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Chronik der Ernestina - Teil 1 PDF Drucken E-Mail
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Chronik der Ernestina
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Teil 1: Von den Anfängen bis zur Anerkennung 1906
verfaßt von Franz Flessa


Gründung der Ernestina 1871

Als ich 1966 bei der Ordnung der Akten des AHV gedruckte "Statuten der Ernestina von 1871" fand, faßte ich den Plan, den Ursprung der Ernestina zu erforschen. Das Mitgliederverzeichnis des AHV von 1930 nennt 29 Namen von Bundesbrüdern, die vor 1880 schon der Ernestina angehört haben. 1925 überreichte AH Forstmeister Max Flohrschütz an AH Arno Lerch das älteste Bild der Ernestina von 1871 mit 14 namentlich bekannten Aktiven. Auf diesem, seit 1945 verschollenen Bild, sieht man das bis zur Weihnachtskneipe 1971 im Besitz der Aktivitas befindliche Horn, das eine Stiftung des AH Gerbereibesitzers Gustav Dietz (71) war. Auf einem weiteren verschollenen Bild von 1873 finden wir die Bundesbrüder Dietz, Fischer und H. Köhler. Durch Flohrschütz und Fischer erfuhr AH Lerch um 1925 insgesamt Namen von 25 Bundesbrüdern vor 1880. Aus zwei vorhandenen Bierzeitungen von 1878 haben wir Kenntnis von weiteren vier Bundesbrüdern.

Aufgrund dieser 29 Namen durchforschte ich die Schulakten des Ernestinums und stellte die Klassenjahrgänge der uns bekannten Bundesbrüder fest. Die Konferenzakten dieser Zeit brachten mir dann Namen von insgesamt 57 Bundesbrüdern, die mit den uns bekannten wegen "gemeinschaftlichen" Kneipens bestraft wurden. So bildete sich allmählich das Gerüst der "aktivsten" Ernestiner heraus. Die nicht erwischten Mitläufer sind uns leider unbekannt geblieben. Die Biernamen hatten damals ihren Sinn, denn die Inhaber konnten so leicht unerkannt eine Strafe vermeiden. Aus dieser Zeit stammt noch die Bestimmung, daß jeder jeden "bei Strafe des Spinnens" beim Biernamen nennen mußte.

Diese 1871 gegründete Verbindung sah 14 Mann am Gründonnerstag im "Sprühler's Garten" (= "Bonengel" = "Löwen", ="Dal Pasadore", ="Maccaroni", Oberer Bürglaß). Wenn man zwar feststellt, daß schon in der Tertia die Möglichkeit gegeben war, in die Ernestina einzuspringen, so dürfen wir nicht vergessen, daß das Alter der Aktiven trotzdem im Durchschnitt 16 Jahre war.

Mit der "Obersekunda-Reife" machte man das "Kleine Abitur" = Maturitätsexamen, das für die Studienfächer Apotheker, Architekt, Mathematiker, Naturwissenschaftler, Tier- und Zahnarzt genügte. Ferner konnte man ohne Prüfung an einer Vollanstalt in die Prima eintreten.

Aus dieser Zeit vor 1880 besitzen wir heute noch zwei Bierzeitungen von 1878 und die oben genannten Statuten von 1871. Diese Statuten, die bei Roßteutscher-Coburg im Jahre 1871 gedruckt wurden, bestimmten die Strafen noch mit Kreuzer-Währung. Handschriftlich sind nun die Kreuzer in Pfennigbeträge umgeschrieben worden. Da diese Markwährung am 1. Januar 1876 eingeführt worden ist, muß um 1876 ein Fortbestand der Ernestina gewährleistet gewesen sein.

Vermutlich suspendierte sich die Ernestina mehrmals bis 1880. Größere Schulstrafen brachten immer wieder Existenznöte. Die Akten der Ernestina wurden in Nottagen schnell durch Verteilung an Bundesbrüder in Sicherheit gebracht und gingen somit leicht verloren. Aufgrund der Bierzeitung von 1878 Nr. 1 heißt es im Eingangslied "Heil Ernestina Dir" in der dritten Strophe: "Schon dreimal tagtest Du, doch gingest bald zur Ruh". Somit kann angenommen werden, daß eine Aktivitas bestand von:

1871-1872, 1874-1875, 1876, 1877-1879.

Wenn Schüler eine "Verbindung" gründen,versuchen sie doch zuerst die Dinge sich zu beschaffen, die optisch nötig sind, also Schläger, Bänder und Cerevise. Das aber hatten die "Gründer" schon auf dem Bild von 1871! Und dazu noch die gedruckten Statuten! Wie kann das möglich sein? Bestand vielleicht schon eine Verbindung? Warum steht im Inventarverzeichnis der Aktivitas vom Jahre 1919 verzeichnet: "Vorhanden sind Akten aus dem Jahre 1862, nebst 'Bierzeitung'?" In der Chronik der Aktivitas von 1885 wird erwähnt: "Anwesend auf dem Stiftungsfest vom 21.3. war auch Oberlehrer Georg Beck vom Ernestinum, ein Mitglied der Ernestina vor 1880." (Georg Beck geb. 7.7. 1846 zu Coburg, machte am Ernestinum Ostern 1865 das Maturitätsexamen. Ab 1871 wurde er Lehrer am Ernestinum. Beck müßte somit also schon um 1864 aktiv gewesen sein!) AH Flohrschütz (71) gab AH Lerch schon 1925 die Versicherung, daß eine Verbindung gleichen Namens schon vor 1871 bestanden habe!

Noch 1925 hatten AH Hans Luthardt (71) einen Bierkrug mit Wappen von 1871 und AH Flohrschütz (71) einen Pfeifenkopf mit Wappen von 1871.

Woher nehmen Schüler ohne Anleitung und Vorbild Statuten nach studentischem Brauch? Wenn die Statuten nur "Abschriften" wären, so hat man bei Gründung noch nicht die nötige Erfahrung. Liegt da nicht der Verdacht nahe, daß schon vorher durch Studenten aus Jena eine Ferienstammtischgemeinde herangezogen wurde, aus der sich dann eine Verbindung entwickeln konnte? Wenn wir die Statuten lesen, fallen so viele Ausdrücke auf, die bei Jenenser Burschenschaften damals üblich waren.

Gleich im Paragraph 11 wird von "Schleppfüchsen" gesprochen, diesen Ausdruck kennen nur fechtende Verbindungen. Und dann die Paragraphen 13, 16, 25 und 26 sprechen nur von "burschenschaftlichen" Angelegenheiten und "burschenschaftlicher" Tracht. Die Farben Schwarz-Rot-Gold, die ja an der Schule nicht existierten, sind auch burschenschaftlich. (Die Casimiriana ist auch durch Burschenschafter aus Jena inspiriert worden). Der Zirkel war zuerst der kleine Burschenschafter-Zirkel. Weiterhin wird das Kneiplokal aus Tarngründen zu dieser Zeit "Burgkeller" wie in Jena genannt.

Nachdem der Name "Ernestinum" erst 1875 zur Einweihung des neuen Schulgebäudes auf dem Glockenberg der Schule verliehen wird, hat also eine Verbindung seit 1871 den Namen "Ernestinia"! (Mit der öffentlichen Anerkennung 1906 wurde der Name in "Ernestina" geändert. Das "Warum" ist nicht mehr zu ergründen). Im Paragraph 27 werden schon Ehrenphilister genannt. Die müssen doch älter als die Statuten sein! Fragen über Fragen! Eine Lösung wird wohl nicht mehr gefunden werden, oder doch? Woher nahm die Aktivitas 1871 die Gelder, um gleich diese Kneipausstattung zu besitzen? Denn jeder Aktive mußte neben Band und Mütze noch einen eigenen Bierkrug und eine lange Pfeife haben. Wieso druckt man Statuten, wenn man 1871 nur ganze 14 Mitglieder hat?

Da der AHV erst 1910 gegründet wurde, verblieben bis dahin leider alle Akten bei der Aktivitas. Wie oft liest man in den Chroniken, daß die "Truhe, worin sich die Akten befanden", "aufgeräumt" oder "alter Ballast" verbrannt wurde! So wurde die Gelegenheit verpaßt, doch wenigstens einiges retten zu können. Bei schulischen Beschlagnahmungen von Ernestina-Eigentum griff die Aktivitas oft zu Fälschungen oder gab falsche Eigentumsverhältnisse an. Aufgrund des bisherigen Beweismaterials können wir also die Gründung der Ernestina bestimmt auf den 22.06.1871 festsetzen!

Bis 1897 hatten die Füchse ein Semester als Fuchs zu absolvieren. Ab wann es das Fuchsenband gab, ist nicht mehr festzustellen. Vermutlich trugen die Füchse bis 1900 kein Fuchsenband, wie es bei den Burschenschaften üblich war. 1894 spricht der Chronist noch von der "Burschenschaft Ernestinia". Die damalige Semestereinteilung:
SS = Ostern bis Michaelis (29. September),
WS = Michaelis bis Ostern.

Warum wurde die Ernestina 1880 "wieder" eröffnet?
Um die Ursachen zu finden, die vor 1880 Suspendierung der Ernestina führten, denn das muß ja geschehen sein, weil man sie 1880 "wieder" eröffnete, stellte ich als Schriftführer des AHV 1966 Nachforschungen in den Schulakten des Ernestinums an. Diese Mühe wurde reichlich belohnt! So fand ich die wichtige Eintragung:
"Am 2. April 1879 fand eine Lehrerkonferenz statt, weil 16 Schüler unerlaubt in einem Bierlokal versammelt, in starker Weise gezecht und unpassende Lieder gesungen hatten. Ähnliche Kneipereien sind schon vorher vorgekommen." Von diese 16 Schülern waren uns bis 1966 vier als "alte" Ernestiner bekannt, zwei von diesen werden in den Schulakten als Rädelsführer bezeichnet, 14 Schüler des Jahrgangs 1877/79 erhielten für ihre Kneiperei zusammen 61 Stunden Karzer, nur zwei werden verwarnt. Unter den mit vierstündigem Karzer Bestraften befand sich auch der spätere Anstaltsleiter Robert Amhof (geb. 1862, +1912).

Ein Fortbestand der Ernestina schien besonders gefährdet, da ja auch noch im Wiederholungsfalle mit der Verweisung von der Anstalt gedroht wurde. So wird sich die Ernestina wieder einmal suspendiert haben. Im Frühjahr 1880 haben dann acht Mann des letzten Ernestiner-Jahrgangs 1879, nachdem sie in die Obersekunda versetzt waren, die Verbindung wieder eröffnet. In der verschollenen Chronik von 1880 wird ausdrücklich von einer "Wiedereröffnung" gesprochen! Als Gründungsdatum wurde an Stelle des 22. Juni 1871 der 22. März 1880 als Ehrung für Kaiser Wilhelm I. (geb. 22.03.1797, gest. 09.03.1888) ausgewählt. Die "Wiedereröffner" waren: Clemens Bauer, Albert Brückner, Carl Elflein, Eugen Knauer, Edmund Möller, Nicolaus Oberender, Reinhold Sembach und Wilhelm Wicklein.

Die Wiedereröffnung scheint in den Osterferien 1880 erfolgt zu sein, denn am 24. April stieg schon die erste Kneipe in Seidmannsdorf. Acht Burschen vom Jahrgang 78/79 bildeten mit zwei Füchsen vom Jahrgang 80 die Anfangscorona, die sich bald darauf auf 14 Bundesbrüder steigerte. Man kneipte jeden Samstag und "bei Bedarf" führte man an den Mittwochnachmittagen noch "Exkneipen" durch. Als Stammlokal wurde eine Wirtschaft in Seidmannsdorf gewählt. Auf der Kneipe vom 12.06.1880 wurde die erste Bierzeitung in Gegenwart von AH Traut (78) verlesen. Da jedoch der Schulleitung das Kneiplokal verraten wurde, vertagte man sich bis zum WS.

In der "Hübnerschen Bierwirtschaft" auf dem Oberen Bürglaß wurde das WS am 23.10. mit einer Kneipe eröffnet. Exkneipen stiegen in der "Gärtnerschen Bierwirtschaft" ("= Zum Bausenberg") in Cortendorf. Da man sich hier vor der Schulleitung sicher fühlte, holte man mit 18 Aktiven eine Christbescherung am 22.01.81 nach. In der Stadt tagte man vorübergehend in der Langen Gasse bei "Schöppach" und feierte dort auch die erste Lumpenkneipe nach Wiedereröffnung. In der "Wagners-Brauerei" im Neuen Weg fand die Aktivitas endlich ein prächtiges und sicheres Hinterzimmer. Am 12.03.81 taufte man begeistert dieses Lokal auf den Namen "Burgkeller". Dieser Name tritt nun oft in den Chroniken auf. Das erste Stiftungsfest nach Wiedereröffnung wurde am 31.03.81 unter Anwesenheit von AH Max Pfrenger (78) feierlich begangen. Auf einer späteren Kneipe fand AH Richard Müller (76) ("Sprechsaal-Müller") wieder Anschluß zur Aktivitas. 20 Kneipen in Coburg und vier Ex-Kneipen in Cortendorf zeugen vom Erstarken der Verbindung.

Bei neuem Zuwachs an Füchsen herrschte im SS 81 auf fünf Kneipen fröhliches Treiben. Da Störversuche bekannt wurden, beschloß man das offizielle SS mit einer Kneipe am 18.06.81. Eine Exkneipe im Juli in Cortendorf brachte jedoch neun Ernestinern je zwei Stunden Karzer wegen "unerlaubten Kneipens" ein. Im WS 81/82 begann man mit zwölf Aktiven nach dem Reinfall im Juli erst am 21.12. mit der Semesterantrittskneipe, die zugleich Weihnachtskneipe war. Zum zweiten Stiftungsfest am 21.03.82 wurde erstmals der Landesvater gestochen. Mit 13 Aktiven verbrachte man im SS 82 sieben Kneipen. Das neue Bundeslied "Wo Mut und Kraft" wurde an die Stelle des alten (?) von Wilhelm Wicklein (78) eingeführt. Dieser wurde zum Ehrenphilister ernannt. Da das Bestehen der Ernestina in die Öffentlichkeit gedrungen war, hielt man ab 19.08. keine weiteren Kneipen bis Michaelis. Da das WS mit Aktivenmangel begann, übernahmen AHAH so lange die Leitung, bis der Nachwuchs diese wieder selbst übernehmen konnte. In dieser Zeit herrschte reger Verkehr zur Casimiriana. Elf Kneipen wurden abgehalten. Zum Stiftungsfest wurde Carl Müller (81) am 17.03.83 zum Ehrenphilister ernannt. 14 Bundesbrüder erlebten im SS 83 15 Kneipen. Das erste Biergericht findet statt. Da im WS 83/84 nach der ersten Kneipe am 13.10. ernste Gefahr drohte, wurde die Weihnachtskneipe im "Grünen Tal" (Pilgramsroth) abgehalten. Elf Kneipen zeugen vom sprühenden Leben der Aktivitas. Auf dem Stiftungsfest am 20.03.84 wurden Carl Elflein (78) und Eugen Knauer (78) im Beisein von 25 Bundesbrüdern zu Ehrenphilistern ernannt.

Das wichtigste Ereignis des SS 84 war die Einführung eines neuen Comments, der auf dem Jenenser fußte. Überreicht wurde dieser Biercomment von AH Ernst Altenstädter (82). Dieser Comment wurde erst 1921 wieder geändert. Wegen unerlaubten Kneipens gab es wieder einmal am 23.06.84 für zehn Ernestiner je zweiStunden Karzer.

Im WS 84/85 gab es unter der Leitung der neugeschaffenen vierten Charge (Paukwart Paul Muther) regelmäßige Fechtstunden. Ab Februar wurde aus Sicherheitsgründen der "Burgkeller" nach der "Wilhelmshöhe" (Festungsstraße) verlegt. Schlachthofinspektor AH Emil Müller (77) findet zur Ernestina zurück. Auch das verschollene Trinkhorn von 1871 kam wieder in den Besitz der Aktivitas. Zum sechsten Stiftungsfest mit Musik auf der "Kapelle" wurde wieder unter Anwesenheit vieler AHAH und Gäste der Landesvater gestochen. AH E. Pfaffenberger wurde Ehrenphilister. In der Chronik steht:
"Anwesend war ein Mitglied vor 1880, Oberlehrer Beck."
Im SS 85 entstand das heute noch gültige große Wappen der Ernestina. Es wurde von W. Stammberger (85) erstellt. Auf dem Semesterbild vom 22.03.85 ist noch ein einfaches Wappenschild zu sehen. Ab 1886 zeigen die Semesterbilder zwei Wappen:
1. Wappen: Reichsadler mit gold-rot-schwarzem Brustschild und der Umschrift "Ernestinia vivat-crescat-floreat".
2. Wappen: wie noch heute geführt.
Zum Beginn des SS 86 umfaßte der Bund schon nach fünf Jahren fünf Ehrenphilister, 31 AHAH und neun Aktive. Um weiterhin eine verschworene Gemeinschaft zu bleiben, wurden viele Quertreiber exkommuniziert. Auf sechs Kneipen wurde der gute Kontakt zwischen der Aktivitas und den AHAH immer wieder bewiesen. Da nur ein Fuchsensemester zur Burschung nötig war, mußten diese Füchse fleißig Comment und Lieder pauken, um geburscht zu werden. Sechs Kneipen fanden teils auf der Wilhelmshöhe, teils bei Scheidmantel in Cortendorf statt.

Daß die Aktivitas wirklich "Aktiv" war, bewiesen die zwölf Bundesbrüder auf 18 Kneipen im WS 86/87. Auf einem Heimweg brachte ein Streit um einen Spazierstock Berührung mit der Polizei. Eine Anzeige bei der Schulleitung brachte für fünf Ernestiner wegen "unerlaubten Kneipens" je vier Stunden Karzer. Eine Haussuchung durch die Schulleitung auf der Wilhelmshöhe förderte nichts zutage; da man alle Kneiputensilien außerhalb in Verstecke gebracht hatte, so "konnte kein Verdacht einer Verbindung gehegt werden". Man kneipte nun aus Sicherheitsgründen in Cortendorf. Dennoch wagte man das siebte Stiftungsfest auf der Kapelle abzuhalten. Acht Mann Militärmusik erfreuten 22 Ernestiner und zwölf Gäste. Ein Landesvater beschloß das Fest. Zu dieserZeit gehörten alle AHAH dem Verband der Aktivitas an.

Im SS 87 umfaßte der Verband schon 49 AHAH und zwölf Aktive. Aus Sicherheitsgründen verlegte man die 14 Kneipen nach Cortendorf, Lützelbuch und in die Wagners-Brauerei im dauernden Wechsel. Doch hatte auch der Heimweg Gefahren; so lesen wir in der Chronik: "Zwei Bundesbrüder vergriffen sich an einem Velocipedisten, indem einer ihm seinen barbarischen Stock ins Rad steckte." Beide Ernestiner erhielten aufgrund polizeilicher Anzeige von der Schule drei Stunden Karzer.

Im WS 87/88 kneipte man durchgehend auf "Wilhelmshöhe". Die acht Kneipen litten langsam unter Aktivenschwund, da man wieder einmal rigoros Ausschlüsse vornahm. So sah man sich gezwungen das Stiftungsfest ausfallen zu lassen.

Da nun das SS 88 mit nur zwei Aktiven begonnen werden mußte, übernahmen fünf AHAH wieder die Leitung der Aktivitas. So konnte man dennoch den Kneipbetrieb auf sieben Kneipen bei wechselnden Lokalen aufrecht erhalten. Auch das WS 88/89 sah auf den vier Kneipen die AHAH bei der Kneipführung.

Erst im SS 89 konnten zehn Aktive wieder die Leitung übernehmen. Zwölf Kneipen brachten wieder einmal für acht Mann einen "Disziplinar-Fall" in der Schule. Allen acht Ernestinern wurde bei Wiederholung die Androhung der Entlassung von der Schule zudiktiert. Leider steht über diesen "Fall" nichts in der Chronik. Trotz dieser "Androhung" hielt im WS 89/90 die Aktivitas mit 17 Aktiven19 Kneipen entweder in der "Reichshalle" (Casimirstraße) oder beim "Sturm" (Ketschengasse) ab. Die Weihnachtsfeier brachte zum ersten Male eine Versteigerung. 14 Tage "Influenza-Ferien" im Januar brachte viel Zeit zum Kneipen. So feierte die Aktivitas ihr zehntes Stiftungsfest wieder auf der Kapelle mit sechs Mann Militärmusik. 20 AHAH, elf Aktive stachen den Landesvater. Das Fest schloß mit einem herrlichen Semesterumzug.

Zum SS 90 umfaßte der Verband schon 73 AHAH, davon fünf Ehrenphilister. 17 Aktive erlebten 20 Kneipen teils auf der "Wilhelmshöhe", teils bei Scheidmantel in Cortendorf oder in Lützelbuch. Obwohl ein Liter Bier nur 20 Pfennige kostete, waren Bierschulden bei der Kasse sehr häufig. Das WS 90/91 brachte den 14 Aktiven einen schweren Tiefschlag seitens der Schulleitung. Auf dem Heimweg von der vierten Kneipe im "Goldenen Stern" (Leopoldstraße) kam man in Kontakt mit der Polizei, die eine Anzeige wegen Ruhestörung erhob. In den Schulakten erschien nun zum ersten Mal der Name "Ernestinia". Am 19. und 20.11.90 fand eine langwierige Konferenz über das Bestehen einer Verbindung Ernestinia statt. Durch eine anonyme Anzeige und durch die Aussagen von ertappten Schülern der Verbindung Bavaria (Ober-Tertia + exkommunizierte Ernestiner) sowie der Escordia (Quarta) erhielt die Konferenz Kenntnis der Namen der Ernestiner. Nach langem Einzelverhör erfolgte der Urteilsspruch:
Auslieferung der Chroniken, der Kassenbestände und des sämtlichen Inventars, darunter auch das große Horn! Im Weigerungsfalle erfolge die Erteilung des Consilium abeundi! Der Chronist Knopf schreibt:
"Wir nahmen deshalb einige Prügel (= Kommersbuch) und Schläger nebst einigen Wappen und lieferten sie der Schule aus."
Auf die Erklärung hin, daß das große Horn Eigentum der AHAH sei und die Aktivitas nicht arüber verfügen könne, wurde die Abgabe des Hornes nicht mehr verlangt. Nach der Übergabe des Kassenbestandes von 1,50 Mark erfolgte das Urteil:
Fünf Haupttäter: acht Stunden Karzer und Unterschreibung eines Reverses (liegt kurioserweise bei den Akten des AHV) Acht Täter: sechs Stunden Karzer Ein Mitläufer: zwei Stunden Arrest. Der Chronist beschließt dieses tragische Semester mit den Worten: "So glaubte man auf einmal der Ernestinia Stamm und Wurzel geraubt zu haben." Somit mußte das elfte Stiftungsfest ausfallen.

Aber im SS 91 traf man sich wieder am 27.06. in der Finkenau. Hier leiteten AHAH als Chargierte sieben Kneipen.

Da das WS 91/92 einen Mitgliederschwund brachte, feierte man die Weihnachtskneipe im "Goldenen Stern" und das zwölfte Stiftungsfest auf der "Kapelle" im engste Kreise ohne Gäste.

Im SS 92 können von den wenigen Aktiven keine großen Kneipen abgehalten werden. Deshalb übernehmen im WS 92/93 acht AHAH die Leitung der Aktivitas. DerComment wird vereinfacht und gekürzt. Durch zehn Kneipen wächst die Zahl der Aktiven wieder auf sieben junge Bundesbrüder. Man kneipt in Cortendorf, im "Goldenen Stern" und auf der "Wilhelmshöhe". Wieder gestärkt kann das 13. Stiftungsfest auf der "Kapelle" mit Landesvater stattfinden.

Auch im SS 93 werden die drei Chargen durch AHAH besetzt. Mit fünf Aktiven halten sie bei dauerndem Lokalwechsel dennoch acht Kneipen ab. Es bildet sich der erste Kegelclub der Ernestinia, der wöchentlich in der "Fischerei" kegelt. Dieser Kegelclub macht am 04.06.93 eine Fahrt mit dem Leiterwagen nach Hellingen. Die Chargen fahren in voller Wichs! In Hellingen steht die Bevölkerung Kopf. Der Gesangverein und das Musikcorps ziehen eine Tanzveranstaltung auf. Diese gelungene Fahrt bildet den Anfang für glanzvolle spätere Himmelfahrtsausflüge.

Acht Aktive übernehmen im WS 93/94 wieder die Leitung. In wechselnden Lokalen hält man neun Kneipen ab. So kann auch das 14. Stiftungsfest wieder auf der Kapelle stattfinden, jedoch nur mit Klavierbegleitung. Trotzdem wird wieder der Landesvater gestochen. - Von einem Biertisch am Sonntagnachmittag in Neuses wird einem Fräulein aus Rudolstadt eine Ansichtskarte geschickt. Diese gelangt durch mysteriöse Umstände zum Direktorat. Wie "üblich" erhalten fünf Mann drei Stunden Karzer und zwei Mann drei Stunden Arrest.

Das SS 94 zeigte eine besondere Prägung: Neben neun Kneipen führten die sieben Aktiven zum ersten Male eine Sedankneipe durch. Auf den Kneipen erfreuten immer wieder Solo-Gesänge und Vorträge die Corona. Ja man hielt sogar zweimal "Lateinische Bierreden". Viele Convente und Aussprachen festigten das Leben der "Burschenschaft Ernestinia".

Im WS 95/95 führten die zwölf Aktiven 18 Kneipen durch. Aus Sicherheitsgründen kneipte man am Nachmittag in Scheuerfeld. Auf einer Kneipe in der "Finkenau" erschien zufällig der Anstaltsleiter Dr. Riemann, er "konnte aber abgelenkt werden", berichtet der Chronist. Das 15. Stiftungsfest fand unter Beteiligung einer sechs Mann starken Militärkapelle in Cortendorf statt. Sechs AHAH, neun Aktive und drei Vertreter der Kartellverbindung Arminia am Casimirianum nahmen am Landesvater teil.

Das SS 95 brachte elf Aktiven fünf Kneipen in Scheuerfeld und drei in der Wirtschaft "Herget" (Neustadter Straße). Das WS 96/96 sollte ein sehr schwerer Prüfstein für die Ernestina werden:
Am 19.10.95 nimmt Professor "Klotzbach" einem Sextaner eine Bierzeitung der Ernestina ab und bringt sie vor die Konferenz. Chronist:
"Nur dem treuen Zusammenhalten und der Schweigsamkeit sämtlicher Commilitonen, sowie der ausgezeichneten Verteidigung unserer Sache durch unseren lieben Kneipwirt Stephan Scheidmantel ist es zu danken, daß der 'Reinfall' keine ernstere Folgen für die Corona hatte. Vom sämtlichen Inventar wurden fünf Einladungskarten (!) und ein kleines, gefälschtes Kassenbuch ausgeliefert."
Konferenzakte:
"Es hat sich herausgestellt, daß eine Schülerverbindung besteht unter dem Namen Ernestinia, wie die in früheren Jahren aufgehobene. Bänder, Cerevise, Bierzeichen wollen sie nicht getragen haben, auch hatten sie keinen Kneipschmuck, kein Trinkhorn, keine Schläger. Erkundigungen beim Wirt Scheidmantel haben nichts zutage gefördert. Bezüglich eines festen Präsidiums ist nichts weiter zu eruieren."
Beschluß: Sieben Ernestiner je acht Stunden Karzer; zwei Ernestiner je sechs Stunden Karzer; ein Ernestiner zehn Stunden Karzer, weil er während der Untersuchung wieder gekneipt hat!

Der BC beschließt vorläufig keine weiteren Kneipen abzuhalten. Aber am 20.12. fand im Hahnweg schon wieder eine Kneipe statt. Der Chronist schreibt: "Hier zeigte sich auch wieder so recht, daß wenige, die zusammenhalten, eher etwas Tüchtiges zustande bringen, als eine zusammenhanglose Masse." ; Zehn Kneipen beweisen, daß verbotene Früchte besonders gut schmecken. So kneipte man eben nachmittags, oft mit der Arminia vom Casimirianum. Zu den nun üblichen Bierreden auf Lateinisch gesellten sich auch englische Reden! - Als der Coburger Turnverein nach Rodach marschierte, waren Ernestiner mit dabei. Mit zufällig anwesenden Aktiven der Georgiana-Hildburghausen wurde spontan eine Kneipe aufgezogen. Und man macht sich auf den Heimweg von Rodach nach Coburg - per pedes! 16 Kilometer Nachtmarsch! Müssen das harte Burschen gewesen sein! Da der Anstaltsleiter Dr. Rieman anonym eine Einladung zur Stiftungsfestkneipe erhielt, mußte diese schon vorbereitete Festkneipe ausfallen.

Im SS 96 helfen AHAH den acht Aktiven auf den Kneipen mit. Karl Büchner v. Sumpfhuhn blieb auf diese Weise sieben Semester aktiv. Der "Thüringer Hof" in der Judengasse wird nun zum Stammlokal für elf Kneipen. - Am Himmelfahrtstag zogen nur vier Ernestiner (fünf weitere waren unabkömmlich) per pedes zum Plestener Spitzberg. Nach dem Mittagessen in Fürst a. Berg stieg die Kneipe, die bald abgebrochen wurde, um sie nach einem weiteren Marsch in Neustadt fortzusetzen. Die wackeren Zecher hatten immer noch nicht genug. Am Abend legten sie die letzten Kilometer der 37-Kilometer-Tour per pedes nach Coburg zurück.

Im WS 96/97 sahen sich die sechs Aktiven gezwungen, ihre Kneipen schon nachmittags im Thüringer Hof abzuhalten. Nachdem noch die Weihnachtskneipe im "Goldenen Anker" gefeiert werden konnte, verlegte man vier Kneipen aufs Land. Dennoch wurde das 17. Stiftungsfest im "Goldenen Anker" mit vier AHAH und fünf Gästen gefeiert. Auch hier stieg der Landesvater. Von einer Exkneipe in Obersiemau berichtet der Chronist: "Hier gab sich Herr Lehrer Eduard Fißmann (Vater des mit uns kneipenden Gymnasiasten) als einen Ernestiner des Jahrganges 1871 zu erkennen. Er nahm mit Band an der Kneipe teil!"

Das SS 97 sah sieben Aktive auf neun Kneipen in verschiedenen Lokalen. Aus Sicherheitsgründen veranstalteten die elf Aktiven im WS 97/98 nur fünf Kneipen.

Das Ernestinum wird Ober-Realschule 1898

Im SS 98 und im WS 98/99 fanden wegen erhöhter Gefahr durch die Schule geschnappt zu werden, keine offiziellen Kneipen statt.

Im SS 99 herrschte dagegen wieder reger Betrieb. 14 Aktive konnten 14 Kneipen durchführen, meist außerhalb Coburgs und zumeist an Nachmittagen, auch "wenn es sein mußte, am Sonntag" ! So steht in der Chronik vom 24.06. 99: "Caschpar (= Dr. Bähr) hatte sein Schulstipendium verwendet, um uns ein kleines Fäßchen aufzulegen." Das waren halt noch gute alte Zeiten.

Im WS 99/1900 brechen tolle Zeiten unter der Leitung Caschpers x an. 16 Aktive erleben 19 Kneipen und viele Stammtische. Die Lokale werden, wie üblich, gewechselt und schon am Nachmittag wird gekneipt. Ein Bierritt unter Anführung von Caschper x durch eine ganze Ortschaft zeugt von überschäumendem Jugendfrohsinn. - So wurde auch das 20. Stiftungsfest wieder auf der "Kapelle" mit drei Mann Musik und dem Landesvater gefeiert, "ein Unterprimaner zeigte den Mut als Fuchs einzuspringen" , berichtet der Chronist mit Hochachtung.

Im SS 1900 wird in der Chronik zum ersten Male von Fuchsenbändern gesprochen. - So kneipte die Corona "wie üblich" nachmittags auf den Dörfern. - Das Bier kostete 18 Pfennige pro Liter. Und wieder berichtete der Chronist: "Caschper x zeigte durch das Bezahlen des Bieres, daß er sein Prämiengeld richtig anzulegen verstand."

Das WS 00/01 brachte dem Ernestinum das erste Abitur! - Elf Aktive feierten elf Kneipen in wechselnden Lokalen. Hofrat Dr. "Knorz", der als Burschenschafter der Ernestina "unerlaubter Weise" sehr zugetan war, "verirrte sich ins Kneiplokal, aber er verschwand gleich". 23 Bundesbrüder feierten in Ketschendorf das 21. Stiftungsfest. Vier Mann Militärkapelle halfen die Stimmung zu heben. Auch hier wird der Landesvater gestochen.

Gewarnt durch unseren lieben "Knorz" begann das SS 02 mit einem wichtigen BC-Beschluß: "Jeder Ernestiner der Nichternestinern gegenüber irgendwelche Äußerungen betreffs der Ernestina verlauten läßt, hat eine Geldstrafe (30 Biere!) an die Kasse zu entrichten. Im Wiederholungsfalle Ausstoßung!" Neun Aktive führten unter erhöhten Schwierigkeiten acht Kneipen durch, auf denen sehr oft auch die Casimiriana vertreten war. Mit welcher Begeisterung jeder an seinem Bund hing, beweist der Satz der Chronik: "Ein Frischgeburschter hat sich hinreißen lassen, die ganze Bierschuld von 28 Litern zu zahlen."

Im WS 01/02 gab es gleich nach der zweiten Kneipe Schwierigkeiten. Die Chronik meldet: "Es wurde suspendiert, da zwei Bundesbrüder, die dem Rauchclub 'Concordia' angehörten, 'hereingefallen sind' und neben vier Stunden Karzer das 'Consil' als milde Dreingabe erhalten hatten." ; - Mit welcher Treue alle Bundesbrüder zum Bunde standen, beweist der Satz der Chronik: "Unser Fuchs Woldemar Fuchs v. Orpheus erschien später auf der Kneipe, obgleich er am Nachmittag eine Karzerstrafe von vier Stunden wegen Kneipens abgesessen hatte." - 14 Aktive führten so zehn Kneipen bei starker "Feindeinwirkung" in verschiedenen Lokalen durch. Auf dem 22. Stiftungsfest in Ketschendorf wurde von 22 Ernestinern der Landesvater gestochen. Zur Sicherheit standen zwei Füchse mit starken Karbidlampen vor dem Lokal Wache. Man muß sich eben zu helfen wissen.

Tatendurstig begannen 21 Bundesbrüder das SS 02. Für das Inventar wurde eine Kiste angeschafft. Alle anderen Utensilien wurden verteilt bei Ernestinern aufbewahrt. Die Fechtutensilien verwahrte der xxx, der sich sogar selbst eine Vollwichs kaufte. - So stiegen eben die 14 Kneipen wieder am Nachmittag auf den Dörfern. Ein Exbummel nach Banz rundete das Kneipleben ab.

Ein festes Stammlokal wurde im WS 02/03 bei "Höllein" in Wüstenahorn gefunden. "Jeglicher Lärm auf dem Heimweg von Wüstenahorn wird mit den Kosten für 40 Flaschen Bier bestraft." Da Professor Motschmann geäußert hatte, daß man bald die Ernestina "abfangen" wolle, wurde der Nachtwächter von Wüstenahorn auf den Namen "Hutz" getauft und mit einem Spieß bewaffnet. Dieser nahm als Conkneipant oft an den Kneipen teil. Als weitere Sicherheitsmaßnahmen standen immer zwei Füchse mit Acetylenlampen auf dem Marschberg Vorposten. Für AHAH lagen immer Mützen bereit, die man endlich einmal "wenden" ließ. So verbrachten 20 Aktive 15 Kneipen im sicheren Wüstenahorn. Die Kaiserkneipe und das 23. Stiftungsfest wurden im "Erbprinzen" (jetzt "Münchener Hofbräu" in der Johannisgasse) begangen.

13 Kneipen verbrachten die 23 Aktiven im SS 03, die, wie gewohnt, in verschiedenen Lokalen stattfinden mußten. - Zum ersten Mal stieg die "Welsberg-Fahrt". Über Seßlach, wo man im "Roten Ochsen" einen ausgedehnten Frühschoppen machte, gelangte man gegen 13 Uhr ans Ziel. Ein "frugales Mahl mit Mocca" wurde "eingenommen". Eine ausgelassene Kneipe mit Bierpolonäse durch das ganze Dorf beschloß den Nachmittag. Nach einem Tänzchen mit den Dorfschönen pilgerte die Corona zum Nachtzug nach Rossach. - Um den Inventarbestand zu erhöhen, mußte jeder Fuchs bei seiner Taufe einen Prügel stiften. Das Einsprungsgeld entsprach dem Preis von 25 Flaschen Bier.

Da angeblich im WS 03/04 den 24 Aktiven große Gefahr drohte, wurde suspendiert; aber nach drei Wochen beschloß der BC die "Suspension zu suspendieren" und Kneipen ohne Couleur abzuhalten. Die Kneiputensilien befanden sich bei AHAH in Sicherheit. Der F.C. Verbindung "Solmontia" wurden Schlägerscheiden für eine Festkneipe geborgt, da auch Ernestiner dort aktiv waren. Unfaßbar! - So sahen in diesem Semester verschiedene Lokale zehn Kneipen. Auch wurde zum ersten Male ein Karpfenessen in der Finkenau veranstaltet. - Das 24. Stiftungsfest in Cortendorf brachte neben dem Landesvater auch ein Theaterstück "Tugend" von 1 1/2 Stunden Dauer.

Einen starken Wechsel an Aus- und Wiedereintritten erlebte das SS 04. 15 Kneipen fanden nach dem üblichen Wechselschema statt. Am Himmelfahrtstag stieg die zweite Fahrt nach Welsberg. Bis Seßlach war die Corona schon ein paar Mal "inoffiziell" eingekehrt, um es dann im "Roten Ochsen" in Seßlach "offiziell" zu tun. In Welsberg angekommen, konnten sich die "nimmersatten Pößnecker" am reichlichen Essen so vollfressen, daß "manche sich in der Mittagspause wie gefüllte Riesenschlangen im Grase herumwälzten" . Dann begann die Kneipe, zu welcher " Damen per Glocke eingeladen waren." Diese Damen waren ob des städtischen Besuches so begeistert, daß sie die unermüdliche Schar noch zum Bahnhof nach Rossach begleiteten. - Die Sedankneipe brachte eine Überraschung: AH Dietz (71), Stifter des seit 1971 verschollenen Trinkhornes, war zum ersten Male auf einer Veranstaltung der Aktivitas.

Das WS 04/05 brachte viele Vorbereitungen für das 25. Stiftungfest. Auf zwei AHC wurden durch die AHAH Oskar Wicklein, Paul Brockardt und Ernst Wicklein die Sammlung sämtlicher AHAH von auswärts beschlossen. Das Fest fand mit acht Mann Militärkapelle wieder auf der "Kapelle" statt. 22 AHAH und sieben Gäste konnten das neu geschaffene Sonderliederbuch in Farben bewundern und nahmen am Landesvater teil. Der am nächsten Tag stattfindende Frühschoppen zog sich bis 17 Uhr hin und wurde dann "in die Loreley verlegt" ;. - So verbrachten 17 Aktive acht Kneipen in bester Harmonie. - Leider verstarb AH Gustav Dietz (71) am 17.04.05. Die Aktivitas nahm in Couleur an seiner Beisetzung teil.

Neun Aktive erlebten im SS 1905 in verschiedenen Lokalen sechs Kneipen. Am Himmelfahrtstag unternahm die Corona die dritte Fahrt nach Welsberg. Traditionsgemäß "trank man sich über Seßlach nach Welsberg durch" . Nach dem Festmahl mit Tauben und Klößen kegelte man, um dann nach einer Kneipe zum Bahnhof Rossach zu trollen.

Da das WS 05/06 sechs Austritte zu verzeichnen hatte, übernahm AH Oskar Wicklein (01) die erste Charge; zehn Aktive erlebten bis Weihnachten sechs Kneipen. Da zum Ende des Semesters nur noch drei Aktive vorhanden waren, suspendierte man bis SS 06. Diese drei aktiven Burschen Wilfried Bölian, Wilhelm Dietz und Carl Müller warben unter ihren Mitschülern so aktiv, daß das SS 06 wieder mit 28 Aktiven begonnen werden konnte. - So wurde die vierte und letzte "Welsberg-Fahrt" wieder ein voller Erfolg. Nach einem Antrunk in Eicha kam man mit guter Stimmung zum "Roten Ochsen" in Seßlach, wo sich die Corona mit Bratwürsten und Bier stärkte. Nach dem "Mittagsmahl" in Welsberg stieg um 16 Uhr die Kneipe, wozu der Gemeindediener die Mädchen durch das Ausläuten eingeladen hatte. Da kam plötzlich ein "wachhabender" Fuchs ins Lokal gestürzt und meldete, daß der Religionslehrer Hofrat "Dipperle" im Anmarsch sei. Flugs packte man alle zusammen und setzte sich nach Großheirath ab. Um 20 Uhr fuhren fast alle mit der Bahn nach Hause, während drei Unentwegte per pedes nach Coburg eilten. - Der BC beschloß, um wieder eine einsatzfähige Aktivitas zu bekommen, daß jeder einspringende Unterprimaner sofort geburscht werden konnte. Sonst wurde festgesetzt:
1.+2. Semester = Fuchs; 3. Semester = Jungbursche; 4.+5. Semester = Altbursche;
darüber hinaus = bemoostes Haupt.
So feierten die 28 Aktiven 13 Kneipen in verschiedenen Lokalen und erlebten auf der letzten Kneipe, daß die ganze Aktivitas der Casimiriana geschlossen erschienen war.