte Klaus Beyersdorf. Aufgrund des Initiative des AHV-Vorsitzenden wurde im Handumdrehen ein Stand gezimmert. Wolfram Gothe als Meister im Pinselschwingen sorgte für den "Clou" des Ganzen: er hatte drei Chargierte in Lebensgröße an die Wand gemalt, mit Schläger, Chargenwichs und Stiefel versehen.

Um durstige Kehlen zu ölen, war ein Faß Bier besorgt worden, mit dessen Hilfe auch das mitgebrachte Trinkhorn gefüllt werden konnte. Der erste Schluck aus dem Horn blieb dem als Ehrengast auf dem Schulhoffest weilenden Dr. Eux Stocke vorbehalten. Dieser revanchierte sich in seiner unnachahmlichen Art, und spendete 200 Mark in die Aktivenkasse.

Beim Osterconvent am Gründonnerstag des Jahres 1983 betonte AHV-Vorsitzender Klaus Beyersdorf, daß nach einer Flaute mit der 35köpfigen Aktivitas wieder Staat zu machen sei. Den erfreulichen Aufwärtstrend führte Beyersdorf darauf zurück, daß mit Dr. Harald Bachmann und Paul Förster zwei langjährige Ernestiner an der Spitze des Gymnasiums stehen.

Nachdem Dr. Hans Groebe und Hans Rauscher das 100-Semesterband verliehen worden war, wurden AH Kurt Martin und Dr. Wilhelm Schramm zu Ehrenmitgliedern des AHV ernannt.

x Rudi Holland erinnerte an die Veranstaltungen der letzten Semester. So wurde das 112. Stiftungsfest im SS 83 erneut in Seßlach begangen. Das Programm begann mit der traditionellen Wanderung durch das Seßlacher Umland. Unter Leitung des Erstchargierten Rudi Holland fand die Festkneipe auf Schloß Geyersburg statt. Holland erinnerte bei seiner Ansprache daran, daß die Ernestina erstmals 32 Jahre zuvor nach Seßlach gekommen war, um dort die Tradition der ehemaligen Römhild-Fahrten fortzusetzen.

Wie schon im Jahr zuvor, nahmen die Ernestiner wieder am Fackelzug zum 17. Juni in Heuberg teil. Nach einem Marsch durch den Ort, der direkt an der damaligen Landesgrenze liegt, wurde auf einer Anhöhe das Mahnfeuer entzündet. Angeführt wurde der Fakelzug von den Chargierten der Aktivitas.

Anfang Mai 1983 erreichte die Ernestina ein Brief des Münchner Ernestina- Stammtisches mit der Aufforderung, sich mal wieder in München sehen zu lassen. Da auch der Besuch von Kloster Andechs in Aussicht gestellt war, fand die Einladung bei Aktiven wie AHAH gleichermaßen großes Interesse. Nach der Ankunft in Herrsching ging es weiter nach Kloster Andechs. Dort fand neben dem Kloster auch das Klosterbier Beachtung, von dessen Qualität man sich während des Mittagessens ausgiebig überzeugte. Der anschließende Spaziergang führte wieder nach Herrsching zum Ammersee. Während einige AHAH sich für eine Schiffsrundfahrt entschieden, zog es die Mehrheit vor, den Nachmittag in einem am Seeufer gelegenen Biergarten zu verbringen oder den See mit dem Tretboot zu erkunden. Am Nachmittag brach man gen München auf, wo beim Abendessen im Hofbräuhaus der Tag gemütlich ausklang. Danach hieß es Abschied nehmen von den Münchner Ernestinern.

Ein Erfolg im SS 83 war erneut die Beteiligung am Schulhoffest des Ernestinums. Während ansonsten die Resonanz des Publikums sich in Grenzen hielt, herrschte am Ernestina-Stand stets großer Andrang. Und das Ergebnis der dabei betriebenen Keilarbeit konnte sich sehen lassen. An der Semesterabschlußkneipe sprangen sieben Spe-Füxe ein, zum Antritt des WS 83/84 waren es noch einmal fünf.

Von zahlreichen Veranstaltungen gekennzeichnet war das SS 84, wobei im Aktiven-Bericht von Dirk Böhm eine Väter- und eine Damenkneipe, die sich großer Beliebtheit bei den Gästen erfreuten, besondere Erwähnung fanden. Daneben fand ein Dreifarbenhüttenkommers am Stiefvater zusammen mit Vertretern der Schwesterverbindungen Casimiriana und Ernesto-Albertina statt. Über die Herstellung des Bieres informierten sich Aktive und AHAH bei einem Besuch der Kulmbacher Reichelbräu unter der Leitung von Farbenbruder Fritz Müller.

Zu einem vollen Erfolg wurde der Maibummel 1984. 25 Aktive und AHAH nahmen nach kurzer Wegstrecke eine Einladung eines befreundeten Wirts an und legten eine "kurze" Pause (zwei Stunden) ein. Anschließend ging es zum Haus von Wolfram Gothe, wo man den Abend bei Steaks und Faßbier ausklingen ließ.

Dokumentarisch festgehalten wurde von einem Aktiven das Fußballspiel im Juni gegen die Landsmannschaft Chattia Marburg. Das teilweise amüsante Spiel endete mit 3:1 für die Ernestiner. Im Anschluß fand dann noch ein Elfmeterschießen statt, bei dem die 22 Akteure ihr Glück versuchten, jedoch nur zwei den Ball in den Maschen des Tores versenken konnten.

Beim Osterconvent 1984 stand Wilhelm Leffler nach achtjähriger Tätigkeit nicht mehr als zweiter Vorsitzender zur Verfügung. Bei den Wahlen setzte sich Andreas Höllein klar gegen seine Konkurrenten durch. Klaus Beyersdorf wurde als Vorstand ebenso bestätigt wie Fritz Grosch und Klaus Geuter als Beisitzer. Anschließend wurde Rolf Grasser, Fritz Marr und Carl Nützel vom AHV-Vorsitzenden mit dem 100-Semesterband ausgezeichnet.

Herbert Wacker Ehrenvorsitzender
Höhepunkt des Abends war jedoch die Ernennung von Herbert Wacker zum Ehrenvorsitzenden des Altherrenverbandes der Ernestina. Damit wurde Wackers unermüdliches Schaffen zum Wohle unseres Bundes gewürdigt. Mit den Worten "dem mit Abstand verdienstvollsten, lebenden Bundesbruder" überreichte Klaus Beyersdorf Herbert Wacker die Urkunde. Nach seinem Einsprung im Jahre 1926 war Wacker 1927 Erstchargierter und wurde dann nach Ablegung seines Abiturs in den Altherrenverband übernommen. Von 1950 bis 1958 war er 2. Vorsitzender und von 1958 bis 1966 übernahm er die Leitung des AHV. Erneut ging der Ruf an ihn, 1970 noch einmal den Vorsitz zu übernehmen, den er dann aus gesundheitlichen Gründen 1973 abgeben mußte. In seine Amtszeit fielen unter anderem auch die Feiern zum 75. und 100. Stiftungsfest der Ernestina.

Zu den schönsten Veranstaltungen des 227. Semesters (WS 84/85) zählte eine Familienrallye. 20 Teams trafen sich Mitte Oktober am Ernestinum, um ihre Rallye- Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Diese bezogen sich natürlich nicht auf die Schnelligkeit, sondern auf Wissen und Scharfsinn. So mußten alle Teilnehmer vom Ernestinum aus über Rödental, die Rosenau, Unterwohlsbach, Unterlauter, Oberlauter, Einzelberg, Mirsdorf, Ottowind, Ahlstadt, Grattstadt, Heldritt, Elsa, Breitenau, Carlshan zur Wildfuhr fahren. Dort wurden dann der Fragebogen mit den unterwegs gelösten Aufgaben und den am ersten Streckenposten beantworteten Fragen eingesammelt und noch ein paar Fragen zum Allgemeinwissen gestellt. Nachdem alle Teilnehmer im Dal Passatore eingetrudelt waren, wurde während des gemütlichen Beisammenseins die Siegerehrung durchgeführt. Sie stand fast ganz im Zeichen der AHAH - sie belegten Platz 1 und 3 als auch den letzten Platz. Anfang November reisten zwei Mannschaften a fünf Mann zu einem kleinen Hallenfußballturnier nach Marburg/Lahn. Mit 6:0 Punkten siegte Ernestina I, während die zweite Coburger Mannschaft als Letzter mit 0:6 Punkten das Turnier verließ. Ein Liederpaukabend, verbunden mit einem Commentunterricht im November 1984 war ein weiterer Höhepunkt des 227. Semesters. Mit AH Klaus Geuter an der Bierorgel und AH Andreas Höllein als "Pauker" verbesserte die Aktivitas ihre Kenntnisse und erweiterte ihr Liederrepertoire. Wegen des großen Erfolgs dieser Veranstaltung wurde im Januar 1984 eine Burschungskneipe durch einen Comment- und Liederunterricht aufgefrischt, was eine Abwechselung in den Kneipalltag brachte.

Geschockt wurden die Aktiven vom Tod ihres Bundesbruders Gunther Hofmann (82) im August 1984, der im SS 1984 Zweitchargierter war und dieses Amt auch im WS 84/85 versehen sollte.

Schien die Stimmung während des WS 84/85 unter den Aktiven dennoch recht gut zu sein, fand AH Andreas Höllein angesichts der Weihnachtskneipe kritische Töne. So schrieb er im Mitteilungsblatt Nr. 37 folgendes zu dieser Veranstaltung: "Viele von Euch haben die Weihnachtskneipe besucht, haben sich auf ein Wiedersehen mit ihren Consemestern gefreut und erwarteten einen besinnlichen und stimmungsvollen Abend. Wir allen wurden schwer enttäuscht! ... Nicht Begeisterung und Freude strahlte das Präsidium aus, sondern Langeweile und Frustration. Kein ermunterndes und erbauliches Wort hörte die Corona, sondern nur Klage und Kritik. So enttäuschend dies alles für uns war, nichts hätte die derzeitige Lage innerhalb unserer Aktivitas wohl besser zum Ausdruck bringen können. ... Nehmt dem Erstchargierten sein Verhalten nicht übel. Ich kenne ihn als begeisterungsfähigen und einsatzbereiten jungen Ernestiner, der aber durch ständige Mißerfolge - auch auf anderen Kneipen, denen der Hintergrund durch eine größere Anzahl Alter Herren fehlte - enttäuscht ist. ... Es ist ja nicht damit getan, daß nur immer der AHV-Vorstand an den Kneipen anwesend ist und allmählich die Rolle des allseits bekannten Predigers in der Wüste übernimmt. Wir benötigen doch viel mehr Alte Herren als Gesprächspartner für unsere jungen Bundesbrüder und als Alternative zur Besetzung eines vernünftigen und niveauvollen Inofficiums. ... Es steht uns nicht an, über selbstverschuldetes Übel Klagegeschrei zu erheben." Worte, wie sie auch in den kommenden Semestern nie an Aktualität verloren!

Mit einer neuer Sitzordnung, nicht nur der Chargierten, sondern auch der Kneipcorona, präsentierte sich eine Monatskneipe im März 1985. "Eine sehr gute Kneipdisziplin der Corona, gepaart mit einer hervorragenden Stimmung, machten diese Kneipe, die erst zu sehr fortgeschrittener Stunde ex geschlagen wurde, zu einer der gelungensten Veranstaltungen seit langem", resümierte Joachim Scholz in seinem Aktivenbericht zum SS 85. Dem schlechten Wetter und den intensiven Abiturvorbereitungen einiger Aktiver fiel der Maibummel zum Opfer. Und so zogen am 1. Mai drei Aktive vom Marktplatz zum Ratskeller. Ebenfalls ganz im Zeichen der beginnenden Abiturprüfungen stand die Monatskneipe wenige Tage später. In einem schwach gefüllten Kneipsaal präsentierte sich eine bereits schwer angeschlagene Aktivitas.

Doch eines konnte das bevorstehende Abitur nicht schaffen, nämlich eine große Zahl von Aktiven an der Teilnahme am Familienausflug nach Weihenstephan zu hindern. Unter der Leitung von AH Rainer Weißbrodt besichtigte eine große Schar Münchener und Coburger Ernestiner die Weihenstephaner Brauerei und den Dom sowie den Freisinger Staudensichtungsgarten.

Während der Hauptfestwoche zur 650-Jahrfeier der Stadt Seßlach beteiligte sich die Ernestina gleich an zwei Veranstaltungen: Am 29. Juni an einem nächtlichen Fackelzug von einem der Stadttore zum Marktplatz und am 30. Juni am großen Festumzug. In mittelalterliche Kulisse saß man dann am Nachmittag bei einem gemütlichen Umtrunk beisammen.

Um die bevorstehende Philistrierung vieler Altburschen nicht zu einem zu großen Verlust für die Aktivitas zu machen, sorgte man auf einer Keilveranstaltung Mitte Juli für kräftigen Nachwuchs. Nachdem in der Schule, vor allem mit Hilfe von AH Walter Hofmann, heftig für die Ernestina geworben worden war, konnte man im kleinen Saal des "Münchner Hofbräus" eine sehr große Anzahl interessierter Schüler begrüßen. Im gemütlichen Rahmen wurde über die Verbindung informiert und AH Wacker und AH Martin plauderten über ihre Schul- und Aktivenzeit. Am Ende des Abends konnten 15 Einsprungsgesuche vermeldet werden.

An das Schulhoffest 1985 schloß sich ein Sommernachtstänzchen in der "Goldenen Traube" an, bei dem die Aktiven ausnahmsweise in der Überzahl waren. Trotz der kleinen Runde trugen Tanzspiele und der dabei gewonnene Sekt zu einer ausgelassenen Stimmung bei.

Einen abschließenden Höhepunkt des Sommersemesters 1985 bildete der Festkommers zum 114. Stiftungsfest, der aufgrund des Seßlach-Jubiläums diesmal in der "Goldenen Traube" stattfand. In großer, festlicher Runde fand die Aufnahme von 15 Füxen in die Aktivitas statt, ein weiteres Einsprungsgesuch konnte vermeldet werden, und schließlich wurden die Altburschen in den AHV übernommen. Es waren dies: Dirk Böhm, Sven Brinkmann, Jürgen Fischer, Andreas Kurth, Michael Langer, Joachim Scholz, Hartmut Truckenbrodt, Hans-Martin Uebel, Stephan Wilhelm, Andreas Zapf und Frank Zeitner. Gegen Ende des Kommerses folgte die Chargenübergabe an x Jens Klodwig, xx Florian Schnell und xxx Matthias Dünisch.

Mit dieser Veranstaltung waren denn auch die Weichen für das WS 85/86 gestellt. Am Oberfrankenkommers, der bei Abituria Germania in Lichtenfels stattfand, nahm die Ernestina mit ihren Chargierten und vier Aktiven teil. Nur wenige Teilnehmer zählte die Familienrallye durch den südöstlichen Teil des Coburger Landes, wobei zahlreiche Aufgaben zu lösen waren. Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein wurde das Siegerteam AH Bauer/AH Zimmer geehrt.

Die Oktoberkneipe zeichnete sich durch eine frohe und ausgelassene Stimmung aus. An diesem Abend konnten vier Spefüxe in der Corona begrüßt werden, zwei Füxe wurden in den Burschenstand erhoben. Im November veranstalteten die drei Coburger Schülerverbindungen einen gemeinsamen Kegelabend und einen Dreifarben-Hüttenabend auf dem Stiefvater.

Vor allem bei der Fuxia erfreute sich die traditionell durchgeführte Damenkneipe großer Beliebtheit. Die Kneipdisziplin ließ jedoch sehr zu wünschen übrig, was auf das Fehlen Alter Herren und die mangelhafte Sangeskunst der Fuxia sowie der weiblichen Gäste zurückgeführt wurde.

Gleich dreimal wurde im WS 85/86 Weihnachten gefeiert. Einmal beim Münchner Ernestina-Stammtisch, dann bei einer Aktivenfeier im "Münchner Hofbräu" und schließlich beim Höhepunkt des Semesters, der Weihnachtskneipe im festlich geschmückten Saal der "Goldenen Traube". Zahlreiche jüngere und ältere AHAH aus dem gesamten Bundesgebiet waren zu dieser Veranstaltung nach Coburg gekommen, und einige von ihnen wurden auch vom Nikolaus bedacht, der in Gedichtform seine Gaben verteilte.

Die Semesterabschlußkneipe beendete das ereignisreiche Halbjahr. Im Laufe der Kneipe wurde zwei Bundesbrüder geburscht, zwei neuen Fuxen konnte das schwarz- gold-schwarze Fuxenband verliehen werden. Zu fortgeschrittener Stunde erfolgte die Chargenübergabe an x Alexander Luthardt, xx Günther Kempf und xxx Andreas Wucher.

In diesem Semester hieß es auch Abschied nehmen von einem verdienten Ernestiner, dem Ehrenmitglied und Träger des 100-Semesterbandes, Dr. Wilhelm Schramm. Er verstarb am 18. Oktober 1985. Schramm war von 1966 bis 1969 Vorsitzender des AHV der Ernestina.

Ein Auf und Ab gab es im SS 86, dabei sollte in diesem Semester das 115. Stiftungsfest groß gefeiert werden. Doch alles der Reihe nach ...

Nur mäßig besucht war die Antrittskneipe des 230. Semesters und auch die Kneipdisziplin ließ sehr zu wünschen übrig. Ganz anders präsentierte sich da die Monatskneipe im März. An ihr waren fast alle Aktiven und vor allem viele junge AHAH anwesend. Das erfreuliche neben der guten Kneipdisziplin - ein neues Mitglied konnte gewonnen werden. Der positive Trend setzte sich dann auf der Väterkneipe fort. Dennoch konnte eine große Anzahl Aktiver und AHAH das Fehlen der Väter nicht wettmachen. Trotz rechtzeitiger Einladung waren gerade mal fünf Väter dem Ruf zur Kneiptafel gefolgt.

Wenig Zuspruch fand die Münchenfahrt im Mai. Schuld am Fehlen der Aktiven waren wieder einmal die Vorbereitungen aufs Abitur und wichtige Schulaufgaben in den 11. Klassen. Zu einer absoluten Enttäuschung wurde jedoch das 115. Stiftungsfest, dessen Kommers in der "Goldenen Traube" begangen wurde. So schrieb der zweite Vorsitzende des AHV, Andreas Höllein, rückblickend im Mitteilungsblatt Nr. 40: "Am 20. und 21. Juni beging die Ernestina ihr 115. Stiftungsfest. Ein Anlaß, der meines Erachtens doch Bundesbrüder aus nah und fern hätte anziehen müssen - zumal extra schriftlich eingeladen worden war. Doch weit gefehlt! Dem Festkommers, zu dem erfreulicherweise unser Ehrenmitglied Erich Hitzbleck angereist war, wohnten ganze 20 AHAH bei. Welch festliche Atmosphäre vor leeren Kneiptischen! ... Der absolute 'Höhepunkt' war aber dann das samstägliche Tänzchen in der 'Burgschänke'. Neben einer Schrumpfaktivitas gaben sich immerhin acht AHAH die Ehre. Was als lustiges Sommerfest geplant war, entwickelte sich nicht nur zur Peinlichkeit, sondern setzte uns Anwesende schlichtweg der Lächerlichkeit aus. Man kam sich vor wie die letzten Überlebenden eines Veteranenvereins.";

Ähnlich enttäuschend verlief auch die Couleurfahrt, bei der gerade mal fünf Aktive anwesend waren. Dabei hatte sich der AHV-Vorstand etwas besonderes einfallen lassen: eine Besichtigung der Hanns-Seidel-Stiftung in Kloster Banz. Nach einer Begrüßung fand eine Führung durch die verschiedenen Räumlichkeiten sowie die Klosterkirche statt. In der Gaststätte "Reinwand" in Seßlach fand die Fahrt ihren feucht-fröhlichen Abschluß.

Regen Zuspruch fand hingegen erneut das Schulhoffest zum Schuljahresende. Den Schlußpunkt hinter das ereignisreiche Semester setzte die Abschlußkneipe Ende Juli. In deren Verlauf konnten sechs Füxe in den Burschenstand erhoben und sechs Burschen (Matthias Dünisch, Stefan Guhr, Karl-Heinz Hoessrich, Jens Klodwig, Frank- Thomas Riede und Florian Schnell) philistriert werden. Außerdem waren sechs Spe-Füxe anwesend, von denen einer im Verlauf der Veranstaltung das Einsprungsgesuch unterschrieb. Auch wurden mit x Alexander Luthardt, xx Jochen Rauschert und xxx Fabian Denk die neuen Chargierten in ihre Ämter eingeführt.

Eine Änderung im Vorstand des Altherrenverbandes gab es beim Osterconvent 1986. So wurden Klaus Beyersdorf und Dr. Andreas Höllein als erster und zweiter Vorsitzender wiedergewählt. Walter Hofmann als bisheriger dritter Vorsitzender lehnte jedoch nach zehnjähriger Amtsführung eine weitere Kandidatur ab. So wurde Fritz Grosch in dieses Amt gewählt. Zu Beisitzern wurden Walter Hofmann und Klaus Geuter gewählt. Während des Osterconvents wurde zudem Otfried Engel das 100-Semesterband verliehen.

Regen Zuspruch fand eine Familienrallye, die im WS 86/87 stattfand. Sven Brinkmann, Michael Zech und Frank Eberwein hatten es dabei verstanden, eine abwechslungsreiche Veranstaltung auf die Beine zu stellen, bei der am Ende das Siegerteam Beyersdorf hieß. Einen Höhepunkt des 231. Semesters kennzeichnete die traditionelle Damenkneipe, die übermäßig gut besucht war. Allerdings ließ die Kneipdisziplin sehr zu wünschen übrig.

Vorbildlich war die Disziplin hingegen bei der Festkneipe anläßlich der öffentlichen Anerkennung unserer Verbindung durch die Schulbehörde vor 80 Jahren. Die Festveranstaltung, die am 7. November 1986 im Hotel "Goldene Traube" in sehr feierlichem Rahmen durchgeführt wurde, sah eine fast vollständig angetretene Aktivitas und sehr viele AHAH. Sie lauschten aufmerksam der brillanten und humorvollen Festrede von AH "Specht", Kurt Martin. Seine Anekdoten, die sich zum Beispiel mit dem Schulalltag von früher beschäftigten, waren nicht nur für die älteren AHAH ein schöner Rückblick auf vergangene Zeiten, sondern für die jüngeren Bundesbrüder interessant und unterhaltsam zugleich.

Der Festveranstaltung folgten eine schwach besuchte Monatskneipe, ein Drei-Farben-Hüttenabend auf dem Stiefvater, ein Adventsabend mit Damen und schließlichdie Weihnachtskneipe, die ausnahmsweise in der "Weißen Lilie" inScheuerfeld stattfand. Da x Alexander Luthardt erkrankt war, übernahm xxx Fabian Denk die Führung der Kneipe, zu der etwa 80 Bundesbrüder erschienen waren. Ein Höhepunkt der Kneipe war mit Sicherheit der Auftritt des Weihnachtsmannes inPerson von Michael Zech. Mit einigen flotten Reimen brachte er seine kleinen Geschenke an den Mann, um alsbald, mit blauer Mütze, wieder in den Reihen der Bundesbrüder aufzutauchen.

Bei der Abschlußkneipe des 231. Semesters übernahmen x Alexander Traut, xx Wolfgang Zeitz und xxx Claus Walter die Chargen. In einem ruhigen Sommersemester 1987 führten sie 24 Burschen und fünf Füxe. Neben den normalen Veranstaltungen fand wieder eine Fahrt zusammen mit dem Münchner Stammtisch nach Kloster Andechs statt. Im Rahmen der traditionellen Seßlachfahrt nahmen Aktive und AHAH zudem an der 1150-Jahr-Feier des Seßlacher Stadtteils Gemünda teil.

Beim Osterconvent wurden Dr. Adolf Dehler, Rolf Thiel und Karl Barnickel in die Riege der 100-Semesterband-Träger aufgenommen. Aufnahme in den AHV fanden Christian Hofmann, Günther Kempf, Ulrich Probst, Matthias Werner, Andreas Wucher und Michael Zimmermann.

Ein erfreuliches Ereignis des WS 87/88 war wieder einmal ein Dreifarben-Kommers zusammen mit den Schwesterverbindungen Casimiriana und Ernesto-Albertina. Die Veranstaltung verlief stimmungsvoll und recht feucht. Als negativ vermerkte x Claus Walter im Rückblick die geringe Beteiligung der Ernestiner.

Auch sonst waren die Veranstaltungen dieses Semesters, es waren gerade mal sechs in den Semesterplan aufgenommen worden, sehr schlecht besucht. Erfreulich hingegen verlief wieder einmal die Weihnachtskneipe mit 83 Teilnehmern. Fux Jürgen Reitzler als Nikolaus sorgte dabei für einen der Höhepunkte. Wie üblich kam er mit rotem Mantel und weißem Bart. Da es draußen allerdings nicht schneite, sondern regnete, hatte sich der Nikolaus gelbe Gummistiefel angezogen. Selbstverständlich mußten alle diejenigen, die ein Geschenk bekamen, ein Gedicht aufsagen oder ein Lied vorsingen. Bei dieser Zeremonie war das sonst übliche "steigen lassen" außer Kraft gesetzt. Stattdessen "regierte" die Rute.

Bei der Abschlußkneipe übernahmen Andreas Kuschbert als x, xx Ralf Schumann und xxx Jochen Rauschert die Chargen für das 234. Semester (SS 88), das jedoch sehr enttäuschend verlief. Die Kneipen waren nur spärlich besucht, sowohl von den Aktiven als auch von AHAH. Der Stiftungsfestkommers, der eigentlich zum Höhepunkt des Sommersemesters werden sollte, fand ebenfalls keinen großen Anklang. Die Corona bestand aus 28 Bundesbrüdern und acht Gästen. Während der Veranstaltung wurden 13 Burschen (Thomas Carl, Fabian Denk, Frank Eberwein, Stephan Förbs, Matthias Handke, Jürgen Hennig, Holger Huber, Wasilios Karkazis, Stefan Keller, Alexander Luthardt, Alexander Traut, Claus Walter und Michael Zech) in den AHV aufgenommen. So schrumpfte die Aktivitas auf sieben Burschen und drei Füxe zusammen. Und weiterer Nachwuchs für den Bund war nicht unbedingt in Sicht. Den "krönenden" Abschluß bildete die Semesterabschlußkneipe, die, aufgrund der geringen Beteiligung (elf Teilnehmer, Aktive und AHAH!!), kurzerhand in einen Stammtisch umfunktioniert wurde. Die Anwesenden ließen sich ihre gute Laune jedoch nicht verderben, so daß das Semester noch einigermaßen harmonisch ausklang.

Auch in Seßlach waren die Ernestiner im SS 88 vertreten und zwar bei der Einweihung der Gedenktafel zum 200. Geburtstag von Friedrich Rückert im Mai. Vier Aktive - sie wurden von AH Dr. Harald Bachmann als offizielle Vertreter des Ernestinums begrüßt - und eine Großzahl AHAH hatten sich zur Feierstunde auf dem Seßlacher Marktplatz eingefunden. Nach Begrüßungsworten von Bürgermeister Hendrik Dressel und einigen Erläuterungen von Oberregierungsrat Albert Krapp beleuchtete Oberstudiendirektor Dr. Harald Bachmann kurz das Leben und Wirken Rückerts in Seßlach. Im Anschluß an die Feierlichkeiten freuten sich die vier Aktiven über eine großzügige Spende von AH Dr. Bachmann, die sofort in Bier, Bratwürste und Kuchen umgesetzt wurde.

Da einige Aktive während des Semesters über die Stränge geschlagen hatten - sie waren während einer Damenkneipe als Feuerwehrleute und Sperrmüllproduzenten aufgetreten - traten Schwierigkeiten mit den Wirtsleuten des "Münchner Hofbräu" auf, so daß die Aktiven gezwungen waren, sich eine neue Konstante zu suchen. Fündig wurden sie dann auf dem Judenberg, wo die Technische Verbindung "Coburgia" den Ernestinern ihr Haus für Veranstaltungen zur Verfügung stellte.

Beim Osterconvent des Jahres 1988 gab es auch im Vorstand des Altherrenverbandes Veränderungen, nachdem Klaus Beyersdorf nach siebenjähriger und Dr. Andreas Höllein nach vierjähriger Amtszeit nicht mehr als 1. und 2. Vorsitzender kandidierten. So wurde Jürgen Marpert mit überwältigender Mehrheit erneut zum Vorsitzenden des AHV gewählt. Der neue "Zweite" wurde Horst Engel, während Fritz Grosch zum dritten Vorsitzenden gewählt wurde.

Dr. Karl Schmorl Ehrenmitglied
Ein neues Ehrenmitglied bekam der AHV in diesem Semester mit Dr. Karl Schmorl, dem ehemaligen Direktor des Ernestinums. Er hatte ganz wesentlichen Anteil daran, daß der Ernestina nach der Neugründung des Altherrenverbandes 1948, ein Jahr später mit einer neuen Aktivitas am Gymnasium Ernestinum ein Bilderbuchstart nach dem Kriege und der Auflösung im Dritten Reich gelang. Er war es, der seinerzeit - gerade ein Jahr als Leiter des Ernestinums in Amt - an jener denkwürdigen Kneipe im Gasthaus "Schröck" einen förmlichen "Massenansturm" junger Abiturienten auslöste. Als Nachfolger von Dr. Ernst Bähr, der bereits aktiver Ernestiner war und die Anstalt von 1912 bis 1948 leitete, setzte Dr. Schmorl die Tradition fort und trat zusammen mit seinen Schülern in die Verbindung ein.

Das WS 88/89 stand unter keinen guten Stern, zu groß waren die Vorbehalte, vor allem von Seiten der AHAH, gegen die neue Konstante auf dem Judenberg. Doch auch die Personaldecke der Aktivitas war alles andere als günstig. So fanden die Veranstaltungen, einschließlich einer Freundschaftskneipe mit der TV Coburgia, nur geringes Interesse. Selbst auf der Weihnachtskneipe in der "Goldenen Traube" ließen sich zum Leidwesen der Aktiven mit x Peter Groh an der Spitze nur wenige AHAH bliken. In diesem Semester hieß es auch Abschied nehmen von Ehrenmitglied Werner Eichhorn (49), der im Alter von 67 Jahren verstarb.

Bei der Semesterantrittskneipe, mit der das SS 89 eröffnet wurde, waren nach einer fuxenlosen Zeit erstmals wieder zwei Spe-Füxe anzutreffen, die im Laufe dieses und des nächsten Semesters noch für weiteren Nachwuchs und einen damit verbundenen Aufschwung der Verbindung sorgen sollten. Im März stand erstmals ein Kegelabend im Frohnlacher Tanzlokal "Carolls" auf dem Programm, der bei den Aktiven großen Anklang fand. Im gleichen Monat fand auch ein Vierfarben-Kommers zusammen mit der Casimiriana, der Ernesto-Albertina und der Franco-Thuringia Neustadt statt.

Im Juni wurde dann wieder eine Couleurfahrt zusammen mit dem Münchner Ernestina- Stammtisch nach Glentleiten bei Kochel durchgeführt. Hiermit verbunden war der Besuch eines Freilichtmuseums, und wer wollte, konnte sich anschließend in Anbetracht des sehr heißen Sommertages im Walchensee abkühlen. Durch das sehr gute Miteinander zwischen Aktiven und AHAH während dieser Fahrt konnte das Verhältnis zwischen älteren und jüngeren Bundesbrüdern herausgebildet werden. Weitere Veranstaltungen waren das Stiftungsfest in der "Goldenen Traube" sowie die Semesterabschlußkeipe, die im "Roten Ochsen" in Seßlach stattfand. Vorausgegangen waren ein gemütlicher Nachmittag in Seßlach und ein sich anschließender Empfang im Rathaus durch Bürgermeister HEndrik Dressel. Damit wurde die alte Tradition, Fahrten nach Seßlach zu unternehmen, wieder aufgenommen.

In seiner Ansprache betonte Hendrik Dressel, daß Seßlach eine Stadt sei, in der die Ideale einer Verbindung gelebt werden können. Und daß die Seßlacher Bevölkerung dem Verbindungswesen wohlgesonnen sei, zeige sich laut Dressel am besten beim alljährlichen Frühschoppen, den die jeweils präsidierende Landsmannschaft des CC zusammen mit der Bevölkerung am Pfingstsonntag auf demMarktplatz veranstalte.

Im Namen der Ernestina dankte AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert für die herzliche Aufnahme. Der Tag solle ein Auftakt sein, die freundschaftlichen Beziehungen zu intensivieren. Dabei, so Marpert, sei Seßlach für die Ernestina eigentlich nur ein "Ersatzort" für die traditionellen Sommerfahrten gewesen, die früher nach Hellingen und Römhild führten. Im Namen der Aktivitas sprach x Peter Groh und überreichte Bürgermeister Dressel eine Spende der Aktiven, die für eine soziale Einrichtung verwendet werden soll. Bei der anschließenden Semesterabschlußkneipe im "Roten Ochsen" hieß es für einige Aktive Abschied nehmen von ihrer Aktivenzeit, nachdem sie das Abitur bestanden hatten. So wurden an diesem Abend Jochen Rauschert, Edi Sremic, Frank Suker, Michael Thauer und Andreas Kuschbert von Jürgen Marpert in den AHV aufgenommen.

Zum 120. Stiftungsfest der Absolvia Hof wurden die Aktiven der Ernestina im WS 89/90 eingeladen, was diese mit einer Zweitagesfahrt nach Hof verbanden. Neben der Teilnahme am Oberfrankenkommers standen auch noch ein nächtlicher Bummel durch Hof sowie ein Frühschoppen auf dem Programm. Im November und Januar zog es die Aktiven erneut ins "Carolls" nach Frohnlach. Wurde zunächst Billard gespielt, hieß es im Januar beim zweiten Kegelabend in der Disco "Wir poltern in die 90er".

Zwischen diesen beiden Veranstaltungen fand die traditionelle Weihnachtskneipe im großen Saal der "Goldenen Traube" statt, zu der viele Bundesbrüder kamen. Durch das Auftreten eines Nikolauses aus dem Kreise der Aktiven war die Kneipe auch unter dem humoristischen Aspekt eine gelungene.

Da vom SS 90 keinerlei Aufzeichnungen über Veranstaltungen aufzutreiben sind, bleibt mir nur übrig, den Ostercovent kurz Revue passieren zu lassen, bei dem es wieder eine Veränderung im AHV-Vorstand gab. Während Jürgen Marpert und Fritz Grosch als erster beziehungsweise dritter Vorsitzender bestätigt wurden, wurde Lutz Langenstein zum neuen zweiten Vorsitzenden gewählt. Beisitzer waren nach den Wahlen Carsten Aumann und Walter Hofmann. Bei diesem Osterconvent ahnte jedoch noch niemand, daß man schon bald von einem aus ihren Reihen Abschied nehmen mußte.

Trauer um Fritz Grosch
Am 16. Juli 1990 hatte sich eine große Trauergemeinde, darunter viele Ernestiner, auf dem Coburger Friedhof versammelt, um von ihrem dritten Vorsitzenden Fritz Grosch Abschied zu nehmen, der wenige Tage nach seinem 60. Geburtstag gestorben war. Fritz Grosch war ein echter Coburger, der seine Heimatstadt über alles liebte. Ein Schwerpunkt war dabei seine Schule, das Ernestinum, und natürlich unsere Verbindung. 1950 sprang er als Fux ein und gehörte damit bei der Wiedereröffnung nach dem Zweiten Weltkrieg zu den ersten Nachkriegsaktiven. Als Fuxmajor war er einer der drei Chargierten seines Burschensemesters. Nach seiner Rückkehr nach Coburg im Jahre 1978 war es für ihn selbstverständlich, sich wieder in der Ernestina zu engagieren. So übernahm er Verantwortung im Vorstand und führte bis zu seinem Tode vorbildlich die Kassengeschäfte. Der Ernestinakalender, der im Jahre 1990 erschien, zählte zu seinen letzten Initiativen im Sinne des Zusammenhaltens aller Bundesbrüder.

Mit einem Ereignis, mit dem eigentlich niemand in den vorausgegangenen Jahren gerechnet hatte, wurde das WS 90/91 (239. Semester) eröffnet - mit einer Fahrt ins thüringische Römhild. Über diese Fahrt schrieb ich im Mitteilungsblatt unter anderem folgendes:
"Am 22. September 1990 war es soweit - die Ernestina konnte nach 56 Jahren wieder eine Römhildfahrt unternehmen. Unter den etwas mehr als 30 Teilnehmern befanden sich mit Hans Axmann und Dr. Otto Dehler zwei Bundesbrüder, die schon frühere Römhildfahrten miterlebt hatten. Unter den Teilnehmern war schon vor der Abfahrt am Landestheater eine gewisse Spannung festzustellen, denn keiner wußte, was uns erwarten würde. Für die Aktiven und uns junge Alte Herren, die die Fahrt nur vom Hörensagen oder auch der Chronik kennen, war es etwas ganz Neues. Trotz des kühlen und regnerischen Wetters war die Stimmung an Bord des Busses sehr gut. Da wurde auch die Irrfahrt unseres Busfahrers, es war dies Bbr. Detlef Räppold, der hinter Rodach in die Prärie anstatt nach Römhild fuhr, mit viel Humor hingenommen.

Letztendlich kamen wir doch in Römhild an. ... Unser erstes Ziel war der Friedhof von Römhild, auf dem unser Bundesbruder Carl Kade, seines Zeichens Apotheker in Römhild, begraben liegt. Doch trotz intensiver Suche aller Bundesbrüder war das Grab nicht zu finden, und wir dachten schon, unverrichteter Dinge wieder abziehen zu müssen. Doch zum Glück lief uns die Küsterin der Stiftskirche über den Weg. Sie zeigte uns das Grab und so konnte der Vorsitzende des Altherrenverbandes, Jürgen Marpert, einen Blumenstrauß mit Band in den Bundesfarben auf dem Grab niederlegen. ... Im Kneiplokal, dem ehemaligen Kulturhaus, empfing uns erst einmal ein ohrenbetäubender Lärm. Da es in dem Saal anscheinend keine Heizung gab, hatte der Wirt einen vorsintflutlichen Heizer in den Raum gestellt, der allerdings sehr gut heizte und wir nicht zu frieren brauchten. ... Kurz nach 20 Uhr war es dann soweit, der Erstchargierte Marcel Sucker eröffnete das 239. Semester. In seiner Rede zur Antrittskneipe wies der Erstchargierte auf die lange Tradition der Ernestina hin, Fahrten durchzuführen. Waren es vor dem Kriege Orte wie Hellingen und Römhild, die angefahren wurden, so war es nach der Trennung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg Seßlach. ... 'Unsere Gedanken wanderten auf den Seßlachfahrten immer nach Römhild', erinnerte sich AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert. Seßlach sei inzwischen mehr als ein Ersatzort geworden.

Mit humorigen Worten erinnerte Jürgen Marpert an die erste Leiterwagenfahrt im Jahre 1907. Damals dauerte die Römhildfahrt zwei Tage und die Kneipen fanden im Gasthof ,Zum Hirschen" statt. ... Bbr. Jürgen Marpert erinnerte auch an den Apotheker Carl Kade, dem 1926 das Ehrenband der Ernestina verliehen wurde. Kade kümmerte sich auf den Römhildfahrten sehr rührig um die Ernestiner. ... Gegen 22 Uhr beschloß der Erstchargierte die Antrittskneipe und mit dem Bus ging es zurück nach Coburg."

Wenige Stunden vor der Römhildfahrt war man zu einem außerordentlichen Altherrenconvent im "Münchner Hofbräu" zusammengekommen, galt es doch, einen neuen Kassenwart zu wählen. Am Ende wurde der bisherige Beisitzer im Vorstand, Carsten Aumann, zum Nachfolger von Fritz Grosch gewählt. Neuer Beisitzer wurde Andreas Kuschbert.

Einen weiteren Höhepunkt neben der Römhildfahrt erlebte das 239. Semester mit der Weihnachtskneipe im Saal der "Goldenen Traube". Der große Saal war fast zu klein, so viele Bundesbrüder waren gekommen, unter ihnen auch beispielsweise unser damals ältester Bundesbrüder, Dr. Günther Weisheit. Die Reden auf der Weihnachtskneipe waren geprägt von den bewegenden politischen Ereignissen des Jahres 1990, aber auch die Situation der Ernestina wurde kritisch beleuchtet. So nannte Erstchargierter Marcel Suker das Jahr 1990 "ein Jahr mit vielen Höhen und Tiefen". Als Tiefpunkte bezeichnete er dabei die Tatsache, daß einige Monatskneipen in Stammtische umgewandelt werden mußten, da es am Besuch fehlte. Auch bereitete der mangelnde Nachwuchs weiterhin Sorgen. Höhepunkt der Weihnachtskneipe war dann zweifellos die Überreichung des Fuxenbandes an Frank Nießen, der nach über einem Jahr Durststrecke der erste Fux war, der wieder in die Ernestina eintrat.

Im 240. Semester ging zunächst der normale "Ernestina-Trott" weiter. Doch so langsam kam wieder Schwung in die Aktivitas, einige neue Mitglieder fanden den Weg in die Schülerverbindung. Im Mittelpunkt des SS 91 stand wieder einmal die Seßlachfahrt, mit der das Stiftungsfest mit einer Kneipe im "Haus des Gastes" verbunden war.

Das 241. Semester (WS 91/92) wurde wiederum mit einer Römhildfahrt - es war die insgesamt 20. - eröffnet. Auf der zweiten Fahrt nach der Wiedervereinigung stand zunächst die Besichtigung des Steinsburgmuseums Römhild auf der Tagesordnung, ehe auf dem Römhilder Friedhof Apotheker Carl Kade gedacht wurde. Nach einem Dämmerschoppen wurde das 241. Semester mit der Antrittskneipe eröffnet. Aus organisatorischen Schwierigkeiten seitens der Gastronomie wurde die Veranstaltung kurzerhand von Römhild nach Milz verlegt. Zum Gelingen der Kneipe trug auch Bbr. Bürgermeister Richard Dlouhy mit einer originellen Rede bei.

Trauer um Dr. Günther Weisheit
Mit einer traurigen Mitteilung ging es ins SS 92: Am 7. März 1992 war unser Ehrenmitglied und Träger des 100-Semester-Bandes, Dr. Günther Weisheit, im Alter von 94 Jahren verstorben. Einen Nachruf bei der Trauerfeier in der Heilig-Kreuz-Kirche sprach Klaus Beyersdorf. Auch wenn Dr. Günther Weisheit nie eine offizielle Funktion in der Verbindung innehatte, so gehörte er doch zu den unermüdlichen Streitern für die Sache. Bis weit über sein 80. Lebensjahr hinaus hatte Günther Weisheit als Zahnarzt seinen Patienten geholfen. Nach dem Besuch der Volksschule wechselte der Verstorbene auf das Gymnasium Ernestinum. In der elften Klasse wurde er 1916 zur Reichswehr einberufen. Nach der Entlassung im Jahre 1919 schloß Günther Weisheit seine Ausbildung am Ernestinum ab. Nach dem Studium der Zahnheilkunde in Leipzig folgte 1921 die Approbation und ein Jahr später die Promotion.

Erfreuliches gab es hingegen von der Aktivitas zu berichten. Nach einer langen nachwuchslosen Zeit konnte Erstchargierter Marcel Sucker beim Osterconvent 1992 vermelden, daß sich inzwischen zehn Fuxen in den Reihen der Aktivitas befänden. So sei es denn auch möglich, wieder Veranstaltungen im größeren Rahmen durchzuführen. Diese frohe Botschaft dämpfte jedoch AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert mit Blick auf die Besucherzahlen ein. "Gerne hätte ich vermelden wollen, daß die Veranstaltungsräume wegen Überfüllung geschlossen werden mußten. Doch dem war leider nicht so", meinte Marpert in seinem Jahresbericht. So seien vor allem die Römhildfahrt und die Weihnachtskneipe auf der Habenseite zu verbuchen. Ansonsten gehe jedoch alles seinen "gewohnten Gang".

Bleiben wir noch einen Moment bei diesem Osterconvent. Auf ihm wurden nämlich mit Werner Lorenz - lange Jahre zweiter Vorsitzender des AHV und Verwalter der Bilderchronik - und Dr. Adolf Dehler, dem "Kegler-Chef", zwei verdiente Mitglieder des Altherrenverbandes zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Auch in diesem Semester wurde das Stiftungsfest wieder in Seßlach gefeiert, wobei jedoch der Besuch hätte besser sein können.

Im Mitteilungsblatt vom Juni 1993 stand es schwarz auf weiß, niedergeschrieben von Jürgen Marpert:
"Liebe Bundesbrüder - es ist geschafft! - Mit der Semesterantrittskneipe und dem Osterconvent haben wir erstmals in unserer fast 125jährigen Geschichte einen eigenen Kneipraum bezogen. Der besondere Dank hierfür gilt unserem AH Carsten Aumann, der uns den Raum zur Verfügung stellte, seiner Familie, die die Bauzeit ertragen hat (und in Zukunft die vielen Veranstaltungen ertragen wird); vor allem aber müssen wir den Hut ziehen ob des Einsatzes unserer Aktiven. Sie haben uns gezeigt, was bundesbrüderlicher Geist und bundesbrüderlicher Einsatz zu vollbringen mochte."

Das 243. Semester stand ganz im Zeichen des Umbaus. Voller Elan gingen die Aktiven an die Sache heran und machten sich über das Kellergewölbe her. Erstchargierter Bernd Eberwein schrieb rückblickend:
"Ein knappes Jahr war die Aktivitas mittlerweile mit der Instandsetzung eines Kellergewölbes bei AH Aumann beschäftigt. So war es auch ursprünglich geplant, den Raum schon ab dem 243. Semester zu benutzen. Doch mit den ersten Arbeitseinsätzen stellte sich gleichzeitig die Schwere der Arbeiten heraus, welche sich die Ernestina als Ziel gesetzt hatte. Je weiter die Renovierungsarbeiten voranschritten, desto mehr neue Probleme, und folglich neue Aufgaben, offenbarten sich. Als Beispiel möchte ich hier nur die komplette Paneelierung des Raumes nennen, obwohl ursprünglich nur ein neuer Putz geplant war. Aber auch der kurzfristige Erwerb einer Baranlage und die damit notwendig gewordene Vergrößerung der Ernestina-Räumlichkeiten brachte uns viel zusätzliche Arbeit. ... Doch beweist der Besuch der ersten Veranstaltung im Kneipraum und die überraschten Gesichter zahlreicher AHAH glücklicherweise, daß sich die Einrichtung einer eigenen Konstanten durchaus gelohnt hat."

Ein weiterer Höhepunkt neben der Eröffnung des neuen Kneipraums am 19. März 1993 war im 244. Semesters sicherlich die Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 175. Geburtstag und 100. Todestag von Herzog Ernst II. So fand am 21. Juni im Mausoleum auf dem alten Coburger Friedhof eine Kranzniederlegung statt, an der neben Stadt und Landkreis Coburg, das Herzogshaus, die Historische Gesellschaft, die Schützengesellschaften Coburg und Gotha, die Freunde und Förderer des Ernestinums, der Fränkische Sängerbund, das Ernestinum und nicht zuletzt die Ernestina teilnahm. AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert legte einen Kranz nieder, die Chargierten präsentierten sich in vollem Wichs.

Das restliche 244. Semester im Schnelldurchgang: Am 10. April wurde eine Osterkneipe geschlagen, bei der einige Füxe geburscht wurden. Ende April besuchte man die Abituria O.R. Hof, die anläßlich ihres 70.Stiftungsfests einen Oberfrankenkommers ausrichtete. Desweiteren fand auch eine Väterkneipe statt, zu der aber leider nur ein Vater erschien. Das Stiftungsfest des Jahres 1993 fand an zwei Tagen statt. Am Freitagabend wurde ein Herrenessen durchgeführt, am Samstag machten sich die Aktiven auf den Weg, um von Witzmannsberg aus nach Seßlach zu wandern. Der Nachmittag wurde mit einem Dämmerschoppen gefüllt, die Festkneipe fand dann nur in einem sehr kleinen Rahmen statt. Auf der Kneipe wurden dann auch die Chargen gewechselt. Der bisherige xx Tobias Westphal übernahm die Führung der Aktiven von x Bernd Eberwein. xx wurde Jörg Kessel, Fuxmajor blieb Frank Nießen. Zudem wurden vier Burschen in den AHV aufgenommen. Mit einer gut frequentierten Abschlußkneipe ging dieses ereignisreiche Sommersemester zu Ende.

Mäßig besuchte Veranstaltungen prägten das 245. Semester. So waren der Antrittsstammtisch und auch die Römhildfahrt (mit Besichtigung von Kloster Veßra und Festkneipe in Wolfmannshausen) nur mäßig besucht. Die Reihe dieser schwachbesuchten Veranstaltungen wurden dann Ende Oktober mit der Weltspartagskneipe beendet. An diesem Abend konnte gemeldet werden "Kneipraum wegen Überfüllung geschlossen". Nach längerer Pause fand bei dieser Kneipe auch wieder eine Burschung statt. Ein großes Loch in die Aktivenkasse brachte eine Kreuzkneipe mit der Casimiriana im November 1993. Es folgten der Nikolaus-Kegel-Stammtisch und eine - wie fast jedes Jahr - hervorragende besuchte Weihnachtskneipe. Nach dem offiziellen Teil wurden die AHAH in den neuen Kneipraum eingeladen und einige von ihnen fanden auch den Weg in die Haußmannstraße. Zu später Stunde kam dann auch noch der Direktor des Ernestinums, Oberstudiendirektor Hans-Georg Kosuch, auf ein (oder mehrere?) Biere in die Konstante.

Feucht-fröhlich verlief das Weißwurstessen zum Auftakt des Jahres 1994, wenngleich einige der Angemeldeten letztendlich nicht erschienen waren. An der Burschungskneipe am 21. Januar wurden wieder einige Füxe geburscht, nachdem zuvor die Chargen für das 246. Semester gewählt worden waren. Eine sehr gut besuchte Kneipe beendete das Semester. Am 11. Februar wurde auch der Chargenwechsel vollzogen, drei "Neue" standen ab diesem Abend in der Verantwortung für die Aktivitas. Es waren dies Matthias Weichelt x, Joachim Klein xx und Stephan Hoferer xxx.

Recht vielversprechend begann denn auch das 246. Semester mit der Antrittskneipe, die wiederum eine sehr gut besuchte Konstante sah. An die Öffentlichkeit traten die Aktiven beim erstmalig am Ernestinum durchgeführten Tag der offenen Tür. Die Aktiven hatten sich entschlossen, mit dem Verkauf von Bockwürsten und Getränken für das leibliche Wohl der Besucher zu sorgen, was sehr gut angenommen wurde.

Ein Teil des wirtschaftlichen Gewinns wurde schließlich dem Ernestinum gespendet. Zahlreiche Veranstaltungen, wobei es sich nicht nur um Kneipen handelte, prägten das Geschehen des 246. Semesters. So nahmen Aktive am Vortrag "Römisches Militärwesen im Experiment" (Veranstalter: Verein "Freunde und Förderer des Gymnasiums Ernestinum") teil, im Mai informierten sie sich bei einem Besuch im "Coburger Tageblatt" über den Beruf des Journalisten. Nur einen Tag nach diesem Besuch stand eine Couleurfahrt nach Marburg auf dem Programm. Dort nahm man an einer Festkneipe mit Chattia und Franco-Thuringia Neustadt teil, am nächsten Tag folgte eine Stadtführung. Zu einem großen Erfolg wurde die Väterkneipe, die am 13. Mai stattfand. Viele Väter waren gekommen, im Gegensatz dazu jedoch nur wenige AHAH. Ein Erfolg konnte auch beim traditionellen Fußballspiel gegen Chattia Marburg vermeldet werden: 3:0 stand es am Ende für die Ernestina.

Zu einer besonderen Veranstaltung wurde die Abikneipe am 10. Juni 1994. Nicht nur, daß fünf Burschen (Frank Nießen, Tobias Westphal, Max Jacob, Jörg Kessel und Sven Kieser) in den AHV aufgenommen wurden, vielmehr setzte OSTD Hans- Georg Kosuch eine lange Tradition fort, als er, wie schon seine Vorgänger Dr. Bähr, Dr Karl Schmorl und Dr. Harald Bachmann, das gold-rot-schwarze Band der Ernestina aufnahm.

Zwei Wochen später folgte das 123. Stiftungsfest, an dem auch die Mitglieder der befreundeten Südtiroler "Laurin's Tafelrunde" teilnahmen. Vom Kneipraum aus wurde trotz drückender Hitze in Richtung Seßlach gewandert, wo am Abend die Festkneipe stattfand. Dabei ahnte noch niemand, was wenige Tage später eintreten würde. x Matthias Weichelt schrieb dazu im Mitteilungsblatt vom August 1994: "Am 28. Juni saß ich noch gemütlich mit einigen Bundesbrüdern im Kneipraum, und wir machten uns Gedanken über den weiteren Ausbau. Als ich am nächsten Nachmittag dort etwas holte, war auch noch alles in Ordnung. Am Abend begann es dann zu regnen; eigentlich nichts außergewöhnliches, aber dieser Wolkenbruch war so heftig und lange, daß der Hof von Bbr Aumann überflutet wurde und das Wasser über die Treppe, unter der Tür hindurch, in den Kneipraum floß. Nun zuerst die gute Nachricht: Das Inventar blieb glücklicherweise vom Wasser verschont. Die schlechte Nachricht ist jedoch, daß der Teppichboden durch das Wasser derart durchweicht und verunreinigt wurde, daß man ihn herausreißen muß. Noch unklar ist, welchen Schaden die Wandverkleidung und der Fußboden davongetragen haben. Erstere wurden offensichtlich nicht so sehr angegriffen, da man beim Streichen wasserfeste Farbe benutzt hatte. Auf jeden Fall muß der Kneipraum erst einmal gut durchtrocknen, bis man wieder feucht-fröhlich darin kneipen kann."

Zum Ende des Semesters gab es schließlich noch die Teilnahme am Stiftungsfest derSaxo-Suevia in Erlangen, ein Grillfest, das Schulfest und die Semesterabschlußkneipe.Bei ihr wurde kein Chargenwechsel vollzogen, die bisherigen Amtsinhaber blieben in Amt und Würden.

Trauer um Rolf Flessa
Mit einer traurigen Nachricht für alle Ernestiner endete das 246. Semester: Kurz vorseinem 85. Geburtstag (26. Juli) verstarb am 11. Juli mit Rolf Flessa einer derverdienstvollsten und treuesten Bundesbrüder. Rolf Flessa wurde im Jahre 1926 in der Ernestina aktiv und nahm nach dem Abitur, als er gerade AH geworden war, das Band bei der Münchner Burschenschaft Cimbria auf. Nach seiner Studienzeit kam er zurück nach Coburg und fehlte ab diesem Zeitpunkt bei kaum einer Veranstaltung. Er war stets zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. So übernahm er 1960 als 3. Vorsitzender und Kassenwart die Verantwortung für die Finanzen unseres Bundes. 16 Jahre lang war er ein strenger Hüter des ihm anvertrauten Schatzes. Aber auch nach dieser langen Amtszeit blieb er stets aktiv, und wechselte, statt sich zur Ruhe zu setzen, zusammen mit seinem Bruder ins Amt eines Beisitzers über. Angesichts dieser Verdienste wurde Rolf Flessa, dem auch das 100-Semesterband verliehen wurde, beim 110. Stiftungsfest 1981 zum Ehrenmitglied der Ernestina ernannt.

Den Beginn des 247. Semesters bildete eine Festkneipe bei der Franco-Thuringia zu Neustadt, an der die Ernestina anläßlich des 30. Stiftungsfests der Neustadter chargierte. Nach der nur mäßig besuchten Abschlußkneipe des 246. Semesters, wurde bei der Antrittskneipe des 247. Semesters ein besserer Besuch verzeichnet. Auch konnte die Fuxia um ein weiteres Mitglied erweitert werden. Es folgten eine Couleurfahrt nach München und die Teilnahme am Oberfrankenkommers. Alt und Jung führte schließlich eine Gothafahrt zusammen. Dabei standen unter anderem Besichtigungen von Schloß Elisabethenburg in Meiningen und Schloß Friedenstein in Gotha auf dem Programm. Nach einem guten Abendessen wurde schließlich eine Kneipe geschlagen.

Im Herbst begaben sich einige Aktive auf eine Couleurfahrt nach Südtirol zur Laurin's Tafelrunde. In den nächsten Wochen folgten mehrere Veranstaltungen, die schließlich in der Weihnachtskneipe in der "Goldenen Traube" ihren Höhepunkt fanden.

Mit Schwung ging's ins neue Jahr, wo am 13. Januar 1995 die stark besuchte Neujahrskneipe stattfand. Dabei wurde seit langer Zeit auch wieder einmal geburscht, vier Füxe erhielten das gold-rot-schwarze Band. Kein freier Platz war Ende Januar im Kneipraum zu bekommen, als ein Spanferkelessen anberaumt war. An der mit vielen Farbenbrüdern gut besuchten Semesterabschlußkneipe fand auch wieder ein Chargenwechsel statt. Andreas Fischer x, Carsten Kobiger xx und Florian Heymann xxx übernahmen die Verantwortung für die Aktivitas. Über die Faschingstage besuchten einige Mitglieder von Laurin's Tafelrunde Coburg. Doch gerade in diese fröhlichen Tage fiel die traurige Nachricht, daß AH Kurt Martin, vielen besser bekannt als "Specht", verstorben war.

Trauer um Kurt Martin
Kurt Martin kam 1928 als junger Schüler zur Ernestina. "Farben tragen heißt Farbe bekennen" war stets sein Motto gewesen. So schreibt AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert unter anderem in seinem Nachruf: "Ihm verdankt es die Ernestina, daß Generationen von Schülern am Ernestinum den Weg zu uns fanden. Er gehörte zu den Ersten, die nach 1945 unseren Bund wieder aufbauten. Er diente dem Bund in vielfältiger Weise in den verschiedensten Funktionen und sei es nur, wenn er bei festgefahrenen Grundsatzdiskussionen durch humorvolle Einwürfe die Situation entspannte und die hitzigen Debattenredner wieder auf den Boden der Tatsachen brachte. ... Unser 'Specht' war zeitlebens Lehrer aus Berufung, er war Freund seiner Schüler - väterlicher Freund der Jungen und treuer Gefährte der Älteren. ... Er war ein großer Geschichtenerzähler und es nahm ihm niemand übel - ja es gehörte zu seinem Markenzeichen wie früher mit Zigarre in der Pfeife - wenn er im Überschwang seiner Gedanken Geschichten und Begebenheiten nicht immer in der historischen Reihenfolge brachte. Gerade diese Art machte ihn so liebenswert."

Viele Veranstaltungen prägten das 248. Semester. So folgte der Semesterantrittskneipe im März die Teilnahme beim 85. Stiftungsfest der AV Abituria Wirceburgia in Würzburg am 1. April. Weiter ging es mit einer mexikanischen und einer Väterkneipe, dem traditionellen Fußballspiel gegen Chattia Marburg und schließlich dem 124. Stiftungsfest, das wieder in Seßlach begangen wurde. Zur Semesterabschlußkneipe wurde ein neuer Zweitchargierter in sein Amt eingeführt. Marek Losowski übernahm die Charge von xx Carsten Kobiger. x blieb Andreas Fischer, xxx Florian Heymann.

Trauer um Herbert Wacker
Und wieder hieß es Abschied nehmen von einem "Großen" aus der Geschichte der Ernestina. Ende August 1995 erreichte Aktive und AHAH die Nachricht, daß der Ehrenvorsitzende des AHV, Herbert Wacker, im Alter von 86 Jahren verstorben sei. Wacker war ein Ernestiner, der sich bis ins hohe Alter hinein mit "seiner" Ernestina identifizierte. Nach seinem Einsprung im Jahre 1926 war er 1927 Erstchargierter der Aktivitas und wurde nach Ablegung des Abiturs in den AHV aufgenommen. Wacker trug maßgeblich dazu bei, daß unser Bund nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1948 wiedergegründet wurde. Von 1950 bis 1958 war er zweiter Vorsitzender des AHV, von 1958 bis 1966 übernahm er dessen Leitung ebenso wie von 1970 bis 1973. In seine Amtszeit fielen unter anderem auch die Feiern zum 75. und 100. Stiftungsfest. Aufgrund seiner Verdienste wurde Herbert Wacker beim Osterconvent 1984 vom damaligen AHV-Vorsitzenden Klaus Beyersdorf zum Ehrenvorsitzenden des Altherrenverbandes ernannt. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand des AHV stand Wacker seinen Bundesbrüdern stets mit Rat und Tat zur Seite.

Unumstrittener Höhepunkt des 249. Semesters war, neben der Fahrt zur Wartburg, zumindest von der Teilnehmerzahl her, die Weihnachtskneipe in der "Goldenen Traube". So war selbst der große Saal fast zu klein, um alle Bundesbrüder aufzunehmen. Höhepunkt der Veranstaltung war der Einsprung von fünf Fuxen in die Aktivitas.

Mit diesem erfreulichen Ereignis zum Ende des Jahres 1995 soll hier und heute die Chronik der Ernestina enden. Ich wünsche unserer Ernestina, daß sie noch einmal 125 Jahre erlebt, immer in einem sicheren Fahrwasser fährt und daß sie vor allem stets eine Aktivitas haben möge, die die Ideale unseres Bundes treu und unverbrüchlich hochhält. Ich kann mich nur Franz Flessa anschließen, der zum Abschluß seiner Chronik im Jahre 1971 folgendes schrieb: "Der ganze Bund der Ernestina kann stolz sein auf seine Vergangenheit und hoffnungsvoll in die Zukunft blicken."

In diesem Sinne wünsche ich der Ernestina ein

vivat, crescat, floreat in aeternum.

Euer Andreas Kuschbert