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Chronik der Ernestina - Teil 4 PDF Drucken E-Mail
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Teil 4: Vom 100. Stiftungsfest 1971 zum 125. Stiftungsfest 1996
verfaßt von Andreas Kuschbert


Das große Stiftungsfest
Zu einem großen Ereignis wurde das 100. Stiftungsfest unserer Verbindung, das Ostern 1971 gefeiert wurde, angefangen vom Begrüßungsabend am Gründonnerstag im Kongreßhaus bis hin zum improvisierten Frühschoppen am Ostermontag auf der Burgschänke. AHV-Vorsitzender Herbert Wacker beklagte jedoch im Nachhinein das geringe Interesse gerade der in Coburg und der näheren Umgebung ansässigen Bundesbrüder (viel hat sich bis heute daran nicht geändert).

Beim Osterconvent wurde AH Erich Hitzbleck zum Ehrenmitglied ernannt, trug er doch einen wesentlichen Teil der Aufwendungen für die 100-Jahr-Feier. Im Jubiläumsjahr umfaßte die Aktivitas sieben Burschen und 23 Füxe. An der Spitze standen die Chargen Siegbert Graßme, Michael Müller und Klaus Martin. Den Berichten zufolge wurde mit verschiedenen Veranstaltungen ein reges Bundesleben entfaltet. Im Mittelpunkt des SS 71 stand aber die Festkneipe am 10. April 1971 zum 100. Bestehen der Ernestina. Über 240 Aktive, Alte Herren und Gäste hatten sich im Saal des Kongreßhauses eingefunden, um die Festkneipe zu feiern. Als Erstchargierter fungierte hierbei Joachim Dudek. Unterstützt wurde er von den Mitpräsiden Siegbert Graßme (x) und Klaus Martin (xxx) sowie vom AHV- Vorsitzenden Herbert Wacker und vom zweiten Vorsitzenden Franz Flessa. Die Festrede hielt Staatsanwalt AH Klaus Budewig (heute Präsident des OLG Dresden). Er setzte sich mit der Zukunft der Ernestina kritisch auseinander. Der Rede schloß sich ein langer Reigen von Glückwünschen an. Das gemeinsam gesungene Bundeslied beschloß den offiziellen Teil das Abends. Doch die Kneipe ging noch lange weiter.

Einen Tag später traf man sich wieder im Kongreßhaus - diesmal zum festlichen Tanz, der mit einer Polonaise unter Leitung von AH Wacker mit Gattin und Franz Flessa mit Gattin eröffnet wurde. Bis 1 Uhr tanzten die Bundesbrüder um sich dann zum Frühschoppen auf der Burgschänke zu versammeln. Eine stattliche Anzahl Alter Herren tranken dabei die Feierlichkeiten unter den Tisch.

Bei aller Freude über die gelungenen Feierlichkeiten zum 100jährigen Bestehen der Ernestina, der Alltag hatte die Bundesbrüder bald wieder eingeholt. Die Probleme innerhalb der Aktivitas waren noch lange nicht überwunden. So stieg zwar die Zahl der Aktiven von Mai bis Dezember 1971 erfreulich an, "der Kneipbetrieb bekommt dadurch langsam wieder eine Form und einen gewissen Inhalt", konstatierte AHV-Vorsitzender Herbert Wacker im Mitteilungsblatt der Ernestina.

So waren die Semesterabschlußkneipe in der "Stadtschänke", die Semesterantritts- und Keilkneipe im "Weißen Roß" und eine Monatskneipe ebenfalls im "Weißen Roß" teilweise sehr gut besucht. Es fehlte den Aktiven jedoch an jeglicher Erfahrung. Bezeichnend für den desolaten Zustand der Aktivitas war die Tatsache, daß sich von den letzten zwei Abiturientenjahrgängen drei frühere Aktive nicht zum Altherrenverband angemeldet haben, darunter zwei ehemalige Chargierte. Im WS 71/72 umfaßte die Aktivitas 25 Burschen und 15 Füxe.

Zusammen mit dem AHV-Vorstand beschlossen die Aktiven in diesem Semester, die Seßlachfahrt künftig auf einen Tag zu verkürzen. Begründet wurde dies von Herbert Wacker im Mitteilungsblatt folgendermaßen: "Nachdem ich selbst alle 13 Seßlachfahrten mit-'erlebt' habe, mußte ich immer wieder die Erfahrung machen, daß bei einer zweitägigen Fahrt nach einem glanzvollen ersten Tag der zweite Tag, auch ohne Regen eine triste Angelegenheit war."

Fünf Veranstaltungen im WS 1971/72 folgte im SS 72 ein AC, dem auch Franz Flessa bewohnte, und von dem der zweite Vorsitzende des AHV im Mitteilungsblatt berichtete. So schreibt Flessa: "Von 39 Aktiven waren 16 bis 20 Mann vorübergehend anwesend. Aufgrund des Statuten der Aktivitas war der Convent nicht beschlußfähig, denn es hätten 26 Mann sein müssen. Dennoch wollte man sofort den veralteten Comment vom Oktober 1967 überholen und wesentliche Dinge abschaffen. Alle anwesenden Aktiven hatten in ihrer Fuxenzeit nur eine Fuxenstunde 'genossen', daher hatte keiner Kenntnis vom Inhalt und Zweck der Statuten, denn die Fuxenstunden werden als 'überflüssig' angesehen. So stimmte man gleich darüber ab, ob man weiterhin Farben tragen wolle (obwohl die Chargierten selbst auf Minikneipen mit Paradewichs herumsitzen). Nach mehreren Abstimmungsversuchen kam man aber doch noch überein, die Couleur beizubehalten. Man besprach nun die einzelnen Paragraphen. Der Begriff 'Vaterlandsliebe' sollte als 'abstrus' gestrichen werden. Unser 'Motto' sei schon allein deshalb veraltet und gehöre daher abgeschafft, weil es keine 'Anstandsregeln und keine Sitte mehr gebe'."

Wie sehr sich die Aktivitas von ihren Statuten entfernte zeigt auch die Tatsache, daß das letzte Semesterbild aus dem WS 68/69 stammte, die Chronik datenmäßig nur sehr oberflächlich geführt wurde und aus den Jahrgängen 1968 und 1969 von den 22 eingetretenen Füxen acht wieder ausgetreten und nur fünf Aktive zum AHV gekommen sind.

Daß die Aktivitas aber anscheinend dennoch in der Lage war, eine "anständige" Kneipe auf die Beine zu stellen, zeigt der Bericht der AHAH Bernd und Rainer Axmann, Klaus Budewig und Helmut Hübner von einer Keilkneipe am 9. Juni 1972 im Lokal "Steintor 11". Sie schreiben im Mitteilungsblatt Nr. 15 (September 1972):
"Trotz aller Abwertung der Aktivitas wagten einige jüngere AHAH den Weg hin zur Keilkneipe am 9. Juni. Was würde einem wohl dort widerfahren? Wir wurden freundlich in Empfang genommen. Um auch kritische Stimmen zu Wort kommen zu lassen: Es war keine Keilkneipe - denn der verhältnismäßig kleine Kneipraum in dem Lokal 'Steintor 11' ließ es nicht zu. Dafür wurde es eine Kneipe mit viel Schwung, Freude und Gesang - trotz des Fehlens einer Bierorgel. Und die Überraschung für die Unterzeichneten: Bei all dem ging es ordentlich und diszipliniert zu. Die jungen Bundesbrüder bekannten sich, auch wenn es an diesem Abend nicht ausdrücklich dem Worte nach geschah - ... - so doch dem Verhalten nach zu den Idealen der Ernestina; und auf das Verhalten kommt es ja letztlich an. ... So verließen voller Zuversicht und auch voll Vertrauen für die Zukunft der jungen Ernestinaner die jungen AHAH diese gesellige Junikneipe."

Betrüblich war in diesem Semester jedoch die Beteiligung der Aktivitas an der letztmalig zweitägigen 14. Seßlachfahrt. Von den 30 Aktiven waren lediglich 15 erschienen.

Obwohl die Amtszeit des AHV-Vorsitzenden erst Ostern 1974 enden sollte, erklärteHerbert Wacker bereits ein Jahr zuvor aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt. So mußte auf dem Osterconvent 1973 ein neuer Vorsitzender gewählt werden. Nach längerer Debatte stand nur noch Jürgen Marpert (56) zur Wahl. Er wurde mit 34 Ja-Stimmen bei zwei Nein-Stimmen und drei Enthaltungen gewählt.

Der neugewählte AHV-Vorsitzende versprach, alle Hebel in Bewegung zu setzen, damit die 15. Seßlachfahrt, die am 2. Juni 1973 stattfinden sollte, zu einem Ereignis werde. Und sie wurde es. Nach einem Fußballspiel AHAH gegen Aktivitas (3:0) ging es zum Abendessen auf die Geyersburg. So konnte Fischer xx neben 40 AHAH auch Bürgermeister AH Franz begrüßen. Rektor Thiersch, Stadträtin Winkelmann und drei Seßlacher ,Väter" wurden ebenso begrüßt wie Hans-Georg Kosuch als Lehrkraft des Ernestinums und die ersten vier Spe-Füxe des Semesters. Rektor Thiersch, der bereits zum fünften Mal Gast bei der Ernestina war, bekam das Band ehrenhalber überreicht. Zudem fand die Burschung von vier Füxen statt. In die Fidulität wurden die AHAH Martin, Dr. Bachmann und Thiersch berufen. Sie sorgten für einen heiteren und wortreichen Verlauf des Abends, dessen Höhepunkte die Bierrede von AH Seidler und der "Bierrekord" von AH Rose waren.

125 Jahre Ernestinum
Im Herbst 1972 trug unser Verbindungsmann zum Ernestinum, Kurt Martin, in einer Lehrerkonferenz die Bitte des AHV vor, doch im Jahre 1973 durch eine Feier das 125jährige Bestehen der Schule eigens zu würdigen. Unternähme die Schule nichts, so würde der Altherrenverband der Ernestina eine eigene Feier gestalten. Unter der Voraussetzung, daß genügend Spenden zusammenkämen, um die Feier zu finanzieren, stimmte die Konferenz einer Feierstunde zu. Bundesbruder Dr. Harald Bachmann übernahm die Ausgestaltung und die Festrede. Als Termin wurde die Zeit vom 24. bis 26. Mai festgelegt.

Das Fest wurde mit einem Begrüßungsabend im Kongreßhaus-Restaurant eröffnet. 40 AHAH in Couleur mit der Aktivitas stellten mit etwa 20 AHAH der Cheruskia die Mehrzahl der Besucher. Der Höhepunkt des Festes war der am nächsten Tag folgende Festakt im Saal des Kongreßhauses. Im Mittelpunkt stand die Rede von Dr. Bachmann mit dem Thema "125 Jahre Ernestinum zu Coburg." Im Laufe des Abends überreichte AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert einen Scheck in Höhe von 1000 Mark an den Direktor des Ernestinums, Oberstudiendirektor Ernst Höfer, als finanzielle Unterstützung für die Feier. Musikalische Einlagen gaben der Feier den würdigen Rahmen. Der offizielle Teil des Festes wurde mit einem gelungenen Ball abgeschlossen. Die Balleitung lag in den Händen der Aktivitas. Mit einem Tag der offenen Tür am Ernestinum endeten die Feierlichkeiten zum 125jährigen Bestehen der Schule.

Obwohl der AHV erst im August 1974 davon erfuhr, hatte sich die Aktivitas im Januar 1974 aufgelöst "mangels geeigneter Kräfte", wie es hieß. Traditionsbewußte jüngere Burschen setzten sich jedoch sofort zusammen und bauten erfolgreich eine neue Aktivitas auf. "Es geht aufwärts! So jedenfalls ist der Eindruck nach den letzten Veranstaltungen der Aktivitas." Richtig euphorisch klang es, was Jürgen Marpert im Dezember 1973 im Mitteilungsblatt schrieb. Kleinere Unstimmigkeiten im WS 73/74 schrieb er der Tatsache zu, daß mehrere Jahre lang keine Fuxenstunden abgehalten wurden und somit den Aktiven die nötige Erfahrung fehlte. Die Aktivitas zählte in diesem Semester 18 Burschen und sechs Füxe.

Und die positive Stimmung setzte sich auch im SS 74 fort. "Der alte Ernestinergeist hat in dieser Aktivitas wieder an Boden gewonnen und wir hoffen, daß uns das kommende Semester wieder eine lebendige Aktivitas schenkt", heißt es im Mitteilungsblatt vom Mai 1974. Inzwischen hatten die Aktiven (20 Burschen, acht Füxe) ein festes Stammlokal gefunden: die Gaststätte "Halber Mond" im Steintor.

Beim Osterconvent wurden einige Aktive des Jahrgangs 1924 zu 100-Semester-Band- Trägern ernannt. Er waren dies Dr. Ulrich Müller, Dr. Wolfgang Wilhelm und Wilhelm Wischer. Auch Dr. Wolfgang Krauß (23) erhielten das 100-Semester-Band. Andreas Höllein verlas den Bericht der Aktivitas und berichtete von Kneipen, Fuxenstunden, einem Fuxenbummel und einem Liederpaukabend.

18 Burschen und acht Füxe bildeten unter der Leitung von x Andreas Höllein, xx Karlheinz Trissnak und xxx Bernd Seeliger die Aktivitas des SS 74. Nach einem Drei-Farben-Kommers mit der Casimiriana und der Ernesto-Albertina und zwei Monatskneipen wurde die Seßlachfahrt wieder einmal zum Höhepunkt des Semesters.

Für diese Fahrt bezog die Aktivitas zum ersten Male ihre Unterkunft in der neuen Verbandsschule Seßlach. Bei gutem Wetter zog die Teilnehmerschar mit Motorkraft nach Seßlach. Bei einem Fußballspiel ließ die AH-Mannschaft den Aktiven beim 8:3 keine Chance. Nach einem Abendessen auf dem Marktplatz eröffnete x Andreas Höllein im Saal des "Roten Ochsen" die Kneipe, an der eine große Schar von AHAH teilnahm. Nach einem zünftigen Fuxenritt konnten drei Füxe das Burschenband empfangen. Nach einer humorvollen Fidulität schloß Andreas Höllein den Abend gegen Mitternacht ab. Mit einem Fackelzug geleitete die Jugend die AHAH zum bereitstehenden Bus.

Im WS 74/75 waren x Andreas Höllein, xx Ulrich Aumann und xxx Horst Engel dieChargierten der Aktivitas, der neun Burschen und 16 Füxe angehörten. Die Festkneipe "25 Jahre Aktivitas seit der Wiedereröffnung 1949" stellte den vielversprechenden Auftakt des Semesters dar. Enttäuschung gab es unter den Aktiven bei der Couleurfahrt mit Damen über Kloster Banz nach Seßlach, nachdem nur drei AHAH daran teilnahmen. Auch beim Osterconvent des Jahres 1975 wurden einige AHAH zu 100-Semester-Band- Trägern ernannt: Dr. Fritz Fleischmann, Dr. Eduard Raab, Joachim Schmidt, Dr. Kurt Völler und Dr. Weiß.

Wieder einmal, nämlich im 208. Semester (SS 75), war eine Seßlachfahrt einHöhepunkt des Geschehens. Unter der Leitung der Chargierten Andreas Höllein, Claus-Peter Fischer und Rolf Eichler machten sich 14 Burschen und zwölf Füxe sowie zahlreiche AHAH zum 17. Mal auf in Richtung Seßlach. Schossen die AHAH die Aktiven bei den letzten Fußballspielen meist deutlich vom Platz, so stand es diesmal am Ende Unentschieden. Nach einem Dämmerschoppen und dem Abendessen auf dem Marktplatz stieg das 104. Stiftungsfest. Zwei Füxen wurde das Burschenband übergeben und fünf Burschen fanden Aufnahme in den AHV. Unter Fackelschein geleiteten die Aktiven nach der Kneipe die AHAH zum Bus, während die Aktivitas in der Schule übernachtete.

Am Morgen fand, nach dem Frühstück, ein Frühschoppen, das gemeinsame Mittagessen und ein gemütlicher Ausklang statt, ehe die Aktiven von Seßlach Abschied nahmen. Nach einer Monatskneipe fand ein BC statt, bei dem auch die Chargen für das 209. Semester neu bestimmt wurden. In diesem Semester übernahmen Carsten Aumann, Hans-Jürgen Lichy und Andreas Höllein die Führung der Aktivitas.

Anläßlich der Einweihung des Schulgebäudes und der Verleihung des Namens "Ernestinum" vor 100 Jahren fand am 21. Juli 1975 im Kongreßhaus ein Festakt sowie am Abend ein Festball statt. An beiden Veranstaltungen nahmen die Aktivitas und viele AHAH regen Anteil.

Im 209. Semester bestand die Aktivitas aus 16 Burschen und 13 Füxen. Zahlreiche Kneipen und weitere Veranstaltungen fanden statt, darunter auch wieder eine Couleurfahrt in den Frankenwald, die von den AHAH jedoch nur sehr schwach besucht wurde.

Im SS 76 erlebte der Kneipbetrieb eine straffe Führung. Viele Stammtische wurden auch zur Vertiefung der Freundschaft durchgeführt. 19 Burschen und zehn Füxe bildeten die einsatzstarke Corona. Zudem nahmen einige Aktive auch am Kegeln des AHVteil.

Ganz im Zeichen der Neuwahlen zum Vorstand stand der Osterconvent des Jahres 1976. Nachdem Jürgen Marpert als Vorsitzender in seinem Amt bestätigt worden war, entspannten sich lange Diskussionen um die Besetzung des zweiten Vorsitzenden sowie des Kassiers. Letztendlich wurden Wilhelm Leffler zum 2. Vorsitzenden und Walter Hofmann zum Kassenwart gewählt. Als Beisitzer wurden Franz und Rolf Flessa gewählt, die aus ihren bisherigen Ämtern (Schriftführer, Kassenwart) ausgeschieden waren. Mit Hans Beyersdorf, Franz und Rolf Flessa, Hans Meyer, Dr. Walter Sommer und Herbert Wacker ernannte AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert neue 100-Semester-Band-Träger. Ferner erhielt Erich Bauer (23) nachträglich sein Ehrenband.

Nur wenig zu berichten gibt es aus dem Jahre 1976. Im Mitteilungsblatt Nr. 24 schrieb AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert: "Meine Hauptsorge besteht darin, daß das notwendige Verhältnis zwischen Aktivitas und AHV zur Zeit gestört scheint." Die Seßlachfahrt wurde nicht wie sonst im Juni, sondern diesmal im Herbst (Oktober) durchgeführt. Und das Ergebnis war überwältigend: Über 50 AHAH und Aktive beteiligten sich an der Fahrt. Nach einer sachkundigen Führung durch Bürgermeister AH Franz durch Seßlach fand eine harmonische Kneipe statt.

Beim Osterconvent 1977 berichtete x Carsten Aumann darüber, daß von Seitender Aktivitas umfangreiche Semesterpläne erarbeitet wurden. Jürgen Marpertbeurteilte das abgelaufene Jahr als eines der normalen in der Geschichte der Verbindung. Zugleich räumte er ein, daß der Kontakt zur Aktivitas gut sei, aber dennoch noch besser sein könnte. Er führte dies darauf zurück, daß der Vorstand nur kurz im Amt sei und auch zur Berufsausübung mehr Zeit aufwenden müsse, "als manch alter Routinier".

Ein kleines Jubiläum stellte die Seßlachfahrt des Jahres 1977 dar, war es doch immerhin die 20. in der Geschichte der Ernestina. Das Fußballspiel zum Auftakt zwischen einer Seßlacher Mannschaft und der Ernestina wurde zu einem Fiasko für die Coburger. So schrieb x Martin Bauer rückblickend: "Die Ernestiner schlugen sich tapfer, aber man konnte nach einstündiger Spielzeit froh sein, ein zweistelliges Ergebnis abgewehrt zu haben."

Kurz vor 17 Uhr marschierten die Ernestiner - die Chargen in Wichs voran - begleitet von einer Blaskapelle zum Marktplatz zum Dämmerschoppen. Danach zog man in kleinen Gruppen zur Geyersburg, wo eine urige Kneipe über die Bühne ging. Während die AHAH gegen Mitternacht mit dem Bus zurück nach Coburg fuhren, machte sich eine übermüdete Aktivitas erst wieder am kommenden Tag auf in Richtung heimische Gefilde.

1978 gab es nach einer Entscheidung des erweiterten AHV-Vorstandes eine Änderung in Sachen Bundesfahrt. Allgemeine Tendenz war "Weg von Seßlach". Probeweise fuhr man im SS 78 sowohl nach Seßlach als auch nach Rodach. Das Ergebnis: Seßlach prima, Rodach brachte keinen Erfolg. Und so entschied man, auch weiterhin nach Seßlach zu fahren. Eine Übernachtung der Aktivitas in Seßlach wurde jedoch für die Zukunft ausgeschlossen. Der Grund: Es gab Randale in der Schule.

Im 215. Semester (WS 78/79) waren Rainer Bechauf (x), Joachim Hübner (xx) und Hans Bärnreuther (xxx) die Chargierten. Am 17. Juni 1978 fand erneut die Fahrt nach Seßlach statt. Entgegen dem sonstigen Programm fiel das übliche Fußballspiel zugunsten einer "Volkswanderung" rund um Seßlach aus. Eine beachtliche Corona versammelte sich am Abend auf der Geyersburg zur Kneipe zum 107. Stiftungsfest. Zusammen mit den AHAH traten gegen Mitternacht die Aktiven die Heimreise nach Coburg an.

"Bundesabend ex! Rodach ade!" so schilderte xx Joachim Hübner die Bundesfahrt nach Rodach. Nach einer Wanderung zum Georgenberg ging es ins Alt-Rodach zurück, wo eine lockere Kneipe abgehalten wurde.

Hart ins Gericht ging AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert beim Osterconvent 1979 mit den AHAH angesichts der mehr als mäßigen Beteiligung bei der traditionellen Totenehrung. Aufgrund einer Krankheit bat Franz Flessa bei diesem Osterconvent, von seinem Amt als Beisitzer entbunden zu werden. Der Convent stimmte dem zu.

Trauer um Franz Flessa
Wenige Monate später, im Juni 1979, hieß es Abschied nehmen von Franz Flessa, der seit 1926 ein begeisterter Ernestiner war. Er erlag wenige Wochen nach seinem 71. Geburtstag einer heimtückischen Krankheit. Am 18. Juni nahm eine großer Zahl AHAH und die chargierende Aktivitas Abschied von AH "Zorn," der von 1966 bis 1976 zweiter Vorsitzender des AHV und nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand auch weiterhin Beisitzer und Berater war. Franz Flessas unermüdlicher Forschungen (im Archiv des Ernestinums) ist es zu verdanken, daß das Gründungsjahr der Ernestina wieder auf das Jahr 1871 zurückverlegt wurde. In seinem Nachruf schrieb Herbert Wacker: "Mit Franz Flessa ist ein großer Ernestiner von uns gegangen. Er hat die Geschichte unseres Bundes nicht nur geschrieben, er hat sie über Jahrzehnte mitgestaltet und ist bereits zu Lebzeiten selbst in diese eingegangen. Wer ihn gekannt hat, wird ihn nie vergessen. In den Herzen aber derer, die sich seine Freunde nennen durften, wird er ewig leben."

Unter Desinteresse der Seßlacher Bevölkerung litt die Seßlachfahrt des Jahres 1979. Das tat der guten Stimmung der Bundesbrüder jedoch keinen Abbruch. Den Auftakt zur Fahrt bildete eine Quizwanderung, die Siegerehrung fand dann beim Dämmerschoppen im "Roten Ochsen" statt. x Rainer Bechauf führte die Siegerehrung durch, wobei AHV-Schatzmeister Walter Hofmann den 1. Preis, einen Ernestina-Krug und einen Stich der Stadt Seßlach erhielt. Frisch gestärkt zog man anschließend zur Geyersburg, wo Bechauf die Kneipe eröffnete. Bei dieser Veranstaltung gedachte man neben Franz Flessa auch dem verstorbenen Studiendirektor AH Georg Weigelt (55).

Den Höhepunkt der Kneipe bildete die Burschung der Füxe Andreas Schneider und Hans Karl Rippel. Nach einem kurzen Silentium erfolgte die Chargenübergabe. x Rainer Bechauf übergab sein Amt Rüdiger Schubart, xx Joachim Hübner wechselte mit Hans Karl Rippel und xxx Hans Bärnreuther mit Ralf Dehler. Anschließend wurden einige Abiturienten (Rainer Bachnick, Hans Bärnreuther, Rainer Bechauf, Wolfgang Carl, Peter Müller und Detlef Räppold) von Jürgen Marpert in den AHV aufgenommen.

Im Inoffizium lieferten sich AH Dr. Bachmann und AH Kurt Martin mitreißende Rededuelle. Da der Bus jedoch um 24 Uhr nach Coburg abfuhr, mußte Dr. Bachmann die Kneipe vorzeitig ex schlagen.

Auch das 109. Stiftungsfest feierte man wieder in Seßlach. 26 Burschen und vier Füxe machten sich nach Witzmannsberg auf, von wo aus eine mit Fragen gespickte Wanderung Aktive und AHAH gleichermaßen nach Seßlach führte. Am Abend stieg eine zünftige Kneipe, in deren Rahmen die Aktiven Jürgen Auernhammer, Uwe Dötschel, Joachim Hübner, Georg Martin, Andreas Schneider, Herbert Spielmann und Stefan Wank in den AHV aufgenommen wurden. Die Aktivitas übernachtete nach der Kneipe in beziehungsweise an der Geyersburg, wo am nächsten morgen ein Frühschoppen stattfand.

An der Semesterabschlußkneipe wurden wieder die Chargen gewechselt. So übernahmen Michael Schramm, Stephan Schreiner und Georg Brehm die Führungsämter. Nur schwach war die Beteiligung an der Couleurfahrt. Ganze zwölf Teilnehmer fuhren mit dem Bus nach Kloster Ebrach. Seinen Ausklang fand das Semester mit einem Fußballspiel gegen die Ernesto Albertina. Friedlich trennte man sich am Ende mit 2:2.

Ein besonderes Ereignis des Wintersemesters 80/81 war eine Familienfahrt in die Haßberge. Weiterhin fanden einige Kneipen, Stammtische und das Weihnachtstänzchen statt. Und auch in diesem Semester hieß es Abschied nehmen von treuen Ernestinern. So verstarben unter anderem die 100-Semesterband- Träger Kurt Reukauf (19), Erich Schmidt (28) und Wilhem Wischer (24).

Große Ereignisse werfen ja bekanntlich ihre Schatten voraus. So auch bei der Ernestina, bei der hinter den Kulissen bereits das 110. Stiftungsfest von einem Stiftungsfestbeirat gewissenhaft vorbereitet wurde. Es wurde ein Programm ausgearbeitet und an die Bundesbrüder zusammen mit einem Antwortschreiben versehen verschickt. Die Rückantworten flossen jedoch nur spärlich. Um die Kosten für die Feier decken zu können, wurde beschlossen, eine Umlage von zehn Mark zu erheben. Zudem wurde ein neues Mitgliederverzeichnis erstellt.

Das 110. Stiftungsfest
Ostern 1981, genau vom 16. bis 20. April, war es dann endlich soweit. Nach dem Osterconvent im Restaurant des Kongreßhauses fand an gleicher Stelle ein Begrüßungsabend mit Damen statt, an dem 60 AHAH und fünf Aktive teilnahmen. Beim Convent wurde AH Werner Eichhorn in den Kreis der 100-Semesterband- Träger aufgenommen. Nach acht Jahren als Vorstand gab Jürgen Marpert bekannt, daß er aus beruflichen Gründen sein Amt niederlegen muß. Ein besonderes Ereignis beim Osterconvent war die Ernennung von drei Ehrenmitgliedern. So schlug Jürgen Marpert vor, Dr. Günther Weisheit, Herbert Wacker und Rolf Flessa aufgrund ihrer Verdienste um den Bund zu Ehrenmitgliedern des AHV zu ernennen, was bei den Anwesenden große Zustimmung erntete.

Nach dem Rücktritt von Jürgen Marpert wurde Klaus Beyersdorf, der bislang schon als Beisitzer im Vorstand tätig war, zum neuen ersten Vorsitzenden des Altherrenverbandes gewählt. Zum neuen Beisitzer wurde anschließend Fritz Grosch gewählt.

Der Samstag stand ganz im Zeichen eines Festkommerses zum Jubiläum. Unter den Klängen des Coburger Marsches, intoniert auf der Bierorgel von AH Werner Lorenz, zogen die drei Chargierten Michael Schramm, Thomas Engel und Georg Brehm in den Saal des Kongreßhauses ein. x Michael Schramm eröffnete den Festkommers und gab die Leitung weiter an AH Andreas Höllein. In seiner Begrüßungsrede ging der scheidende AHV-Vorsitzende Jürgen Marpert auf die lange Geschichte der Ernestina ein. Die Festrede zum Thema hielt "Die Wahrheit und das Recht im Strafprozeß" hielt AH Prof. Dr. Klaus Volk, Ordinarius für Strafrecht an der Ludwig-Maximilian-Universität München. Mahnende Worte richtete Oberstudiendirektor Fritz-Otto Volck an die Festcorona. Er blickte mit Sorge auf die unruhigen Zeiten, in denen man sich befand.

Die Grüße der Stadt Coburg überbrachte Bürgermeisterin Edith Seifarth. Unter anderem führte sie dabei aus: "Eine Demokratie in unserem heutigen Sinn braucht genau solche Werte wie Freundschaft, Vaterlandsliebe und Treue in der Gemeinschaft, welche die Ernestina mit Erfolg praktiziert." Bundesbruder Günther Seiler überbrachte in seiner Eigenschaft als stellvertretender Landrat die Grüße des Landkreises Coburg. Der Vertreter der Coburger Schülerverbindungen, Dr. Kunze (Ernesto-Albertina), erinnerte an eines der Ideale, nämlich die Freundschaft, die in der heutigen Zeit beinahe in Vergessenheit geraten sei. Würde es keine Schülerverbindungen geben, gingen alle Abiturienten nach der Schulzeit auseinander, ohne sich später regelmäßig wiederzusehen. Ein weiteres Grußwort sprach ein Vertreter der "Abituria Radantia Bamberg".

Am Sonntag trafen sich zunächst der Vorstand des AHV sowie die Chargierten im Ernestinum und gedachten mit Blumenschmuck des Gründers der Schule, Herzog Ernst I. Anschließend gedachten zahlreiche AHAH und Aktive auf dem Friedhof der verstorbenen Bundesbrüder. An den Gräbern der ehemaligen ersten Vorsitzenden Weißbrodt und Adam Heim sowie am Grab von Franz Flessa legte die Corona Blumengebinde in Anerkennung der Verdienste der Verstorbenen um die Schülerverbindung nieder.

Den Abschluß des 110. Stiftungsfests bildete der Festball am Ostersonntag im Saal des Kongreßhauses. Die Tanzkapelle "Mayas" spielte für alt und jung auf. Aufgelockert wurde der Abend durch Rock'n'Roll-Vorführungen der Tanzschule von AH Thomas Weinberg. Mitglieder des Landestheaters gaben Operettenmelodien zum Besten. Auch der Semestertanz unter der Leitung von Ralf Dehler fand viele Anhänger. Der Frühschoppen am Ostermontag im "Münchner Hofbräu" war ein gemütlicher Ausklang.

Neben dem großen Stiftungsfest fanden im 220. Semester aber noch weitere Veranstaltungen statt, so beispielsweise wieder die Seßlachfahrt. Treffpunkt für die Wanderung war diesmal Tambach. Leider gingen jedoch nicht nur die Aktiven, sondern alle wanderfreudigen AHAH samt Familienangehörigen buchstäblich baden. Es regnete fast ohne Unterbrechung, so daß die Wanderung schließlich abgebrochen werden mußte. Allem Wetter zum Trotz fand der Dämmerschoppen dennoch im Freien, nämlich auf dem Seßlacher Marktplatz statt. Am Abend zog man hinauf zur Geyersburg. Unter Leitung von x Michael Schramm und seinen beiden onchargen fand eine stimmungsvolle Kneipe statt. An diesem Abend wurden Ralf Dehler, Gerd-Gunnar Gräf, Bernd Gruber, Kurt Höfelmnn, Harald Jakobi, Volker Neugebauer und Frank Rosenthal in den AHV übernommen.

Und schließlich fand noch eine Veranstaltung statt, bei der die Teilnehmer in die Vergangenheit zurückversetzt wurden. So mieteten sich Aktive und AHAH ein Pferdegespann und man unternahm eine Leiterwagenfahrt. War früher Hellingen das Fahrtziel, so steuerte man diesmal die Hoffmannsteiche an. Bei der Rückfahrt mußten die Teilnehmer, um die Pferde zu schonen, bei jeder größeren Steigerung absteigen und nebenher laufen. Fröhlich und ausgelassen kamen alle am Abend wieder in Coburg an.

Mit einem Chargenwechsel bei der Semesterabschlußkneipe ging das SS 81 zu Ende. Wiedergewählt wurden x Michael Schramm und xx Thomas Engel, neuer xxx wurde ein anderer Bundesbruder.

Eine Familienrallye, an der AHAH und Burschen mit ihren Autos teilnahmen, zählte zu den Höhepunkten des WS 81/82. Die Fahrt führte durch den Coburger Landkreis über die Langen Berge, nach Neukirchen, vorbei am Steinernen Tisch nach Oberwohlsbach, dann Richtung Grub am Forst in den Lichtenfelser Forst, über Buch am Forst und schließßlich über Weißenbrunn wieder zurück nach Coburg, wo man sich in fröhlicher Runde zur Preisverteilung zusammenfand.

Bei der Seßlachfahrt im Juni 1981 wurde von Seßlachs Bürgermeister AH Karl Franz eine Anregung gemacht, die gleich zündete und von der Aktivitas begrüßt wurde: Franz hatte vorgeschlagen, daß die Ernestiner an der Feier am 17. Juni in Gleismuthausen teilnehmen. So reihten sich Aktive und AHAH am 17. Juni mit in die Reihe der Teilnehmer ein.

Die Aufnahme von Burschen in den Altherrenverband Ende Juni 1982 wurde von einem schweren Verkehrsunfall (Alkohol war mit im Spiel) eines Bundesbruders überschattet. Angesichts dieses Unfalls schrieb Klaus Beyersdorf im Mitteilungsblatt Nr. 33: "Wenn sich auch der Baum einmal mehr als stärker erwiesen hat, ist die Sache Gott sei Dank glimpflich verlaufen, doch wird man sich bei weiteren Vorkommnissen ernsthaft Gedanken machen müssen, wie man eventuell durch interne Disziplinarmaßnahmen das Verantwortungsbewußtsein fördert." In den AHV wurden aufgenommen: Gerd Adler, Georg Brehm, Thomas Engel, Volker Fischer, Martin Herrmann, Dietmar Herold, Jürgen Rempel, Stephan Steiner, Michael Schramm und Norbert Schramm.

Im Mai 1982 stifteten die Ernestiner Norbert Schramm, Georg Brehm, Volker Fischer, Dietmar Herold, Martin Herrmann, Michael Schramm und Jürgen Rempel anläßlich ihres Abiturs dem Ernestinum einen Schaukasten, damit die historische Schulfahne ausgestellt werden kann. In einer kurzen Ansprache hob Michael Schramm hervor, daß die Arbeit der Ernestina gerade auf dem Gebiet der Erhaltung alter Werte liege. Er wies aber darauf hin, daß Tradition nicht die bedingungslose Konservierung von Überholtem bedeute. Georg Brehm hatte die Idee, der Schule einen Schaukasten zu stiften, er war auch für die Realisierung des Projektes zuständig. Früher von den Chargierten vorneweggetragen, fristete sie nun ein "trauriges Dasein" in einem Schrank.

Im WS 82/83 machten sich 16 Aktive per Zug auf in Richtung München, um den dort im Februar des gleichen Jahres von Rainer Weißbrodt gegründeten Ernestina- Stammtisch zu besuchen. In der bayerischen Landeshauptstadt angekommen, wurden die Coburger von Rainer Weißbrodt und wenig später von frisch zubereitetem Leberkäse empfangen. Gestärkt nutzte man den freien Nachmittag zu einem Bummel durch die Innenstadt, welcher nach einem feuchten Verlauf im Hofbräuhaus endete, wo die Weihnachtsfeier des Münchner Ernestina-Stammtisches stattfand. Höhepunkt des Abends war die feierliche Überreichung eines vom ältesten Bundesbruder Immo Wilde und dem AHV-Vorstand gestifteten Wimpels an den Ernestina- Stammtisch. Der weitere Verlauf des Abend stand ganz unter der nicht zu bremsenden Trink- und Sangeslust der Aktivitas, die, gemeinsam mit den jungen AHAH, für einen bleibenden, und positiven Eindruck sorgte.

Die Unterbringung bei AHAH und einer in München ansässigen Studentenverbindung verlief problemlos, so daß sich am nächsten Morgen alle - mit mehr oder weniger verquollenen Augen - zu einem Frühschoppen im Weißbierkeller trafen. Nach einer kurzen Unterbrechung zum Besuch einer Krippenausstellung wurde der Frühschoppen bis zur Abfahrt des Zuges am späten Nachmittag ausgedehnt. Wohlbehalten und in bester Stimmung trafen alle Aktiven am Abend dann wieder in Coburg ein.

Ein Novum gab es zum Ende des SS 82 in der Geschichte der Ernestina, denn erstmals nahm man am Schulhoffest des Ernestinums teil. "Eine bessere Gelegenheit, für uns und unsere Farben zu werben, als das Schulhoffest des Ernestinums sie geboten hat, war wohl schwer vorzustellen", resümierte Klaus Beyersdorf. Aufgrund des Initiative des AHV-Vorsitzenden wurde im Handumdrehen ein Stand gezimmert. Wolfram Gothe als Meister im Pinselschwingen sorgte für den "Clou" des Ganzen: er hatte drei Chargierte in Lebensgröße an die Wand gemalt, mit Schläger, Chargenwichs und Stiefel versehen.

Um durstige Kehlen zu ölen, war ein Faß Bier besorgt worden, mit dessen Hilfe auch das mitgebrachte Trinkhorn gefüllt werden konnte. Der erste Schluck aus dem Horn blieb dem als Ehrengast auf dem Schulhoffest weilenden Dr. Eux Stocke vorbehalten. Dieser revanchierte sich in seiner unnachahmlichen Art, und spendete 200 Mark in die Aktivenkasse.

Beim Osterconvent am Gründonnerstag des Jahres 1983 betonte AHV-Vorsitzender Klaus Beyersdorf, daß nach einer Flaute mit der 35köpfigen Aktivitas wieder Staat zu machen sei. Den erfreulichen Aufwärtstrend führte Beyersdorf darauf zurück, daß mit Dr. Harald Bachmann und Paul Förster zwei langjährige Ernestiner an der Spitze des Gymnasiums stehen.

Nachdem Dr. Hans Groebe und Hans Rauscher das 100-Semesterband verliehen worden war, wurden AH Kurt Martin und Dr. Wilhelm Schramm zu Ehrenmitgliedern des AHV ernannt.

x Rudi Holland erinnerte an die Veranstaltungen der letzten Semester. So wurde das 112. Stiftungsfest im SS 83 erneut in Seßlach begangen. Das Programm begann mit der traditionellen Wanderung durch das Seßlacher Umland. Unter Leitung des Erstchargierten Rudi Holland fand die Festkneipe auf Schloß Geyersburg statt. Holland erinnerte bei seiner Ansprache daran, daß die Ernestina erstmals 32 Jahre zuvor nach Seßlach gekommen war, um dort die Tradition der ehemaligen Römhild-Fahrten fortzusetzen.

Wie schon im Jahr zuvor, nahmen die Ernestiner wieder am Fackelzug zum 17. Juni in Heuberg teil. Nach einem Marsch durch den Ort, der direkt an der damaligen Landesgrenze liegt, wurde auf einer Anhöhe das Mahnfeuer entzündet. Angeführt wurde der Fakelzug von den Chargierten der Aktivitas.

Anfang Mai 1983 erreichte die Ernestina ein Brief des Münchner Ernestina- Stammtisches mit der Aufforderung, sich mal wieder in München sehen zu lassen. Da auch der Besuch von Kloster Andechs in Aussicht gestellt war, fand die Einladung bei Aktiven wie AHAH gleichermaßen großes Interesse. Nach der Ankunft in Herrsching ging es weiter nach Kloster Andechs. Dort fand neben dem Kloster auch das Klosterbier Beachtung, von dessen Qualität man sich während des Mittagessens ausgiebig überzeugte. Der anschließende Spaziergang führte wieder nach Herrsching zum Ammersee. Während einige AHAH sich für eine Schiffsrundfahrt entschieden, zog es die Mehrheit vor, den Nachmittag in einem am Seeufer gelegenen Biergarten zu verbringen oder den See mit dem Tretboot zu erkunden. Am Nachmittag brach man gen München auf, wo beim Abendessen im Hofbräuhaus der Tag gemütlich ausklang. Danach hieß es Abschied nehmen von den Münchner Ernestinern.

Ein Erfolg im SS 83 war erneut die Beteiligung am Schulhoffest des Ernestinums. Während ansonsten die Resonanz des Publikums sich in Grenzen hielt, herrschte am Ernestina-Stand stets großer Andrang. Und das Ergebnis der dabei betriebenen Keilarbeit konnte sich sehen lassen. An der Semesterabschlußkneipe sprangen sieben Spe-Füxe ein, zum Antritt des WS 83/84 waren es noch einmal fünf.

Von zahlreichen Veranstaltungen gekennzeichnet war das SS 84, wobei im Aktiven-Bericht von Dirk Böhm eine Väter- und eine Damenkneipe, die sich großer Beliebtheit bei den Gästen erfreuten, besondere Erwähnung fanden. Daneben fand ein Dreifarbenhüttenkommers am Stiefvater zusammen mit Vertretern der Schwesterverbindungen Casimiriana und Ernesto-Albertina statt. Über die Herstellung des Bieres informierten sich Aktive und AHAH bei einem Besuch der Kulmbacher Reichelbräu unter der Leitung von Farbenbruder Fritz Müller.

Zu einem vollen Erfolg wurde der Maibummel 1984. 25 Aktive und AHAH nahmen nach kurzer Wegstrecke eine Einladung eines befreundeten Wirts an und legten eine "kurze" Pause (zwei Stunden) ein. Anschließend ging es zum Haus von Wolfram Gothe, wo man den Abend bei Steaks und Faßbier ausklingen ließ.

Dokumentarisch festgehalten wurde von einem Aktiven das Fußballspiel im Juni gegen die Landsmannschaft Chattia Marburg. Das teilweise amüsante Spiel endete mit 3:1 für die Ernestiner. Im Anschluß fand dann noch ein Elfmeterschießen statt, bei dem die 22 Akteure ihr Glück versuchten, jedoch nur zwei den Ball in den Maschen des Tores versenken konnten.

Beim Osterconvent 1984 stand Wilhelm Leffler nach achtjähriger Tätigkeit nicht mehr als zweiter Vorsitzender zur Verfügung. Bei den Wahlen setzte sich Andreas Höllein klar gegen seine Konkurrenten durch. Klaus Beyersdorf wurde als Vorstand ebenso bestätigt wie Fritz Grosch und Klaus Geuter als Beisitzer. Anschließend wurde Rolf Grasser, Fritz Marr und Carl Nützel vom AHV-Vorsitzenden mit dem 100-Semesterband ausgezeichnet.

Herbert Wacker Ehrenvorsitzender
Höhepunkt des Abends war jedoch die Ernennung von Herbert Wacker zum Ehrenvorsitzenden des Altherrenverbandes der Ernestina. Damit wurde Wackers unermüdliches Schaffen zum Wohle unseres Bundes gewürdigt. Mit den Worten "dem mit Abstand verdienstvollsten, lebenden Bundesbruder" überreichte Klaus Beyersdorf Herbert Wacker die Urkunde. Nach seinem Einsprung im Jahre 1926 war Wacker 1927 Erstchargierter und wurde dann nach Ablegung seines Abiturs in den Altherrenverband übernommen. Von 1950 bis 1958 war er 2. Vorsitzender und von 1958 bis 1966 übernahm er die Leitung des AHV. Erneut ging der Ruf an ihn, 1970 noch einmal den Vorsitz zu übernehmen, den er dann aus gesundheitlichen Gründen 1973 abgeben mußte. In seine Amtszeit fielen unter anderem auch die Feiern zum 75. und 100. Stiftungsfest der Ernestina.

Zu den schönsten Veranstaltungen des 227. Semesters (WS 84/85) zählte eine Familienrallye. 20 Teams trafen sich Mitte Oktober am Ernestinum, um ihre Rallye- Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Diese bezogen sich natürlich nicht auf die Schnelligkeit, sondern auf Wissen und Scharfsinn. So mußten alle Teilnehmer vom Ernestinum aus über Rödental, die Rosenau, Unterwohlsbach, Unterlauter, Oberlauter, Einzelberg, Mirsdorf, Ottowind, Ahlstadt, Grattstadt, Heldritt, Elsa, Breitenau, Carlshan zur Wildfuhr fahren. Dort wurden dann der Fragebogen mit den unterwegs gelösten Aufgaben und den am ersten Streckenposten beantworteten Fragen eingesammelt und noch ein paar Fragen zum Allgemeinwissen gestellt. Nachdem alle Teilnehmer im Dal Passatore eingetrudelt waren, wurde während des gemütlichen Beisammenseins die Siegerehrung durchgeführt. Sie stand fast ganz im Zeichen der AHAH - sie belegten Platz 1 und 3 als auch den letzten Platz. Anfang November reisten zwei Mannschaften a fünf Mann zu einem kleinen Hallenfußballturnier nach Marburg/Lahn. Mit 6:0 Punkten siegte Ernestina I, während die zweite Coburger Mannschaft als Letzter mit 0:6 Punkten das Turnier verließ. Ein Liederpaukabend, verbunden mit einem Commentunterricht im November 1984 war ein weiterer Höhepunkt des 227. Semesters. Mit AH Klaus Geuter an der Bierorgel und AH Andreas Höllein als "Pauker" verbesserte die Aktivitas ihre Kenntnisse und erweiterte ihr Liederrepertoire. Wegen des großen Erfolgs dieser Veranstaltung wurde im Januar 1984 eine Burschungskneipe durch einen Comment- und Liederunterricht aufgefrischt, was eine Abwechselung in den Kneipalltag brachte.

Geschockt wurden die Aktiven vom Tod ihres Bundesbruders Gunther Hofmann (82) im August 1984, der im SS 1984 Zweitchargierter war und dieses Amt auch im WS 84/85 versehen sollte.

Schien die Stimmung während des WS 84/85 unter den Aktiven dennoch recht gut zu sein, fand AH Andreas Höllein angesichts der Weihnachtskneipe kritische Töne. So schrieb er im Mitteilungsblatt Nr. 37 folgendes zu dieser Veranstaltung: "Viele von Euch haben die Weihnachtskneipe besucht, haben sich auf ein Wiedersehen mit ihren Consemestern gefreut und erwarteten einen besinnlichen und stimmungsvollen Abend. Wir allen wurden schwer enttäuscht! ... Nicht Begeisterung und Freude strahlte das Präsidium aus, sondern Langeweile und Frustration. Kein ermunterndes und erbauliches Wort hörte die Corona, sondern nur Klage und Kritik. So enttäuschend dies alles für uns war, nichts hätte die derzeitige Lage innerhalb unserer Aktivitas wohl besser zum Ausdruck bringen können. ... Nehmt dem Erstchargierten sein Verhalten nicht übel. Ich kenne ihn als begeisterungsfähigen und einsatzbereiten jungen Ernestiner, der aber durch ständige Mißerfolge - auch auf anderen Kneipen, denen der Hintergrund durch eine größere Anzahl Alter Herren fehlte - enttäuscht ist. ... Es ist ja nicht damit getan, daß nur immer der AHV-Vorstand an den Kneipen anwesend ist und allmählich die Rolle des allseits bekannten Predigers in der Wüste übernimmt. Wir benötigen doch viel mehr Alte Herren als Gesprächspartner für unsere jungen Bundesbrüder und als Alternative zur Besetzung eines vernünftigen und niveauvollen Inofficiums. ... Es steht uns nicht an, über selbstverschuldetes Übel Klagegeschrei zu erheben." Worte, wie sie auch in den kommenden Semestern nie an Aktualität verloren!

Mit einer neuer Sitzordnung, nicht nur der Chargierten, sondern auch der Kneipcorona, präsentierte sich eine Monatskneipe im März 1985. "Eine sehr gute Kneipdisziplin der Corona, gepaart mit einer hervorragenden Stimmung, machten diese Kneipe, die erst zu sehr fortgeschrittener Stunde ex geschlagen wurde, zu einer der gelungensten Veranstaltungen seit langem", resümierte Joachim Scholz in seinem Aktivenbericht zum SS 85. Dem schlechten Wetter und den intensiven Abiturvorbereitungen einiger Aktiver fiel der Maibummel zum Opfer. Und so zogen am 1. Mai drei Aktive vom Marktplatz zum Ratskeller. Ebenfalls ganz im Zeichen der beginnenden Abiturprüfungen stand die Monatskneipe wenige Tage später. In einem schwach gefüllten Kneipsaal präsentierte sich eine bereits schwer angeschlagene Aktivitas.

Doch eines konnte das bevorstehende Abitur nicht schaffen, nämlich eine große Zahl von Aktiven an der Teilnahme am Familienausflug nach Weihenstephan zu hindern. Unter der Leitung von AH Rainer Weißbrodt besichtigte eine große Schar Münchener und Coburger Ernestiner die Weihenstephaner Brauerei und den Dom sowie den Freisinger Staudensichtungsgarten.

Während der Hauptfestwoche zur 650-Jahrfeier der Stadt Seßlach beteiligte sich die Ernestina gleich an zwei Veranstaltungen: Am 29. Juni an einem nächtlichen Fackelzug von einem der Stadttore zum Marktplatz und am 30. Juni am großen Festumzug. In mittelalterliche Kulisse saß man dann am Nachmittag bei einem gemütlichen Umtrunk beisammen.

Um die bevorstehende Philistrierung vieler Altburschen nicht zu einem zu großen Verlust für die Aktivitas zu machen, sorgte man auf einer Keilveranstaltung Mitte Juli für kräftigen Nachwuchs. Nachdem in der Schule, vor allem mit Hilfe von AH Walter Hofmann, heftig für die Ernestina geworben worden war, konnte man im kleinen Saal des "Münchner Hofbräus" eine sehr große Anzahl interessierter Schüler begrüßen. Im gemütlichen Rahmen wurde über die Verbindung informiert und AH Wacker und AH Martin plauderten über ihre Schul- und Aktivenzeit. Am Ende des Abends konnten 15 Einsprungsgesuche vermeldet werden.

An das Schulhoffest 1985 schloß sich ein Sommernachtstänzchen in der "Goldenen Traube" an, bei dem die Aktiven ausnahmsweise in der Überzahl waren. Trotz der kleinen Runde trugen Tanzspiele und der dabei gewonnene Sekt zu einer ausgelassenen Stimmung bei.

Einen abschließenden Höhepunkt des Sommersemesters 1985 bildete der Festkommers zum 114. Stiftungsfest, der aufgrund des Seßlach-Jubiläums diesmal in der "Goldenen Traube" stattfand. In großer, festlicher Runde fand die Aufnahme von 15 Füxen in die Aktivitas statt, ein weiteres Einsprungsgesuch konnte vermeldet werden, und schließlich wurden die Altburschen in den AHV übernommen. Es waren dies: Dirk Böhm, Sven Brinkmann, Jürgen Fischer, Andreas Kurth, Michael Langer, Joachim Scholz, Hartmut Truckenbrodt, Hans-Martin Uebel, Stephan Wilhelm, Andreas Zapf und Frank Zeitner. Gegen Ende des Kommerses folgte die Chargenübergabe an x Jens Klodwig, xx Florian Schnell und xxx Matthias Dünisch.

Mit dieser Veranstaltung waren denn auch die Weichen für das WS 85/86 gestellt. Am Oberfrankenkommers, der bei Abituria Germania in Lichtenfels stattfand, nahm die Ernestina mit ihren Chargierten und vier Aktiven teil. Nur wenige Teilnehmer zählte die Familienrallye durch den südöstlichen Teil des Coburger Landes, wobei zahlreiche Aufgaben zu lösen waren. Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein wurde das Siegerteam AH Bauer/AH Zimmer geehrt.

Die Oktoberkneipe zeichnete sich durch eine frohe und ausgelassene Stimmung aus. An diesem Abend konnten vier Spefüxe in der Corona begrüßt werden, zwei Füxe wurden in den Burschenstand erhoben. Im November veranstalteten die drei Coburger Schülerverbindungen einen gemeinsamen Kegelabend und einen Dreifarben-Hüttenabend auf dem Stiefvater.

Vor allem bei der Fuxia erfreute sich die traditionell durchgeführte Damenkneipe großer Beliebtheit. Die Kneipdisziplin ließ jedoch sehr zu wünschen übrig, was auf das Fehlen Alter Herren und die mangelhafte Sangeskunst der Fuxia sowie der weiblichen Gäste zurückgeführt wurde.

Gleich dreimal wurde im WS 85/86 Weihnachten gefeiert. Einmal beim Münchner Ernestina-Stammtisch, dann bei einer Aktivenfeier im "Münchner Hofbräu" und schließlich beim Höhepunkt des Semesters, der Weihnachtskneipe im festlich geschmückten Saal der "Goldenen Traube". Zahlreiche jüngere und ältere AHAH aus dem gesamten Bundesgebiet waren zu dieser Veranstaltung nach Coburg gekommen, und einige von ihnen wurden auch vom Nikolaus bedacht, der in Gedichtform seine Gaben verteilte.

Die Semesterabschlußkneipe beendete das ereignisreiche Halbjahr. Im Laufe der Kneipe wurde zwei Bundesbrüder geburscht, zwei neuen Fuxen konnte das schwarz- gold-schwarze Fuxenband verliehen werden. Zu fortgeschrittener Stunde erfolgte die Chargenübergabe an x Alexander Luthardt, xx Günther Kempf und xxx Andreas Wucher.

In diesem Semester hieß es auch Abschied nehmen von einem verdienten Ernestiner, dem Ehrenmitglied und Träger des 100-Semesterbandes, Dr. Wilhelm Schramm. Er verstarb am 18. Oktober 1985. Schramm war von 1966 bis 1969 Vorsitzender des AHV der Ernestina.

Ein Auf und Ab gab es im SS 86, dabei sollte in diesem Semester das 115. Stiftungsfest groß gefeiert werden. Doch alles der Reihe nach ...

Nur mäßig besucht war die Antrittskneipe des 230. Semesters und auch die Kneipdisziplin ließ sehr zu wünschen übrig. Ganz anders präsentierte sich da die Monatskneipe im März. An ihr waren fast alle Aktiven und vor allem viele junge AHAH anwesend. Das erfreuliche neben der guten Kneipdisziplin - ein neues Mitglied konnte gewonnen werden. Der positive Trend setzte sich dann auf der Väterkneipe fort. Dennoch konnte eine große Anzahl Aktiver und AHAH das Fehlen der Väter nicht wettmachen. Trotz rechtzeitiger Einladung waren gerade mal fünf Väter dem Ruf zur Kneiptafel gefolgt.

Wenig Zuspruch fand die Münchenfahrt im Mai. Schuld am Fehlen der Aktiven waren wieder einmal die Vorbereitungen aufs Abitur und wichtige Schulaufgaben in den 11. Klassen. Zu einer absoluten Enttäuschung wurde jedoch das 115. Stiftungsfest, dessen Kommers in der "Goldenen Traube" begangen wurde. So schrieb der zweite Vorsitzende des AHV, Andreas Höllein, rückblickend im Mitteilungsblatt Nr. 40: "Am 20. und 21. Juni beging die Ernestina ihr 115. Stiftungsfest. Ein Anlaß, der meines Erachtens doch Bundesbrüder aus nah und fern hätte anziehen müssen - zumal extra schriftlich eingeladen worden war. Doch weit gefehlt! Dem Festkommers, zu dem erfreulicherweise unser Ehrenmitglied Erich Hitzbleck angereist war, wohnten ganze 20 AHAH bei. Welch festliche Atmosphäre vor leeren Kneiptischen! ... Der absolute 'Höhepunkt' war aber dann das samstägliche Tänzchen in der 'Burgschänke'. Neben einer Schrumpfaktivitas gaben sich immerhin acht AHAH die Ehre. Was als lustiges Sommerfest geplant war, entwickelte sich nicht nur zur Peinlichkeit, sondern setzte uns Anwesende schlichtweg der Lächerlichkeit aus. Man kam sich vor wie die letzten Überlebenden eines Veteranenvereins.";

Ähnlich enttäuschend verlief auch die Couleurfahrt, bei der gerade mal fünf Aktive anwesend waren. Dabei hatte sich der AHV-Vorstand etwas besonderes einfallen lassen: eine Besichtigung der Hanns-Seidel-Stiftung in Kloster Banz. Nach einer Begrüßung fand eine Führung durch die verschiedenen Räumlichkeiten sowie die Klosterkirche statt. In der Gaststätte "Reinwand" in Seßlach fand die Fahrt ihren feucht-fröhlichen Abschluß.

Regen Zuspruch fand hingegen erneut das Schulhoffest zum Schuljahresende. Den Schlußpunkt hinter das ereignisreiche Semester setzte die Abschlußkneipe Ende Juli. In deren Verlauf konnten sechs Füxe in den Burschenstand erhoben und sechs Burschen (Matthias Dünisch, Stefan Guhr, Karl-Heinz Hoessrich, Jens Klodwig, Frank- Thomas Riede und Florian Schnell) philistriert werden. Außerdem waren sechs Spe-Füxe anwesend, von denen einer im Verlauf der Veranstaltung das Einsprungsgesuch unterschrieb. Auch wurden mit x Alexander Luthardt, xx Jochen Rauschert und xxx Fabian Denk die neuen Chargierten in ihre Ämter eingeführt.

Eine Änderung im Vorstand des Altherrenverbandes gab es beim Osterconvent 1986. So wurden Klaus Beyersdorf und Dr. Andreas Höllein als erster und zweiter Vorsitzender wiedergewählt. Walter Hofmann als bisheriger dritter Vorsitzender lehnte jedoch nach zehnjähriger Amtsführung eine weitere Kandidatur ab. So wurde Fritz Grosch in dieses Amt gewählt. Zu Beisitzern wurden Walter Hofmann und Klaus Geuter gewählt. Während des Osterconvents wurde zudem Otfried Engel das 100-Semesterband verliehen.

Regen Zuspruch fand eine Familienrallye, die im WS 86/87 stattfand. Sven Brinkmann, Michael Zech und Frank Eberwein hatten es dabei verstanden, eine abwechslungsreiche Veranstaltung auf die Beine zu stellen, bei der am Ende das Siegerteam Beyersdorf hieß. Einen Höhepunkt des 231. Semesters kennzeichnete die traditionelle Damenkneipe, die übermäßig gut besucht war. Allerdings ließ die Kneipdisziplin sehr zu wünschen übrig.

Vorbildlich war die Disziplin hingegen bei der Festkneipe anläßlich der öffentlichen Anerkennung unserer Verbindung durch die Schulbehörde vor 80 Jahren. Die Festveranstaltung, die am 7. November 1986 im Hotel "Goldene Traube" in sehr feierlichem Rahmen durchgeführt wurde, sah eine fast vollständig angetretene Aktivitas und sehr viele AHAH. Sie lauschten aufmerksam der brillanten und humorvollen Festrede von AH "Specht", Kurt Martin. Seine Anekdoten, die sich zum Beispiel mit dem Schulalltag von früher beschäftigten, waren nicht nur für die älteren AHAH ein schöner Rückblick auf vergangene Zeiten, sondern für die jüngeren Bundesbrüder interessant und unterhaltsam zugleich.

Der Festveranstaltung folgten eine schwach besuchte Monatskneipe, ein Drei-Farben-Hüttenabend auf dem Stiefvater, ein Adventsabend mit Damen und schließlichdie Weihnachtskneipe, die ausnahmsweise in der "Weißen Lilie" inScheuerfeld stattfand. Da x Alexander Luthardt erkrankt war, übernahm xxx Fabian Denk die Führung der Kneipe, zu der etwa 80 Bundesbrüder erschienen waren. Ein Höhepunkt der Kneipe war mit Sicherheit der Auftritt des Weihnachtsmannes inPerson von Michael Zech. Mit einigen flotten Reimen brachte er seine kleinen Geschenke an den Mann, um alsbald, mit blauer Mütze, wieder in den Reihen der Bundesbrüder aufzutauchen.

Bei der Abschlußkneipe des 231. Semesters übernahmen x Alexander Traut, xx Wolfgang Zeitz und xxx Claus Walter die Chargen. In einem ruhigen Sommersemester 1987 führten sie 24 Burschen und fünf Füxe. Neben den normalen Veranstaltungen fand wieder eine Fahrt zusammen mit dem Münchner Stammtisch nach Kloster Andechs statt. Im Rahmen der traditionellen Seßlachfahrt nahmen Aktive und AHAH zudem an der 1150-Jahr-Feier des Seßlacher Stadtteils Gemünda teil.

Beim Osterconvent wurden Dr. Adolf Dehler, Rolf Thiel und Karl Barnickel in die Riege der 100-Semesterband-Träger aufgenommen. Aufnahme in den AHV fanden Christian Hofmann, Günther Kempf, Ulrich Probst, Matthias Werner, Andreas Wucher und Michael Zimmermann.

Ein erfreuliches Ereignis des WS 87/88 war wieder einmal ein Dreifarben-Kommers zusammen mit den Schwesterverbindungen Casimiriana und Ernesto-Albertina. Die Veranstaltung verlief stimmungsvoll und recht feucht. Als negativ vermerkte x Claus Walter im Rückblick die geringe Beteiligung der Ernestiner.

Auch sonst waren die Veranstaltungen dieses Semesters, es waren gerade mal sechs in den Semesterplan aufgenommen worden, sehr schlecht besucht. Erfreulich hingegen verlief wieder einmal die Weihnachtskneipe mit 83 Teilnehmern. Fux Jürgen Reitzler als Nikolaus sorgte dabei für einen der Höhepunkte. Wie üblich kam er mit rotem Mantel und weißem Bart. Da es draußen allerdings nicht schneite, sondern regnete, hatte sich der Nikolaus gelbe Gummistiefel angezogen. Selbstverständlich mußten alle diejenigen, die ein Geschenk bekamen, ein Gedicht aufsagen oder ein Lied vorsingen. Bei dieser Zeremonie war das sonst übliche "steigen lassen" außer Kraft gesetzt. Stattdessen "regierte" die Rute.

Bei der Abschlußkneipe übernahmen Andreas Kuschbert als x, xx Ralf Schumann und xxx Jochen Rauschert die Chargen für das 234. Semester (SS 88), das jedoch sehr enttäuschend verlief. Die Kneipen waren nur spärlich besucht, sowohl von den Aktiven als auch von AHAH. Der Stiftungsfestkommers, der eigentlich zum Höhepunkt des Sommersemesters werden sollte, fand ebenfalls keinen großen Anklang. Die Corona bestand aus 28 Bundesbrüdern und acht Gästen. Während der Veranstaltung wurden 13 Burschen (Thomas Carl, Fabian Denk, Frank Eberwein, Stephan Förbs, Matthias Handke, Jürgen Hennig, Holger Huber, Wasilios Karkazis, Stefan Keller, Alexander Luthardt, Alexander Traut, Claus Walter und Michael Zech) in den AHV aufgenommen. So schrumpfte die Aktivitas auf sieben Burschen und drei Füxe zusammen. Und weiterer Nachwuchs für den Bund war nicht unbedingt in Sicht. Den "krönenden" Abschluß bildete die Semesterabschlußkneipe, die, aufgrund der geringen Beteiligung (elf Teilnehmer, Aktive und AHAH!!), kurzerhand in einen Stammtisch umfunktioniert wurde. Die Anwesenden ließen sich ihre gute Laune jedoch nicht verderben, so daß das Semester noch einigermaßen harmonisch ausklang.

Auch in Seßlach waren die Ernestiner im SS 88 vertreten und zwar bei der Einweihung der Gedenktafel zum 200. Geburtstag von Friedrich Rückert im Mai. Vier Aktive - sie wurden von AH Dr. Harald Bachmann als offizielle Vertreter des Ernestinums begrüßt - und eine Großzahl AHAH hatten sich zur Feierstunde auf dem Seßlacher Marktplatz eingefunden. Nach Begrüßungsworten von Bürgermeister Hendrik Dressel und einigen Erläuterungen von Oberregierungsrat Albert Krapp beleuchtete Oberstudiendirektor Dr. Harald Bachmann kurz das Leben und Wirken Rückerts in Seßlach. Im Anschluß an die Feierlichkeiten freuten sich die vier Aktiven über eine großzügige Spende von AH Dr. Bachmann, die sofort in Bier, Bratwürste und Kuchen umgesetzt wurde.

Da einige Aktive während des Semesters über die Stränge geschlagen hatten - sie waren während einer Damenkneipe als Feuerwehrleute und Sperrmüllproduzenten aufgetreten - traten Schwierigkeiten mit den Wirtsleuten des "Münchner Hofbräu" auf, so daß die Aktiven gezwungen waren, sich eine neue Konstante zu suchen. Fündig wurden sie dann auf dem Judenberg, wo die Technische Verbindung "Coburgia" den Ernestinern ihr Haus für Veranstaltungen zur Verfügung stellte.

Beim Osterconvent des Jahres 1988 gab es auch im Vorstand des Altherrenverbandes Veränderungen, nachdem Klaus Beyersdorf nach siebenjähriger und Dr. Andreas Höllein nach vierjähriger Amtszeit nicht mehr als 1. und 2. Vorsitzender kandidierten. So wurde Jürgen Marpert mit überwältigender Mehrheit erneut zum Vorsitzenden des AHV gewählt. Der neue "Zweite" wurde Horst Engel, während Fritz Grosch zum dritten Vorsitzenden gewählt wurde.

Dr. Karl Schmorl Ehrenmitglied
Ein neues Ehrenmitglied bekam der AHV in diesem Semester mit Dr. Karl Schmorl, dem ehemaligen Direktor des Ernestinums. Er hatte ganz wesentlichen Anteil daran, daß der Ernestina nach der Neugründung des Altherrenverbandes 1948, ein Jahr später mit einer neuen Aktivitas am Gymnasium Ernestinum ein Bilderbuchstart nach dem Kriege und der Auflösung im Dritten Reich gelang. Er war es, der seinerzeit - gerade ein Jahr als Leiter des Ernestinums in Amt - an jener denkwürdigen Kneipe im Gasthaus "Schröck" einen förmlichen "Massenansturm" junger Abiturienten auslöste. Als Nachfolger von Dr. Ernst Bähr, der bereits aktiver Ernestiner war und die Anstalt von 1912 bis 1948 leitete, setzte Dr. Schmorl die Tradition fort und trat zusammen mit seinen Schülern in die Verbindung ein.

Das WS 88/89 stand unter keinen guten Stern, zu groß waren die Vorbehalte, vor allem von Seiten der AHAH, gegen die neue Konstante auf dem Judenberg. Doch auch die Personaldecke der Aktivitas war alles andere als günstig. So fanden die Veranstaltungen, einschließlich einer Freundschaftskneipe mit der TV Coburgia, nur geringes Interesse. Selbst auf der Weihnachtskneipe in der "Goldenen Traube" ließen sich zum Leidwesen der Aktiven mit x Peter Groh an der Spitze nur wenige AHAH bliken. In diesem Semester hieß es auch Abschied nehmen von Ehrenmitglied Werner Eichhorn (49), der im Alter von 67 Jahren verstarb.

Bei der Semesterantrittskneipe, mit der das SS 89 eröffnet wurde, waren nach einer fuxenlosen Zeit erstmals wieder zwei Spe-Füxe anzutreffen, die im Laufe dieses und des nächsten Semesters noch für weiteren Nachwuchs und einen damit verbundenen Aufschwung der Verbindung sorgen sollten. Im März stand erstmals ein Kegelabend im Frohnlacher Tanzlokal "Carolls" auf dem Programm, der bei den Aktiven großen Anklang fand. Im gleichen Monat fand auch ein Vierfarben-Kommers zusammen mit der Casimiriana, der Ernesto-Albertina und der Franco-Thuringia Neustadt statt.

Im Juni wurde dann wieder eine Couleurfahrt zusammen mit dem Münchner Ernestina- Stammtisch nach Glentleiten bei Kochel durchgeführt. Hiermit verbunden war der Besuch eines Freilichtmuseums, und wer wollte, konnte sich anschließend in Anbetracht des sehr heißen Sommertages im Walchensee abkühlen. Durch das sehr gute Miteinander zwischen Aktiven und AHAH während dieser Fahrt konnte das Verhältnis zwischen älteren und jüngeren Bundesbrüdern herausgebildet werden. Weitere Veranstaltungen waren das Stiftungsfest in der "Goldenen Traube" sowie die Semesterabschlußkeipe, die im "Roten Ochsen" in Seßlach stattfand. Vorausgegangen waren ein gemütlicher Nachmittag in Seßlach und ein sich anschließender Empfang im Rathaus durch Bürgermeister HEndrik Dressel. Damit wurde die alte Tradition, Fahrten nach Seßlach zu unternehmen, wieder aufgenommen.

In seiner Ansprache betonte Hendrik Dressel, daß Seßlach eine Stadt sei, in der die Ideale einer Verbindung gelebt werden können. Und daß die Seßlacher Bevölkerung dem Verbindungswesen wohlgesonnen sei, zeige sich laut Dressel am besten beim alljährlichen Frühschoppen, den die jeweils präsidierende Landsmannschaft des CC zusammen mit der Bevölkerung am Pfingstsonntag auf demMarktplatz veranstalte.

Im Namen der Ernestina dankte AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert für die herzliche Aufnahme. Der Tag solle ein Auftakt sein, die freundschaftlichen Beziehungen zu intensivieren. Dabei, so Marpert, sei Seßlach für die Ernestina eigentlich nur ein "Ersatzort" für die traditionellen Sommerfahrten gewesen, die früher nach Hellingen und Römhild führten. Im Namen der Aktivitas sprach x Peter Groh und überreichte Bürgermeister Dressel eine Spende der Aktiven, die für eine soziale Einrichtung verwendet werden soll. Bei der anschließenden Semesterabschlußkneipe im "Roten Ochsen" hieß es für einige Aktive Abschied nehmen von ihrer Aktivenzeit, nachdem sie das Abitur bestanden hatten. So wurden an diesem Abend Jochen Rauschert, Edi Sremic, Frank Suker, Michael Thauer und Andreas Kuschbert von Jürgen Marpert in den AHV aufgenommen.

Zum 120. Stiftungsfest der Absolvia Hof wurden die Aktiven der Ernestina im WS 89/90 eingeladen, was diese mit einer Zweitagesfahrt nach Hof verbanden. Neben der Teilnahme am Oberfrankenkommers standen auch noch ein nächtlicher Bummel durch Hof sowie ein Frühschoppen auf dem Programm. Im November und Januar zog es die Aktiven erneut ins "Carolls" nach Frohnlach. Wurde zunächst Billard gespielt, hieß es im Januar beim zweiten Kegelabend in der Disco "Wir poltern in die 90er".

Zwischen diesen beiden Veranstaltungen fand die traditionelle Weihnachtskneipe im großen Saal der "Goldenen Traube" statt, zu der viele Bundesbrüder kamen. Durch das Auftreten eines Nikolauses aus dem Kreise der Aktiven war die Kneipe auch unter dem humoristischen Aspekt eine gelungene.

Da vom SS 90 keinerlei Aufzeichnungen über Veranstaltungen aufzutreiben sind, bleibt mir nur übrig, den Ostercovent kurz Revue passieren zu lassen, bei dem es wieder eine Veränderung im AHV-Vorstand gab. Während Jürgen Marpert und Fritz Grosch als erster beziehungsweise dritter Vorsitzender bestätigt wurden, wurde Lutz Langenstein zum neuen zweiten Vorsitzenden gewählt. Beisitzer waren nach den Wahlen Carsten Aumann und Walter Hofmann. Bei diesem Osterconvent ahnte jedoch noch niemand, daß man schon bald von einem aus ihren Reihen Abschied nehmen mußte.

Trauer um Fritz Grosch
Am 16. Juli 1990 hatte sich eine große Trauergemeinde, darunter viele Ernestiner, auf dem Coburger Friedhof versammelt, um von ihrem dritten Vorsitzenden Fritz Grosch Abschied zu nehmen, der wenige Tage nach seinem 60. Geburtstag gestorben war. Fritz Grosch war ein echter Coburger, der seine Heimatstadt über alles liebte. Ein Schwerpunkt war dabei seine Schule, das Ernestinum, und natürlich unsere Verbindung. 1950 sprang er als Fux ein und gehörte damit bei der Wiedereröffnung nach dem Zweiten Weltkrieg zu den ersten Nachkriegsaktiven. Als Fuxmajor war er einer der drei Chargierten seines Burschensemesters. Nach seiner Rückkehr nach Coburg im Jahre 1978 war es für ihn selbstverständlich, sich wieder in der Ernestina zu engagieren. So übernahm er Verantwortung im Vorstand und führte bis zu seinem Tode vorbildlich die Kassengeschäfte. Der Ernestinakalender, der im Jahre 1990 erschien, zählte zu seinen letzten Initiativen im Sinne des Zusammenhaltens aller Bundesbrüder.

Mit einem Ereignis, mit dem eigentlich niemand in den vorausgegangenen Jahren gerechnet hatte, wurde das WS 90/91 (239. Semester) eröffnet - mit einer Fahrt ins thüringische Römhild. Über diese Fahrt schrieb ich im Mitteilungsblatt unter anderem folgendes:
"Am 22. September 1990 war es soweit - die Ernestina konnte nach 56 Jahren wieder eine Römhildfahrt unternehmen. Unter den etwas mehr als 30 Teilnehmern befanden sich mit Hans Axmann und Dr. Otto Dehler zwei Bundesbrüder, die schon frühere Römhildfahrten miterlebt hatten. Unter den Teilnehmern war schon vor der Abfahrt am Landestheater eine gewisse Spannung festzustellen, denn keiner wußte, was uns erwarten würde. Für die Aktiven und uns junge Alte Herren, die die Fahrt nur vom Hörensagen oder auch der Chronik kennen, war es etwas ganz Neues. Trotz des kühlen und regnerischen Wetters war die Stimmung an Bord des Busses sehr gut. Da wurde auch die Irrfahrt unseres Busfahrers, es war dies Bbr. Detlef Räppold, der hinter Rodach in die Prärie anstatt nach Römhild fuhr, mit viel Humor hingenommen.

Letztendlich kamen wir doch in Römhild an. ... Unser erstes Ziel war der Friedhof von Römhild, auf dem unser Bundesbruder Carl Kade, seines Zeichens Apotheker in Römhild, begraben liegt. Doch trotz intensiver Suche aller Bundesbrüder war das Grab nicht zu finden, und wir dachten schon, unverrichteter Dinge wieder abziehen zu müssen. Doch zum Glück lief uns die Küsterin der Stiftskirche über den Weg. Sie zeigte uns das Grab und so konnte der Vorsitzende des Altherrenverbandes, Jürgen Marpert, einen Blumenstrauß mit Band in den Bundesfarben auf dem Grab niederlegen. ... Im Kneiplokal, dem ehemaligen Kulturhaus, empfing uns erst einmal ein ohrenbetäubender Lärm. Da es in dem Saal anscheinend keine Heizung gab, hatte der Wirt einen vorsintflutlichen Heizer in den Raum gestellt, der allerdings sehr gut heizte und wir nicht zu frieren brauchten. ... Kurz nach 20 Uhr war es dann soweit, der Erstchargierte Marcel Sucker eröffnete das 239. Semester. In seiner Rede zur Antrittskneipe wies der Erstchargierte auf die lange Tradition der Ernestina hin, Fahrten durchzuführen. Waren es vor dem Kriege Orte wie Hellingen und Römhild, die angefahren wurden, so war es nach der Trennung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg Seßlach. ... 'Unsere Gedanken wanderten auf den Seßlachfahrten immer nach Römhild', erinnerte sich AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert. Seßlach sei inzwischen mehr als ein Ersatzort geworden.

Mit humorigen Worten erinnerte Jürgen Marpert an die erste Leiterwagenfahrt im Jahre 1907. Damals dauerte die Römhildfahrt zwei Tage und die Kneipen fanden im Gasthof ,Zum Hirschen" statt. ... Bbr. Jürgen Marpert erinnerte auch an den Apotheker Carl Kade, dem 1926 das Ehrenband der Ernestina verliehen wurde. Kade kümmerte sich auf den Römhildfahrten sehr rührig um die Ernestiner. ... Gegen 22 Uhr beschloß der Erstchargierte die Antrittskneipe und mit dem Bus ging es zurück nach Coburg."

Wenige Stunden vor der Römhildfahrt war man zu einem außerordentlichen Altherrenconvent im "Münchner Hofbräu" zusammengekommen, galt es doch, einen neuen Kassenwart zu wählen. Am Ende wurde der bisherige Beisitzer im Vorstand, Carsten Aumann, zum Nachfolger von Fritz Grosch gewählt. Neuer Beisitzer wurde Andreas Kuschbert.

Einen weiteren Höhepunkt neben der Römhildfahrt erlebte das 239. Semester mit der Weihnachtskneipe im Saal der "Goldenen Traube". Der große Saal war fast zu klein, so viele Bundesbrüder waren gekommen, unter ihnen auch beispielsweise unser damals ältester Bundesbrüder, Dr. Günther Weisheit. Die Reden auf der Weihnachtskneipe waren geprägt von den bewegenden politischen Ereignissen des Jahres 1990, aber auch die Situation der Ernestina wurde kritisch beleuchtet. So nannte Erstchargierter Marcel Suker das Jahr 1990 "ein Jahr mit vielen Höhen und Tiefen". Als Tiefpunkte bezeichnete er dabei die Tatsache, daß einige Monatskneipen in Stammtische umgewandelt werden mußten, da es am Besuch fehlte. Auch bereitete der mangelnde Nachwuchs weiterhin Sorgen. Höhepunkt der Weihnachtskneipe war dann zweifellos die Überreichung des Fuxenbandes an Frank Nießen, der nach über einem Jahr Durststrecke der erste Fux war, der wieder in die Ernestina eintrat.

Im 240. Semester ging zunächst der normale "Ernestina-Trott" weiter. Doch so langsam kam wieder Schwung in die Aktivitas, einige neue Mitglieder fanden den Weg in die Schülerverbindung. Im Mittelpunkt des SS 91 stand wieder einmal die Seßlachfahrt, mit der das Stiftungsfest mit einer Kneipe im "Haus des Gastes" verbunden war.

Das 241. Semester (WS 91/92) wurde wiederum mit einer Römhildfahrt - es war die insgesamt 20. - eröffnet. Auf der zweiten Fahrt nach der Wiedervereinigung stand zunächst die Besichtigung des Steinsburgmuseums Römhild auf der Tagesordnung, ehe auf dem Römhilder Friedhof Apotheker Carl Kade gedacht wurde. Nach einem Dämmerschoppen wurde das 241. Semester mit der Antrittskneipe eröffnet. Aus organisatorischen Schwierigkeiten seitens der Gastronomie wurde die Veranstaltung kurzerhand von Römhild nach Milz verlegt. Zum Gelingen der Kneipe trug auch Bbr. Bürgermeister Richard Dlouhy mit einer originellen Rede bei.

Trauer um Dr. Günther Weisheit
Mit einer traurigen Mitteilung ging es ins SS 92: Am 7. März 1992 war unser Ehrenmitglied und Träger des 100-Semester-Bandes, Dr. Günther Weisheit, im Alter von 94 Jahren verstorben. Einen Nachruf bei der Trauerfeier in der Heilig-Kreuz-Kirche sprach Klaus Beyersdorf. Auch wenn Dr. Günther Weisheit nie eine offizielle Funktion in der Verbindung innehatte, so gehörte er doch zu den unermüdlichen Streitern für die Sache. Bis weit über sein 80. Lebensjahr hinaus hatte Günther Weisheit als Zahnarzt seinen Patienten geholfen. Nach dem Besuch der Volksschule wechselte der Verstorbene auf das Gymnasium Ernestinum. In der elften Klasse wurde er 1916 zur Reichswehr einberufen. Nach der Entlassung im Jahre 1919 schloß Günther Weisheit seine Ausbildung am Ernestinum ab. Nach dem Studium der Zahnheilkunde in Leipzig folgte 1921 die Approbation und ein Jahr später die Promotion.

Erfreuliches gab es hingegen von der Aktivitas zu berichten. Nach einer langen nachwuchslosen Zeit konnte Erstchargierter Marcel Sucker beim Osterconvent 1992 vermelden, daß sich inzwischen zehn Fuxen in den Reihen der Aktivitas befänden. So sei es denn auch möglich, wieder Veranstaltungen im größeren Rahmen durchzuführen. Diese frohe Botschaft dämpfte jedoch AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert mit Blick auf die Besucherzahlen ein. "Gerne hätte ich vermelden wollen, daß die Veranstaltungsräume wegen Überfüllung geschlossen werden mußten. Doch dem war leider nicht so", meinte Marpert in seinem Jahresbericht. So seien vor allem die Römhildfahrt und die Weihnachtskneipe auf der Habenseite zu verbuchen. Ansonsten gehe jedoch alles seinen "gewohnten Gang".

Bleiben wir noch einen Moment bei diesem Osterconvent. Auf ihm wurden nämlich mit Werner Lorenz - lange Jahre zweiter Vorsitzender des AHV und Verwalter der Bilderchronik - und Dr. Adolf Dehler, dem "Kegler-Chef", zwei verdiente Mitglieder des Altherrenverbandes zu Ehrenmitgliedern ernannt.

Auch in diesem Semester wurde das Stiftungsfest wieder in Seßlach gefeiert, wobei jedoch der Besuch hätte besser sein können.

Im Mitteilungsblatt vom Juni 1993 stand es schwarz auf weiß, niedergeschrieben von Jürgen Marpert:
"Liebe Bundesbrüder - es ist geschafft! - Mit der Semesterantrittskneipe und dem Osterconvent haben wir erstmals in unserer fast 125jährigen Geschichte einen eigenen Kneipraum bezogen. Der besondere Dank hierfür gilt unserem AH Carsten Aumann, der uns den Raum zur Verfügung stellte, seiner Familie, die die Bauzeit ertragen hat (und in Zukunft die vielen Veranstaltungen ertragen wird); vor allem aber müssen wir den Hut ziehen ob des Einsatzes unserer Aktiven. Sie haben uns gezeigt, was bundesbrüderlicher Geist und bundesbrüderlicher Einsatz zu vollbringen mochte."

Das 243. Semester stand ganz im Zeichen des Umbaus. Voller Elan gingen die Aktiven an die Sache heran und machten sich über das Kellergewölbe her. Erstchargierter Bernd Eberwein schrieb rückblickend:
"Ein knappes Jahr war die Aktivitas mittlerweile mit der Instandsetzung eines Kellergewölbes bei AH Aumann beschäftigt. So war es auch ursprünglich geplant, den Raum schon ab dem 243. Semester zu benutzen. Doch mit den ersten Arbeitseinsätzen stellte sich gleichzeitig die Schwere der Arbeiten heraus, welche sich die Ernestina als Ziel gesetzt hatte. Je weiter die Renovierungsarbeiten voranschritten, desto mehr neue Probleme, und folglich neue Aufgaben, offenbarten sich. Als Beispiel möchte ich hier nur die komplette Paneelierung des Raumes nennen, obwohl ursprünglich nur ein neuer Putz geplant war. Aber auch der kurzfristige Erwerb einer Baranlage und die damit notwendig gewordene Vergrößerung der Ernestina-Räumlichkeiten brachte uns viel zusätzliche Arbeit. ... Doch beweist der Besuch der ersten Veranstaltung im Kneipraum und die überraschten Gesichter zahlreicher AHAH glücklicherweise, daß sich die Einrichtung einer eigenen Konstanten durchaus gelohnt hat."

Ein weiterer Höhepunkt neben der Eröffnung des neuen Kneipraums am 19. März 1993 war im 244. Semesters sicherlich die Teilnahme an den Feierlichkeiten zum 175. Geburtstag und 100. Todestag von Herzog Ernst II. So fand am 21. Juni im Mausoleum auf dem alten Coburger Friedhof eine Kranzniederlegung statt, an der neben Stadt und Landkreis Coburg, das Herzogshaus, die Historische Gesellschaft, die Schützengesellschaften Coburg und Gotha, die Freunde und Förderer des Ernestinums, der Fränkische Sängerbund, das Ernestinum und nicht zuletzt die Ernestina teilnahm. AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert legte einen Kranz nieder, die Chargierten präsentierten sich in vollem Wichs.

Das restliche 244. Semester im Schnelldurchgang: Am 10. April wurde eine Osterkneipe geschlagen, bei der einige Füxe geburscht wurden. Ende April besuchte man die Abituria O.R. Hof, die anläßlich ihres 70.Stiftungsfests einen Oberfrankenkommers ausrichtete. Desweiteren fand auch eine Väterkneipe statt, zu der aber leider nur ein Vater erschien. Das Stiftungsfest des Jahres 1993 fand an zwei Tagen statt. Am Freitagabend wurde ein Herrenessen durchgeführt, am Samstag machten sich die Aktiven auf den Weg, um von Witzmannsberg aus nach Seßlach zu wandern. Der Nachmittag wurde mit einem Dämmerschoppen gefüllt, die Festkneipe fand dann nur in einem sehr kleinen Rahmen statt. Auf der Kneipe wurden dann auch die Chargen gewechselt. Der bisherige xx Tobias Westphal übernahm die Führung der Aktiven von x Bernd Eberwein. xx wurde Jörg Kessel, Fuxmajor blieb Frank Nießen. Zudem wurden vier Burschen in den AHV aufgenommen. Mit einer gut frequentierten Abschlußkneipe ging dieses ereignisreiche Sommersemester zu Ende.

Mäßig besuchte Veranstaltungen prägten das 245. Semester. So waren der Antrittsstammtisch und auch die Römhildfahrt (mit Besichtigung von Kloster Veßra und Festkneipe in Wolfmannshausen) nur mäßig besucht. Die Reihe dieser schwachbesuchten Veranstaltungen wurden dann Ende Oktober mit der Weltspartagskneipe beendet. An diesem Abend konnte gemeldet werden "Kneipraum wegen Überfüllung geschlossen". Nach längerer Pause fand bei dieser Kneipe auch wieder eine Burschung statt. Ein großes Loch in die Aktivenkasse brachte eine Kreuzkneipe mit der Casimiriana im November 1993. Es folgten der Nikolaus-Kegel-Stammtisch und eine - wie fast jedes Jahr - hervorragende besuchte Weihnachtskneipe. Nach dem offiziellen Teil wurden die AHAH in den neuen Kneipraum eingeladen und einige von ihnen fanden auch den Weg in die Haußmannstraße. Zu später Stunde kam dann auch noch der Direktor des Ernestinums, Oberstudiendirektor Hans-Georg Kosuch, auf ein (oder mehrere?) Biere in die Konstante.

Feucht-fröhlich verlief das Weißwurstessen zum Auftakt des Jahres 1994, wenngleich einige der Angemeldeten letztendlich nicht erschienen waren. An der Burschungskneipe am 21. Januar wurden wieder einige Füxe geburscht, nachdem zuvor die Chargen für das 246. Semester gewählt worden waren. Eine sehr gut besuchte Kneipe beendete das Semester. Am 11. Februar wurde auch der Chargenwechsel vollzogen, drei "Neue" standen ab diesem Abend in der Verantwortung für die Aktivitas. Es waren dies Matthias Weichelt x, Joachim Klein xx und Stephan Hoferer xxx.

Recht vielversprechend begann denn auch das 246. Semester mit der Antrittskneipe, die wiederum eine sehr gut besuchte Konstante sah. An die Öffentlichkeit traten die Aktiven beim erstmalig am Ernestinum durchgeführten Tag der offenen Tür. Die Aktiven hatten sich entschlossen, mit dem Verkauf von Bockwürsten und Getränken für das leibliche Wohl der Besucher zu sorgen, was sehr gut angenommen wurde.

Ein Teil des wirtschaftlichen Gewinns wurde schließlich dem Ernestinum gespendet. Zahlreiche Veranstaltungen, wobei es sich nicht nur um Kneipen handelte, prägten das Geschehen des 246. Semesters. So nahmen Aktive am Vortrag "Römisches Militärwesen im Experiment" (Veranstalter: Verein "Freunde und Förderer des Gymnasiums Ernestinum") teil, im Mai informierten sie sich bei einem Besuch im "Coburger Tageblatt" über den Beruf des Journalisten. Nur einen Tag nach diesem Besuch stand eine Couleurfahrt nach Marburg auf dem Programm. Dort nahm man an einer Festkneipe mit Chattia und Franco-Thuringia Neustadt teil, am nächsten Tag folgte eine Stadtführung. Zu einem großen Erfolg wurde die Väterkneipe, die am 13. Mai stattfand. Viele Väter waren gekommen, im Gegensatz dazu jedoch nur wenige AHAH. Ein Erfolg konnte auch beim traditionellen Fußballspiel gegen Chattia Marburg vermeldet werden: 3:0 stand es am Ende für die Ernestina.

Zu einer besonderen Veranstaltung wurde die Abikneipe am 10. Juni 1994. Nicht nur, daß fünf Burschen (Frank Nießen, Tobias Westphal, Max Jacob, Jörg Kessel und Sven Kieser) in den AHV aufgenommen wurden, vielmehr setzte OSTD Hans- Georg Kosuch eine lange Tradition fort, als er, wie schon seine Vorgänger Dr. Bähr, Dr Karl Schmorl und Dr. Harald Bachmann, das gold-rot-schwarze Band der Ernestina aufnahm.

Zwei Wochen später folgte das 123. Stiftungsfest, an dem auch die Mitglieder der befreundeten Südtiroler "Laurin's Tafelrunde" teilnahmen. Vom Kneipraum aus wurde trotz drückender Hitze in Richtung Seßlach gewandert, wo am Abend die Festkneipe stattfand. Dabei ahnte noch niemand, was wenige Tage später eintreten würde. x Matthias Weichelt schrieb dazu im Mitteilungsblatt vom August 1994: "Am 28. Juni saß ich noch gemütlich mit einigen Bundesbrüdern im Kneipraum, und wir machten uns Gedanken über den weiteren Ausbau. Als ich am nächsten Nachmittag dort etwas holte, war auch noch alles in Ordnung. Am Abend begann es dann zu regnen; eigentlich nichts außergewöhnliches, aber dieser Wolkenbruch war so heftig und lange, daß der Hof von Bbr Aumann überflutet wurde und das Wasser über die Treppe, unter der Tür hindurch, in den Kneipraum floß. Nun zuerst die gute Nachricht: Das Inventar blieb glücklicherweise vom Wasser verschont. Die schlechte Nachricht ist jedoch, daß der Teppichboden durch das Wasser derart durchweicht und verunreinigt wurde, daß man ihn herausreißen muß. Noch unklar ist, welchen Schaden die Wandverkleidung und der Fußboden davongetragen haben. Erstere wurden offensichtlich nicht so sehr angegriffen, da man beim Streichen wasserfeste Farbe benutzt hatte. Auf jeden Fall muß der Kneipraum erst einmal gut durchtrocknen, bis man wieder feucht-fröhlich darin kneipen kann."

Zum Ende des Semesters gab es schließlich noch die Teilnahme am Stiftungsfest derSaxo-Suevia in Erlangen, ein Grillfest, das Schulfest und die Semesterabschlußkneipe.Bei ihr wurde kein Chargenwechsel vollzogen, die bisherigen Amtsinhaber blieben in Amt und Würden.

Trauer um Rolf Flessa
Mit einer traurigen Nachricht für alle Ernestiner endete das 246. Semester: Kurz vorseinem 85. Geburtstag (26. Juli) verstarb am 11. Juli mit Rolf Flessa einer derverdienstvollsten und treuesten Bundesbrüder. Rolf Flessa wurde im Jahre 1926 in der Ernestina aktiv und nahm nach dem Abitur, als er gerade AH geworden war, das Band bei der Münchner Burschenschaft Cimbria auf. Nach seiner Studienzeit kam er zurück nach Coburg und fehlte ab diesem Zeitpunkt bei kaum einer Veranstaltung. Er war stets zur Stelle, wenn er gebraucht wurde. So übernahm er 1960 als 3. Vorsitzender und Kassenwart die Verantwortung für die Finanzen unseres Bundes. 16 Jahre lang war er ein strenger Hüter des ihm anvertrauten Schatzes. Aber auch nach dieser langen Amtszeit blieb er stets aktiv, und wechselte, statt sich zur Ruhe zu setzen, zusammen mit seinem Bruder ins Amt eines Beisitzers über. Angesichts dieser Verdienste wurde Rolf Flessa, dem auch das 100-Semesterband verliehen wurde, beim 110. Stiftungsfest 1981 zum Ehrenmitglied der Ernestina ernannt.

Den Beginn des 247. Semesters bildete eine Festkneipe bei der Franco-Thuringia zu Neustadt, an der die Ernestina anläßlich des 30. Stiftungsfests der Neustadter chargierte. Nach der nur mäßig besuchten Abschlußkneipe des 246. Semesters, wurde bei der Antrittskneipe des 247. Semesters ein besserer Besuch verzeichnet. Auch konnte die Fuxia um ein weiteres Mitglied erweitert werden. Es folgten eine Couleurfahrt nach München und die Teilnahme am Oberfrankenkommers. Alt und Jung führte schließlich eine Gothafahrt zusammen. Dabei standen unter anderem Besichtigungen von Schloß Elisabethenburg in Meiningen und Schloß Friedenstein in Gotha auf dem Programm. Nach einem guten Abendessen wurde schließlich eine Kneipe geschlagen.

Im Herbst begaben sich einige Aktive auf eine Couleurfahrt nach Südtirol zur Laurin's Tafelrunde. In den nächsten Wochen folgten mehrere Veranstaltungen, die schließlich in der Weihnachtskneipe in der "Goldenen Traube" ihren Höhepunkt fanden.

Mit Schwung ging's ins neue Jahr, wo am 13. Januar 1995 die stark besuchte Neujahrskneipe stattfand. Dabei wurde seit langer Zeit auch wieder einmal geburscht, vier Füxe erhielten das gold-rot-schwarze Band. Kein freier Platz war Ende Januar im Kneipraum zu bekommen, als ein Spanferkelessen anberaumt war. An der mit vielen Farbenbrüdern gut besuchten Semesterabschlußkneipe fand auch wieder ein Chargenwechsel statt. Andreas Fischer x, Carsten Kobiger xx und Florian Heymann xxx übernahmen die Verantwortung für die Aktivitas. Über die Faschingstage besuchten einige Mitglieder von Laurin's Tafelrunde Coburg. Doch gerade in diese fröhlichen Tage fiel die traurige Nachricht, daß AH Kurt Martin, vielen besser bekannt als "Specht", verstorben war.

Trauer um Kurt Martin
Kurt Martin kam 1928 als junger Schüler zur Ernestina. "Farben tragen heißt Farbe bekennen" war stets sein Motto gewesen. So schreibt AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert unter anderem in seinem Nachruf: "Ihm verdankt es die Ernestina, daß Generationen von Schülern am Ernestinum den Weg zu uns fanden. Er gehörte zu den Ersten, die nach 1945 unseren Bund wieder aufbauten. Er diente dem Bund in vielfältiger Weise in den verschiedensten Funktionen und sei es nur, wenn er bei festgefahrenen Grundsatzdiskussionen durch humorvolle Einwürfe die Situation entspannte und die hitzigen Debattenredner wieder auf den Boden der Tatsachen brachte. ... Unser 'Specht' war zeitlebens Lehrer aus Berufung, er war Freund seiner Schüler - väterlicher Freund der Jungen und treuer Gefährte der Älteren. ... Er war ein großer Geschichtenerzähler und es nahm ihm niemand übel - ja es gehörte zu seinem Markenzeichen wie früher mit Zigarre in der Pfeife - wenn er im Überschwang seiner Gedanken Geschichten und Begebenheiten nicht immer in der historischen Reihenfolge brachte. Gerade diese Art machte ihn so liebenswert."

Viele Veranstaltungen prägten das 248. Semester. So folgte der Semesterantrittskneipe im März die Teilnahme beim 85. Stiftungsfest der AV Abituria Wirceburgia in Würzburg am 1. April. Weiter ging es mit einer mexikanischen und einer Väterkneipe, dem traditionellen Fußballspiel gegen Chattia Marburg und schließlich dem 124. Stiftungsfest, das wieder in Seßlach begangen wurde. Zur Semesterabschlußkneipe wurde ein neuer Zweitchargierter in sein Amt eingeführt. Marek Losowski übernahm die Charge von xx Carsten Kobiger. x blieb Andreas Fischer, xxx Florian Heymann.

Trauer um Herbert Wacker
Und wieder hieß es Abschied nehmen von einem "Großen" aus der Geschichte der Ernestina. Ende August 1995 erreichte Aktive und AHAH die Nachricht, daß der Ehrenvorsitzende des AHV, Herbert Wacker, im Alter von 86 Jahren verstorben sei. Wacker war ein Ernestiner, der sich bis ins hohe Alter hinein mit "seiner" Ernestina identifizierte. Nach seinem Einsprung im Jahre 1926 war er 1927 Erstchargierter der Aktivitas und wurde nach Ablegung des Abiturs in den AHV aufgenommen. Wacker trug maßgeblich dazu bei, daß unser Bund nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahre 1948 wiedergegründet wurde. Von 1950 bis 1958 war er zweiter Vorsitzender des AHV, von 1958 bis 1966 übernahm er dessen Leitung ebenso wie von 1970 bis 1973. In seine Amtszeit fielen unter anderem auch die Feiern zum 75. und 100. Stiftungsfest. Aufgrund seiner Verdienste wurde Herbert Wacker beim Osterconvent 1984 vom damaligen AHV-Vorsitzenden Klaus Beyersdorf zum Ehrenvorsitzenden des Altherrenverbandes ernannt. Auch nach seinem Ausscheiden aus dem Vorstand des AHV stand Wacker seinen Bundesbrüdern stets mit Rat und Tat zur Seite.

Unumstrittener Höhepunkt des 249. Semesters war, neben der Fahrt zur Wartburg, zumindest von der Teilnehmerzahl her, die Weihnachtskneipe in der "Goldenen Traube". So war selbst der große Saal fast zu klein, um alle Bundesbrüder aufzunehmen. Höhepunkt der Veranstaltung war der Einsprung von fünf Fuxen in die Aktivitas.

Mit diesem erfreulichen Ereignis zum Ende des Jahres 1995 soll hier und heute die Chronik der Ernestina enden. Ich wünsche unserer Ernestina, daß sie noch einmal 125 Jahre erlebt, immer in einem sicheren Fahrwasser fährt und daß sie vor allem stets eine Aktivitas haben möge, die die Ideale unseres Bundes treu und unverbrüchlich hochhält. Ich kann mich nur Franz Flessa anschließen, der zum Abschluß seiner Chronik im Jahre 1971 folgendes schrieb: "Der ganze Bund der Ernestina kann stolz sein auf seine Vergangenheit und hoffnungsvoll in die Zukunft blicken."

In diesem Sinne wünsche ich der Ernestina ein

vivat, crescat, floreat in aeternum.

Euer Andreas Kuschbert