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Teil 2: Die "öffentliche" Ernestina 1906 bis zur Suspendierung 1935
verfaßt von Franz Flessa


Die "öffentliche" Ernestina bis zum 1. Weltkrieg 1914

28 Aktive begannen ein ereignisvolles WS 06/07. In der Chronik finden wir von Hermann Kühn folgenden Eintrag:

"Mit der Kneipe vom 27.10.1906 in der 'Cortendorfer Bierstube' schließt ein großer und ereignisvoller Abschnitt der Geschichte unserer Ernestina ab. Die Bundesbrüder haben seit dem Tage der Gründung der Ernestina deren Banner aufrecht gehalten. Ihrer Treue und Liebe zur Verbindung und ihrem gegenseitigen Vertrauen im Interesse der Ernestina sei hiermit auf ewig gedacht! Möchten die nachfolgenden Generationen der Ernestina in ihren gepriesenen Vorgängern das Vorbild erkennen und ihnen in Wort und Tat Nachfolger sein!

Das stetige Wachsen und Blühen unserer Ernestina und der Umstand, daß die Herren Pauker der Penne, der die Verbindung schon manchen wackeren Wirker herangezogen hat, bereits seit geraumer Zeit so ziemlich in die Geheimnisse der Ernestina eingeweiht waren, mußten natürlicherweise in der Geschichte der Verbindung eine glückliche oder verhängnisvolle Wendung herbeiführen. Dies sollte den Aktiven andeutungsweise der 1. November 1906, endgültig der 3. November, bringen.

In der Erwartung, bald wieder eine urfidele Kneipe erleben zu können, betrat man am erstgenannten Tag freudig die Schwelle des Pennals, wenn es auch hie und da munkelte, daß es demnächst von Seiten des Direktoriums etwas setzen würde. Unser lieber Wilhelm Dietz fand es daher für angebracht, an dem betreffenden Tag nach der ersten Stunde die Aktiven nochmals zur Standhaftigkeit anzustacheln, falls der Herr Chef "Näheres" über die Ernestina wissen wollte.

Aber wie war man enttäuscht, als dieser in der fünften Schulstunde sich in einer längeren Rede vertrauensvoll und wohlwollend an seine Oberprimaner wandte und erklärte, daß er nicht abgeneigt sei, die zweifellos am Ernestinum bestehende Ernestina zu einer öffentlichen zu machen. Er bedauere, meinte er, daß man sich von Seiten der Verbindung gescheut habe, ihn darum zu bitten, an seiner Anstalt den Schülern der Prima die gleiche Freiheit zu gewähren, wie sie die Angehörigen der Oberklassen des Gymnasiums in der Casimiriana genössen. Auch wünsche er nicht, daß sich seine Schüler, die der Verbindung angehörten, aus Furcht, bestraft zu werden, in gemeinen Kneipen und Spelunken, wie ihm das zu Ohren gekommen sei, herumdrücken müßten. Man möge ihm daher, meinte er weiter, einen Abgesandten der Verbindung schicken, um mit ihm näher über die Angelegenheit zu sprechen.

Daß solch schneidig und aufrichtig gesprochene Worte unseres Herrn Chefs jeden Ernestiner freudvoll stimmen mußten, ist klar und natürlich, und unser lieber Wilfried Bölian x hatte nichts Eiligers zu tun, als für 17 Uhr und 20.30 Uhr am selbigen Tag einen BC bzw. AC einzuberufen.

Zur bestimmten Zeit versammelten sich alle Burschen in der "Fischerei" und berieten da über den Antrag. Man war der Meinung, dem Chef beizustimmen, aber sich auf jeden Fall Farben und Abzeichen vorzubehalten. Die Füchse aus der Obersekunda mußten natürlich ausspringen. Nach längerer Besprechung der Angelegenhei erhielt Dietz den Auftrag, beim Chef am nächsten Tag mit folgender Anweisung vorstellig zu werden:
1. Ihn um Entschuldigung zu bitten, daß wir seither hinter seinem Rücken gekneipt hatten.
2. Ihm die Namen der Aktiven bekanntzugeben.
3. Ihm mitzuteilen, wo wir seither gekneipt, und vor allem, daß seither Zucht und Ordung in der Verbindung geherrscht habe.
Zur anberaumten Zeit stieg der AC, auf dem außer Boelian (x) und Karl Mühlich (xxx) einige Burschen und sämtliche Füchse erschienen waren. Dem Nachwuchs wurde offiziell der Antrag des Chefs mitgeteilt und ihm zu wissen getan, daß er notwendigerweise bis Ostern 1907 suspendiert werden müsse, was ihm schwer zu Herzen ging. Jeder Ernestiner war gespannt, was die Welt morgen bringen würde: Sie brachte ihm Freude und Erfüllung seiner Wünsche.

Zwar wies der Herr Chef unseren Parlamentär darauf hin, daß die Konferenz erst über die Angelegenheit zu beraten habe, aber es war zu erwarten, daß sie ihrem Präsidium in seinem Wunsche beistimmte. Und so geschah es auch.

Am 3. November 1906 ließ der Herr Chef Boelian (x) in sein Zimmer kommen und verkündete ihm, daß die Ernestina zukünftig erlaubt ist. Damit ist der 3. November 1906 urkundlich als Gründungstag der öffentlichen Ernestina festgelegt.

Als ständiges Kneiplokal ist mit Genehmigung des Herrn Chef das Restaurant "Bonengel" (heute: Dal Passatore) gewählt worden. Farben und Abzeichen durften beibehalten werden. Dem damals amtierenden Direktor der Anstalt, Herrn Oberschulrat Dr. Riemann, der der Ernestina diese große Gunst erwiesen hat, sei aber hiermit ehrerbietigst gedankt!"

 

In den Konferenzakten des Ernestinums findet man folgenden Eintrag:
"2.11.1906. Herr Oberschulrat Riemann teilt mit, daß 14 Primaner ein Geständnis bezüglich der Zugehörigkeit zur Ernestina abgelegt haben. Er schließt hieran den Vorschlag, die Verbindung in Anbetracht der eigentümlichen Verhältnisse, wie sie hier in Coburg liegen, in besonderer Form zu gestatten. Vor allem sollen die Teilnehmer unter keinen Umständen studentische Abzeichen tragen dürfen. Gegen den Vorschlag erhebt sich kein Einspruch.

gez. Riemann gez. Bähr (=Caschper 98)".

Am 10.11.06 steigt die erste "erlaubte" Kneipe in Vollwichs. Die drei Chargierten sind: Wilfried Boelian (x), Paul Leonhardt (xx) und Karl Mühlich (xxx). Da von Seiten der Schule keine Bedenken gegen eine wöchentliche Kneipe bestehen, nützt man das weidlich aus. Auf einer der nächsten Kneipen (15.12.) erscheint zum ersten Mal Dr. Riemann und bringt den Beschluß der Konferenz, daß keine studentischen Abzeichen getragen werden sollen, nochmals zur Diskussion. Aber er genehmigt auch dieses. Als Casimirianer und Jenenser Burschenschafter hat er sicher diese Erlaubnis "gerne" erteilt.

Von den 28 Aktiven zu Beginn des Semesters waren zehn Füchse der Obersekunda wieder ausgetreten und somit die Bedingung zur Anerkennung erfüllt. So feierte man die Weihnachtskneipe "in allen Räumen" bei "Bonengel". Das Lehrerkollegium war zahlreich erschienen und der Chronist meldete: "Diesmal konnte die Anwesenheit von Paukern keinen Einfluß auf die Gemütlichkeit der Aktiven ausüben, denn sie selber waren ja, namentlich Dr. Grube-Einwald (02), Dr. Bähr (98), Dr. Krug (98) nur würdige Vertreter des Gambrinus. Natürlich waren alle Aktiven in Couleur und die Herren Pauker äugten nicht schlecht, als sie die Präsiden in solch schneidigem Wichs erblickten." Mit der Unterstützung der Kapelle Zimmermann feierten 19 AHAH, 13 Gäste und die Aktivitas.

Das 27. Stiftungsfest im "Alten Schießhaus" auf dem Anger war wieder ein voller Erfolg. "Dr. Grube-Einwald dankte im Namen des Lehrerkollegiums für die Einladung und rieb mit seinen Amtsbrüdern auf das Gedeihen der Ernestina einen Salamander."

Als Stammlokal wählte man im SS 07 die "Finkenau". 17 Aktive weilten so jeden Samstag zu löblichem Tun in dem kühlen Garten. Die Statuten wurden den neuen Forderungen angepaßt. Es entwickelte sich ein sehr enges Verhältnis zur Casimiriana. Zu Himmelfahrt "konnte man sich etwas bisher Niedagewesenes leisten, nämlich eine zweitägige Leiterwagenfahrt nach Römhild!" Bei Gluthitze fuhr die Corona mit den AHAH von Coburg los, aber in Neuses "mußte das Horn schon seine erste Füllung erdulden." Der Durst und der Staub zwangen zur öfteren Einkehr in den vielen Gasthöfen entlang der Straße. Nach einer Irrfahrt kam man hungrig und müde gegen 20 Uhr im schönen Städtchen Römhild an. Einige Gäste besuchten die um 21 Uhr beginnende Kneipe, die so lustig war, daß sie erst mit Polizeigewalt gegen 3 Uhr geschlossen werden konnte. Trotzdem war man früh wieder munter und bestieg die Steinsburg. Am Nachmittag wackelte der Leiterwagen mit begeisterten Ernestinern zum Abendschoppen nach Rodach. Frisch gestärkt zogen die Rösser die fidelen Aktiven nach Coburg zurück. In der "Fischerei" wurde diese erste Römhildfahrt unter den Tisch getrunken.

Als im WS 06/07 das Tragen von Bierzipfeln in der Öffentlichkeit von der Schule nicht erlaubt wurde, trug man "eben" Ansteckwappen auf dem Rockaufschlag. - Da zum 28. Stiftungsfest der Chef der Aktivitas verboten hatte, eine Kapelle zu engagieren, so übernahm dies die Altherrenschaft.

Da der Weg zur "Finkenau" nicht immer leicht zu überwinden war, beschloß man im SS 08 das Stammlokal nach Ketschendorf zu "Ehrlicher" zu verlegen. Um die Keilarbeit zu intensivieren, mußten alle Aktive viele Lieder auswendig lernen, um auf den Schulausflügen den Klassenkameraden zu imponieren. - Die schulische Genehmigung der Ernestina wirkte sich in der Folgezeit in denkbar erfreulichster Weise auf das Gedeihen der Verbindung aus. Der stets als lästig empfundene, aber notwendig gewesene Lokalwechsel fiel jetzt fort; Kovente und Kneipen fanden von nun am im WS bei "Bonengel" statt, während in SS die Ehrlichersche Gastwirtschaft in Ketschendorf die Verbindung aufnahm. Hier und dort erhielten die Kneipzimmer einen entsprechenden Schmuck und sowohl die in Coburg ansässigen als die vorübergehend sich in Coburg aufhalten AHAH wußten stets, wo sie die Aktivitas zu suchen hatten. Die Festkneipen der Ernestina am Stiftungsfest, am Sedanstag und zu Weihnachten sowie an Kaisers Geburtstag vereinigten stets eine große Zahl von AHAH mit den Aktiven und trugen wesentlich dazu bei, die Beziehung zwischen der Altherrenschaft und der Aktivitas in wachsendem Maße inniger zu gestalten. Häufig konnte die Aktivitas jetzt auch Vertreter des Lehrerkollegiums in ihrem Kreise begrüßen, ein Zeichen guten Einvernehmens zwischen Ernestina und Ernestinum.

Am Himmelfahrtstag zogen 24 Aktive zur zweiten Römhildfahrt "in den Himmel, in die Gefilde der Seligkeiten." " Unter geistreichen" Gesprächen und fröhlichen Liedern erreichte man nach zwei Stunden Rodach. Nach einem kleinen Aufenthalt in Streufdorf rollte die ausgelassene Corona gegen 20 Uhr in Römhild ein. Zur Kneipe erschienen leider wenige Gäste, aber "ein starkes Orchester ließ mit der ganzen Wucht seiner Instrumente die Kneiplieder ertönen." Am nächsten Morgen ging es zum Kleinen Gleichberg und zum Frühschoppen ins "Waldhaus". "Wir fühlten uns auf dieser laubumkränzten Höhe wie Götter auf dem Olymp." Zum Mittagessen zog man mit dem lauten Orchester nach Römhild zurück. Gegen Abend rollte das Gefährt mit der Götterschar in die heimischen Gefilde.

Leider brachte das WS 08/09 vielleicht einen schmerzlichen Verlust für das Archiv des AHV, denn "altes Inventar" wurde auf dem Hofe bei "Bonengel" verbrannt. - Der Kneipbetrieb lief nun ungestört und hatte viele Gäste, besonders die Casimiriana. Da am 09.03.1909 Oberschulrat Dr. Riemann plötzlich verstarb, wurde bis Semesterschluß offizielle Trauer angeordnet und keine Kneipe abgehalten.

Als man erst im SS 09 das 29. Stiftungsfest feierte, meldet die Chronik: "Vor allem erfreute uns Herr Oberlehrer Dr. Bähr von Caschpar (98) durch sein Erscheinen. Ins erste Präsidium genommen, verlangte er einen Bierquatsch 'Über die Magister'."

"Es war ein Mittwoch, hell und klar" als die Aktivitas zur dritten Römhildfahrt aufbrach. Nach anstrengender Wagenfahrt gelangte die Corona bei dieser Stimmung in Rodach zum "Auftanken" an. Mit Entzücken betrachtete man den Straufhain und die Gleichberge auf der weiteren Fahrt. Mit Gesang zog die Ernestinerschar in Römhild ein, um nach der Quartiersuche im "Schulhaus" sich zum Kommers einzufinden. Diesmal waren honorige Gäste erschienen, darunter der Apotheker Kade. Die Stadtkapelle "strapazierte die Trommelfelle und das Harmoniegefühl" der Corona. "Um so besseres leistete die Kapelle aber im Essen, Rauchen und Trinken." Herr Kade brachte eigene Gedichte im Römhilder Dialekt zum Vortrag. So erlebten die 23 Aktiven in honoriger Umgebung bis um 3 Uhr eine urfidele Kneipe. Dennoch begann am Morgen um 9 Uhr ein "direkter Sturmlauf quer durchs Gelände" zum Gipfel des Kleinen Gleichbergs. Erschöpft und schweißgebadet wurde das Siegesbanner, ein "pitschnasser Gesichtserkertrockenlappen", gehißt. Auf zivilisierten Wegen wurde der Abstieg zum "Waldhaus" vollzogen. Auch hier fand sich eine Kapelle vor, "die in bezug auf falsche Töne der Kapelle vom vorangehenden Abend nichts nachgab." In ausgelassener Stimmung fuhr die Corona nach Rodach zurück, wo noch eine "Kunstpause" eingelegt wurde, die solche Strapazen mit sich brachte, daß die ganze Schar schlafend in Coburg ankam. In der "Fischerei" "warfen sich die Unsoliden dem Alkohol noch mehr in die Arme."

Auf der Sedankneipe mit acht Mann Stadtkapelle in Ketschendorf wurden Prof. Dr. Wilhelm und die Casimiriana begeistert begrüßt. Sogar ein Theaterstück "Monsieur Hercules" wurde aufgeführt. Ein halber Liter Bier kostete zehn Pfennige. An diesem Abend regte AH Beyersdorfer (03) die Gründung eines AHV an.

Das WS 09/10 sah mit 23 Aktiven regen Kneipbetrieb. Von der Weihnachtskneipe wurde berichtet: "So zahlreich wie noch nie zuvor waren die Herren Lehrer des Pennals vertreten, an ihrer Spitze Herr Direktor Amhof (77), Dr. Bähr (98), Dr. Wilhelm, Günzel, Pechtold, Löck." Der älteste AH war Altenstädter (82). - Und wieder meldet die Chronik von "Verbrennungen von alten Utensilien."

Viel Unfug stiftete die Lumpenkneipe: "Am Sonntag glänzten die Spitzen des Gitters am Prinz-Albert-Denkmal im schönsten Hellbraun. Der hochwohllöbliche Magistrat unserer Stadt geruhte nach einigen Tagen das Gitter wieder schwarz überstreichen zu lassen."

Am 18.03.10 wurde in der "Fischerei" der AHV gegründet. Dieses wichtige Werk hatte AH Heinrich Munz (93) aus Leipzig vollbracht.

Das 30. Stiftungsfest brachte über 100 Teilnehmer zusammen. Dr. Grube-Einwald, Dr. Wilhelm, Dr. Daniel vetraten das Ernestinum. Der Bierverbrauch stieg auf 250 Liter und die Cuprumkasse brachte 40 Mark.

Ein turbulentes SS 10 bescherte den 23 Aktiven viel Aufregung. Beide Coburger Zeitungen berichteten von nächtlicher Ruhestörung mit Zerschlagen von Laternen, die sich anschließend nach einem "Saufgelage" in Ketschendorf zugetragen habe. Die Täter fielen der Polizei in die Hände. Untersuchung bei der Polizei und dem Direktorat ergaben als Täter: Ein Fuchs (sieben Tage aktiv) und ein Gast. "Der Fuchs wurde ausgeschlossen. Somit war die Ernestina wieder einmal herausgehalten." - Um bessere Disziplin für den Heimweg zu garantieren, beschloß der BC für Unfug nach Kneipen eine Strafe in Höhe des Wertes von 30 bis 50 Flaschen Bier zu bestimmen. - Ein Exbummel nach Altenhof brachte der Kasse die Ebbe! Füchse zogen einen Wagen, auf dem die Burschen saßen, im Dauerlauf durchs Dorf. An einer scharfen Kurve erfolgte ein Zusammenstoß mit eine Radler, dessen Rad "unter die Räder" kam. Dem armen Schulmeisterlein aus Tambach mußte der Kassier ein neues Rad bezahlen.

Gleich mit zwei Wagen zog die Aktivitas am Himmelfahrtstag nach Römhild. Die Kneipe, diesmal ohne Musik, sah viele Gäste, darunter wieder Herrn Apotheker Kade, der später als alter Corpsstudent die Kneipe im 1. Präsidium vorzüglich leitete. Erst um 4 Uhr wurde die Kneipe unter den Tisch getrunken. Am Morgen marschierte die Corona unter Vorantritt der Chargierten in Wichs vor die Stadt, wo sie von der Römhilder Stadtkapelle empfangen und zum "Waldhaus" geleitet wurde. Ein fröhlicher Weinschoppen mit Gästen und Damen brachte bei Tanzmusik recht viel Freude. Nach dem Essen zog man mit den Gästen nach Milz, wo nochmals getanzt wurde. Dann trugen die zwei Wagen die hungrig gewordenen Ernestiner nach Rodach zum Abendessen. Störungsfrei kam man wieder in Coburg an.

Im WS 10/11 hatten 21 Aktive regen Kontakt mit der Casimiriana. Auf der Sedankneipe mit acht Mann Stadtkapelle wurde sogar ein Theaterstück aufgeführt. - Zur Weihnachtskneipe, an der Dr. Wilhelm teilnahm, waren die Casimiriana und die Georgiana- Hildburghausen liebe Gäste. - Das Semester schloß mit dem 31. Stiftungsfest auf der "Kapelle" in Anwesenheit von drei Lehrern und der Casimiriana.

Das SS 11 sah das übliche Bild einer gesunden Aktivitas. - Wieder zog die Aktivitas zur Römhildfahrt los. Bei strömendem Regen stieg in Rodach auf dem Brunnen zum ersten Male das Flamberglied. Obwohl auf der Weiterfahrt die Gleichberge in den Wolken verschwanden, stieg die Stimmung. Wieder erschien Kade mit prominenten Gästen zur Kneipe und übernahm in der ersten Fidulität das Präsidium. Da man nicht nur innen, sondern auch noch außen sehr naß war, wurde die Kneipe um 2 Uhr unter den Tisch getrunken. Am anderen Morgen marschierte die Corona bei strömendem Regen, die Chargierten in Wichs, zum "Waldhaus" zum Weinfrühschoppen. Da die Stadtkapelle wieder so "harmonisch" spielte, "entrissen die Füchse den Musikanten die Instrumente und brachten den Römhildern einen Begrff von Musik bei." Nach einer langen Kaffeepause in Rodach rollte die Corona zur Musenstadt zurück.

Auf der Sedankneipe war wieder Dr. Wilhelm Gast. Neben der Casimiriana wurde zum ersten Male die Neapolitania-Neustadt begrüßt.

Da im WS 11/12 die Aktivitas so gefestigt war, wurde beschlossen, von nun an keine Unter- und Oberprimaner mehr als Keilgäste einzuladen. - Nach der Kaiserkneipe fand noch das 32. Stiftungsfest im "Alten Schießhaus" auf dem Anger statt. Neben der Casimiriana war auch wieder die Neapolitania als Gast anwesend.

Höhepunkt im SS 12 war für die 16 Aktiven die sechste Römhildfahrt. Mit zwei Leiterwagen fuhr man, wie üblich, am Tage vor Himmelfahrt nach Rodach. Zumersten Male hatte die Aktivitas eine eigene, sechsköpfige Kapelle engagiert. In Rodach munterte das Flamberglied die Einwohner auf. Nach dem feierlichen Einzug in Römhild folgte dann die Kneipe, die eine erdrückende Zahl von Gästen brachte, voran wieder Apotheker Kade. Durch die eigene Kapelle war eine bessere Kneipdisziplin gegeben. Mit Marschmusik wallfahrte die Corona am nächsten Morgen mit Damen um "Waldhaus". Bei Wein und Tanz verging der Vormittag schnell. Als man wieder auf seinem Wagen saß, begann es munter zu regnen. Nach einer ausgiebigen Kaffeeschlacht in Rodach rollte die Ernestinerschar in die heimischen Gefilde.

Das WS 12/13 brachte die üblichen Kneipen, von denen nichts Aufregendes zu berichten ist.

Der Jahrgang 13/14 war sehr spärlich in den Berichten der Chronik. So wird die siebte Römhildfahrt nur mit wenigen Zeilen beschrieben. Die 17 Aktiven haben recht und schlecht sich "tadellos" verhalten und somit keinen Anlaß gegeben, markante Punkte in der Chronik zu hinterlassen.

Das SS 14 begann für 22 Aktive in ruhigen Bahnen. Zur achten Römhildfahrt hatte der AHV 100 Mark spendiert. Nach dem Flamberglied in Rodach zog man nach Römhild. Die Festkneipe war in diesem Jahr spärlich besucht, aber Kade war wieder dabei. Nach dem Frühschoppen auf dem "Waldhaus" zog die Corona zur letzte Einkehr nach Rodach. Nach Einbruch der Dunkelheit landete man wieder in Coburg.

Fröhlich war man in die Sommerferien gezogen,da brach vor Beendigung der Ferien am 2. August 1914 der Krieg aus! Jedes persönliche Interesse schwand. Die Burschen machten ihr Abitur und meldeten sich zum Heereseintritt. Die Füchse wollten nicht nachstehen, bis auf drei folgten auch sie dem Rufe zu den Waffen. "Möge aus dem Blute ein herrlicher Friede aufgehen", so schrieb Chronist Erich R euß (xx) am 14. Januar 1915.

So eilten 13 Aktive sofort zu den Waffen. Die Ernestina supendierte ihre Aktivitas.

Von der Wiedereröffnung 1916 bis zur Suspendierung 1935

Zu Beginn des SS 16 veranstalteten zehn AHAH, zum Teil als Fronturlauber, eine Keilkneipe bei "Bonengel". Die Unterprimaner Otto Nuglisch und Fritz Wirsing traten sofort der Ernestina bei. Die 1. Charge übernahm Oberlehrer Dr. Hermann Grube-Einwald (02), das Fuchsmajorat Dr. Franz Carl (12), hingegen entfiel die 2. Charge. Diese AHAH begannen mit viel Erfolg in kurze Zeit eine achtköpfige Fuchsencorona aufzubauen. Die Füchse leisteten noch nebenbei Dienst bei der Feuerwehr. So konnten nur kleine Kneipen und Fuchsenbummel stattfinden. Der Chronist schildert ein tragisches Ereignis: "Bei einer Nachmittagskneipe in der 'Finkenau' erschien Oberlehrer Dr. 'Kotz' auf der Bildfläche, um sich in ein Glas Milch zu vertiefen. Von uns aufgefordert, nahm er an der Kneiptafel Platz, wobei er eine mächtige Bierrede hielt, worin er betonte, daß er nicht zu den Arschpaukern gehöre." Fünf Tage später wurde die Corona von der Finkenau zum stellvertretenden Chef, Hofrat Dr. Wilhelm zitiert. "Wegen ungebührlichen Betragens in der 'Finkenau' habe die Lehrerkonferenz eine Suspendierung der Ernestina bis Michaelis ausgesprochen. Ohne uns zu Worte kommen zu lassen, wurden mit dem Kommando 'Links um' zur Türe hinausgeworfen." Trotzdem stieg an diesem Abend eine Kneipe, auf der Oberlehrer Dr. Grube Einwald (x) einen Verachtungsschluck auf seinen Kollegen Kotz trank. Trotz Verbot wurden noch zwei Kneipen abgehalten.

Durch erneute Einberufung zur Wehrmacht konnten nur noch fünf Aktive das WS 16/17 eröffnen. Zur Casimiriana besteht weiterhin guter Kontakt. An Stelle der Kneipen finden Kartabende bis zur Polizeistunde um 22 Uhr statt. Die Weihnachtsfeier kann noch steigen. Da nun auch der Chronist eingezogen wird, finden wir nur noch spärliche Einträge in der Chronik.

Zwölf Aktive erleben im SS 17 nur noch Kneipen auf den Dörfern. Als durch die Einberufung im WS 17/18 nur noch sechs Aktive zurückbleiben, hält man die Kneipen im "Erbprinzen" in der Johannisgasse ab.

Nur noch drei Burschen bauen im SS 18 wieder eine Fuchsencorona mit 16 Mann auf. Auf der Abschlußkneipe sitzen drei Lehrer des Ernestinums als AHAH im Präsidium. Bei einem Bierjungen sekundieren Oberlehrer Woldemar Fuchs (01) und Oberlehrer Köhler (07).

"Das bis zur Verdünnung verdünnte Kriegsbier hatte im WS 18/19 Einfluß auf die Geister der Aktivitas. Dennoch wuchs die Aktivitas auf 28 Mann an." Die Kneipen mußten immer vor 23 Uhr geschlossen werden. Enge Beziehungen zur Casimiriana werden weiter gepflogen. - Das erste Tänzchen nach dem Kriege steigt zu Weihnachten auf der Rosenau. Allmählich kommt wieder Ordnung in das Aktivenleben. Die erste Lumpenkneipe steigt und das 39. Stiftungsfest wird wieder in der "Goldenen Traube" gefeiert.

Im SS 19 zeigt die Aktivitas 36 Bundesbrüder. - Der Beschluß, daß von jetzt an Unterprimaner die Fuchsenfarben und die Oberprimaner die Burschenfarben an der öffentlichen Schülermütze tragen sollen, wird vom Direktorat genehmigt. Die Einrichtung der Verkehrsgäste kommt endlich zum Fortfall, da diese "Gäste" sich zuviel angemaßt hatten. Kneipen werden dort abgehalten, wo man gutes Bier (bayerische Dörfer, z.B. Eicha) oder gutes, markenfreies Essen bekam. In Eicha mußten z.B. alle Kneipteilnehmer Kartoffeln mitbringen, um diese zum Quark der Wirtin zu verspeisen.

Das WS 19/20 sieht wieder einen regen Besuch der AHAH auf den Kneipen der Aktivitas, das zumeist bei "Görauch" in der Ketschengasse abgehalten wurden. - Das 40. Stiftungsfest, eingeleitet mit einem Tanzkränzchen in Ahorn, stieg auf der "Kapelle" in Anwesenheit von 30 AHAH und vielen Gästen.

(Leider ist die Chronik von 1920-1924 verschollen. Wir können uns nur an die Aufzeichnungen von AH Arno Lerch von 1930 halten).

Die im Kriege heruntergekommenen Bierverhältnisse besserten sich allmählich und mit höchster Freude meldet der Chronist von der Semesterantrittskneipe des WS 20/21, daß zum ersten Male nach dem Kriege achtprozentiges zum Ausschank gelangte.

Im SS 21 konnte wieder die Römhildfahrt (9.) in gewohnter Weise vollendet werden. Wir lassen hier noch eine kurze Schilderung aus der Mitte der 20er Jahre folgen:
"Am Mittwoch vor Himmelfahrt traf sich die Aktivitas, angetan mit dunklen Anzügen (welch eine Folter an heißen Tagen), bestieg die Laderampe eines mit frischem Grün geschmückten Lkw und ab ging die Fahrt in Richtung Rodach. Auf dem dortigen Marktplatz steig das Flammberglied, wobei der jüngste Fuchs ein großes Holzschwert mit flammenähnlich gewellter Klinge zu schwingen hatte, die diesjährige Römhildfahrt wurde angetrunken. Mit gefülltem Horn brauste die Schar gen die Gleichberge und artistische Körperbeherrschung bewiesen alle Teilnehmer beim Umtrunk während der Fahrt, denn bei der Füllung soll es nicht geblieben sein. Wie die Wirkung auf den Gleichgewichtssinn war, verrät keine Chronik. Vorbei an der Ruine Straufhain führte der Weg ins Städtchen, wo Apotheker Kade seine Schäfchen in Empfang nahm, die Quartiere verteilte und zum Abendessen aufforderte. Höhepunkt dieses Tages: Der große Festkommers im Saal des Schützenhauses unter Teilnahme der Honoratioren der Stadt und kritisch-freundlicher Bewunderung durch die holde Weiblichkeit, die hoch vom Balkon die Ereignisse verfolgte. Vorangegangen war ein Fackelzug, angeführt von den Chargen hoch zu Roß (keine Schlachtrösser, sondern brave Ackergäule mit meterbreitem Kreuz) und begleitet vom klingenden Spiel der Stadtkapelle.
Über die Begebenheiten während der Nacht, die sich als Folge des fleißig genossenen Gerstensaftes ergaben, schweigt des Chronisten Höflichkeit noch immer. Es bleibt nur zu hoffen, daß vielleicht doch noch einiges ans Licht des Tages kommt. Der Frühschoppen auf dem Marktplatz; ein Nachmittagsausflug zum Waldhaus (wunderbar zwischen den Gleichbergen gelegen) mit Damen natürlich und die Besichtigung der Steinsburg unter sachkundiger Führung von Apotheker Kade bildete das Programm des Himmelfahrtstages. Wie die Heimfahrt vonstatten ging, können wir uns heute lebhaft vorstellen und braucht deswegen hier nicht ausgemalt zu werden. Das also war Römhild, ein Begriff in den Jahren 1907 bis 1934, mit einer Unterbrechung durch Krieg und Inflation von 1914 bis 1921."

Nicht weniger als 17 BC und AC fanden in diesem bewegten Semester statt. Sie beschäftigten sich einerseits mit dem Verhältnis der Ernestina zu einer anderen unerlaubten Verbindung der Anstalt, andererseits mit dem Verlangen der Lehrerkonferenz nach Abänderung der Statuten.

Die in den Jahren 1922 und 1923 immer mehr sich bemerkbar machende Geldentwertung wirkte sich naturgemäß auf den Betrieb in der Verbindung aus. Die Zahl der Aktiven schwankte zwischen 22 und 28.

Einen Höhepunkt brachte das SS 23 mit der 75-Jahr-Feier des Ernestinums. Der AHV hatte zu einem Begrüßungsabend auf der "Kapelle" eingeladen. In Scharen waren die Bundesbrüder von nah und fern herbeigeeilt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Übergabe der Ehrentafel an die Aktivitas durch den 1. Vorsitzenden des AHV, Reichenbach (99). Ein von AH ürgermeister Altenstädter (82) besonders zu dieser Feier verfaßtes Lied " Unseren Helden" bildete den würdigen Abschluß dieser erhebenden Feier. Zum Abschluß der Schulveranstaltungen trafen sich die Ernestiner mit Damen auf der Rosenau und abend beim Tanz in Oeslau.

Mit Beginn des WS 23/24 zog die Aktivitas ins "Goldene Kreuz" in der Herrngasse, um jedoch schon im nächsten Semester in die seit alters her beliebte "Fischerei" überzusiedeln.

Im SS 24 stifteten ehemalige Schüler zum 76. Stiftungsfest des Ernestinums eine Fahne. Die Übergabe erfolgte durch AH Prof. Albin Weißbrod (06) an die drei Fahnenträger, die zugleich die drei Chargierten der Ernestina waren. (Die Ernestina trug bei jedem Schulfestzug diese Fahne). Die Festrede im "Coburger Hofbräu" hielt AH Bürgermeister Altenstädter (82).

"Begeistert sind wir auf unsere beiden Leiterwagen gestiegen, begeistert haben wir in Rodach unser Flamberglied gesungen, begeistert sind wir zum elften Male in Römhild eingezogen! Es war eine Himmelfahrt für uns!" schreibt der Chronist im SS 25. Die Römhilder überboten sich an Gastfreundschaft. Die Kneipe war ein rauschendes Fest, das sich am Frühschoppen am nächsten Tage nochmals steigerte. Unter den Klängen der "disharmonischen" Stadtkapelle marschierte die Festcorona zum "Mittagsschmaus". Nach einem ausgedehnten Tänzchen im "Waldhaus" zogen die beladenen Wagen gegen Abend nach Rodach, um erst gegen Mitternacht in Coburgs Mauern zu landen. Im WS 25/26 konnte wieder der "Bonengel" bezogen werden. Hier fühlte man sich wirklich heimisch, hier fand auch die Ehrentafel einen würdigen Platz. An den Wänden hingen die Jahrgangsbilder aller Jahrgänge ab 1871. - 27 Aktive waren Gast beim Weihnachtsball des AHV im "Gesellschaftshaus". - Diesmal brachte die Lumpenkneipe einen Stadtumzug.

Das SS 26 wurde wieder turbulent. 25 Aktive waren, trotz schlechten Bieres, dem Alkohol mehr zugetan, als ihre Geldbeutel es verkraften konnten. Schwierig wurde das Eintreiben der Bierschulden. Als die diktatorischen Burschen eine Kneipe auf den Tanzstundenabschlußball der Füchse legten, kam es zur ersten Fuchsenrevolution in der Geschichte der Ernestina. Durch die Hilfe des Anstaltsleiters Dr. Bähr und des AHV-Vorsitzenden Prof. Weißbrod konnte diese Machtprobe überwunden werden. - Das 46. Stiftungsfest fand, wie üblich, wieder auf der "Kapelle" statt.

Zur 12. Römhildfahrt bestieg die Corona zum ersten Mal ein Lastauto. In sausender Fahrt ging es über Rodach nach Römhild. Bei 37 Freiquartieren konnten auch die teilnehmenden AHAH gut untergebracht werden. Die "Sphärenklänge" der Stadtkapelle verschönten schon den Abendschoppen. Um 21 Uhr begann der Fackelzug, die Chargierten und AH Lerch auf hohem Roß. Als Reichel x seine Festrede auf dem Marktplatze mit einem donnerndem "Hoch" auf Römhild schloß, gingen sogar die Pferde hoch. Auf dem Kommers erhielt dann Apotheker Kade das erste Ehrenband der Ernestina überreicht. Da die Kneipe wieder sehr spät schloß, wurde der Frühschoppen erst um 11 Uhr angesetzt, der etwas unter Regen litt. Es formierte sich nun ein Festzug, Chargierte und AH Lerch wieder hoch zu Roß, der zum Marktplatz ging, wo AH Lerch den Dank an die Römhilder Bürger nochmals aussprach. Nach dem Mittagessen fuhr alles (noch viele AHAH waren mit ihren Gattinen nachgekommen) zum "Waldhaus", um dort bei Tanz und Wein bis abends fröhliches Beisammensein zu feiern. Die Heimfahrt in der Nacht brachte die sehr müde gewordene Corona direkt ohne Aufenthalt zum "Bonengel", wo man sich mit Heringen und Gurken wieder auffrischte.

Auf der Sedankneipe erschien zum ersten Male die Ernesto-Albertina, die von nun an gern gesehener Gast war. Zum ersten Male fand nach einer Kneipe eine "Mensur" zwischen Chargen im Kneiplokal statt, die zum mitternächtlichen Besuch einer Apotheke zwang. Das Semester war eben doch zu turbulent.

Auch das SS 27 begann wieder ebenso turbulent. Bei einem Frühschoppen nach dem Schulgottesdienst saß die Corona im Garten bei "Bonengel", als ein Wirtshausgast am Tische erschien und sich als "König von Bulgarien" ausgab. Da er ihm so täuschend ähnelte, wurde er als "Monarch" gefeiert. Alles war an sich harmlos. Über dieses Vorkommnis wurde in einem Pamphlet gegen die Ernestina im "Volksblatt" berichtet (Verfasser: ein aus der Ernestina ausgeschlossener Fuchs). Daraufhin bekamen alle Teilnehmer eine Stunde Rektoratsarrest und Herbert Wacker x sogar zwei Stunden. Die Ernestina wurde seitens der Schule bis zum Herbst suspendiert. So wurden eben alle Veranstaltungen wieder auf die Dörfer verlegt.

Im WS 27/28 lief der wieder erlaubte Kneipbetrieb im üblichen Rahmen. - Zum 80. Geburtstag Hindenburgs wurde ein großer Kommers gehalten und dem Heerführer ein Telegramm übersandt. - Auf den Kneipen waren immer wieder die Casimiriana, die Ernesto-Albertina und oft die OR-Bamberg als Gäste. - Am Weihnachtsball des AHV im "Gesellschaftshaus" nahm die Aktivitas bis 4 Uhr teil.

Das SS 28 wurde mit 40 Aktiven begonnen. Auf den Kneipen konnten immer wieder die Lehrer, die Casimiriana, die Ernesto-Abertina, die Abituria Bamberg und die OR-Bamberg begrüßt werden. - Lobenswerte Beschlüsse des BC sind festzuhalten: Zur Burschenprüfung mußte jeder schwimmen können. Wer schlechte Leistungen in der Schule zeigt, konnte an keinem Tanz teilnehmen. - Zum 80. Stuftungsfest der Schule durfte zum ersten Male in der Öffentlichkeit Couleur getragen werden.

Mit einem Lastauto zogen die Aktiven zur 13. Römhildfahrt nach Rodach. Nach dem üblichen Flamberglied "raste" man nach Römhild. Nach dem herrlichen Fackelzug, diesmal ohne Pferde, fand wie üblich ein Gedenken an die verstorbenen Bundesbrüder bei zusammengeworfenen Fackeln statt. Die Kneipe war für jedermann wieder ein großes Fest. Nach dem Frühschoppen zog die Corona mit der Kapelle zum Marktplatz, wo AH Lerch, der geeignetste Mann dafür, den Dank an die Bevölkerung aussprach. Nach einem Tänzchen im "Waldhaus" fuhr alles zum Abtrunk zum "Bonengel".

Im WS 28/29 war der Weihnachtsball des AHV im Gesellschaftshaus "das Ereignis in Coburg". - Das Semester schloß mit dem 49. Stiftungsfest auf der "Kapelle" unter Anwesenheit vieler Gäste.

Im SS 29 wurden endlich Biermarken eingeführt. Bisher hatte man die Bierschuld gemeinsam geteilt, deshalb gab es solch große "Schulden". Der Liter Bier kostete jetzt 60 Pfennige. - Die 36 Aktiven hatten immer wieder die befreundeten Verbindungen als Gäste bei sich.

Auf dem Rodacher Marktplatz wurde mit dem Flamberglied die 14. Römhildfahrt eröffnet. In Römhild fand vor der Kneipe ein Fakelzug und ein Totengedenken statt. Viele Römhilder Bürger hatten sich eingefunden. Auf dem Marktplatz verlebte die Aktivitas einen herrlichen Frühschoppen. Ein gemütlicher Aufenthalt im "Waldhaus" schloß sich an. Die von AH Kade gestiftete Stammtischfigur konnte nach Rückkehr am späten Abend bei "Bonengel" gleich eingeweiht werden. Im WS 29/30 wurden im großen Saal bei "Bonengel" die Sedankneipe festlich begangen. Das Ehrenband erhielten für ihr Eintreten für die Ernestina die Lehrer Dr. Walter Diesel und Karl Schwesinger. - Es gab auch Bundesbrüder, die "in Anbetracht ihrer Schuleistungen" ihre Charge niederlegten! Höhepunkt war wieder der Weihnachtsball im Gesellschaftshaus.

Der Gipfelpunkt des SS 30 war das 50.Stiftungsfest der Aktivitas zu Ostern. Zum Begrüßungsabend konnten die 18 Aktiven schon 80 AHAH begrüßen. Die Leitung des Kommerses war drei Burschenschaftern übertragen worden, die geeignet waren, diesen schweren Anforderungen gerecht zu werden. So hatte AH Friedel Götz (24) das 1., AH Kurt Schröder (27) das 2. und AH Ewald Gemmer (29) das 3. Präsidium inne. 250 AHAH waren neben den Gästen anwesend. Die Festrede hielt in alter Bravour AH Arno Lerch (13). Einen weiteren Höhepunkt des Abend bildete eine Bierparade beim ältesten Ernestiner AH Eugen Knauer (78). Das Fest klang mit einem Ball im "Gesellschaftshaus" aus.

Wieder wurde mit dem Flambergschwert die 15. Römhildfahrt in Rodach "angestoßen ". " Aus heller Begeisterung hatte man sich dann verfahren, aber man gelangte dennoch zeitig nach Römhild." Nach dem Dämmerschoppen führten die Chargierten, wieder hoch zu Roß, den Fackelzug an. Doch zuvor wurde der Fuchsmajor "zum Schrecken aller Passanten, denn wie ein Wilder raste er auf seinem Gaul durch alle Straßen." Der Fackelzug zum Marktplatz brachte die Rede des x an die Bevölkerung. Danach Totengedenken am "Schützenhaus". Der Kommers sah wieder neue Gesichter in den Reihen der "Stammgäste", die wieder begeistert mitfeierten. Nach dem Frühschoppen auf dem Marktplatz bildete sich ein Festzug mit Musik zum "Schützenhaus". Am Nachmittag fand zum ersten Male ein großer Ball im "Schützenhaus" statt. Auf der abendlichen Rückfahrt wurde nochmals in Beiersdorf ein Abtrunk "bewältigt". Eine Kneipe zur Rheinlandbefreiung brachte den Abschluß des ereignisreichen SS 30. - Vom WS 30/31 sei nur noch der Weihnachtsball des AHV zu nennen.

Auf den Kneipen des SS 31 konnten die 19 Aktiven immer wieder AH Dr. Diesel und Dr. Schmorl neben der Casimiriana und der Ernesto-Albertina begrüßen.

Nach einer Ehrenrunde um den Coburger Marktplatz gelangte die Ernestinerschar mit einem Schnellaster bald nach Rodach und zum 16. Male nach Römhild. Nach dem Dämmerschoppen machte man sich zum Fackelzug bereit. "Die Pferde kamen und unsere Chargierten beäugten erst einmal diese wilden Tiere, ehe sie sich auf den Sattel hinaufarbeiteten. Schellerer xx, ein schneidiger Renner, wurde nach kurzem Ritt vom Gaul heruntergedreht. Elstner xxx ging mit seinem Gaul, oder vielmehr der Gaul mit ihm durch die Latten, so daß nur Seifert x bei uns war. Jedoch, als wir an dem Platze, wo der Fackelzug seinen Anfang nehmen sollte, angekommen waren, waren zu unserem großen Erstaunen die drei Gäule auch da: sie kannten scheinbar den Platz noch vom letzten Jahr her." Nach der üblichen Abendfeier für die Toten, stieg die Kneipe. Der Festcorona brachte diesmal die Kapelle "mit außerordentlicher Feinfühligkeit" mehrmals ihren "Dichter und Bauer" zu Gehör. Der übliche Kaffee, den Kade immer stiftete, beendete das große Fest. Aber nach dem Frühschoppen zwang ein gewaltiger Gewittersturm alles zum Mittagessen. Als die Sonne wieder schien, zogen die Streitrosse mit den Chargierten vor dem "musikalischen" Festzug zum "Waldhaus". Gegen Abend wurde zum Abtrunk mit Käse nach Beiersdorf gestartet.

Im Juni zog die Aktivitas des besseren Bieres und Wirtes wegen ins quot;Münchener Hofbräu" (Johannisgasse).

Im WS 31/32 fand unter Leitung der Casimiriana eine gemeinsamen Sedankneipe in Cortendorf statt. Die Georgiana-Hildburghausen war zum ersten Male als Gast erschienen. - Den letzten Höhepunkt bildet der Weihnachtsball des AHV.

Mit dem SS 32 begannen zwei ruhige Jahre. Nach Eröffnung der 17. Römhildfahrt in Rodach fuhr die Corona über Streufdorf nach Römhild. Aus Geldgründen mußte auf eine Kapelle und auf den Fackelzug verzichtet werden. Somit war die Kneipe, trotz vieler Gäste, sittsam und endete mit dem "Kade-Kaffee". Nach dem Frühschoppen in der "Quelle" fand im "Schützenhaus" bis zur Abfahrt ein gemütliches Beisammensein statt. Mit dem Abtrunk in Beiersdorf schloß die ruhige Fahrt.

Die 15 Aktiven sahen eine Sedankneipe ohne Casimiriana. - Der Weihnachtsball im "Gesellschaftshaus" war der Höhepunkt im WS 32/33. Die ersten Anzeichen einer inneren Unruhe waren zu bemerken.

Nachdem 15 Aktive in Cortendorf einen Ostertanz auf die Beine stellten und einige Kneipen feierten, beschloß man die Römhildfahrt ausfallen zu lassen. So lief das SS 33 recht müde aus.

Im WS 33/34 finden wir in der Chronik den lapidaren Satz: "Von nun an (22.9). fallen alle Veranstaltungen aus, weil niemand erscheint!"

Nachdem nun der AHV sich "gleichgeschaltet" und Dr. Adalbert Heim v. Adam (21) die Führung übernommen hatte, wurde die Leitung der Aktivitas AH Dr. Hermann Zang (23) am 13.1.34 übertragen. Es gelang ihm wieder vorübergehend Ordnung in die Aktivitas zu bringen.

So begann das SS 34 mit 16 Aktiven. Doch schreibt der Chronist: "Mögen größere Zeiten wieder für die Ernestina anbrechen, Zeiten, wie sie einst waren." Die Burschen waren in kurzer Zeit vom "neuen Geist" beseelt und versuchten, alles Überkommene mit Füßen zu treten. " Die neuen Chargierten gaben dem alten Regime den Gnadenstoß." Unter diesen geistigen Voraussetzungen stieg die letzte, die 18. Römhildfahrt. Die Fahrt hatte der AHV finanziert. Mit Postomnibus rauschte die Corona nach Rodach zur Flambergfeier am Brunnen. Abends war in Römhild großer Fackelzug mit berittenen Chargierten. Die anschließende Kneipe stand schon ganz im "Umbruch". Nach dem Frühschoppen auf dem Marktplatz zog die Ernestinerschar ins "Waldhaus". In Beiersdorf "bewilligte Dr. Heim der Aktivitas eine Maß Bier, da er mit dem schneidigen Auftreten restlos zufrieden war." Zum letzten Male verspürte man noch Reste des alten Ernestinergeistes, denn mehrere AHAH verhinderten eine Entgleisung.

Das SS 35 bringt unter Oskar Volk x vorübergehend wieder Ordnung in den Aktivenbetrieb. Hoffnungsvoll feiert der AHV Ostern sein 25. Bestehen mit einem AHC und einer Festkneipe. Auch der Tanz in Oeslau scheint die Wogen wieder geglättet zu haben. Das Verhältnis zur Schule ist wieder gut. Auch ein Tänzchen in der "Rosenau" läßt das kommende Unheil noch nicht erahnen.

Da folgt der Beschluß des BC vom 22.11.1935: Auflösung mangels Nachwuchses wird einstimmig beschlossen. Das Inventar bekommt der AHV zu treuen Händen. Alle Aktiven treten dem AHV bei.

Zunächst blieb der AHV bestehen. Bei der "Gleichschaltung" übernahm Dr. Heim den Vorsitz. 1937 wurde auf dem AHC beschlossen, eine "Kameradschaftliche Vereinigung ehemaliger Abiturienten des Ernestinums" zu schaffen. Am 11.11.37 wurde diese ins Vereinsregister eingetragen. 1. Vorsitzender wurde nun Studien-Professor Fuchs, 2. Dr. Zang, Kassier Dipl.-Volkswirt H. Wacker.

Es blieben Stammtische und einige Tanzveranstaltungen. Der Krieg 1939 machte auch hier ein Ende.