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Ernestina in der Öffentlichkeit
Bericht des Coburger Tageblatts von der Weihnachtskneipe 2015
Neue Presse zur Weihnachtskneipe 2011
Coburger Tageblatt zur Weihnachtskneipe 2003
Coburger Tageblatt zum AHV-Osterconvent (AHV-Jahreshauptversammlung 2003)
Coburger Tageblatt zur Weihnachtskneipe 2002
20 Jahre Münchner Ernestina-Stammtisch
Coburger Tageblatt zum 130. Stiftungsfest 2001
Coburger Tageblatt zum Fünf-Farben-Kommers 2001
Coburger Tageblatt zur Weihnachtskneipe 2000
Coburger Tageblatt zum 129. Stiftungsfest
Coburger Tageblatt zum AHV-Osterconvent (AHV-Jahreshauptversammlung 2000)
Coburger Tageblatt zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Dr. Adolf Dehler
Festrede zum
Coburger Tageblatt zum AHV-Osterconvent (AHV-Jahreshauptversammlung 1999)
Weihnachtskneipe 1998 (Pressebericht)
Nachruf für Erich Hitzbleck im Coburger Tageblatt (16.12.1998)
Ernestina nimmt an den Jubiläumsfeierlichkeiten zum 150jährigen Bestehen der Bürgerwehr Königsberg teil
127. Stiftungsfest 1998
Coburger Tageblatt zum AHV-Osterconvent (AHV-Jahreshauptversammlung 1998)
Festrede zum Oberfrankenkommers 1998
Coburger Tageblatt und Neue Presse zum Oberfrankenkommers 1998
Coburger Tageblatt zur Weihnachtskneipe 1997
Neue Presse zur Weihnachtskneipe 1997
Neue Presse zur Familienrallye 1997
Coburger Tageblatt zur Weihnachtskneipe 1996
Coburger Tageblatt - Kneipen, Kratzer und Convent
Coburger Tageblatt - Eliteausbildung keine Frage des Geldes
Coburger Tageblatt - Die Wurzeln reichen bis ins Mittelalter
Rede des Schulleiters anlässlich des Festaktes zum 125jährigen Jubiläum der Ernestina
Festrede anläßlich des Festkommerses des 125. Stiftungsfestes
Aus der Festschrift zum 125. Stiftungsfest
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Auch in der Öffentlichkeit hat die Ernestina ein durchaus positives Bild, was zahlreiche Pressemitteilungen zeigen:

 


 

Bericht des Coburger Tageblatts zur Weihnachtskneipe 2015

Die Schülerverbindung Ernestina zu Coburg geht gestärkt in das neue Jahr. Im Rahmen der traditionellen Weihnachtskneipe in der Goldenen Sonne in Creidlitz standen vor allem die Ehrung verdienter Bundesbrüder sowie die Auseinandersetzung mit der Sicherung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung unseres Staates in bewegten Zeiten im Mittelpunkt.

Linhard Langenstein, Erster Vorsitzender des Altherrenverbandes (AH), freute sich über das Erscheinen von über 70 Bundesbrüdern aus nah und fern. Er stellte den Netzwerkgedanken in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Die Ernestina biete eine optimale Gelegenheit für jüngere Ernestiner, Verantwortung zu übernehmen, Persönlichkeit zu entwickeln und wichtige Fähigkeiten für das private und berufliche Leben zu erlernen. "Sich dabei immer wieder auf den Ratschlag älterer Bundesbrüder berufen zu dürfen, ist ein großer Vorteil unserer Verbindung", sagte Langenstein. Zugleich bat er die versammelten Bundesbrüder, weiterhin die Veranstaltungen der Ernestina zahlreich zu besuchen, denn nur so ließe sich das Generationenprinzip auch dauerhaft erhalten.

Für ihre nun 50-jährige Mitgliedschaft in der Schülerverbindung wurden neben Klaus Geuter, früherer Lehrer am Gymnasium Ernestinum und stellvertretender Vorsitzender des Sportverbandes Coburg, und Prof. Bernd Nussinger, Lehrbeauftragter an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, auch Ullrich Weichelt, Reiner Wetterau, Lothar Habermann, Peter Krieger und Wolfgang Rau mit der Verleihung des 100-Semester-Bandes durch den Vorstand, bestehend aus dem Vorsitzenden Linhard Langenstein, dem Zweiten Vorsitzenden Stefan Sauerteig und dem Dritten Vorsitzenden Dominik Sauerteig, geehrt. Zudem wurden die Abiturienten Christoph Bätz und Oliver Suchanek in den Altherrenverband aufgenommen.

Philosophische Aspekte

Prof. Bernd Nussinger war es dann auch, der mit einer tiefgehenden Rede über Freiheit und Moral für die philosophischen Momente des Abends sorgte und seinen Dank für die Verleihung des 100-Semester-Bandes ausdrückte. Er stellte folgende Frage: "Weshalb hat unsere liberale und multikulturelle Gesellschaft zunehmend mit einem Werteverlust zu kämpfen?" Ebenfalls setzte er sich mit dem Sinn ethischer Qualitäten wie Moral, Treue und Freiheit in der heutigen Zeit auseinander. Unter Bezug auf die Philosophen Kant und Sartre, die mit ihren Ausführungen zur Pflicht- und Verantwortungsethik die Grundlage persönlichen Wollens und Handelns begründeten, sei die persönliche Freiheit der Bürgerinnen und Bürger untrennbar mit verantwortungsvollem Handeln verbunden, so Prof. Dr. Nussinger.

Es sei die Pflicht einer jeden Bürgerin und eines jeden Bürgers, daran mitzuwirken, die freiheitlich-demokratische Grundordnung dauerhaft zu sichern, denn ohne das Zugehörigkeitsgefühl der Bürger zu einem Staat könne dieser nicht existieren, betonte Prof. Nussinger.

Eine Besonderheit

Unter den Teilnehmern der Weihnachtskneipe weilten auch der Vorsitzende des Vereins der Freunde und Förderer am Ernestinum und ehemalige Konrektor, AH Walter Hofmann, sowie der ehemalige Direktor des Ernestinums, Hans-Georg Kosuch, welcher aus den Händen von Ehrenmitglied Klaus Beyersdorf stellvertretend für den Schulleiter Bernd Jakob den neuesten Jahresband der Prinz-Albert-Gesellschaft entgegennahm. Das Ernestinum dürfte damit weiterhin die einzige Schule mit einer vollständigen Sammlung der Bände sein. Hofmann nahm gemeinsam mit dem Elternbeiratsvorsitzenden des Ernestinums, AH Hans Übel, eine großzügige Spende aus den Händen der geehrten 100-Semester-Bandträger entgegen, mit welcher diese die Verbundenheit zu ihrem Ernestinum Ausdruck verschafften. Überglücklich über diese großzügige Spende übermittelte AH Walter Hofmann seinen Dank an die anwesenden Bundesbrüder für die Unterstützung des Vereins der Freunde und Förderer.

Es sei ein eindeutiges und klares Bekenntnis zum Ernestinum, dass so viele Bundesbrüder mit ihrer Mitgliedschaft und derartigen Spenden auf ganz konkrete Art und Weise an der ständigen Verbesserung der Lehr- und Lernsituation zugunsten der Schülerschaft mithelfen würden.

Online abrufbar unter: http://www.infranken.de/regional/coburg/Bundesbrueder-der-Coburger-Ernestina-zelebrieren-ihr-Treffen;art214,1488751


Bericht der Neuen Presse Coburg zur Weihnachtskneipe 2011

Coburg - Der frühere Schulleiter des Ernestinums, Dr. Harald Bachmann, ist nun Ehrenmitglied der Schülerverbindung Ernestina. Bachmann wurde als ein Bundesbruder charakterisiert, der seine Sozialkompetenz über Jahrzehnte im Coburger Land unter Beweis gestellt hat. Dr. Harald Bachmann, von 1982 bis 1992 Schulleiter des Ernestinums, hat sich nicht nur um das Gymnasium Ernestinum und die Schülerverbindung verdient gemacht. Der Germanist, Historiker und Geograf, gilt als anerkannter Förderer und Unterstützer unzähliger historischer Vereine und hat sich auch selbst durch zahlreiche Veröffentlichungen einen Namen gemacht.

1983 kamen die Mädchen

"Sein ganzes Berufsleben verbrachte er an unserem Ernestinum. Mit seinem Namen ist die Einführung 1983 der Koedukation - damals kamen die ersten Schülerinnen an das einstige nur Jungen vorbehaltene Gymnasium - untrennbar verbunden, ebenso die Gründung des Fördervereins des Ernestinums", würdige Ernestina-Ehrenvorsitzender Jürgen Marpert in seiner Laudation: "Harald Bachmann hatte stets ein offenes Ohr für die Mithilfe der Ernestina zur Förderung des Geselligkeit, Freundschaft und der Liebe zum Vaterland."

Bachmann ist Träger des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland, dem Großen Goldenen Bundesabzeichen des Frankenbundes, der Goldenen Ehrennadel des Bayerischen Volkshochschulverbandes, der Silbernen Ehrennadel des Bayerischen Philologenverbandes, der Bürgermedaille und seit 2004 Träger des Ehrenrings der Stadt Coburg.

Netzwerk seit 140 Jahren

Christof Unziker, Vorsitzender des Altherrenverbands, verglich das Netzwerk Ernestina mit modernen Internet-Webseiten wie Facebook und SchülerVZ, die jungen Menschen einen Platz zur sozialen Interaktion bieten sollen. "Diese sind jedoch ziemlich unverbindlich, jede unliebsame Diskussion kann durch einen Klick auf das X am oberen Bildschirmrand beendet werden", so Unziker.

Das seit 140 Jahren erprobte Netzwerk Ernestina bietet nach den Worten Unzikers wesentlich mehr: Hier könne jeder Schüler des Ernestinums lernen, Verantwortung zu übernehmen oder auch für Fehler gerade zu stehen. Dies seien die heute oft so sehr vermissten Softskills. "Bei der Ernestina mitzumachen bedeutet Sozialkompetenzen, Kritikfähigkeit, Selbstsicherheit zu erlangen oder zu optimieren. Fähigkeiten, die heute und für das spätere Berufsleben, egal in welcher Branche, unerlässlich geworden sind", so Unziker.

Die Alten Herren Lutz Hofmann, Helmut Knoch und Jürgen Peter erhielten für ihre 50-jährige Mitgliedschaft das Hundertsemesterband überreicht.


http://www.np-coburg.de/lokal/coburg/coburg/Erforscher-regionaler-Geschichte;art83423,1862092


"Der Geist der Verbindung sollte hinauswirken"

Weihnachtskneipe der Schülerverbindung Ernestina / 100-Semester-Bänder verliehen

COBURG

Die Treue zum Ernestinum und zu seiner Schülerverbindung bewiesen am vergangenen Wochenende wieder eindrucksvoll über 100 Bundesbrüder, die zur traditionellen Festkneipe zu Weihnachten in den Pfarrsaal von St. Augustin gekommen waren. Nachdenkliche Reden und vor allem Ehrungen für langjährige Treue standen im Mittelpunkt der Veranstaltung.

"Wenn Freunde von weit her zu Besuch kommen, ist das nicht wirklich eine Freude?" Diesen Ausspruch von Konfuzius vor rund 2500 Jahren stellte Erstchargierter Michael Engel an den Anfang seiner Ansprache. "Diese Corona heute ist der lebendige Beweis dafür." So seien an diesem Abend viele unterschiedliche Persönlichkeiten aus unterschiedlichen Gegenden und vor allem aus unterschiedlichen Generationen zusammengekommen. "Und gerade Generation ist für die Ernestina ein Begriff von besonderer Bedeutung", konstatierte Engel.

Mit Blick auf den Begriff Generation verwies der Erstchargierte auf eine Studie, die durch Befragungen Generationenbeziehungen in Deutschland ermittelte. Und die vor kurzem von Bundesfamilienministerin renate Schmidt der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Das Ergebnis der Studie: Der Generationenvertrag traditioneller Prägung kann die sozialen Herausforderungen der Zukunft allein nicht lösen. Der Studie zufolge erweise sich der Aufbau eines sozialen Netzes - über die materielle Absicherung hinaus - als eine wertbeständige Investition in die Zukunft. Der Verlust von Familie und Freunden lasse sich im Alter durch Geld nicht mehr ausgleichen.

Michael Engel: "Ist das, was hier gefordert wird, nicht eines der Hauptziele unseres Bundes? Ist nicht dieser Abend auch eine Veranstaltung zur Sicherung des Generationen übergreifenden Sozialnetzes?" Der Erstchargierte weiter: "Ich bin mir sicher, dass die meisten Ernestiner die Veranstaltungen unseres Bundes auch deshalb besonders schätzen."

Die Frage nach der Treue in der heutigen Zeit hatte der Vorsitzende des Altherren-Verbandes (AHV), Andreas Kuschbert, in den Mittelpunkt seiner Rede gestellt. So sei das Treueprinzip einer der Grundpfeiler der Ernestina. Nach Kuschberts Worten ist der Wahlspruch der Verbindung - "Dem Bunde treu und treu dem Vaterlande keine hohle Phrase, obgleich so mancher Außenstehende darüber lächle. Gerade zur Weihnachtskneipe kämen Bundesbrüder aus ganz Deutschland in ihre alte Heimat zurück, um sich mit den Bundesbrüdern zu treffen und Erinnerungen auszutauschen.

Ein besonders gutes Beispiel für das Treueprinzip seien laut Kuschbert die fünf Ernestiner, die vor 50 Jahren in die Schülerverbindung eingetreten sind und dieses Ja-Wort nie zurückgenommen hätten. Bei der Weihnachtskneipe wurden sie nun mit dem 100-Semester-Band ausgezeichnet. Es waren dies Werner Baumer, Dr. Herbert Graebner, Dr. Wilfried Ripperger, Siegfried Schilling und Horst Zahn. Zwei weitere Bundsbrüder - Wolfgang Buhler und Dietmar Wikinger - die ebenfalls vor 50 Jahren in die Ernestina eingetreten sind, waren nicht anwesend und erhalten das Ehrenband zu einem späteren Zeitpunkt.

"Es ist eine Freude zu sehen, wie hier der Treuebund wirklich gehalten wird", konstatierte Oberstudiendirektorin Brigitte Cleary in ihrem Grußwort, und stellte zugleich die Frage, wie weit es mit dem Zusammenhalt heutzutage wirklich steht.

So sei jeder gefordert, für sich selbst Verantwortung zu übernehmen beziehungsweise auch für andere Mitmenschen, und nicht nur alles von den anderen zu erwarten. "Eine Verantwortung, wie sie hier in der Ernestina gepflegt wird, ist eine sehr nachahmenswerte Eigenschaft, die man sich öfters wünscht", so die Direktorin des Ernestinums. "Dieser Geist der Ernestina sollte über sie hinauswirken in alle Lebensbereiche, in die Schule, in den Beruf und die Familien." So sei die Einstellung zur Verantwortung eine Grundeinstellung zum Leben, das es wert sei, gelebt zu werden. rs


 

Lebendigkeit unter Beweis gestellt

Osterconvent des AHV der Schülerverbindung Ernestina / 100-Semesterbänder verliehen

Coburg. Der Rückblick auf das vergangenen Jahr, die Präsentation des neuen Mitgliederverzeichnisses und die Ehrung für langjährige Mitglieder waren die Hauptpunkte des diesjährigen Osterconvents, zu dem die Mitglieder des Altherrenverbandes (AHV) der Schülerverbindung Ernestina traditionell am Gründonnerstag in der Konstante der Ernestina zusammenkamen.

In seinem Rechenschaftsbericht konnte Vorsitzender Andreas Kuschbert auf ein Jahr 2002 zurückblicken, "in dem das Schiff Ernestina in ruhigen Gewässern gefahren ist." Kuschbert ging schlaglichtartig auf die verschiedenen Veranstaltungen der vergangenen Semester ein und machte dabei deutlich, "dass unsere Ernestina ihre Lebendigkeit unter Beweis gestellt hat und Bundesleben auch wirklich gelebt wurde." Auch konnten wieder einige Veränderungen und Erweiterungen im und am Kneipraum vorgenommen werden, so dass das die Räume sich immer mehr zu einem wahren Schmuckstück entwickeln.

In seiner Ansprache richtete der AHV-Vorsitzende aber auch den eindringlichen Appell an die Alten Herren, künftig verstärkt auf die Veranstaltungen der Ernestina zu kommen. "Vier oder fünf Alte Herren auf einer Kneipe, das ist einfach zu wenig. Dabei wäre es gerade für unsere junge Bundesbrüder wichtig, dass wir Alte Herren auf die Veranstaltungen kommen. Denn wie sollen die Aktiven sonst etwas über das wahre Bundesleben erfahren, wenn nicht durch uns?"

Auf die Mitgliederstatistik des Altherrenverbandes ging 2. Vorsitzender Detlef Räppold in seinem Bericht ein. So hat der AHV der Ernestina derzeit 378 Mitglieder, was ein deutliches Minus gegenüber dem Vorjahr bedeutet. 3. Vorsitzender und Schatzmeister Michael Schönfelder konnte dem Convent von einer soliden Kassenlage des AHV berichten, die Kassenprüfer bescheinigten Schönfelder eine korrekte Kassenführung.

Nach einer längeren Vorbereitungszeit, "die viel Schweiß und Tränen beinhaltete", wie Detlef Räppold ausführte, konnte am Gründonnerstag das neue Mitgliederverzeichnis des AHV der Ernestina vorgestellt und verteilt werden. In diesem Zusammenhang bat AHV-Vorsitzender Kuschbert alle Mitglieder darum, Adressen- oder sonstige Änderungen umgehend dem Vorstand mitzuteilen, damit die Adressenliste stets auf dem aktuellsten Stand gehalten werden könne.

Auch wurde auf dem Osterconvent mit Matthias Weichelt ein neuer Webmaster vorgestellt, der sich künftig um den Internetauftritt der Ernestina kümmern wird. Er löst Horst Engel ab, der nach siebenjähriger Tätigkeit das Amt abgab.

Im Laufe der Versammlung konnte AHV-Vorsitzender Andreas Kuschbert zwei Mitglieder auszeichnen, die seit 50 Jahren der Schülerverbindung Ernestina angehören. So wurden Dieter Süßenguth und Martin Soyka mit dem 100-Semester-Band der Verbindung ausgezeichnet. rs

 


 

Ideale sind Verpflichtung

Schülerverbindung Ernestina ehrte bei Weihnachtskneipe Mitglieder für lange Treue

Coburg. Nachdenklich stimmende Reden, aber vor allem die Verleihung von 100-Semesterbändern an langjährige Mitglieder standen im Mittelpunkt der Weihnachtskneipe der Schülerverbindung Ernestina im großen Saal des Pfarrzentrums von St. Augustin.

Vor den rund 100 Bundesbrüdern, die aus Nah und Fern zu dieser Veranstaltung gekommen waren, ging Erstchargierter Sebastian Aumann in seiner Rede auf das Jahr 2002 und dessen Ereignisse ein. Vor allem erinnerte er an die Flutkatastrophe in Bayern und in den neuen Bundesländern, die viele Lebensgrundlagen vernichtete und zugleich eine Spendenbereitschaft in ungeahntem Ausmaß hervorrief.

"In den Medien und unter den Politikern machte sich neben der berechtigten Anerkennung dieser Solidarität und Hilfsbereitschaft auch große Überraschung über deren Ausmaße breit", so Aumann. "Es ist fast so, als ob solche Begriffe eher selten die Runde gemacht hätten." Nach den Worten des Erstchargierten zeichne es eine Gesellschaft aus, wenn sie sich angesichts einer solchen Krise geschlossen hinter den betroffenen Teil stelle, "doch es gibt auch Aufschluss über ihren Zustand, wenn man sich das Miteinander der Menschen im normalen Alltag anschaut. Und hier, meine ich, steht es zumindest nicht zum Allerbesten."

Aumann weiter: "Wenn nämlich der Umgang miteinander im täglichen Leben von gegenseitiger Rücksichtnahme unter Unterstützung geprägt wäre, müsste man sich nicht darüber wundern, dass in schlechten Zeiten die Menschen füreinander da sind." Stattdessen werde die freie Entfaltung des Individuums gepriesen und Eigenverantwortung mehr und mehr gefordert. "Dann kann es durchaus vorkommen, dass Gemeinschaftsgefühl und Gemeinschaftssinn auf der Strecke bleiben."

Angesichts dieser Tatsachen sah Sebastian Aumann die starke Existenzberechtigung und Wichtigkeit von Bünden wie der Schülerverbindung Ernestina. "Wo, wenn nicht hier in unserem Kreis, ist Füreinander da sein, Gemeinschaft und Freundschaft so lebendig? Unsere Ideale sind nun auch unsere Verpflichtung in einer Zeit, in der Ideale zunehmend weniger werden."

In diesem Zusammenhang bat der Erstchargierte die Alten Herren, verstärkt die Veranstaltungen der Aktivitas zu besuchen, um gerade den jungen Bundesbrüdern die Wichtigkeit solcher Ideale vor Augen zu führen. Aumann: "Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, Freundschaft, Geselligkeit und Vaterlandsliebe nicht als leblose Worte auf Papier verkommen, sondern in unserem Kreis und darüber hinaus aufblühen zu lassen."

Den Faktor "Zeit" hatte Altherrenverbands-Vorsitzender Andreas Kuschbert in den Mittelpunkt seiner Rede gestellt. So sehnten sich die Menschen gerade in der Zeit um Weihnachten nach Ruhe, Frieden und nach Zeit, sich zu besinnen. "Doch nehmen wir uns die Zeit?", fragte Kuschbert in die Runde. Nehme jeder wirklich sein Lebensumfeld aufmerksam wahr, oder nehme sich der Einzelne die Zeit, die politische, wirtschaftliche und soziale Situation wirklich zu erleben?

Stattdessen gebe es ein Misstrauen in der Gesellschaft, das zum einen lähme und zum anderen die Ellbogengesellschaft immer mehr wachsen lasse. "Mitmenschen werden nur noch nach Nutzen und Vorteilen klassifiziert und ausgewählt, weniger perfekte Menschen haben kaum Chancen, werden an den Rand gedrängt", so der AHV-Vorsitzende. So wünschte Andreas Kuschbert den Anwesenden, dass sie die Zeit haben mögen, sich für ihre Mitmenschen Zeit zu nehmen und sie so wahrzunehmen, wie sie sind.

Ehrungen

Einer Tradition folgend, wurden auch auf dieser Weihnachtskneipe Bundesbrüder für ihre 50-jährige Mitgliedschaft mit dem 100-Semester-Band ausgezeichnet. So auch in diesem Jahr, wo AHV-Vorsitzender Andreas Kuschbert Bänder an Dr. Ehrhardt Geuß, Prof. Dr. Herbert Schumann und Heinz-Joachim Seidler überreichen konnte. "Mögen wir die Hoffnung haben, dass es auch in Zukunft Bundesbrüder gibt, die nach 50 Jahren Ernestina-Dasein sagen ,Mir ist es nie in den Sinn gekommen, mein Band zurückzugeben'", konstatierte Kuschbert in seiner Laudatio. "Ihr seid Vorbilder für die Aktiven und alle Bundesbrüder."

Der Besuch des Nikolauses gestaltete sich in diesem Jahr etwas anders, wies doch ein Aktiver in seinen Versen den Nikolaus recht deutlich in die Schranken und zeigte ihm seine Grenzen auf. Dennoch hatte der "hohe Gast" für den jungen Ernestiner ebenso ein Geschenk parat wie für die anwesenden 100-Semesterband-Träger sowie für AH Walter Hofmann, der in Vertretung der erkrankten Oberstudiendirektorin Brigitte Cleary ein Geschenk für die Schule in Empfang nehmen durfte.

AH Hofmann überbrachte denn auch zu fortgeschrittener Stunde die Grüße der Schulleitung an die Ernestiner und berichtete über Neuigkeiten an unserer Alma Mater. Vor allem erwähnte er den starken Zulauf an Neuzugängen (180) in diesem Schuljahr, so dass es derzeit sechs 5. Klassen gibt. Insgesamt hat das Ernestinum 1080 Schüler, darunter 352 Mädchen.

Und noch eine Tradition wurde an diesem Abend fortgesetzt. So überreichte AH Klaus Beyersdorf an AH Walter Hofmann wieder einen Band von der jüngsten Konferenz der Prinz-Albert-Gesellschaft, so dass das Ernestinum weiterhin die einzige Schule auf der Welt ist, die die komplette Sammlung aller Konferenzbände ihr eigen nennen darf. Andreas Kuschbert


 

Von der Itz zur Isar

20 Jahre Münchner Ernestina-Stammtisch

Am 2/3. 2. 2002 konnte der Müchner Stammtisch sein 20-jähriges Bestehen feiern. Bereits zur Führung durch den Kern der Münchner Altstadt war eine Delegation aus Coburg angereist, die sich den Gästen von Hansea auf dem Wels und 40 Münchner Ernestinern anschloss. Die Besichtigung begann am Odeonsplatz mit Feldherrnhalle und Residenz, anschließend gingen wir in den Hofgarten mit dem Dianatempel. Der Apothekenhof und der Brunnenhof der Residenz waren die nächsten Stationen, dann führte unser Weg am Alten Hof vorbei zum Platzl beim Hofbräuhaus.

Der Weg zum Tal/Marienplatz war wegen einer Demonstration gegen eine Internationale Sicherheitskonferenz leider versperrt, unsere Gruppe wurde von "friedlichen Demonstranten" mit dem Vorwurf angepöbelt, "warum wir alte Häuser besichtigen, während vorne Demonstranten verprügelt werden". Wir ließen uns trotzdem nicht daran hindern, in der Burgstraße das älteste Haus Münchens, den "Weinstadl" anzuschauen. Mit der U-Bahn fuhren wir ins "Leopold" zum Abendessen.

Praesidium

Der Farbenabend als Mittelpunkt unserer Veranstaltungen fand in der voll besetzten Großen Kneipe auf dem Hanseatenhaus statt. Wir konnten eine stattliche Abordnung aus der Heimat mit zahlreichen Alten Herren und ihren Damen, ehemaligen Stammtischlern, die es wieder nach Coburg verschlagen hat und sieben Aktiven begrüßen. Die Landsmannschaft im CC Hansea auf dem Wels war ebenfalls durch Alte Herren mit ihren Damen und Aktive vertreten. Wir überreichten Hansea als Dank für die jahrzehntelange Gastfreundschaft einen Krug mit Widmung.

Die Eröffnungsansprache endete mit einem gesanglich vorgetragenen Appell (Melodie "O alte Burschenherrlichkeit"):
Seit 20 Jahren sind wir hier,
in München fest verbunden.
Die alte Burschenherrlichkeit
ist längst noch nicht entschwunden.
Wir sind ein Stammtisch klein und fein,
doch manchmal könnten's mehrer sein.
Drum lasst ja kein' Termin aus
dort im Paulaner Bräuhaus!

Als Gastgeschenk erhielt der Münchner Stammtisch aus der Hand von Bbr. Jürgen Marpert einen gravierten Bierkrug mit Coburger Motiv, über den wir uns sehr gefreut haben.

Krug

Nach dem Singen des Frankenliedes war eine "Power-Point"-Präsentation von Bbr. Thomas Flessa über die Geschichte des Stammtisches ein Höhepunkt des Abends. Ein "Jauch-Quiz" über Coburg und München wurde nach anfänglichen kurzen Turbulenzen von Bbr. Karl Ullrich Reisenweber mit strenger Hand durchgeführt, der dabei gewonnene Sekt konnte natürlich sofort umgesetzt werden.

In der Fidulität saßen die Coburger und Münchner Ernestiner noch lange zusammen und ließen den schönen Abend ausklingen. Beim Frühschoppen am Sonntag wurden 80 Weißwürst' und 60 Brezn mühelos verdrückt, ehe sich die Coburger nach einem gelungenen Jubiläum wieder verabschiedeten.

Abschießend möchte ich noch erwähnen, dass mich das tadellose Auftreten der Aktiven unseres Bundes besonders beeindruckt hat – weiter so!

Rainer Weißbrodt


 

Echte Freiheit in Gebundenheit

Schülerverbindung Ernestina feierte über Ostern ihr 130-jähriges Bestehen

Der Gründung ihrer Verbindung vor 130 Jahren gedachten die Mitglieder der Schülerverbindung Ernestina über Ostern mit verschiedenen Veranstaltungen. Im Mittelpunkt stand der Festkommers im "Festungshof".

In seinem Vortrag ließ Ehrenmitglied Jürgen Marpert nicht nur die Geschichte der Ernestina Revue passieren und garnierte dabei seine Ausführungen mit so mancher Anekdote, er ging auch auf die Gegenwart ein. "Wir sind nach wie vor eine Schülerverbindung, keine studentische Korporation - ein Bund also, dem sowohl Schüler als auch ehemalige Abiturienten unseres Ernestinums angehören", sagte der ehemalige Vorsitzende des Altherren-Verbandes. Die Ernestina sei eine Gemeinschaft "von angehenden und gereiften Männern, die sich zur Verantwortung für unser Gemeinwesen, Stadt, Land und Staat gerufen wissen".

Jung und Alt gemeinsam

Zwar bindet nach Marperts Worten das gemeinschaftliche Leben in der Schule auch heute noch; jedoch fehle in der Kollegstufe und ihren Kursen die starke Bindung der früheren Klassenverbände. Hier sieht er eine Hauptaufgabe heutiger Schülerverbindungen. "Die Jugendlichen finden in einer solchen Gemeinschaft zu gemeinsamen Erleben von Geselligkeit, Frohsinn, Lied und Humor zusammen mit dem Kreis der Älteren und Alten, die einstmals den gleichen Bildungsweg gegangen sind. Wir sind eine Gemeinschaft mit echter Gebundenheit aneinander und Verbundenheit miteinander, mit echter Freiheit in Gebundenheit."

Neben dem Bekenntnis zur freiheitlichen demokratischen Grundordnung bekenne man sich zur Übernahme von Verantwortung in einer Zeit, in der das Einstehen für andere und das Übernehmen von Verantwortung Fremdwörter zu sein scheinen.

Das Eintreten der Ernestiner für die Schulgemeinschaft und das Gemeinwesen wurde auch von den Ehrengästen gewürdigt. Oberstudiendirektorin Brigitte Cleary betonte, dass auch in Zukunft Ernestinum und Ernestina eins seien, so wie es in der Festschrift zum 150-jährigen Bestehen des Gymnasiums geschrieben stehe. Bürgermeister Tessmer hob in seiner Ansprache hervor, dass gerade in Verbindungen wie der Ernestina der junge Mensch lerne, Verantwortung zu übernehmen, so dass es für ihn später eine Selbstverständlichkeit sei, sich ehrenamtlich für das Gemeinwohl zu engagieren.

Im Laufe des Festkommers' konnte Altherren-Vorsitzender Andreas Kuschbert auch einen Bundesbruder ehren, der seit 50 Jahren der Schülerverbindung Ernestina angehört. Mit Worten des Dankes und der Anerkennung für die langjährige Treue überreichte Kuschbert das 100-Semester-Band der Ernestina an Klaus Geyrhalter.

Osterconvent

Eröffnet wurden die Feiern zur 130-Jahr-Feier mit dem Osterconvent, der traditionell am Gründonnerstag in der Konstante stattfand. Kuschbert zog dabei in seinem Rechenschaftsbericht ein positives Resümee. So habe der neue Vorstand in seinem ersten Jahr zahlreiche Dinge in Gang bringen können, sei ein gutes Verhältnis zur Aktivitas aufgebaut worden. Mit Blick auf die Veranstaltungen hob Kuschbert besonders die Weihnachtskneipe hervor, zu der über 100 Mitglieder und Gäste kamen und bei der mehrere Bundesbrüder für ihre 50-jährige Mitgliedschaft geehrt wurden.

Kontaktpflege via Internet

Statistisches berichtete der stellvertretende Vorsitzende Horst Engel. So gehören 398 Mitglieder dem Altherren-Verband an, womit erstmals wieder die Zahl von 400 Mitgliedern unterschritten wurde. Engel, der für den Intenet-Auftritt der Ernestina verantwortlich ist, betonte die Wichtigkeit dieses Mediums. So habe man zu Bundesbrüdern außerhalb Coburgs engen Kontakt aufbauen können.

Drittchargierter Martin Schreiner informierte die Alten Herren über die Geschehnisse in der Aktivitas, die zwölf Burschen und zwei Füxe umfasst. Gerade die derzeitige geringe Zahl an Neueintritten bereitete einigen Mitgliedern des AHV Sorgen. Jetzt sei intensive Mitgliederwerbung notwendig.

Neu festgelegt wurden vom Osterconvent auch die Beiträge ab dem Jahr 2002. So zahlen Abiturienten in den ersten fünf Jahren ihrer Zugehörigkeit zum Altherren-Verband künftig sieben Euro; für alle anderen AHV-Mitglieder beläuft sich der Beitrag auf 25 Euro. rs

 


 

Welche Bedeutung hat heute noch der Begriff Vaterland?

Schüler-und Ferienverbindungen im Coburger Land feierten heuer ihren Fünf-Farben-Kommers in Neustadt

NEUSTADT

"Ubi bene, ibi patria - wo es einem gut geht, dort ist das Vaterland." Zu diesem alten römischen Zitat nahm Jörn Petick in seiner Festrede zum Fünf-Farben-Kommers, der am vergangenen Samstag in der Gaststätte "Eckstein" stattfand, Stellung.

Er war bei der Suche nach einem Thema für die Festrede in einem Buch seines Urgroßvaters auf jene These gestoßen. Allerdings war sie von diesem mit einem Fragezeichen versehen worden. Petrick versuchte dies dadurchzu erklären, dass das Zitat wahrscheinlich stark dem Zeitgeist der letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts widersprach, nachdem "das Vaterland selbstverständlich das deutsche Kaiserreich war und es einem dort gut zu gehen hatte."

Er stellte nun die Frage in den Raum, wie die Einstellung zum Vaterland in der heutigen Zeit aussehe. Um diese erklären und verstehen zu können, müsse man aber nochmals den Blick zurück in die Vergangenheit werfen. Die deutschen Kleinstaaten hatten sich durch Bismarcks "Blut-und-Eisen"-Politik zu einem Einheitsstaat gewandelt, weswegen eine überschäumende Begeisterung für das Vaterland existierte.

Dieser Patriotismus ließ sich in den Weltkriegen zwei Mal zum Chauvinismus verfälschen, und nach "Holocaust und Vernichtungskriegen war das Vaterland mehr als befleckt." Die von den Deutschen begangenen Taten und die Teilung des Landes ließen nach denWorten von Jörn Petrick den Vaterlandsbegriff schließlich bedeutungslos werden. Vonder anfänglichen Freude über die Wiedervereinigung im Jahr 1990 sei heutzutage ebenfalls nicht mehr übrig.

Petrick sieht in der "noch immer angespannten Arbeitsmarktsituation und der immer mehr voranschreitenden Individualisierung der Gesellschaft" die Gründe dafür, dass Deutschland auch heute noch innerlich zerrissen ist. Schüler- und Ferienverbindungen konnten und können allerdings zur inneren Einheit Deutschlands beitragen, erklärte der Sprecher. Durch die Aufnahme vonjungen menschen aus den neuen Bundesländern oder eben dort durchgeführten Veranstaltungen sei es den Korporationen möglich gewesen, zur gegenseitigen Verständigung beizutragen und Vorurteile zu revidieren. "Wo es einem gut geht, dort ist das Vaterland": Jörn Petrick schloss daraus einen Zusammenhang zwischen dem Zustand des Vaterlands und dem des Einzelnen.

Wer mit seiner Situation zufrieden sei, engagiere sich für sein Land und verbessere dadurch dessen Zustand und auch seinen eignen. Petrick beschrieb die Aufgabe der Farbenträger damit, "nicht nur Vaterlandsliebe zu pflegen, sondern aktiv unser Land in diesem Bewusstsein aufzubauen und zu gestalten." Das Ziel sei es, möglichst bald ein innerlich geeintes Vaterland Realität werden zu lassen.

Der Fünf-Farben-Kommers, der einmal im Jahr von den fünf Schüler- und Ferienverbindungen im Coburger Land gefeiert wird, findet 2002 unter dem Vorsitz der Schülerverbindung Casimiriana in Coburg statt.

 


 

"Ihr seid Vorbilder für uns Jüngere"

Schülerverbindung Ernestina ehrte Mitglieder für ihre 50-jährige Treue

COBURG

Vor 50 Jahren traten 15 junge Schüler des Ernestinums in die Schülerverbindung ein, auch mit dem Ziel, die Verbindung zur Schule und den Freunden auch nach der Schulzeit aufrecht zu erhalten. "50 Jahre Treue zu einem Verein in einer immer schnelllebigeren Zeit, das ist eine Leistung, die Hochachtung verdient", konstatierte denn auch der Vorsitzende des Altherren-Verbandes, Andreas Kuschbert, bei der Weihnachtskneipe der Schülerverbindung Ernestina im voll besetzen Pfarrsaal von St. Augustin. Und als äußeres Zeichen des Dankes für die 50-jährige Treue überreichte er vier Bundesbrüdern das Hundert-Semester-Band der Ernestina.

"Ihr seid wahrlich Vorbilder für uns jüngere Ernestiner", sagte Kuschbert als er Bernhard von Brevern, Dieter Loew, Hanns-Günther Schaller und Gert Schnell das Ehrenband überreichte

Die Geehrten ihrerseits bedankten sich für die Auszeichnung mit großzügigen Spenden in die Aktivenkasse. Nachdenkliche Worte fand Pfarrer i.R. Dieter Loew im Namen der Ausgezeichneten.

Besinnliche und kritische Worte fand Erstchargierter Christian Erkenbrecher in seiner Rede. So stellte er die Frage, ob überhaupt ein Fest wie Weihnachten notwendig sei, um seinen Mitmenschen etwas zu schenken. Nach seinen Worten entwickle sich anscheinend das Jahr über ein Stau, der sich dann zu Weihnachten entlade.

Auch hinterfragte er die große Zahl von Spendenaufrufen zur Weihnachtszeit. "Die Zahl der Spenden steigt anscheinend direkt proportional zur Zahl der geöffneten Türchen am Adventskalender", so Erkenbrecher. "Dabei gibt es das ganze Jahr über Not und Leid." So sollten die Menschen seiner Ansicht stets Dankbarkeit lernen, statt Geiz und Gier regieren zu lassen.

Den Jahreswechsel und das Jahr 2000 ließ AHV-Vorsitzender Andreas Kuschbert in seiner Ansprache Revue passieren. Dabei machte er deutlich, dass von der Euphorie und den Ängsten zum Millenniumswechsel schnell nichts mehr übrig geblieben sei und der ganz normale Alltag die Menschen eingeholt habe. Negative Schlagzeilen über Katastrophen und Krisen hätten das Jahr weitaus mehr geprägt als die positiven Nachrichten.

Zufrieden zeigte sich Kuschbert über den Verlauf des Jahres 2000 aus Ernestina-Sicht. So habe ein neuer AHV-Vorstand seine Arbeit aufgenommen, die Aktivitas habe sich mit Erfolg bemüht, mit Veranstaltungen das Bundesleben zu bereichern. "Die Ernestina ist noch immer ein lebendiger Bund, für den es sich lohnt einzutreten, egal ob als Aktiver oder als Alter Herr", resümierte Kuschbert. In diesem Zusammenhang verwies er auf das 130-jährige Bestehen der Ernestina, das im nächsten Jahr zu Ostern gefeiert werden soll.

Die Grüße der Schulleitung überbrachte der stellvertretende Direktor des Ernestinums und AHV-Vorstandsmitglied, Studiendirektor Walter Hofmann. In seiner Ansprache berichtete er über die zahlreichen Neuigkeiten am Ernestinum, angefangen von der Rekordschülerzahl von 1046 bis hin zum Stand der Dinge beim Neubau, der zum nächsten Schuljahr bezogen werden soll.

Angesichts der großen Schülerzahl muss das Ernestinum inzwischen schon einige Klassen auslagern, zum Beispiel ins benachbarte Haus der Gemeinde. "Und wir schauen schon auf das Haus unseres Bundesbruders und Bürgermeisters Richard Dlouhy", sagte Walter Hofmann. Und auf eine weitere Neuerung wies er hin: So verschwindet künftig das Michaelisgässchen und die Schulhöfe der Ernestinums und des Alexandrinums werden zusammengelegt.

Einer Tradition folgend überreichte Klaus Beyersdorf als "Weihnachtsmann-Ersatz", wie er schmunzelnd meinte, die zwei neuesten Konferenzbände der Prinz-Albert-Gesellschaft an Walter Hofmann. "Damit ist das Ernestinum die einzige Schule auf der Welt, die alle Konferenzbände besitzt", so Beyersdorf. rs

 


 

Keiner hat sich versteckt

Stiftungsfest der Ernestina / "Wandel und Tradition"

Coburg

Die Philistrierung, also die Aufnahme von acht bisherigen Aktiven in den Altherren-Verband (AHV), stand im Mittelpunkt des 129. Stiftungsfestes der Schülerverbindung Ernestina, das am 17. Juni im vereinseigenen Kneipraum stattfand.

In seiner Ansprache machte Erstchargierter Christian Erkenbrecher deutlich, dass die Ernestina in ihrer langen Geschichte schon viele Mitglieder habe kommen und gehen sehen. Auch an diesem Abend heiße es von Seiten der Aktivitas Abschied nehmen von acht Burschen, die ihr Abitur erfolgreich bestanden haben und nun in den AHV aufgenommen werden. "Aber dennoch wird auch weiterhin der Kontakt zu den jungen Alten Herren bleiben, wenngleich er jetzt nicht mehr so intensiv sein wird, wie es bislang der Fall war", meinte Erkenbrecher.

Zufrieden zeigte er sich angesichts der Tatsache, dass die scheidenden Burschen während ihrer Aktivenzeit fast alle ein Amt innegehabt hatten, was bei einer Aktivitas von der Größe, wie sie bei der Ernestina vorherrscht, keine Selbstverständlichkeit sei. "Da kann es schon einmal vorkommen, dass sich der eine hinter dem anderen versteckt. Ihr aber habt alle Eure Pflichten erfüllt", so Erkenbrecher.

Zugleich bat er die jungen Alten Herren darum, auch weiterhin zu den Veranstaltungen der Ernestina zu kommen, "denn gerade die Teilnahme von Alten Herren trägt sehr oft zum Gelingen einer Kneipe bei."

Die Tradition, aber auch den Wandel in der 129-jährigen Geschichte der Ernestina stellte AHV-Vorsitzender Andreas Kuschbert in den Mittelpunkt seiner Ansprache. Doch trotz allem Wandel bewahre die Ernestina ihre Tradition, "und das soll und muss auch in Zukunft unsere Aufgabe sein". Den neuen Alten Herren wünschte er im Namen der Ernestina alles Gute auf ihrem künftigen Lebensweg. "Möge all das, was Ihr Euch wünscht und erhofft, auch wirklich in Erfüllung gehen."

Mit Handschlag nahmen anschließend Andreas Kuschbert, 2. Vorsitzender Horst Engel und 3. Vorsitzender Michael Schönfelder acht Abiturienten in den Altherren-Verband der Ernestina auf. Es waren dies: Xaver Büttner, Thorsten Hahn, Philip Henle, Sebastian Kretz, Michael Pflaum, René Sauerteig, Phillip Stöcklein und Jakob Weber. Damit erhöht sich die Mitgliederzahl des AHV auf jetzt knapp 400.

Im Namen der jungen AHAH überreichte Xaver Büttner ein Geldpräsent an AHV-Vorsitzenden Andreas Kuschbert. Von dem Geld sollen neue Kommersbücher angeschafft werden. Der AHV selbst wird die Summe (DM 400) noch aufstocken, so dass insgesamt zehn neue Kommersbücher angeschafft werden können.

 


 

Neue Männer an der Spitze

Andreas Kuschbert zum Vorsitzenden des Altherren-Verbandes der Ernestina gewählt

Die Wahlen zum Vorstand standen im Mittelpunkt des Osterconvents des Altherren-Verbandes (AHV) der Schülerverbindung Ernestina. Dabei wurde der bisherige Schatzmeister Andreas Kuschbert zum neuen Vorsitzenden und damit zum Nachfolger von Alexander Luthardt gewählt, der nicht mehr für dieses Amt kandidiert hatte.

Der bisherige Zweite Vorsitzende Lutz Langenstein, der dieses Amt seit zwölf Jahren innehatte, kandidierte ebenfalls nicht mehr, so dass auch hier ein Nachfolger gewählt werden musste: Die Anwesenden votierten für Horst Engel. Zum neuen Dritten Vorsitzenden und zugleich Schatzmeister wurde Michael Schönfelder gewählt.

Keine Veränderungen gab es beiden beiden Beisitzern des Vorstandes. Es werden dies in den nächsten zwei Jahren weiterhin Studiendirektor Walter Hofmann (gleichzeitig Verbindungslehrer zum Gymnasium Ernestinum) und Holger Carl sein. Das Amt des Aktivenbetreuers versieht weiterhin Carsten Grosch.

In seinem Jahresbericht hatte zuvor Andreas Kuschbert, der für den erkrankten Vorsitzenden Alexander Luthardt die Sitzung leitete, die vergangenen zwölf Monate Revue passieren lassen. Als Höhepunkt nannte er dabei das Stiftungsfest mit der Philistrierung von fünf Bundesbrüdern, den Aufbau der neuen Theke im Kneipraum und nicht zuletzt die feiern zu mehreren runden Geburtstagen. Zudem wurde im November der frühere langjährige Vorsitzende Jürgen Marpert aus Anlass seines 60. Geburtstages zum Ehrenmitglied des Altherren-Verbandes ernannt. Positiv bewertete Kuschbert den Verlauf der zahlreichen Veranstaltungen in den vergangenen beiden Semestern, die durchweg gut besucht waren. Zufrieden äußerte er sich zudem über das Verhältnis zur Aktivitas.

Auf die Mitgliederstatistik ging Zweiter Vorsitzender Lutz Langenstein ein. So gab es neben fünf Todesfällen vier neuaufnahmen in den AHV, so dass sich die Mitgliederzahl auf 412 reduziert hat. Einen positiven kassenbericht legte anschließend Andreas Kuschbert vor. In diesem Zusammenhang verwies er aber auch auf die hohen Außenstände bei den Mitgliedsbeiträgen. Hier soll eine demnächst erfolgende Mahnaktion Abhilfe schaffen.

Aus der Aktivitas berichtete Erstchargierter Christian Erkenbrecher. So hat die ernestina derzeit 23 Aktive (13 Burschen, zehn Füxe). Die Zahl der Aktiven wird sich jedoch bald reduzieren, da im Sommer elf Abiturienten in den Altherren-Verband aufgenommen werden. Festgelegt wurden auch die Beiträge für das laufende Jahr. Sie bleiben unverändert bei 50 beziehungsweise 15 Mark für die ersten fünf Jahre.

 


 

Nicht nur in der Praxis engagiert

Dr. Adolf Dehler mit Bundesverdientskreuz ausgezeichnet

Krönung einer Arzt-Laufbahn: Von Regierungspräsident Hans Angerer erhielt Dr. Adolf Dehler gestern in Bayreuth das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

In seiner Laudatio würdigte Angerer den Allgemeinmediziner im Ruhestand als "großen Idealisten". Dehler habe sich neben seiner Tätigkeit über Jahrzehnte durch "vielfältiges und uneigennütziges ehrenamtliches Wirken" einen Namen gemacht. In seiner Freizeit stellte sich der Mediziner dem Arbeiter-Samariter-Bund zur Verfügung. Über 25 Jahre, von 1971 bis Ende 1998, war er als Chefarzt des Ortsverbandes Coburg tätig. "Mit Rat und Tat haben Sie den Sanitätern sowie dem Pflegepersonal und den Zivildienstleistenden bei ihrer verantwortungsvollen Arbeit zur Seite gestanden", hob der Regierungspräsident hervor. Dafür erhielt Dr. Dehler 1998 die Ehrenplakette, höchste Auszeichnung des ASB.

Angerer vergaß in seiner Würdigung die Sportbegeisterung des heute 81-Jährigen nicht, der seit 1928 Mitglied der Coburger Turnerschaft ist. Dehler hat in der Faustkampfabteilung des VfB Coburg drei Jahrzehnte den Boxsport betreut.

30 Jahre, so der Regierungspräsident, war der Arzt auch in vielen Vorstellungen im Landestheater zur Stelle. Insgesamt habe Dehler über viele Jahre "seine ganze Kraft und Energie in den Dienst der Mitmenschen" gestellt, fasste Angerer zusammen. Dafür habe ihm Bundespräsident Johannes Rau das Verdienstkreuz zuerkannt. zei

 


 

Korporationen und ihre Rolle in Gegenwart und Zukunft

Festansprache anlässlich des Fünf-Farben-Kommerses unter Leitung der Schülerverbindung "Ernesto-Albertina" zu Coburg am 29.Januar 2000

von Bernd Jung

Geschätzte Herren Chargierte, werte Festcorona!

Vor wenigen Tagen feierte die Welt den Beginn des neuen Jahres, des sogenannten "Millenniums". In vielen Vorträgen und Festreden des letzten und dieses Jahres wurde das Thema "Jahr 2000" erschöpfend behandelt. Entsprechend habe ich meinen Schwerpunkt anders gesetzt. "Schülerverbindungen und ihre heutige und zukünftige Rolle" soll eher unsere momentane Position darlegen und welche Anstrengungen in nächster Zeit unternommen werden können, um Verbindungen noch attraktiver für junge Menschen zu machen.

Bevor wir aber einen Blick in die Zukunft wagen, sollten wir den Ist-Zustand kennen.

Ein Kritiker meinte einst: "Korporationen darf man nicht bekämpfen; man muss sie überflüssig machen." Auch wenn diese Bemerkung eigentlich negativ gemeint war, ist sie doch ein großes Lob für uns. Wir werden nämlich allem Anschein nach gebraucht! In welchen Rollen sind Verbindungen, insbesondere Schülerverbindungen, für die Gesellschaft wichtig?

Eine dieser Rollen ist in jedem Fall die Mittlerrolle zwischen Jung und Alt. Ein Schlagwort, das durch die Medien geistert, ist nämlich der Begriff des Generationenkonflikts. Angeblich kapselt sich die heutige Jugend ab und will auch gar keinen Kontakt zu den "Oldies", "Grufties" oder gar "Komposties" herstellen. Bin ich froh, dass ich in unserer Runde ein anderes Bild sehe. Da sitzt zum einen unser jüngster Fux Christian Feller. In seiner Nähe hat mein ältester anwesender Bundesbruder Franz Königstein vulgo Amor einen Platz gefunden. Mit seinen über 90 Jahren pflegt er noch den Kontakt zur Aktivitas, kommt extra aus Erlangen zu diesem Kommers und freut sich sichtlich, wenn ein junger Bundesbruder wie Christian auf ihn zugeht, mit ihm anstößt und sich mit ihm unterhält. Hier sehe ich keinerlei Konflikte zwischen Jung und Alt, hier sehe ich nur Freunde und Bundesbrüder, die sich alle gut verstehen - gleich welchen Alters sie sind. Hier wird das gelebt, was andernorts Skeptiker noch für graue Theorie halten - die Gemeinschaft der Computer-Jugend, die in Cyberspace und Internet herumsurft, der Eltern-Generation, die den Kalten Krieg miterlebt hat, der Großeltern-Generation, die den Zweiten Weltkrieg, Not, Flucht, Vertreibung, aber auch das Wirtschaftswunder der 50er und 60er Jahre am eigenen Leib erfahren hat, und der Urgroßeltern-Generation, die teilweise den Kaiser noch gesehen hat, für ihn in die Katastrophe des Ersten Weltkriegs zog und bei der Inflation zum Schluss kaum noch die Nullen der Geldbeträge zählen konnte.

All diese Generationen verstehen sich hier, in einer Verbindung. Warum? Wir haben alle etwas gemeinsam; wir tragen ein Band in den selben Farben. Dieses Band ist bekanntermaßen auch ein freimaurerisches Symbol, das der Eintracht, Einigkeit und Gemeinschaft. Und diese drei Grundsätze erfüllt es bei uns für alle sichtbar und zu meiner großen Freude. Die Gesellschaft sucht händeringend nach einer Lösung für den Generationenkonflikt. Wir bieten eine gute Lösung an.

Ein weiteres Plus für uns, das zugleich eine nicht gerade unwichtige Rolle für die Gesellschaft und den Staat darstellt, wird im Allgemeinen bei Schülerverbindungen in den Hintergrund gedrängt. Ich höre auf eine bestimmte Frage meistens folgende Antwort: "Ich bin hier doch nicht in der Schule. Ich bin hier, weil ich mit Freunden Spaß haben will und keinen Stress." Dies ist für mich natürlich eine unbefriedigende Antwort, lautet doch die Frage: "Willst Du nicht einmal einen Vortrag halten oder ein Stück auf Deinem Instrument vorspielen?" Nun, warum erwähne ich das? Bei studentischen Bünden ist es gang und gäbe, dass Fachvorträge gehalten werden. In viel kleinerem und allgemeinerem Rahmen habe ich dies auch bei Ernesto-Albertina eingeführt. Ausser meinen Astronomie- und Seefahrtsvorträgen hielten Bundesbrüder auch Reden über den Anschluss Coburgs an Bayern, die Jagd und den Beruf des Jägers, das Jahr-2000-Computerproblem, bestimmte Weinregionen und -sorten und - was bei einer an einem Musischen Gymnasium ansässigen Schülerverbindung selbstverständlich sein sollte - es wurden mehrstimmig Liedvorträge dargebracht, die die Corona in Erstaunen versetzten. "So etwas Schönes und Ruhiges gibt es also noch in unserer rastlosen Zeit des Lärms und der Hektik!" wird sich so mancher gedacht haben. Solche absoluten Highlights können natürlich nicht bei jeder Veranstaltung dargebracht werden. Die Möglichkeit der Präsentation von Kultur und Wissenschaft ist aber wichtig für unsere Außenwirkung, unser eigenes Niveau, aber vor allem für die jungen Referenten und Künstler, die sich in diesem trauten Kreise trauen, ihre Künste zum Besten zu geben. Solche Möglichkeiten sind selten und doch so dringend notwendig für das spätere Leben. Einer meiner Hamburger Bundesbrüder ist Pianist und leidet sehr darunter, dass er eben NICHT in einer derartigen Umgebung sein Selbstbewusstsein stärken konnte. Er gewinnt und überzeugt seine Zuhörer nicht mit seinem ersten Auftreten; dabei ist der erste Eindruck so wichtig. Diejenigen Bundesbrüder, die hier ihren Schliff erhalten haben, können selbstbewusst auftreten und einen Arbeitgeber oder ihr Publikum für sich einnehmen. Ein großer Gewinn für sie wie auch für uns, das Publikum ihrer Kurzvorträge, denn wir lernen neue Wissenschaftszweige und -erkenntnisse kennen, dürfen uns über ein neues Hobby oder eine neue Leidenschaft freuen und entdecken für uns selbst ganz neue Welten in der Kunst. Und all dies durch einen vielleicht gerade 17-jährigen Bundesbruder! Ein, eventuell sogar entscheidendes, Plus gegenüber der Allgemeinheit.

Welche hehren Bemühungen gibt es bei Schülerverbindungen sonst noch? Wir begeistern junge Menschen für unsere Prinzipien, überzeugen sie davon, dass es sich lohnt, sich zu engagieren, sich zu interessieren, sich in eine Gemeinschaft einzubringen. Wen wollen wir als Schülerverbindung denn neben dem vielseitig interessierten Begeisterten weiterhin ansprechen? Die Uninteressierten, Gleichgültigen, Lustlosen, aber auch Introvertierte, Kontaktscheue. Der Grund ist auch leicht einzusehen: WIR bieten jungen Aktiven eine faire Chance, sich zu engagieren, motivieren, einzubringen und aus sich heraus zu gehen. Was ändern wir dadurch? Die Verbindungen schaffen es, die von vielen Autoren und Rednern geschasste Jugend für einen Teil der Gesellschaft zu aktivieren und ihr soziales Bewusstsein zu wecken. So wurde schon aus so manchem egoistisch wirkenden Gleichgültigen und Uninteressierten ein Bundesbruder aus tiefster Seele, der sich für unsere Belange stark macht und zu seinen Bundesbrüdern steht. Die vielerorts propagierte "soziale Kälte" wird somit von uns erfolgreich bekämpft. Vor allem Leibfamilien und Zipfelbrüder helfen einem in Not geratenen Bundes- oder Farbenbruder mit Rat und Tat. Eine Solidarität, die leider nicht mehr alltäglich ist. Dadurch bewahren wir uns ein Stück Menschlichkeit und Wärme in dieser rauhen Welt. Ähnlich geht es uns auch mit anfangs eher introvertierten Bundesbrüdern. Vielleicht überlegen sie kurz nach ihrem Eintritt, ob dieser denn richtig war. "Soviele fremde Menschen - und dies sind jetzt alles meine Bundesbrüder, die soll ich duzen? Nein, bloß nicht!", wird sich so mancher junge Fux denken. Doch bald erkennt er, dass auch die beruflich in Amt und Würden stehende Alt-Herren-Chargia interessante und lustige Geschichten erzählen kann. Die Berührungsängste werden abgebaut, das Eis ist hoffentlich nunmehr gebrochen, der Fux engagiert sich mehr und mehr - hält sogar einen Ulk -, und findet sich nach etwas mehr als zwei Semestern in der eigenen Chargia wieder und besteht dort mit Bravour. So gewinnt ein junger Bundesbruder nach und nach an Selbstvertrauen und Ausstrahlung. Wir können uns sicher sein, dass er bei keinem Referat, Colloquium oder Bewerbungsgespräch nervös auf dem Stuhl herumrutscht, ängstlich sein Gegenüber betrachtet und nur einzelne Silben stammelt. Diese Probleme wird er nicht haben und dies verdankt er seinem mutigen Entschluss, einer Schülerverbindung beizutreten, und dem Gespür seiner Bundesbrüder. Ich wüsste gern, wie weit mancher Jugendlicher gekommen wäre und wieviel Lehrgeld er hätte zahlen müssen, wenn er nicht bei uns eingetreten wäre. Bei uns gehört dies zum korporativen Selbstverständnis, Schwächeren zu helfen. Wo finde ich dies heute sonst noch in der Gesellschaft?

Was lernen die Aktiven ausser den eben genannten Punkten Solidarität und Gemeinschaftssinn? In der Chargia bieten sich dem Aktiven in dieser Hinsicht vielerlei Möglichkeiten. Das Kennenlernen von Führungspositionen und die damit verbundene Verantwortung ist für junge Menschen sehr wichtig, weil sie auf diese Weise mit dem Managementbereich vertraut werden. Wer nie Verantwortung übernimmt, kann auch nichts mit ihr anfangen, kann sogar ein Unternehmen schädigen. Bei einer Schülerverbindung kann man Verantwortung "ÜBEN", das heisst, der einzelne erhält mehr und mehr Verantwortung, mit dem Erstchargiertenposten als Höhepunkt. Fehlentscheidungen haben hier geringere Konsequenzen und sind korrigierbarer als in einem Unternehmen. Eine sinnvolle Vorbereitung auf einen späteren Beruf. Zugleich werden Kenntnisse in Organisation von Veranstaltungen und Logistik - vor allem der Getränke - vermittelt und vertieft. Der Zweitchargierte erlernt die Kunst des stilvollen Briefe Schreibens und der Fuxmajor muss einen Weg finden, die Füxe ordentlich auszubilden, ohne sie zu sehr zu langweilen. Das in der Korporationspraxis erworbene Wissen und Können ist somit auch eine Vorbereitung für den "Ernst des Lebens", die nicht jeder hat, die uns Korporierten wieder einen Vorsprung gegenüber der Masse gewährt.

Dies war aber nur der Bereich Wissen, wie sieht es mit Überzeugungen und Werten aus? Dass das Klischee vom blöden, rechtsradikalen Korporierten nicht stimmt, ist klar. Allein die Entscheidungsgremien unserer Schülerverbindungen demonstrieren deutlich, dass es bei uns demokratische Prinzipien gelten. Doch wie wird miteinander umgegangen? Wird jeder Streit mit den Fäusten ausgetragen? Sind Mord und Todschlag bei uns an der Tagesordnung? Nein. Wir diskutieren - wenn auch teilweise extrem heftig - über die unterschiedlichsten Themen, akzeptieren dabei die Meinung des anderen und versuchen, nur mit Argumenten zu arbeiten. Natürlich ist es schwer, zu überzeugen. Die Aktiven müssen erst erlernen, wie man sich mit Worten verteidigt und mit Argumenten schützt. Aber auch im späteren Leben ist die Argumentationskunst wichtig. Je mehr die Aktiven im Burschenconvent diskutieren, desto gerüsteter sind sie für die Zukunft. Bei Ernesto-Albertina kann ich mich noch sehr gut an BCs erinnern, in denen teilweise stundenlang über ein Thema diskutiert wurde. Obwohl meine Meinung meist den anderen unbequem und unangenehm war, mussten sie sich mit ihr auseinandersetzen und nicht selten musste ich einen Beschluss akzeptieren, der meinen Prinzipien und meiner Meinung widersprach. Diese Kunst erlernt man nicht mit stupiden Ja-Sagern, wie sie ein autoritärer Aufbau einer Verbindung verlangen würde. Und wer uns Korporierte betrachtet, muss lange suchen, bis er einen solch langweiligen "Untertan" findet. Es gibt sie bei uns kaum, denn ein junger Mensch, der keine Meinung hat, kann auch unsere Werte und Prinzipien nicht vertreten.

Demokratisches Verständnis, Offenheit, Meinungsfreiheit - welche Werte lernt man noch in einer Verbindung? Höflichkeit, zum Beispiel. Die Dame wird zuerst begrüßt, bei der Begrüßung eines neuen Gastes steht man auf, mit einem Alten Herrn unterhält man sich, man weisst einen Alten Herrn nicht darauf hin, dass er die Geschichte schon zum fünften Mal erzählt, während andere essen raucht man nicht, während der Anwesendheit von Damen erzählt man nicht lautstark obszöne Witze - all diese Kleinigkeiten des Kneiplebens und viele mehr zeigen erst, ob ein Aktiver sich schon wie ein Gentleman zu benehmen weiss. Gute Manieren und Höflichkeit gehören einfach zum guten Ton dazu, der bei uns obligat ist. Dass dies von der Öffentlichkeit nicht richtig eingeschätzt wird, ist nichts neues. Diese positiven Werte werden in einen Elite-Gedanken abgewandelt. Mir ist es aber lieber, mit einem schlechten Image leben zu müssen, als mit einer Welt voller ungehobelter Rohlinge.

Schülerverbindungen übernehmen somit einen gewichtigen Teil der Ausbildung eines jungen Menschen, um ihn gesellschaftsfähig zu machen. Gesellschaft und Staat haben große Probleme dabei, wir können unterstützend eingreifen.

Dies alles kann natürlich nur ein kleiner Überblick über die HEUTIGEN gesellschaftlichen Verpflichtungen der Schülerverbindungen sein. Da wir aber von Vergangenheit und Gegenwart kaum in Zukunft leben können, müssen wir uns auch mit der zukünftigen Rolle der Verbindungen beschäftigen.

Immer wichtiger wird eine Funktion der Verbindungen, die ich schon anfangs erwähnte: Die Mittlerrolle zwischen Jung und Alt. Deutschlands Bevölkerung wird im Durchschnitt immer älter und älter. Der Generationenvertrag zur Sicherung der Renten unserer Eltern und Großeltern steht schon jetzt auf sehr wackeligen Beinen. Düstere Prognosen gehen davon aus, dass spätestens im Jahr 2020 jeder Arbeitnehmer zwei Rentner finanzieren müsste, wenn die momentane Gesetzeslage nicht entscheidend verändert wird. Der Sozialneid wird sich in einen Generationenneid verwandeln. "Die Alten hätten doch für ihren Ruhestand sparen können. Und zudem, warum sterben die erst so spät?" So könnten Kommentare bösartiger Zeitgenossen lauten. Aber auch folgendermaßen: "Ich habe 45 Jahre lang gearbeitet, mein Bestes in einem Betrieb gegeben. Mir wurde nichts geschenkt, ich zahlte sogar die Rente meiner Eltern - und jetzt soll ich nichts bekommen, soll alles den Jungen geben, die noch nichts getan haben, ausser sich zu beschweren?" Bei derart verhärteten Fronten wäre es natürlich problematisch, einen Konsens zu finden. Jedoch können die Pennalen Korporationen an gegenseitiger Akzeptanz und Toleranz mitarbeiten und den Generationen neue Wege aufweisen. Das harmonische Zusammenleben verschiedener Generationen ist auch in Zukunft eines unserer wichtigsten Ziele.

Was kommt noch auf uns zu? Schon jetzt leben wir in einer Welt, in der sich das komplette Wissen der Menschheit innerhalb von drei Jahren VERDOPPELT. So schnell war der Mensch noch nie in der Zeit seiner Existenz. Und genau diese Geschwindigkeit ist auch sein größtes Problem. Er kann diese gewaltige Datenflut nicht mehr vollständig verarbeiten, sondern muss selektieren, muss sich selbst auf einzelne Teilgebiete spezialisieren und muss sich in vielen Bereichen auf seine Mitmenschen verlassen. Dadurch wird er immer stärker den Trends und Moden unterschiedlichster Strömungen ausgeliefert. Die Schülerverbindungen sollten in diesem Chaos einen Hort der Ruhe und Besinnung darstellen. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Der junge Aktive soll hier die Möglichkeit haben, die Welt objektiver zu betrachten, sich eine eigene Meinung zu bilden und Kritik zu üben. In einer Zeit des "One-World"-Denkens muss ein junger Mensch auch die Gelegenheit haben, gegen den Strom zu schwimmen und den Einheitsbrei zu verlassen. Um es in die heutige Zeit und die Musik zu übertragen: Ein junger Aktiver, der lieber Klassik hört als die sogenannten Charts, Rock und Pop, hebt sich vom eben erwähnten "Mainstream" stark ab. Wenn er auch vielleicht bei der Mehrheit nicht allzu sehr beliebt ist, so sollten wir ihm jedoch die Möglichkeit bieten, sich einzubringen und zu entfalten. So kann auch er für ihn unbekannte aber interessante Musik erschließen. Diese Rolle als Orientierungs- und Haltepunkt wird in den nächsten Jahren stark an Bedeutung gewinnen. Hoffentlich können wir auch dieser neuen und ungewohnten Rolle gerecht werden.

Weitere Rollen werden die Schülerverbindungen übernehmen und finden. Ein Ausblick würde aber zu sehr ins Spekulative abgleiten.

Nichtsdestotrotz möchte ich noch ein paar Minuten der nahen Zukunft schenken. Wie sollen sich nämlich die Schülerverbindungen verhalten, wie sollen sie sich für die Zukunft rüsten? Mein lieber Bundesbruder Peter Schrickel wurde von Herrn Farbenbruder Oberbürgermeister Norbert Kastner beim CC-Kommers 1999 wie folgt zitiert: "Man muss die Verpackung ändern, nicht den Inhalt." Zitat Ende. Was meinte er damit? Die Schülerverbindungen müssen sich auf jeden Fall modern präsentieren. Die meisten machen dies schon via Homepage und E-Mail-Adresse. Dies ist sehr sinnvoll, ist doch das Internet selbst noch ein sehr innovativer Bereich, der vor allen Dingen von Jugendlichen genutzt wird. Diese Form der Präsentation kann aber leider nicht den wahren korporativen Geist wiedergeben, sondern nur eine Visitenkarte des jeweiligen Bundes sein. Einige werden mir jetzt vorwerfen, dass ich diesem neuen Medium zu kritisch gegenüberstehe, doch sehe ich das Internet als noch nicht vollständig ausgereifte Informationsquelle an, der ich vor allem nicht in allen Belangen blind vertrauen darf. Den Coburger und Neustädter Verbindungen empfehle ich den bislang beschrittenen Weg weiterzugehen und vielleicht sogar in größerem Umfang für das Korporationswesen zu werben.

Eine andere kurzfristige Lösung besteht darin, doch etwas stärker auf die Allgemeinheit zu achten. Der Trend der letzten Jahre ging dahin, alle Veranstaltungen unter ein Motto zu setzen. Dies ist inzwischen bei den meisten Veranstaltungen der Schülerverbindungen ebenfalls der Fall. Jedoch bleibt es nicht nur beim Motto, sondern die Kneipe wird dementsprechend gestaltet, das heisst der Kneipraum wird entsprechend geschmückt und Vorträge und Ulks zu diesem Thema gehalten. Natürlich möchte auch ich keine Ballermann-Kneipe oder Damen-Dessous-Modenschau bei Ernesto-Albertina, aber so manches Motto reizt junge Interessenten und Korporierte gleicher Maßen. Ich entsinne mich dabei einer Liederkneipe mit Weinprobe, die für Ernesto-Albertina ein Riesenerfolg war, stieg doch die Zahl der Anwesenden im Laufe des Abends auf nahe 40 Personen. Einige Gäste besuchten zum ersten Mal eine Veranstaltung einer Schülerverbindung. Für sie war es ein tolles Erlebnis. Sie konnten selbst die Faszination des Korporationswesens erleben und waren begeistert. Diese Faszination und Begeisterung derartig zu vermitteln, halte ich im Prinzip für unproblematisch, solange die Aktiven wissen, dass Motto-Veranstaltungen nur EIN Aspekt des Bundeslebens sind. Eine Verbindung, die ihr Selbstverständnis nur aus solchen Kneipen zieht, hat jedoch ein Aktualitätsproblem, muss sie doch dem Mainstream folgen, um nicht in Kürze bei der Jugend "out" zu sein. Dies kann dem Bund nur schaden und ist demzufolge nicht erstrebenswert.

Der momentan wichtigste Punkt ist aber für mich eine bessere Kooperation der Schülerverbindungen. In meinen vier Chargensemestern war ich wohl mit einer der eifrigsten Besucher der Coburger und Neustädter Korporationsveranstaltungen. Von den heute chargierenden fünf Bünden habe ich aber nur vier besucht. Warum das? Ein Bund sah es nicht ein, Ernesto-Albertina ein Semesterprogramm zu übermitteln. In drei Semestern erhielt ich eine einzige Einladung, und die auch erst nachdem ich einen Farbenbruder dieses Bundes darum gebeten hatte. Ein Armutszeugnis, das man nicht einmal innerhalb eines Arbeitskreises, dem Coburger Vertreter Convent, kurz CVC, alle Bünde über eigene Veranstaltungen informiert. Als extrem problematisch sehe ich es auch an, dass sich bis heute weder die Neustädter noch die Coburger Bünde auf getrennte Veranstaltungstermine einigen können. Die Absichtserklärungen gibt es aber schon seit Jahren. Wieso scheitert die Zusammenarbeit schon bei solchen Kleinigkeiten? Sehen die Verbindungen nicht die Vorteile eines gemeinsamen Vorgehens? Heute sind sie wieder vereint, doch auch nur heute Abend. Dabei gibt es schon seit längerem gute Ideen, angefangen bei gemeinsamen Keilparties bis hin zu einem Fünffarbenstammtisch. Gefallen hat mir vor allem der Vorstoß meiner Ernesto-Albertina, die im letzten Jahr eine Dreifarbenkneipe durchführte. Hierbei kamen sich vor allem die Aktiven näher, lernten sich kennen und unterhielten sich. Auch ich kannte viele junge Farbenbrüder noch nicht, obwohl ich so häufig bei den Coburger Bünden anzutreffen bin. In dieser Hinsicht war somit der Abend für mich erfolgreich. Übrigens ist dieser persönliche Kontakt der Aktiven in Coburg so ziemlich eingeschlafen. Ich sehe jedenfalls bei Ernesto-Albertina-Veranstaltungen selten Farbenbrüder, obwohl die meisten Bünde mehr Aktive haben als wir. Liegt den Fuxmajoren nichts daran, den Füxen die Coburger Korporationswelt zu erschließen?

In Zukunft werden es die Bünde jedenfalls schwer haben, sich allein gegen all die anderen Vergnügungsveranstaltungen durchsetzen und abheben zu können. Die Wirtschaft sollte hier ausnahmsweise Vorbild sein. Dort werden immer mehr strategische Allianzen gebildet, um sich gegen die starke Konkurrenz durchsetzen zu können. Getreu dem Motto "Gemeinsam sind wir stark" schließen sich immer mehr Konzerne zusammen. Zumindest bei mehr als den momentan üblichen zwei Veranstaltungen pro Jahr sollten dies auch die Coburger und Neustädter Bünde tun, sollten Geschlossenheit, Vertrautheit und Freundschaft demonstriert werden. Ich kann die Aktiven zwar nur auffordern, zu kooperieren, bitte aber alle Entscheidungsträger stärker als bisher aufeinander zuzugehen, zusammenzuarbeiten und gemeinsame Ideen zu realisieren.

Wie die Verpackung aussehen kann, habe ich etwas erläutert, der Inhalt soll aber gleich bleiben. Warum? Wenn ich über den Inhalt spreche, dann rede ich in erster Linie von unseren Prinzipien. Ich halte dabei zumindest unsere Hauptmaximen, Couleur-, Convents-, Lebensbund- und Freundschaftsprinzip, für unantastbar. Mit dem Verlust nur eines dieser Prinzipien würde das Korporationswesen einen schmerzlichen Einschnitt erfahren, der nicht mehr reparabel wäre. Diese Grundsätze haben schon soviele Jahrhunderte und Jahrzehnte, insbesondere die letzten hektischen von Modeströmungen beeinflussten Jahre, unbeschadet überstanden, dass die Bezeichnung "zeitlos" auf sie zutrifft. Hier nur zu Gunsten kurzfristiger Modeerscheinungen Veränderungen vorzunehmen, ist nicht zwingend erforderlich. Eher sollten wir als Fels in der Brandung fungieren und uns mit traditionellen Werten und Prinzipien von der Masse abheben. Auch Kontraste zum Einheitsbrei können attraktiv für junge Menschen sein.

Diese Attraktivität wünsche ich allen anwesenden Bünden.

Auf ein Vivant, Crescant Floreant Casimiriana et Ernestina et Franco-Thuringia et Neapolitania et Ernesto-Albertina in Aeternum!

14.3.2000

 


 

Erfolgreich ins neue Jahrtausend

Osterconvent des Altherrenverbandes der Ernestina / Andreas Kuschbert jetzt dritter Vorsitzender

Coburg. Die Schülerverbindung Ernestina mit all ihrer Tradition und ihren Besonderheiten ins neue Jahrtausend bringen - das hat sich der Altherrenverband (AHV) der Schülerverbindung vorgenommen und dieses Ziel beim Osterconvent ausgegeben, der traditionell am Gründonnerstag im vereinseigenen Kneipraum stattfand. Im Laufe der Versammlung wurden auch Nachwahlen zum Vorstand durchgeführt.

Zufrieden mit dem im vergangenen Jahr Erreichten zeigte sich AHV-Vorsitzender Alexander Luthardt in seinem Jahresrückblick. So sei 1998, trotz mancher Schwierigkeiten, ein sehr erfolgreiches Jahr gewesen, in dem der AHV-Vorstand seine volle Handlungsfähigkeit wiedererlangt hat. Luthardt erinnerte an Highlights wie die Teilnahme der Ernestina an Festumzügen in Coburg und Königsberg, an das Stiftungsfest mit Philistrierungen und an die Weihnachtskneipe, bei der Klaus Beyersdorf das 100-Semester-Band verliehen wurde. Auch wurde im vergangenen Jahr der Kneipraum weiter ausgebaut, in den nächsten Wochen soll dann die langersehnte Bar eingebaut werden. Zudem sei es gelungen, drei umfangreiche Mitteilungsblätter herauszugeben.

Als besonders positiv hob der AHV-Vorsitzende das stark verbesserte Verhältnis zur Aktivitas hervor. "Gerade auf die Aktiven sind wir angewiesen, wenn wir die Ernestina erfolgreich ins dritte Jahrtausend führen wollen", so Luthardt. "Die Aktiven erkennen die Zeichen der Zeit besser und können uns den richtigen Weg weisen." Zugleich appellierte er an die Mitglieder des AHV, vermehrt an Veranstaltungen der Ernestina teilzunehmen. Alexander Luthardt: "Nur wir Alte Herren können das wirkliche Bundesleben den Aktiven vorleben."

Neben den zahlreichen erfreulichen Dingen erinnerte der AHV-Vorsitzende an die traurigen Ereignisse des vergangenen Jahres. So verstarb mit Erich Hitzbleck nicht nur der älteste Bundesbruder der Verbindung, sondern vor allem auch der größte Mäzen von Ernestina und Ernestinum. Bis zu seinem Lebensende hatte Hitzbleck, der in Duisburg wohnte, stets einen engen Kontakt nach Coburg gehalten. Luthardt erinnerte aber auch an den Tod von Hans Axmann, der trotz seines hohen Alters immer an Veranstaltungen teilnahm.

Wie zweiter Vorsitzender Lutz Langenstein in seinem Bericht ausführte, hat die Ernestina derzeit 402 Mitglieder, neun weniger als im Vorjahr. Zum letzten Mal gab Carsten Aumann als Schatzmeister des AHV einen Kassenbericht ab. Aufgrund beruflicher Gründe legte er nach fast zehnjähriger Tätigkeit das Amt nieder. Aumann konnte in seinen Ausführungen von einer guten Kassenlage des AHV berichten.

Zum neuen dritten Vorsitzenden und Schatzmeister des Altherren-Verbandes der Ernestina wählten die Mitglieder einstimmig den bisherigen Beisitzer im AHV, Andreas Kuschbert. Neuer Beisitzer ist Holger Carl. Beide haben ihre Ämter zunächst für ein Jahr übernommen. Beim Osterconvent 2000 stehen dann reguläre Neuwahlen zum Vorstand an.

Von einer gut funktionierenden Aktivitas berichtete deren Erstchargierter Xaver Büttner. So gehören derzeit zwölf Burschen und sieben Füxe der Aktivitas an. Büttner beklagte in seinem Bericht die zum Teil mangelhafte Teilnahme von Alten Herren an Veranstaltungen der Aktivitas. Als Erfolge bei den Veranstaltungen verbuchte der Erstchargierte die Väterkneipe und vor allem auch die Couleurfahrt nach Nürnberg. Auch heuer soll wieder eine solche Fahrt stattfinden, und zwar am 25. September mit Ziel Saaleck und Rudelsburg.

 


 

"Ein Jahr der Superlative"

Ernestina-Weihnachtskneipe: nachdenkliche Worte und neue Mitglieder

COBURG (rs) Die Verleihung eines 100-Semester-bandes sowie die Aufnahme von zwei neuen Fuxen in die Aktivitas waren die Höhepunkte der Weihnachtskneipe der Schülerverbindung Ernestina am Tag vor dem Heiligen Abend in vollbesetzten großen Saal der "Goldenen Traube". In seiner Rede sprach Alexander Luthardt als Vorsitzender des Altherren-Verbandes (AHV) von einem "Jahr der Superlative", während Erstchargierter Kamil Grzelak dazu aufrief, sich das alltägliche Leben nicht durch zusätzliche Aufregungen zu erschweren.

Der Beginn der festlichen Veranstaltung stand ganz im Zeichen der Trauer, verstarb doch vor wenigen Tagen mit Erich Hitzbleck der älteste lebende Bundesbruder der Ernestina. Der frühere AHV-Vorsitzende Jürgen Marpert gedachte des "großzügigen Mäzens der Ernestina und des Ernestinums" mit bewegten Worten und ließ das Leben Hitzblecks, der fast 80 Jahre der Schülerverbindung angehörte und 1971 zum Ehrenmitglied der Ernestina ernannt worden war, Revue passieren.

150 Jahre Ernestinum, 127 Ernestina, fast 80 Jahre Treue der Verbindung durch Erich Hitzbleck, 60 Jahre Ehe von AHV-Mitglied Kurt Tendel, 18 Aktive und der weitere Ausbau des eigenen Kneipraums - angesichts dieser Zahlen und Ereignisse bezeichnete AHV-Vorsitzender Alexander Luthardt 1998 als ein "Jahr der Superlative". Doch jetzt heiße es nach vorne zu schauen und zu fragen, was das neue Jahr, das letzte in diesem Jahrtausend bringe.

"Es kommt der Euro und vielleicht kommt auch eine neue Regierung, denn die jetzige will auf einmal ja keiner mehr gewählt haben", so Luthardt mit einem Schmunzeln. Und weiter: "Ich hoffe auf ein friedliches Jahr ohne die schlimmen Ereignisse des ausgehenden Jahres."

An viel Erfreuliches, aber auch an die schlimmen Ereignisse wie das ICE-Unglück von Eschede, den verheerenden Wirbelsturm "Mitch" oder zuletzt den Irak-Krieg, erinnerte Erstchargierter Kamil Grzelak in seiner Ansprache.

Zudem rief Grzelak dazu auf, sich das Leben nicht durch Aufregungen über Kleinigkeiten zusätzlich zu erschweren. "Dazu ist das Leben einfach zu kurz."

Der Erstchargierte ließ aber auch die Ereignisse des abgelaufenen Jahres innerhalb der Ernestina Revue passieren. So standen zahlreiche Großveranstaltungen auf dem Semesterplan, und es konnten fünf neue Fuxen für die Aktivitas gewonnen werden. Kamil Grzelak: "Im neuen Semester gibt es mehr Freiraum, damit in jedem die Lust auf die Ernestina geweckt wird".

Zugleich appellierte er an die Alten Herren, vermehrt zu den Veranstaltungen des Bundes zu kommen, "denn nur so können wir Aktive das wahre Bundesleben erleben und erlernen."

Die Zeit stellte der Leiter des Ernestinums, Oberstudiendirektor Hans-Georg Kosuch, in den Mittelpunkt seiner Ansprache. "Niemand hat Zeit, auch der Rentner nicht", konstatierte er. Nur zu Weihnachten fänden die meisten Menschen auf einmal Zeit zum Leben. Kosuch: "Es wäre schön, wenn etwas von dieser Zeit ins neue Jahr mitgenommen werden könnte, statt sich ständig drängen zu lassen."

100-Semester-Band für Klaus Beyersdorf

COBURG (rs). Im Laufe der Festkneipe stand auch eine besondere Ehrung an. So erhielt Klaus Beyersdorf für seine 50jährige Treue zur Ernestina aus den Händen von AHV-Vorsitzendem Alexander Luthardt das 100-Semester-Band. Luthardt erinnerte in seiner Laudatio an die stete treue Beyersdorfs zum Bund als auch Verdienste des früheren Vorsitzenden des Altherren-Verbandes.

Dazu gehöre unter anderem das Knüpfen eines freundschaftlichen Verhältnisses zur Südtiroler Verbindung "Laurins Tafelrunde".

Und eine "frohe Botschaft" konnte schließlich noch Fuxmajor Sebastian Kretz verkünden. Im laufe des Abends hatten sich Christian Tauer und Sascha Gronwald dazu entschlossen, in die Ernestina einzutreten. Damit ist die Zahl der Aktiven auf 20 angestiegen.

 


 

Ernestina trauert um Erich Hitzbleck

COBURG (rs) Der Altherren-Verband und die Aktivitas der Schülerverbindung Ernestina trauern um ihren ältesten Bundesbruder: Im Alter von 96 Jahren verstarb am 8. Dezember Erich Hitzbleck in seiner Heimatstadt Duisburg. Bis zuletzt hielt er stets engen Kontakt mit "seiner" Ernestina und "seinem" Ernestinum, das er zuletzt aus Anlaß des 150jährigen Bestehens in diesem Jahr mit einer großzügigen Spende bedachte.

Erich Hitzbleck wurde am 23. Februar 1902 in Duisburg geboren. Gesundheitsprobleme des jungen Erich und seines Bruders waren es, die die Familie Hitzbleck veranlaßte, nach Coburg zu ziehen. Von 1912 bis 1921 besuchte Erich Hitzbleck das Ernestinum, die damals noch "herzogliche Oberrealschule". "Wir waren traurig, als die Zeit in Coburg zu Ende ging", sagte Hitzbleck anläßlich eines Tageblatt-Interviews zum Jubiläum des Ernestinums.

Sein weiterer Lebensweg führte ihn 1921 für zwei Jahre nach Duisburg zurück, wo er eine Ausbildung bei einer Rheinschiffahrtsfirma absolvierte. 1923 begann Hitzbleck mit dem Studium der allgemeinen Wirtschaftskunde in Dresden, 1926 fuhr er für ein Jahr nach New York, um seine Englischkenntnisse zu verbessern. Doch nach zwölf Monaten kehrte er nicht nach Deutschland zurück, zu gut gefiel es ihm in den Staaten, schließlich lernte er in Detroit auch seine Frau kennen.

Während Erich Hitzbleck in den USA lebte, hatte sein Vater in Duisburg neben einem Baugeschäft auch eine Bank und einen Wohnungsbaugesellschaft gegründet. Als der Zweite Weltkrieg zu Ende war - Erich Hitzbleck überstand seinen zweijährigen Einsatz unversehrt - wurde ihm vom Vater die Prokura in der Bank übertragen.

Nach dem Tod des Vaters in Jahree 1949 wurde Erich Hitzbleck laut väterlicher Verfügung auch Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnungsbaugesellschaft. Schließlich wurde er Leitender Direktor der Bank, an deren Spitze er bis zu seiner Pensionierung 1967 stand. Trotz der Entfernung zu Coburg - der Kontakt zu seiner "zweiten Heimat" riß nie ab. Vor allem über die Ernestina waren stets Verbindungen vorhanden, Freundschaften wurden, solange es die Gesundheit zuließ, durch gegenseitige Besuche intensiv gepflegt.

 


 

Unterricht im historischen Ambiente

Ernestina Teilnehmer bei Feierlichkeiten der Königsberger Bürgerwehr

Mit verschiedenen Veranstaltungen feierte die Bürgerwehr Königsberg Anfang Juli ihr 150jähriges Bestehen. 1848 organisierten die Männer der Stadt eine Bürgerwehr, um für mehr Freiheit und Rechte der Bürger einzutreten. Als einzige in Deutschland hat die Bürgerwehr Königsberg diese lange zeit überdauert und die Tradition aus dem letzten Jahrhundert nicht nur in ihren alljährlichen Auszügen, sondern auch in der Pflege der Geschichte bis auf den heutigen Tag bewahrt. Einer der vielen gründe, dieses Jubiläum zu feiern. Und auch eine Abordnung der Ernestina nahm an den Veranstaltungen teil.

Der große Saal der Stadthalle von Königsberg war der Rahmen für den feierlichen Festkommers, an dem viele Ehrengäste und die Bevölkerung Königsbergs teilnahmen.

Bbr. Bürgermeister Richard Dlouhy für die Stadt Coburg, Bbr. Dr. Harald Bachmann als Vorsitzender der Historischen Gesellschaft Coburg sowie die Ernestina waren ebenfalls unter den Gästen.

In seiner sehr ausführlichen Festansprache stellte der Hauptmann der Bürgerwehr, Wolfgang Fischer, die Revolution von 1848 und ihre Ereignisse in Deutschland und speziell in Königsberg in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen. Bürgermeister Richard Dlouhy stellte die noch immer starken Verbindungen zwischen Königsberg und Coburg heraus während der unterfränkische Regierungspräsident Dr. Franz Vogt sich stolz darüber zeigte, daß es in seinem Regierungsbezirk noch eine so gut funktionierende Bürgerwehr gibt.

Die Festrede des Abends hielt der bayerische Justizminister Hermann Leeb. Dieser sprach von dem Jahr 1848 als einem "Meilenstein in der verfassungsrechtlichen Entwicklungsgeschichte in Deutschland", als ein Grundstein für Freiheit und Demokratie gelegt wurde. Passend ausgestaltet wurde die Festveranstaltung durch die Coburger Christian Schwenk und Kurt Stefan Weber mit Liedern aus der Zeit vor, während und nach der Revolution von 1848.

Höhepunkt der Festtage war dann der sonntägliche Festumzug durch Königsberg, der anfangs unter keinem guten Stern stand, regnete es doch in den Stunden vor dem Umzugsbeginn ständig. Als sich der Zug vom Festplatz aus jedoch in Bewegung setzte, schlossen sich die himmlischen Pforten.

Über 700 Mitwirkende aus ganz Süddeutschland nahmen an dem Festzug teil und versetzten die Regiomontanus-Stadt ins vergangene Jahrhundert. Mehrere hundert Schaulustige säumten die Straßen Königsbergs und bedachten die Teilnehmer mit viel Beifall. Insgesamt 25 Gruppen, darunter 14 Bürger- und Landwehrgruppen, die drei Coburger Schülerverbindungen, die Biedermeier- und Revolutionsgruppe aus Gernsbach in Baden und die Altburschenschaft aus Königsberg in Hessen zogen, begleitet von Musikkapellen, durch die Alts tadt.

Historische Kostüme, Schlapphüte, altertümliche Gewehre, Bajonette, Trommeln und Kanonen beherrschten das Stadtbild und sorgten für einen lebendigen Geschichtsunterricht im historischen Ambiente.

Andreas Kuschbert


 

Geschenk noch ein Geheimnis

127. Stiftungsfest mit Philistrierungen

Ihr 127. Stiftungsfest feierte am 20. Juni die Schülerverbindung Ernestina in ihrem Kneipraum in der Haußmannstraße. Doch war es die Fußball-WM (Deutschland spielte an diesem Abend eigentlich nicht), war es das schöne Wetter oder die Urlaubszeit? Auf alle Fälle hatte sich nur ein kleines Häufchen Bundesbrüder im Kneipraum versammelt, um das Stiftungsfest zu feiern. Doch auch wenn nur wenige Bundesbrüder und Gäste einer verehrlichten Schwesterverbindung Ernesto-Albertina anwesend waren, der Stimmung tat dies keinen Abbruch. Höhepunkt der Veranstaltung war die Aufnahme von zwei bisherigen Aktiven in den Altherren-Verband.

Wie der zweite Vorsitzende des AHV, Lutz Langenstein, in seiner Ansprache betonte, stand das diesjährige Stiftungsfest ganz im Schatten des 150jährigen Bestehens des Ernestinums, das im März feierlich begangen wurde. Dennoch gebe es auch in der Ernestina etwas zu feiern, nämlich die Verleihung von 100-Semester-Bändern an vier Mitglieder, die vor 50 Jahren dem Altherren-Verband beitraten.

Es waren dies Dr. Walter Otto, Klaus Weisheit, Klaus Beyersdorf und Karl-Hans Essig. Aufgrund von Urlaub oder anderen Terminen konnte jedoch keiner der Jubilare das Ehrenband beim Stiftungsfest persönlich in Empfang nehmen. AH Langenstein überbrachte den Anwesenden auch die Grüße von AHV-Vorsitzendem Alexander Luthardt, der sich zur Zeit auf Kur in Bad Neustadt befindet, und per Postkarte die Bundesbrüder grüßen ließ.

Im Gegensatz zu den neuen 100-Semester-Band-Trägern waren die zwei Aktiven anwesend, die ihr Abitur erfolgreich abgelegt haben, und nun von Lutz Langenstein in den AHV aufgenommen werden konnten, nämlich Michael Schönfelder und Sebastian Weichelt.

"Es ist eine große Ehre für uns, gerade im Jahr des Schuljubiläums in den Altherren-Verband aufgenommen zu werden", konstatierte Sebastian Weichelt. In diesem Zusammenhang dankte er dem Altherren-Vorstand für die stete Hilfe während der Aktiven- und Chargiertenzeit. "Ich hoffe, daß auch zwischen den kommenden Aktivitates und dem AHV immer ein gutes Verhältnis herrscht", so Weichelt weiter. Er und Michael Schönfelder hatten auch traditionsgemäß als "Ausscheider" ein Präsent für die Aktivitas parat. Was es jedoch ist, das wollten sie nicht verraten. "Unser Geschenk hängt vom Umbau des Kneipraums ab", erklärten sie. Erstchargierter Kamil Grzelak entließ die beiden Aktiven "mit einem lachenden und einem weinenden Auge", wie er betonte. "Es ist schwer, von zwei so verantwortungsbewußten Aktiven Abschied zu nehmen." Zugleich drückte er die Hoffnung aus, daß die beiden Jung-AH auch künftig regelmäßig an den Veranstaltungen der Ernestina teilnehmen.

Andreas Kuschbert


 

"Wir haben viel voneinander gelernt"

Altherren-Verband der Schülerverbindung tagte / Vorstand komplett in Amt bestätigt

COBURG (rs). Die Berichte des Vorstands und der Aktivitas sowie die Wahlen zum Vorstand standen im Mittelpunkt des Osterconvents des Altherren-Verbandes (AHV) der Schülerverbindung Ernestina am Gründonnerstag.

Zufrieden zeigte sich AHV-Vorsitzender Alexander Luthardt über den Ablauf der verschiedenen Veranstaltungen. Als Höhepunkt der Semester 252 bis 254 nannte er dabei das Stiftungsfest und vor allem den Fünf-Farben-Kommers sowie den Oberfrankenkommers. Beide waren von der Ernestina ausgerichtet worden.

Auch das laufende Sommersemester sei ein "Semester voller Höhepunkte", so Luthardt, der hierbei vor allem auf das 150jährige Bestehen des Ernestinums hinwies. Zugleich räumte Luthardt jedoch ein, daß aufgrund von Krankheit und starker beruflicher Belastung der Vorstandsmitglieder nicht alles, was man sich vorgenommen hatte, umgesetzt werden konnte. Beispielsweise die geplante Couleurfahrt mit dem Münchener Ernestina-Stammtisch, die zu Beginn des Wintersemesters nachgeholt wird.

Der AHV-Vorsitzende hob die gute Zusammenarbeit mit der Aktivitas der Ernestina hervor. "Dank vor allem für die konstruktive Kritik, die auch uns die Augen geöffnet hat. Wir haben beide viel gelernt in den letzten Semestern." In seinem Ausblick ging Luthardt auf die Seßlach-Fahrten ein, die in den vergangenen Jahren immer mit dem Stiftungsfest verbunden waren. Aufgrund der geringen Resonanz auf das Stiftungsfest und das über den Tag hinweg angebotene Rahmenprogramm sei man jedoch von dieser Verbindung abgekommen.

Über den Mitgliederstand informierte zweiter Vorsitzender Lutz Langenstein. Nachdem fünf Todesfällen und acht Austritten sieben Neuzugänge gegenüberstehen, hat der Altherren-Verband derzeit 411 Mitglieder.

Keine Veränderungen im Vorstand brachten die turnusgemäß anstehenden Wahlen. Alexander Luthardt wurde für die nächsten zwei Jahre in seinem Amt als Vorsitzender ebenso bestätigt wie Lutz Langenstein als zweiter Vorsitzender und Carsten Aumann als Kassenwart. Als Beisitzer fungieren weiterhin Walter Hofmann (Verbindungsmann zur Schule) und Andreas Kuschbert (Verbindungsmann zu den Medien). Kassenprüfer sind Ulrich Weichelt und Hubert Westhäuser. Neu gewählt wurde der Aktivenbetreuer, nachdem der bisherige Amtsinhaber Detlef Räppold nicht mehr kandidierte. Sein Nachfolger wurde Carsten Grosch.

Fast nur Positives hatte Erstchargierter Kamil Grzelak in seinem Bericht. So zählt die Aktivitas derzeit 16 Mitglieder (zehn Burschen, sechs Füxe) und "Zuwachs" sei schon in Aussicht. Alles in allem zeigte er sich erfreut über das gute Verhältnis zwischen Aktivitas und Altherren-Verband. "Ich denke, daß die Ernestina eine glorreiche Zukunft in Aussicht hat", konstatierte Kamil Grzelak.

 


 

Stellung und Bedeutung von Schülerverbindungen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert

Festrede zum Oberfrankenkommers 1998 in Coburg von AH-Vorsitzenden Alexander Luthardt

Hohes Präsidium, sehr geehrte Corona, liebe Bundesbrüder,
wenn ich mich in dieser Runde umsehe, so sehe ich eine große Anzahl Farbenträger verschiedener Verbindungen. So ich richtig gezählt habe von mindestens einem Dutzend unterschiedlicher Bünde. Dahinter stehen viele Jahre, Jahrzehnte, ja manchmal sogar mehrere hundert Semester an Verbindungserfahrung, an Korporationstradition, die wenn man näher ins Detail geht, sich sicherlich sehr unterschiedlich darstellt. Aber was uns hier vereint ist die Tatsache, daß wir uns als Schülerverbindungen bezeichnen und aus dem oberfränkischen Raum stammen, womit ich unsere befreundeten und heute hier anwesenden Gastverbindungen und Gäste nicht ausgrenzen möchte. Darüber hinaus sind wir der Auffassung, daß wir uns im festlichen Rahmen eines Oberfrankenkommerses treffen und präsentieren wollen. Sei es, um Kontakte untereinander zu knüpfen oder zu pflegen, sei es, um einfach nur einen Grund zur gepflegten Gemütlichkeit zu haben. Was auch immer der Beweggrund für Sie war, heute hierher nach Coburg zu kommen, Sie werden es für sich selbst und Ihre Verbindungen hoffentlich genau wissen.

Für meinen Bund, die Schülerverbindung Ernestina zu Coburg, ist es auf jeden Fall eine Ehre und zugleich eine Verpflichtung Ihnen und uns allen einen harmonischen und hoffentlich unvergeßlichen Kommers zu bieten. Bei derartigen Anlässen stellt sich immer die Frage nach einem adäquaten Thema und einem diesem Thema auch gewachsenen Festredner. Nun ja, mein Bund ist der Meinung, daß ich dafür der geeignete Mann sei, und als solcher sollte ich mal schauen, welches Thema dem heutigen Kommers angemessen sei. So möchte ich heute abend versuchen Ihnen einige Gedanken zu folgendem Thema "Stellung und Bedeutung von Schülerverbindungen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert" näherzubringen.

Dabei erhebe ich keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Vollständigkeit, sondern bin mir im Gegenteil sehr wohl bewußt, daß nun folgende Ausführungen sehr subjektiv geprägt sind, sowohl aus meiner Erfahrung als Erstchargierter, Aktivenbetreuer und derzeit Altherrenvorsitzender meiner lieben Ernestina, als auch aus den Erfahrungen, die ich in meinem studentischen Bund, der Landsmannschaft "Franco-Borussia" zu Coburg sammeln konnte.

Ich möchte mich an drei Elementen orientieren, die für uns in der Ernestina von besonderer Bedeutung sind. Dies sind:

1. Unser Zirkel, der bedeutet: "Fatres ernestinae vivant in aeternum!
2. Unser Wahlspruch:"Dem Bunde treu und treu dem Vaterlande"
3. Unser Motto: "Oberste Pflicht eines jeden Ernestiners ist es auch auf den Kneipen die allgemein anerkannten Regeln des Anstandes und der guten Sitten zu wahren."

Zum ersten Element "Fratres ernestinae vivant in aeternum" - die Brüder der Ernestina mögen in Ewigkeit leben.

Daraus ergibt sich für uns das Lebensbundprinzip, das auch über den Tod hinaus Bestand hat. Daß dies nicht nur eine hohle Phrase ist, lernen unsere jungen Bundesbrüder jedes Jahr aufs Neue, wenn wir am Totensonntag all unserer verstorbenen Bundesbrüder gedenken. Und dies geht meiner Meinung nach weit über irgendeine Traditionspflege hinaus.

Das Lebensbundprinzip geht aber noch weiter. Es beinhaltet auch das bundesbrüderliche "Du". So sitzen am Kneiptisch Jung und Alt beisammen und schaffen es, ohne eine künstliche Hemmschwelle durch ein förmliches "Herr Soundso" miteinander ins Gespräch zu kommen.

Sei es der honorige Schulleiter oder der 2. Bürgermeister der Stadt Coburg, sei es der damals älteste praktizierende Zahnarzt Deutschlands oder der Präsident unserer "Kegel-Schlumpschützen", mit denen jeder junge Fux oder Bursche der Aktivitas ein ungezwungenes und direktes Verhältnis aufbauen kann. Aus diesem Lebensbundprinzip heraus entstehen aber auch noch tiefergehende Beziehungen, wie die zwischen Leibbursche und Leibfux oder wie die zu großväterlichen und väterlichen Freunden, wie ich es selbst er leben durfte und darf. Wenn es dabei auch noch gelingt, den nötigen Respekt vor den älteren Semestern und derer bisherigen Leistungen zu vermitteln so hat dieses Lebensbundprinzip meiner Meinung nach eine wesentliche Bedeutung für das Leben in unserem Bund.

Zum zweiten Element: Dem Bunde treu und treu dem Vaterlande. Dem Bunde treu - heißt nicht Kadavergehorsam bis zum Umfallen, aber es heißt eine Verpflichtung für jeder Burschen, für jeden Fuxen, aber auch für jeden Alten Herren. Warum für unsere Burschen? Weil für jeden von ihnen die Verpflichtung besteht, eine Charge oder ein Amt zu übernehmen und damit den Bund zu repräsentieren. Für unsere Fuxen, die bei der aktiver Ausgestaltung unserer Kneipen und anderen Veranstaltungen aktiv einge spannt sind; aber nicht als billige Kellner oder willenlose Befehlsempfänger, sondern als Mitglieder unseres Bundes, als Teil ihrer Lehrzeit, ihres Heranwachsens in einer Verbindung wie der unseren. Eine Lehrzeit, die auch ein heute fast hundertjähriger Alter Herr unseres Bundes ebenfalls durchlaufen hat.

Dem Bunde treu heißt aber auch eine Verpflichtung für unsere Alten Herren, die nicht nur jedes Jahr zu unserem Osterkonvent kommen sollen, um dort kluge und wohlgemeinte Worte zu sprechen oder gar ohne Kenntnis der aktuellen Situation des Bundes Kritik zu äußern, sondern als eine Verpflichtung für sie durch ihre Anwesenheit bei möglichtst vielen Veranstaltungen des Bundes den jungen Aktiven ein lebendiges und durch Lebenserfahrung geprägtes aktives Bundesleben vorzuleben.

Dies ist um so wichtiger für Verbindungen, die im Gegensatz zu der unseren, über viele Jahre hinweg auf Grund geringer oder gar keiner Zuwächse ihrer Aktivitates auszubluten drohen. Aber auch für recht aktivenstarke Verbindungen wie meine Ernestina ist das lebendige Vorleben von Verbindungswesen und Tradition essentiell. Ich hoffe, daß dieser unterschwellige Appell an die richtigen Ohren gelangt. All diese genannten Verpflichtungen sind aber keine Einbahnstraße, denn bringen diese Verpflichtungen uns allen das automatisch daraus entstehende lebendige und attraktive sowie abwechslungsreiche Verbindungsleben, so ist dies doch genau das, was hoffentlich jeden von uns vor mehr oder weniger vielen Semestern dazu veranlaßt hat, in unsere Verbindungen einzutreten.

(Dem Bunde treu) Und treu dem Vaterlande. Hierunter verstehen wir a) die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten in unserem Lande und anderswo, b) die politische Betätigung, ohne hierbei irgendeine politische Richt ung vorzugeben oder zu manifestieren. Bei uns kann jeder politisch tätig sein, egal in welcher Richtung, vorausgesetzt es handelt sich um eine demokratisch legitimierte Partei, und der jeweilige Bundesbruder hält seine parteipolitische Überzeugung aus unse rem Bund heraus; daß heißt er versucht nicht andere von seiner eigenen politischen Linie zu überzeugen, oder gar in dieser Hinsicht zu manipulieren. Und treu dem Vaterlande heißt zu guter Letzt aber auch das Einstehen für eine freiheitliche demokratische Grundordnung, wie sie unser Grundgesetz vorschreibt. Eine Verfassung, die uns eine in der deutschen Geschichte bisher einmalige Friedensperiode bescher hat. Das heißt natürlich auch Toleranz gegenüber Andersdenkenden und deren Meinungen.

Zum dritten Element: Oberste Pflicht eines jeden Ernestiners ist es, auch auf den Kneipen die allgemein anerkannten Regeln des Anstandes und der guten Sitten zu wahren.

Dieses Motto stammt von unserem Alten Herrn Dr. Ernst Bär, der von 1899 bis 1900 in unserer Ernestina aktiv, und von 1912 bis 1948 Leiter unserer Alma Mater, unseres Gymnasiums Ernestinum, gewesen ist. Aber was heißt dies Motto für uns heute und hier? Heißt es etwas flapsig und provokant ausgedrückt "saufen bis zum Umfallen ohne zu kotzen, ohne zu randalieren oder sich sonst danebenzubenehmen"? Nein, genau dies steckt nicht hinter dem Motto unserer Ernestina, weder zum Zeitpunkt des Entstehens noch in unser er heutigen Zeit. Wir im Altherrenverband unserer Ernestina haben gelernt, daß neue Zeiten und neue Generationen von Aktivitates andere und neue Sitten mit sich bringen. Ganz nach dem lateinischen Ausspruch "o tempora, o mores".

Aber nichtsdestotrotz ist es für uns wichtig und bedeutsam althergebrachte Sitten und Umgangsformen im Rahmen unseres Bundes aufrecht zu erhalten, auch wenn diese heutzutage altmodisch erscheinen, oder gar aus der Mode gekommen sind. Sei es der schon angesprochene Respekt vor Älteren und deren erbrachten Leistungen, oder seien es solche Dinge, wie jemandem die Türe aufzuhalten, einem älteren Menschen einen Platz anzubieten, wenn er in einen überfüllten Bus einsteigt, oder aber solche Dinge wie beispielsweise tanzen zu lernen oder pünktlich zu vereinbarten Terminen zu erscheinen bzw. bei Nichterscheinen rechtzeitig vorher abzusagen. All dies ist nicht nur als ein Teil einer lästigen Pflichterfüllung innerhalb des Bundes oder bei dessen Veranstaltungen zu sehen, sondern als ein wie selbstverständlich gelebtes Lebensmotto.

Hochgeschätzte Corona, lassen Sie mich zum Abschluß meiner Ausführungen noch ganz bewußt und kurz aufzeigen, was wir als Schülerverbindung aber auf keinen Fall sind. Wir sind keine Elite und sehen uns auch nicht als eine solche an, aber wir haben bei uns in unseren Verbindungen einen gewaltigen Vorteil, frei nach dem Text eines christlichen Liedes "besser sind wir nicht, aber besser sind wir dran". Besonders dann, wenn wir unser Bundesleben aktiv leben und es schaffen, all dessen Vorzüge für uns im Positive n zu nutzen.

Wir wollen aber niemanden aus unseren Reihen bevorzugen oder anderen voranstellen ohne Ansehen der tatsächlichen Leistung oder Persönlichkeit. Eine Sache, die, bzw. deren Gegenteil uns von unseren "Gegnern" nur allzu gerne vorgeworfen wird.

Wir sind kein Saufverein, der nur glücklich ist, wenn er bis zur Hutkrempe abgefüllt ist. Wir sind als Schülerverbindung kein williger und billiger Keilclub für irgendwelche Studentenverbindungen.

Wir sind - und das sage ich mit aller Deutlichkeit und im vollen Bewußtsein - auf keinen Fall eine Gemeinschaft von fremdenfeindlichen, frauenverachtenden, ewig Gestrigen, Revanchisten oder Neonazis.

Sondern wir sind, zumindest an umserem Gymnasium Ernestinum in Coburg, ein aktives und lebendiges Mitglied der vielzitierten Schulfamilie, das, wie ich meine, voll und kritisch mitten im Leben steht.

In diesem Sinne erhebe ich mein Glas und trinke auf ein Wachsen, Blühen und Gedeihen der hier und heute demonstrierten Schülerverbindungstradition und des gesamten Schülerverbindungswesens.

14.03.1998

 


 

Coburger Tageblatt - Montag, 2. März 1998

Pressefoto

Schülerverbindungen aus ganz Franken waren am Freitag abend beim Oberfrankenkommers im Kongreßhaus Rosengarten mit Chargierten vertreten. Ganz hinten die Chargierten der gastgebenden Ernestina (von links): Michael Schönfelder, Sebastian Weichelt und Kamil Grzlak.
Foto: A. Kuschbert

Toleranz gegen Andersdenkende

Schülerverbindungen trafen sich zum Oberfrankenkommers in Coburg / Rede von Alexander Luthardt

Coburg (rs). Rund 100 Angehörige von insgesamt zwölf oberfränkischen und einer unterfränkischen Schülerverbindung waren am Freitag abend nach Coburg gekommen, um gemeinsam einen Oberfrankenkommers zu feiern, der von der Schülerverbindung Ernsetina ausgerichtet wurde. Vor rund 20 Jahren wurde diese Tradition ins Leben gerufen, in den 80er Jahren fand ein solcher Kommers zum letzten Mal Coburg statt. Im Mittelpunkt des Abends stand die Rede des Vorsitzenden des Altherren-Verbandes (AHV) der Ernestina, Alexander Luthard.

Neben den Verbandsangehörigen hatten auch Vertreter aus Politik und Wirtschaft den Weg ins Kongreßhaus gefunden, darunter unter anderem Coburgs Oberbürgermeister Norbert Kastner, Bürgermeister Richard Dlouhy, Bürgermeister Norbert Tessmer, Bezirkstagspräsident Edgar Sitzmann, stellvertretender Landrat Joachim Lieb und Alt-OB Karl-Heinz Höhn. Seine Rede hatte AHV-Vorsitzender Alexander Luthardt unter das Thema "Stellung und Bedeutung von Schülerverbindungen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert" gestellt. Dabei orien tierte er sich an drei Elementen, die für die Ernestina von besonderer Bedeutung sind: der Zirkel, der Wahlspruch "Dem Bunde treu und treu dem Vaterlande" und das Motto "Oberste Pflicht eines jeden Ernestiners ist, auch auf der Kneipe die allgemein anerkan nten Regeln des Anstandes und der guten Sitte zu wahren."

Nach Luthardts Aussagen ergibt sich aus dem Zirkel, der soviel bedeutet wie ,"Die Brüder der Ernestina mögen in Ewigkeit leben" das Lebensbundprinzip, das auch über den Tod hinaus Bestand habe. Das Lebensbundprinzip beinhalte jedoch auch das bundesbrüderliche "Du", das am Kneiptisch und darüber hinaus jung und alt verbinde.

"Dem Bunde treu und treu dem Vaterlande" - dieses Motto bedeute nach den Worten des AHV-Vorsitzenden keineswegs "Kadavergehorsam bis zum Umfallen". Angesichts des Passus "und treu dem Vaterlande" erläuterte Luthardt, daß man darunter zum einen die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten in Deutschland und anderswo ebenso verstehe wie zum anderen die politische Betätigung, "ohne hierbei irgendeine politische Richtung vorzugeben oder zu manifestieren."

Luthardt: "Bei uns kann jeder politisch tätig sein, egal in welcher Richtung, vorausgesetzt es handelt sich um eine demokratisch legitimierte Partei und der jeweilige Bundesbruder hält seine parteipolitische Überzeugung aus unserem Bund heraus. " Treu dem Vaterlande heiße aber auch das Einstehen für eine freiheitlich demokratische Grundordnung, wie sie das Grundgesetz vorschreibe. "Das heißt natürlich auch Toleranz gegenüber Andersdenkenden und deren Meinungen und Überzeugungen", konstatierte der Referent.

Angesichts des Mottos der Ernestina, das durch Dr. Ernst Bähr, Direktor des Ernestinums von 1912 bis 1948 und Mitglied der Verbindung, geschaffen wurde, meinte Alexander Luthardt: "Es ist für uns wichtig und bedeutsam, althergebrachte Sitten und Umfangsformen im Rahmen unseres Bundes aufrecht zu erhalten, auch wenn diese heutzutage altmodisch erscheinen oder gar aus der Mode gekommen sind." Sei es der Respekt vor Älteren und deren erbrachten Leistungen oder seien es Dinge wie jemanden die Türe aufzuhalten, einem älteren Menschen einen Platz in einem überfüllten Bus anzubieten oder einfach nur tanzen zu lernen.

Zum Abschluß seiner Rede zeigt der AHV-Vorsitzende auf, was ein Schülerverbindung von heute keinerswegs sein soll. "Auf keinen Fall sind wir eine Gemeinschaft von fremdenfeindlichen, frauenverachtenden ewig gestrigen Revanchisten oder Neonazis." Vielmehr sei die Ernestina ein aktives und lebendiges Mitglied der Schulfamilie.

Angesichts der Rede von Alexander Luthardt sprach Oberbürgermeister Norbert Kastner, selbst seit fast 20 Jahren Mitglied der Schülerverbindungdung Casimiriana, davon, daß ihm der Referent aus der Seele gesprochen habe. "Es wäre wirklich gut, wenn diese Denken viel stärker nach außen getragen würde." Bezirkstagspräsident Edgar Sitzmann äußerte den Wunsch "daß in den Orten, an denen es Schülerverbindungen gibt, der oberfränkische Geist weiter wächst." Mit Blick auf die Festrede meinte er, daß das Verwurzeltsein in der Heimat und in Schülerverbindungen die beste Möglichkeit sei, um Kraft zu schöpfen "damit wir alle in Bayern und Deutschland beheimatet sind und wir gute Europäer werden."

Neue Presse - Montag, 2. März 1998

Pressefoto

Zwölf Schülerverbindungen aus Oberfranken, darunter die Damenverbindung Amazonia (Bayreuth), beteiligten sich am Oberfrankenkommers der ernestina. Dieser fand am Freitag abend im Kongreßhaus Rosengarten statt und bildete den Auftakt zu einer Reihe von Vera nstaltungen zum 150jährigen Jubiläum des Gymnasiums Ernestinum Ende März.
Foto: T. Höhn

"Kein Saufverein und billiger Keilclub"

Oberfrankenkommers der Schülerverbindung Ernestina im Kongreßhaus

Coburg (tdh). Mit dem Oberfrankenkommers der Schülerverbindung Ernestina fiel am Freitag abend der Startschuß zu den Jubiläumsfeierlichkeiten des Gymnasiums Ernestinum. Oberbürgermeister Norbert Kastner und Bezirkstagspräsident Edgar Sitzmann würdigten die Wichtigkeit der Institutionen.

"Wir sind kein Saufverein, der nur glücklich ist, wenn er bis zur Hutkrempe abgefüllt ist", stellte der Altherren-Vorsitzende der Ernestina, Alexander Luthardt, in seiner Festrede klar. "Wir sind als Schülerverbindung kein williger und billiger Keilclub für irgendwelche Studentenverbindungen", so Luthardt weiter. Darüber hinaus sei die Ernestina auch "keine Gemeinschaft von fremdenfeindlichen, frauenverachtenden, ewig gestrigen Revanchisten oder Neonazis".

Das Thema der Festrede zum Oberfrankenkommers, der nach 20 Jahren wieder einmal in Coburg stattfand, war die "Stellung und Bedeutung von Schülerverbindungen an der Schwelle zum 21.Jahrhundert". Alexander Luthardt, einst Erstchargierter, Aktivenbetreuer und nun Altherren-Vorsitzender meiner geliebten Ernestina" plauderte aus dem Nähkästchen.

Das bundesbrüderliche Du gehöre ebenso zum Wahlspruch ,,fratres ernestinae vivant in erternum" (Die Brüder Ernestina mögen in Ewigkeit leben) wie die Traditionspflege und das väterliche Verhältnis zwischen jung und alt.

Ziel der Alten Herren sei es, konstatierte der Festredner, "den jungen Aktiven ein lebendiges und durch Lebenserfahrung geprägtes aktives Bundeleben vorzuleben". Die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten des La ndes und Toleranz gegenüber Andersdenkenden gehören zum Bestreben der Ernestina.

Seine Freude über die treffenden Worte brachte Oberbürgermeister Norbert Kastner zum Ausdruck. Bezirkstagspräsident Edgar Sitzmann wünschte den Verbindungen, daß der Gemeinschaftsgedanke weiterwachse. "In einer Zeit, in der wir nur noch in großen Räumen denken - Schlagwort Globalisierung, müssen wir die Gedanken aus dem Kleinen, wie den Schülerverbindungen, schöpfen. Nur so können wir bestehen", sagte Sitzmann in seiner Laudatio.

Rund 150 Gäste aus Oberfranken und der Vestestadt nahmen am Auftakt zum 150jährigen Bestehen des Gymnasiums Ernestinum teil. Im Jubiläumsjahr 1998 stehen der Ernestina Sebastian Weichelt als Erstchargierter, Zweitchargierter Michael Schönfelder und Fuxmajor Kamil Grzclak vor.

 


 

Weihnachtskneipe 1997

von Andras Kuschbert, Coburger Tageblatt

Fast bis auf den letzten Platz gefüllt war der große Saal im Hotel "Goldene Traube", wieder einmal stand die Weihnachtskneipe auf dem Semesterplan. Unter den Anwesenden befanden sich unter anderem der Direktor unseres Ernestinum, Oberstudiendirektor AH Hans-Georg Kosuch, sein Vorgänger AH Dr. Harald Bachmann, der gesamte Vorstand des AHV, zahlreiche jüngere und ältere AHAH, stellvertretend für sie sei AH Hans Axmann genannt, die Leiter des Münchner und des Nürnberger Ernestina-Stammtisches, AH Rainer Weißbrod und AH Andreas Schneider, zwei Spe-Fuxen sowie eine fast vollständige Aktivitas.

In seiner Ansprache ging Erstchargierter Sebsatian Weichelt auf die Ereignisse des vergangenen Jahres ein. Dabei verwies er auf die heftigen Naturgewalten wie El Nino oder die große Oderflut. Letztere habe nicht nur einen Großeinsatz der Bundeswehr, sondern auch eine große Spendeflut nach sich gezogen. Auf diese Weise, so Weichelt, sei die Kluft zwischen Ost und West wieder etwas geringer geworden.

Auf der anderen Seite gab es nach Weichelts Aussage einen politischen Stillstand auf allen Feldern. Dies sei bedauerlich, da das vor allem den Bürgern schade.

Auch auf schulische Ereignisse ging der Erstchargierte ein. So bedauerte er die Entscheidung, daß der Abischerz entgegen der langjährigen Tradition nur noch ab der dritten Schulstunde stattfinden soll. "Wir wollen trotz der erschwerten Bedingungen einen guten Abischerz präsentieren, der die Genehmigung erhält, den ganzen Tag stattzufinden", gab sich Weichelt kämpferisch.

Zudem verwies er auf die großen Veranstaltungen des Jahres 1998, an denen die Ernestina maßgeblich mit beteiligt ist. So findet am 31. Januar ein Fünf-Farben-Kommers im "Münchner Hofbräu" statt, am 27. Februar ist die Ernestina Ausrichter des Oberfrankenkommerses im Kongreßhaus Rosengarten. Höhepunkt des Jahres 1998 ist aber zweifelsohne die 150-Jahr-Feier des Ernestinums. Dazu veranstaltet die Ernestina am Freitag, 27. März, einen Begrüßungsabend. Am Samstag, 28. März, findet dann zunächst ein Festakt im Kongreßhaus Rosengarten mit Kultusminister Hans Zehetmair als Festredner statt. Anschließend gibt es einen Tag der offenen Tür am Ernestinum. Ein Festball am Abend im Kongreßhaus beschließt den Reigen der Veranstaltungen.

Von einer Gesellschaft in Deutschland, in der die Ausgewogenheit aus dem Gleichgewicht geraten ist, sprach AH Hans-Georg Kosuch in seiner Rede. So seien Pessimismus und ängstlichkeit zu Wegbegleitern geworden. Optimismus hingegen sei verpönt. Deshalb sei es Aufgabe der Schulgemeinschaft, Zuversicht und Lebensbejahung zu schenken. Mit Blick auf den Abischerz meinte Kosuch, daß bei einem wirklich guten Programm auch über einen Ganztages-Scherz geredet werden könne.

Gedanken zur Weihnachtszeit gab es von AHV-Vorsitzendem Alexander Luthardt. "Ist es der Sinn von Weihnachten, möglichst viel zu verschenken oder umgekehrt möglichst viele Geschenke zu erhalten oder einfach nur die Konjunktur anzukurbeln?" Für ihn stecke mehr als nur das hinter Weihnachten. So sei es für ihn eine der wenigen Möglichkeiten, während eines sehr hektischen und anstrengenden Jahres zur Ruhe und Besinnung zu kommen. "Es ist aber auch die Zeit, um Danke zu sagen all denen, die einen unterstützt haben, Danke zu sagen für das Schöne und Negative, das jeder einzelne erfahren durfte."

Den drei Reden folgten denn noch eine Ansprache, AH Klaus Beyersdorf ergriff das Wort. Und nachdem es Weihnachten war, hatte er auch Geschenke mitgebracht. So überreichte er OSTD Hans-Georg Kosuch als Leiter des Ernestinums im Namen der Prinz-Albert-Gesellschaft die Bände 13 und 14 der Albert-Studien zur Vervollständigung der Sammlung am Ernestinum. Auch für die Aktivitas hatte Beyersdorf ein Präsent parat. Dabei überreichte er Erstchargiertem Sebastian Weichelt eine Spende des Vorsitzenden des VAB Nürnberg, Dieter Pohl, in Höhe von 500 Mark.

Und noch zwei Mal wurde die Aktivitas an diesem Abend beschenkt. Vom Münchner Ernestina-Stammtisch erhielt sie für den Kneipraum eine Abbildung des Bierochsen im Münchner Augustiner-Keller sowie eine Spende von AH Klaus Geuter.

Gegen Ende der Weihnachtskneipe wurde es feierlich. Für seine Verdienste um die Ernestina erhielt Uli Heußel das Altherren-Band ehrenhalber verliehen. Damit, so AHV-Vorsitzender Alexander Luthardt, solle Uli Heußels Engagement bei Veranstaltungen, zum Beispiel als Bierorganist, gewürdigt werden. "Das ist ein tolles Weihnachtsgeschenk", meinte der sichtlich überraschte Uli Heußel, selbst Mitglied der Casimiriana. Er habe nicht nur über seine Verbindung, sondern vor allem auch über das Ernestinum und durch die Mitwirkung im Orchester, schon lange Kontakte zur Ernestina geknüpft. Zudem habe er durch Hansea auf dem Wels in München und den dortigen Ernestina-Stammtisch viele Ernestiner kennengelernt. "Daß aus dem Zuhausefühlen nun ein Zuhausesein geworden ist, ist für mich eine große Freude", betonte Uli Heußel.

Und noch zwei Bänder wurden an der Kneipe verliehen. So nahm Fuxmajor Kamil Grzelak mit Jann Porsch und Philipp Fischer zwei neue Füxe in die Aktivitas auf. Mit dem Bundeslied endete die gelungene Weihnachtskneipe. Doch der Abend war noch lange nicht zu Ende. Im Kneipraum traf man sich anschließend wieder.

 


 

Politischer Stillstand schadet vielen Bürgern

Zwei neue Fuxen traten Ernestina bei / Festveranstaltung

Coburg. Besinnliche und nachdenklich stimmende Worte auf der einen Seite, Freude über die Aufnahme von zwei neuen Fuxen in die Aktivitas auf der anderen Seite prägten die Weihnachtskneipe der Schülerverbindung Ernestina im Hotel "Goldene Traube".

In seiner Rede ging Erstchargierter Sebastian Weichelt auf die Ereignisse des abgelaufenen Jahres ein. Dabei bemängelte er den politischen Stillstand auf allen Feldern der Politik, der dem Bürger schade. Angesichts der großen Hilfsbereitschaft nach der Oderflut sprach Weichelt davon, daß die Kluft zwischen West und Ost geringer geworden sei.

Im nächsten Jahr stehen große Veranstaltungen

Doch auch schulische Themen waren Inhalt der Rede. So drückte der Erstchargierte seine Hoffnung aus, daß auch weiter hin die Tradition des ganztägigen Abiturientenscherzes gepflegt, und dieser nicht auf einen halben Schultag reduziert werde. "Unser Jahrgang wird sich Mühe geben, einen Abiturscherz zu veranstalten, der die Genehmigung erhält, ganztägig stattzufinden", so Sebastian Weichelt.

Zugleich wies er aber auch auf große Veranstaltungen im nächsten Jahr hin, an denen die Ernestina maßgeblich mit beteiligt ist. So findet am 31. Januar der 5-Farben-Kommers der Cobuger Schülerverbindungen statt, am 27. Februar veranstaltet die Ernestina federführend einen Oberfrankenkommers im Kongreßhaus. Und schließlich beteiligt man sich an den Feierlichkeiten zum 150jährigen Bestehen des Ernestinums Ende März.

Von einer Gesellschaft, "in der die Ausgewogenheit aus dem Gleichgewicht geraten ist", sprach Oberstudiendirektor Hans-Georg Kosuch. So seien Pessimismus und Ängstlichkeit zu Wegbegleitern der Menschen geworden, Optimismus hingegen sei verpönt. "ich wünsche mir für das kommende Jahr, daß innerhalb unserer Schulgemeinschaft Zuversicht und Lebensbejahung geschenkt werden", konstatierte Kosuch.

"Ist der Sinn von Weihnachten, möglichst viel zu verschenken oder umgekehrt Geschenke zu erhalten oder ganz einfach nur die Konjunktur anzukurbeln?", fragte Altherren-Verbandsvorsitzender Alexander Luthardt in seiner Ansprache. Für ihn sei das Weihnachtsfest mehr als das.

Es sei für ihn eine der wenigen Möglichkeiten, während eines hektischen und anstrengenden Arbeitsjahres zur Ruhe und Besinnung zu kommen. "Jetzt kann man die schönen, aber auch die schlimmeren Ereignisse des Jahres Revue passieren lassen und vor allem kann man Dank sagen."

Spende für Ernestina

Mit jeweils einer Spende für die Schule und für die Ernestina wartete Klaus Beyersdorf auf. So überreichte er Oberstudiendirektor Hans-Georg Kosuch für die Schulbibliothek die letzten beiden Bände der Studien der Prinz-Albert- Gesellschaft, an Sebastian Weichelt überreichte er im Namen des Vorsitzenden der Vereinigung Alter Burschenschafter Nürnberg, Dieter Pohl, eine Spende in Höhe von 500 Mark.

Im weiteren Verlauf des Abends wurden mit Jahn Porsch und Philipp Fischer zwei neue Fuxen in die Aktivitas aufgenommen. Außerdem erhielt Uli Heußel das Ernestina-Band ehrenhalber verliehen. Damit, so AHV-Vorsitzender Alexander Luthardt, werde der Kreis der Alten Herren einmal nicht durch das bestandene Abitur erweitert.

Mit der Aufnahme von Uli Heußel, er selbst ist Mitglied der Schülerverbindung Casimiriana, in den Altherrenverband, sollen dessen Verdienste um die Ernestina gewürdigt werden.

 


 

Familienrallye per Bus

Schülerverbindung Ernestina lädt ein

Coburg. Die Coburger Landesausstellung steht im Mittelpunkt einer "Familienrallye", die die Schülerverbindung Ernestina am Samstag, 14. Juni, veranstaltet.

Beginn ist auf Schloß Callenberg um 14 Uhr. Bereits um 13 Uhr treffen sich die Bundesbrüder in der Konstante in der Haußmannstraße. Um 13.25 Uhr geht es mit dem Bus vom Marktplatz weg nach Schloß Callenberg.

Wer Lust hat, der kann sich schon Samstag morgen zusammen mit den Mitgliedern des Münchner Ernestina-Stammtisches, die am Wochenende nach Coburg kommen, die Landesausstellung auf der Veste anschauen. Abfahrt dafür ist um 9.20 Uhr am Markt (Bus oder Bimmelbahn).

Auf Schloß Callenberg müssen dann insgesamt 16 Fragen rund um die Landesausstellung und Coburg beantwortet werden. Die Rückfahrt mit dem Stadtbus erfolgt um 16.25 Uhr. Am Abend (ab 18 Uhr) findet dann zum Ausklang der Rallye ein Grillfest in der Konstante statt. Eröffnet wurde das Ernestina-Wochenende bereits am Freitag, 13. Juni, ab 20 Uhr mit einem Altherren-Stammtisch in der Ernestina-Konstante in der Haußmannstraße.

 


 

Optimistisch in die Zukunft

100-Semester-Band an Dieter Solbrig verliehen / Drei neue Fuxen aufgenommen

COBURG (aku). Die Verleihung des 100-Semester-Bandes an Dieter Solbrig für seine 50jährige Mitgliedschaft sowie die Aufnahme von drei neuen Fuxen in die Aktivitas waren die Höhepunkte der diesjährigen Weihnachtskneipe der Schülerverbindung Ernestina am Samstag abend im bis auf den letzten Platz gefüllten Saal des Hotels "Goldene Traube".

In seiner Ansprache ging Erstchargierter Florian Heymann auf die Weihnachtszeit als eine Zeit der guten Vorsätze und des guten Willens ein. So könne man zwar rückblickend die Fehler des abgelaufenen Jahres nicht mehr korrigieren, "aber gute Vorsätze sind ein Beginn für eine Fehlerkorrektur in der Zukunft."

Zugleich stellte er die Frage, ob diese Vorsätze auch wirklich immer realisiert werden können. Nach Heymanns Worten sei dies unter bestimmten Voraussetzungen durchaus möglich. Nicht unbedingt umgesetzt werden konnten nach seiner Ansicht die Vorsätze des neugewählten Altherren-Vorstands, der zwar mit Enthusiasmus seine Aufgabe angegangen habe, was von vielen Alten Herren jedoch nicht genügend unterstützt wurde.

"Und auch das Ernestinum erlebte einen Rückschlag", konstatierte der Erstchargierte mit Blick auf die Sparmaßnahmen beim Ernestinum-Neubau. Heymann: "Wir sollten die Flinte aber nicht zu früh ins Korn werfen, an den Erfolg glauben und die Initiative ergreifen."

Auch Schulleiter Oberstudiendirektor Hans-Georg Kosuch hatte die Zustände am Ernestinum in den Mittelpunkt seiner Ansprache gestellt. So habe sich aufgrund des unerwarteten Schülerzuspruchs die Raumsituation weiter verschärft. Kosuch zeigte sich jedoch zufrieden über den vom Stadtrat in der vergangenen Woche verabschiedeten Bauplan. "Das vorgesehene Raumprogramm wird damit erfüllt. Ein erster Schritt ist endlich getan." Jetzt heiße es mit Optimismus in die Zukunft zu gehen.

Nachdenkliches hatte AHV-Vorsitzender Alexander Luthardt in seiner Rede verpackt. So sei Weihnachten zwar die Zeit der Besinnung, "doch auf was besinnen wir uns eigentlich", fragte Luthardt. "Auf all die Erfolge und schönen Zeiten, auf das Glück, das einem zuteil wurde und den Zufall, der einem hier und da geholfen hat?" Oder besinne man sich zu Weihnachten auf den gemeinsamen christlichen Hintergrund und das bevorstehende Fest?

Alte Herren und junge Fuxen beieinander - das Sinnbild der Ernestina wurde schließlich noch besonders betont. So erhielt Dieter Solbrig für seine 50jährige Mitgliedschaft das 100- Semester-Band verliehen, während mit Sebastian Kretz, Xaver Büttner und Tobias Mannshardt drei neue Fuxen in die Aktivitas aufgenommen wurden.

 


 

Kneipen, Karzer und Konvent

Coburger Schülerverbindung Ernestina wurde vor 125 Jahren gegründet / Offizielle Anerkennung 1906

Coburg. Es ist ein besonderes Semester, das die Bundesbrüder der Ernestina bei der Eröffnungskneipe begonnen haben. Es ist nämlich das 250. in der Geschichte der Schülerverbindung Ernestina. Zur Erinnerung an die Gründung der Verbindung vor 125 Jahren finden von Karfreitag bis Ostermontag verschiedene Veranstaltungen statt, zu denen mehrere hundert Bundesbrüder aus ganz Deutschland in Coburg erwartet werden.

Anhand der vorliegenden Unterlagen kann man davon ausgehen, daß die Ernestina schon seit 1871 und nicht wie bis dahin angenommen, erst seit 1880 bestanden hat. Das belegen gedruckte Statuten von 1871, die auf ein ausgedehntes Verbindungsleben hinweisen. Auch Gruppenbilder der Aktivitas von 1871 und 1873, auf denen bereits alle Utensilien einer Verbindung zu sehen sind, unterstützen diese These.

Die Gründung der "Ernestinia", wie die Verbindung zunächst hieß, dürfte auf Jenaer Studentenstammtische zurückgehen, die in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts in Coburg stattfanden. Doch trotz des großen Zulaufs und des regen Verbindungslebens mußte die Ernestina bis zum Jahre 1906 eine bewegte Entwicklung "im Untergrund" durchmachen, war sie doch von seiten der Schule verboten.

Wenn Schüler beim "Kneipen" erwischt wurden, mußten sie mit hohen Karzerstrafen rechnen, wobei acht Stunden keine Seltenheit waren. Um nicht in die Hände der Lehrer zu fallen, wechselten die Bundesbrüder immer wieder das Kneiplokal. Doch dann kam das Jahr 1906. Am 3. November des Jahres 1906 ließ der damalige "Chef" der Schule, Oberschulrat Dr. Riemann den damaligen Erstchargierten zu sich kommen um ihm zu eröffnen, daß die Ernestina ab sofort erlaubt sei.

Anläßlich des 30. Stiftungsfestes bildete sich am 18. März 1910 der Atherren-Verband (AHV). Die 40 Gründungsmitglieder hatten es sich zur Aufgabe gemacht, die Freundschaft untereinander stärker zu fördern, die Verbindungen zur Aktivitas stärker zu knüpfen und die "Treue" zum Ernestinum über die Schulzeit hinweg zu pflegen.

Bis zum Jahre 1935 entwickelte sich ein reges Bundesleben. Vor allem die Fahrten nach Römhild, zuerst mit dem Leiterwagen, dann im Lastauto und Postbus, begeisterten Aktive und Alte Herren gleichermaßen und wurden zu Höhepunkten der Semester.

Nachdem die Nationalsozialisten die Macht ergriffen hatten, beschlossen die Aktiven im Jahre 1935, die Verbindung aufzulösen. Der AHV blieb noch bis in das Jahr 1939 bestehen, ehe er ebenfalls seine zahlreichen Aktivitäten einstellte.

Nachdem der Altherrenverband am 14. Januar 1949 zu neuem Leben erweckt war, folgte auch schon bald die erste Kneipe bei "Schröck" im Hahnweg. Und mit der Zeit florierte das Verbindungsleben wie zu alten Zeiten.

Über 200 Ernestiner waren 1971 nach Coburg gekommen, um das 100jährige Bestehen ihrer Verbindung zu feiern.

In den vergangenen 25 Jahren erlebte die Schülerverbindung Ernestina ein Bundesleben mit zahlreichen Höhen und Tiefen. Doch immer wieder schafften es Aktive und der AHV das Schiff "Ernestina" in einigermaßen ruhigem Fahrwasser zu halten.

Seit 1993 ist die Ernestina - als einzige der drei Schülervebindungen in Coburg - im Besitz eines eigenen Kneipraums. Der entsprechende Raum wurde von AHV-Vorstandsmitglied Carsten Aumann zur Verfügung gestellt, die Aktiven übernahmen zusammen mit einigen Alten Herren den Umbau der Räumlichkeiten. So wurde die neue Konstante zu einem beliebten Treff von alten und jungen Bundesbrüdern.

Heute zählt die Ernestina über 400 Alte Herren, die Aktivitas zählt derzeit 15 Mitglieder.

Andreas Kuschbert

 


 

Coburger Tageblatt - Dienstag, 9. April 1996

Eliteausbildung keine Frage des Geldes

Festakt zum 125jährigen Bestehen der Ernestina / Hans-Georg Kosuch Festredner

COBURG (aku). Mit einem Festakt im Rathaussaal, an dem Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft teilnahmen, wurden am Ostersamstag die Feierlichkeiten zum 125jährigen Bestehen der Schülerverbindung Ernestina eröffnet. Festredner war dabei der Leiter des Ernestinums, Oberstudiendirektor Hans-Georg Kosuch. Sein Thema: "Der Bildungsauftrag des heutigen Gymnasiums."

In seinen Ausführungen machte Kosuch deutlich, daß man auf das gesellschaftliche Spannungsfeld eingehen müsse, wenn man vom Bildungsauftrag des Gymnasiums sprechen wolle. So würden Familie und Schule als stabilisierende Faktoren der Gesellschaft von den Gesellschaftsveränderern dauernd in Frage gestellt.

Kosuch: "Die Gesellschaft braucht die Schule aber als stabilisierendes Element. Sie wandelt sich zwar auch, reflektiert aber diesen Wandel. Deshalb wird die Schulentwicklung zu Recht immer der gesellschaftlichen Entwicklung hinterherhinken." Zugleich machte er deutlich, daß die vielfach geäußerte Kritik an der Schule die Strukturkrise der heutigen Gesellschft widerspiegelte.

So müsse der Bildungsauftrag des heutigen Gymnasiums vielmehr vor dem Hintergrund des sich vollziehenden Paradigmenwechsels von der Moderne zur sogenannten Postmoderne zu sehen sein. Nach den Worten von Kosuch wird der derzeitige grundlegende Wandel in der Wissenschaft Auswirkungen auf das geistige und kulturelle Leben der gesamten Menschheit haben. Und weiter: "Investitionen in das Bildungswesen sind die beste Zukunftssicherung." Es dürfe auf keinen Fall dazu kommen, daß eine Eliteausbildung eine Frage des Geldes wird. "Alleine Eignung und Befähigung des Einzelnen darf entscheiden."

Kosuch machte deutlich, daß die Schule als Institution heute keineswegs schlechter sei als früher. Sie erweise sich als ein lernfähiges System "und sie tut gut daran, nicht jede Neuerung kritiklos zu übernehmen".

"Dem Lehrer fällt dabei die Aufgabe zu, den Kindern einen Weg durch den Informationsdschungel zu zeigen", konstatierte Kosuch.

Im Rahmen des Festaktes überreichte AHV-Vorsitzender Jürgen Marpert an das Gymnasium Ernestinum eine Spende in Höhe von 1500 Mark. Umrahmt wurde die Feierstunde vom Orchester des Ernestinums unter der Leitung von Studiendirektorin Annelie Heußel.

 


 

Coburger Tageblatt - Dienstag, 9. April 1996

Die Wurzeln reichen bis ins Mittelalter

Festkommers zum 125jährigen Bestehen der Ernestina / Vortrag über die Geschichte der Schülerverbindungen

COBURG (aku). Ein Festkommers am Samstagabend im Kongreßhaus Rosengarten bildete den Höhepunkt des Feierlichkeiten zum 125jährigen Bestehen de Schülerverbindung Ernestina. Als Festredner trat dabei Peter Engelhardt in Erscheinung, der die Geschichte der Schülerverbindungen in Deutschland beleuchtete.

Eröffnet wurde der Festkommers mit dem Einzug der drei Cargierten zu den Kängen des "Coburger Marschs", der von der Stadtkapelle unter der Leitung von Herbert Graf intoniert wurde. Zu diesem Festkommers waren neben Vetretern der Stadt Coburg auch Angehörige zahlreicher anderer Verbindungen nach Coburg gekommen. Die Kommersleitung oblag dem neuen Vorsitzenden des Altherrenverbandes, Alexander Luthardt.

Ein besonderes Geschenk hatte der Münchner Ernestina-Stammtisch mitgebracht. So heftete Dr. Otto Dehler ein extra für das 125. Stiftungsfest angefertigtes Fahnenband an die Fahne der Ernestina an.

Im Namen des Stadt Coburg gratulierte Bürgermeister Richard Dlouhy, selbt ein Ernestiner. Er wünschte derVerbindung, daß stets viele Füchse in Stall sind, "damit die alte Burschenherrlichkeit niemals untergeht." Mit einer Überraschung wartete der Vertreter der Schülerverbindung Casimiriana auf. Er überreichte die Replik eines Ernestina-Pfeifenkopfes aus dem Jahre 1878.

Die Geschichte der Schülerverbindungen in Deutschland beleuchtete Peter Engelhardt aus einer etwas anderen Sicht. Die Wurzeln der Schülerverbindungen gehen nach den Worten des Referenten wohl zurück bis ins frühe Mittelalter, als sich Schüler in Klosterschulen in internatsmäßigem Charakter zum Erlernen der lateinischen Sprache zusammenfanden.

Im zwölften Jahrhundert verlor die Klosterschule dann immer mehr an Bedeutung, die Schüler zog es in die Städte. Hieraus enstand die Zunft der sogenannten fahrenden Schüler. Mit des Zeit entwickelte sich das Gymnasium, an dem die Schüler vor allem lernten, lateinisch zu schreiben und lateinisch zu denken.

Mitte bis Ende des 18. Jahrhunderts erreichten neue Einflüsse die Universitäten und höheren Schulen: Von England aus drang das Freimaurertum in die deutschen Verbindungen ein, rasch gründeten sich in bereits bestehenden Korporationen akademische Logen beziehungsweise Orden. Die geistigen Inhalte beruhten unter anderem auf gegenseitiger Bruderhilfe und unverbrüchlicher Treue. Das Kneipen und Fechten der alten Verbindungen wurde jedoch beibehalten.

Sitten und Gebräuche dieser alten Orden leben auch in den heutigen Verbindungen weiter, beispielsweise in der Einteilung in verschiedene Grade. Und wie einst die Mitglieder der Orden wurden auch die Schülerverbindungen verfolgt.

Prominente Mitglieder geheimer Verbindungen waren unter anderem Turnvater Ludwig Jahn, der Komponist Robert Schumann, und auch Fürst Otto von Bismarck wird einer Verbindung zugeordnet.

Nach 1848 schossen Schülerverbindungen dann wie Pilze aus dem Boden. Mit der Proklamation von Wilhelm I. zum deutschen Kaiser im Jahre 1871 bagann die Blüte des Couleurstudententums.

Und wie schon oft, so nahm Coburg auch in diesem Bereich eine Sonderstellung ein. Als Beispiel nannte Peter Engelhardt das Jahr 1904, als der Bayerische Landtag zum verschärften Kampf gegen die Schulfuchsbünde aufrief, das "Tageblatt" dem Münchner Ministerium des Inneren für Kirchen- und Schulangelegenheiten hingegen aber riet, es solle sich in Coburg vom Nutzen einer offiziellen Pennalie überzeugen. Dennoch wurde gegen die Verbindungen scharf vorgegeangen, erst mit dem allmählichen Auftreten von Altherrenverbänden konnte der behördlichen Verfolgung wirkungsvoll entgegengetreten werden.

Nach dem Ersten Weltkrieg konnten sich dann Schüler ganz offiziell in Couleur frei bewegen, selbst Teile des Lehrkörpers nahmen an den Veranstaltungen der Verbindungen teil. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 begann das Ende sämtlicher Korporationen. Doch nach dem Krieg lebte das alte Gedankengut wieder auf. Die Aktive nahmen zum Teil astronomische Formen an. Mit Beginn der studentischen Unruhen um das Jahr 1968 herum traf ein schwerer Einbruch die Korporationen. Erst Mitte der 70er Jahre trat eine Beruhigung im Verbindungsalltag ein.

 


 

Rede anläßlich des Festaktes zum 125jährigen Jubiläum der Ernestina

"Bildungsauftrag des heutigen Gymnasiums"

von OStD Hans-Georg Kosuch, Direktor des Ernestinums

Verehrte Festversammlung,
liebe Bundesbrüder,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

gerne habe ich die ehrenvolle Aufgabe übernommen, zum 125jährigen Jubiläum unserer Schülerverbindung Ernestina einen Festvortrag zu halten, denn das Thema "Bildungsauftrag des heutigen Gymnasiums" beschäftigt mich nicht nur als Schulleiter. Seit 1970 setze ich mich auch im Bayerischen Philologenverband, der Berufsvertretung der Gymnasiallehrer, für den Erhalt und die Weiterentwicklung des Gymnasiums ein.

Beginnen möchte ich mit einem Blick auf das gesellschaftspolitische Spannungsfeld, in dem das Gymnasium seit dem Ende des ersten Weltkrieges um seine Existenz kämpft, denn in diesem Spannungsfeld zwischen den sozialdemokratisch regierten A-Ländem und den unionsregierten B-Ländem wird in der KMK, der Kultusministerkonferenz, um die Inhalte des Bildungsauftrages gerungen. Die KMK hat im Dezember 1995 in Mainz Richtungsentscheidungen zur Weiterentwicklung der gymnasialen Oberstufe und des Abiturs getroffen, auf die ich kurz eingehen muß. Der Bildungsauftrag des Gymnasiums ist aber heute auch angesichts des Paradigmenwechsels von der Moderne zur sogenannten Postmoderne neu zu überdenken. Schließlich hat das Gymnasium auch einen Erziehungsauftrag, der vom Bildungsauftrag nicht zu trennen ist.

Damit habe ich die Hauptpunkte meines Vortrages genannt

A. Das Gymnasium im gesellschaftspolitischen Spannungsfeld zwischen den A- und den B- Ländern
Man kann nicht vom Bildungsauftrag des Gymnasiums sprechen, ohne auf das gesellschaftspolitische Spannungsfeld einzugehen, in das er eingebettet ist. Wer egalitäre Ziele verfolgt, das richtige gesellschaftliche Bewußtsein vermitteln will und die Schule als Motor der gesellschaftlichen Veränderung sieht, wird andere Bildungsziele formulieren, als derjenige, für den das Schulsystem die individuelle Begabung bestmöglich zum Nutzen des Einzelnen, aber auch der Gesellschaft fördern soll.

So werden Familie und Schule als stabilisierende Faktoren der Gesellschaft von den Gesellschaftsveränderern dauernd in Frage gestellt. Die Bildungslinken sehen insbesondere das Gymnasium immer noch als die Standesschule des Bürgertums, die es zu beseitigen gilt. Sie begannen mit dem Kampf für die Einheitsschule in den Zwanzigerjahren und setzten ihn fort rnit dem Versuch, die Gesamtschule in den Siebziger- und Achtzigerjahren flächendäckend einzuführen. Heute versuchen sie angesichts der anhaltenden Beliebtheit des Gymnasiums, diese Schulform von innen her auszuhöhlen durch ihre Forderung nach der autonomen Schule und nach Aufgabe des Fächerprinzips. Sie wollen auch den Unterschied zwischen allgemeinbildendem und beruflichem Schulwesen aufgeben. Die Absolventen der Kollegschule in NRW erhalten eine Doppelqualifikation, nämlich eine berufliche und die allgemeine Hochschulreife. Dies ist zwar volkswirtschaftlich gesehen ein Unsinn, denn in den vorgesehenen drei Jahren erwerben die Schüler beide Qualifikätionen auf einem völlig unzureichenden Niveau. Für die Bildungslinken hat aber ein Einheitsschulssystem ohne äußere Differenzierung absoluten Vorrang vor einem gegliederten System mit passenden Schullaufbahnen für die unterschiedlichen individuellen Begabungsprofile. Sie lassen sich auch nicht von der Tatsache beeindrucken, daß dieses gegliederte Schulwesen und das duale System rnit seiner Trennung zwischen allgemeinbildendem und beruflichem Schulwesen als das effizienteste Bildungssystem der Welt gilt. Sie sehen Schule immer noch als Motor für eine Umgestaltung der Gesellschaft nach ihren sozialistischen Vorstellungen. Dagegen bleibt festzuhalten: die Gesellschaft braucht die Schule als stabilisierendes Element. Sie wandelt sich zwar auch, reflektiert aber diesen Wandel. Deshalb wird die Schulentwicklung zu Recht immer der gesellschaftlichen Entwiclilung hinterherhinken...

B. Der Bildungsauftrag des Gymnasiums in der Zeit des Paradigmenwechsels von der Moderne zur Postmoderne
Die vielfach geäußerte Kritik an der Schule spiegelt für mich die Strukturkrise unserer Gesellschaft wider. In Zeiten mit klaren Wertvorstellungen und einem anerkannten Weltbild gibt die Gesellschaft auch der Schule einen klaren Bildungsauftrag. In Zeiten der allgemeinen Ratlosigkeit flüchtet man sich in allgemein gehaltene abstrakte Forderungen. Da wird beispielsweise Orientierungswissen gefordert. Was aber gibt uns heute Orientierung und Sicherheit, mitten in einem wissenschaftlichen Umbruch mit noch nicht absehbaren Folgen, in einer Zeit, die bisher gültige Werte in Frage stellt? Verantwortungsbewußtsein wird angemahnt. Wem ist man verantwortlich in einer Welt ohne Glauben an Gott? So häufen sich immer neue Fragen auf, deren Antwort wir schuldig bleiben.

Der Bildungsauftrag des heutigen Gymnasiums ist vor dem Hintergrund des sich vollziehenden Paradigmenwechsels von der Moderne zur sogenannten Postmoderne zu sehen. Er wird ebenso bedeutsam sein wie der Wechsel vom Mittelalter zur Moderne. Ich möchte ihn durch einige Anmerkungen kurz skizzieren.

Das Ende des blinden Fortschrittsglaubens
Zu Beginn der Neuzeit wurden die wissenschaftlichen Grundlagen für ein mechanistisches Weltbild geschaffen. Man glaubte die Natur und den Kosmos besser zu verstehen, wenn man das komplexe Ganze in Teile zerlegte und diese genau erforschte. "Das Ganze ist die Summe seiner Teile" lautete das Glaubensbekenntnis der Moderne. Diese Methode schuf die Grundlagen für einen enormen wissenschaftlichen und technischen Fortschritt. Er nährte seit Beginn des Industriezeitalters von Generation zu Generation die Hoffnung und den Glauben an den unbegrenzten Fortschritt. Man war beseelt von der Aussicht auf Unterwerfung der Natur und auf materiellen Überfluß, auf das größtmögliche Glück der größtmöglichen Zahl und auf uneingeschränkte persönliche Freiheit. Aufklärer wie der große Pädagoge Pestalozzi glaubten zu wissen, was not tut und diese Gewißheit verlieh ihnen Tatkraft.

Heute erkennen wir diesen Fortschrittsglauben als eine große Illusion und beklagen nur noch die negativen Folgen dieser Entwicklung. Der 1980 verstorbene Psychologe Erich Fromm hat in seinem damals viel beachteten Buch "Haben oder Sein" das Ausbleiben der Erfüllung der großen Verheißung und Alternativen eindrucksvoll beschrieben.

Wissenschaftliche Revolution
Wie zu Beginn der Neuzeit betritt, von der Öffentlichkeit noch weitgehend unbeachtet, die Wissenschaft völliges Neuland. Zum erstenmal in ihrer Geschichte lernt sie, auch das Werden von Neuem, das geheimnisvolle Wechselspiel von Chaos und Ordnung mit Hilfe der universellen Symbolsprache Mathematik zu beschreiben. Man beginnt, die Natur und den Kosmos wieder als ein unzerlegbares, vernetztes Ganzes zu verstehen. Dieser grundlegende Wandel in der Wissenschaft wird Auswirkungen auf das geistige und kulturelle Leben der gesamten Menschheit haben, und es gibt ermutigende Anzeichen für einen Wandel zum Positiven, für den, der sich von den täglichen Katastrophenmeldungen nicht erschlagen läßt.

Grundlagen eines Weltethos
Ich zähle dazu das von dem Theologen Hans Küng initiierte "Projekt Weltethos" und das zunehmende positive Echo darauf. Man erkennt die Notwendigkeit eines offenen Dialogs der Weltreligionen und stimmt Küng zu, der behauptet, ohne Religionsfrieden gäbe es keinen Weltfrieden. Das Parlament der Weltreligionen hat 1993 in Chicago eine beachtenswerte Erklärung zum, "Weltethos" abgegeben, das ich in geeigneter Weise auch in die Bildungs- und Erziehungsarbeit am Emestinum einbringen möchte.

Krise als Chance begreifen
Wir nehmen heute diesen Paradigmenwechsel nur als Verunsicherung in der Krise wahr, sehen noch nicht die vielen positiven Zeichen und erkennen nicht die ungeahnten Chancen für die Gestaltung einer menschenwürdigen Zukunft.

Unser Denken ist noch zu sehr geprägt von der zweiwertigen Logik, die nur ja oder nein kennt. So sehen wir in der geistigen Auseinandersetzung nur die unversßhnlichen Extrempositionen: starre Konservative oder radikale Neuerer mit der Ablehnung alles Bisherigen.

Nach diesen einleitenden Bemerkungen möchte ich eingehen auf den

Bildungs- und Erziehungsauftrag des heutigen Gymnasiums nach dem bayerischen Lehrplan

Ziel und Anspruch des Gymnasiums werden folgendermaßen beschrieben:

  1. 1) Das Gymnasium vermittelt die vertiefte allgemeine Bildung, die für ein Hochschulstudium vorausgesetzt wird; es schafft auch zusätzliche Voraussetzungen für eine berufliche Bildung außerhalb der Hochschule. Das Gymnasium umfaßt die Jahrgangsstufen 5 mit 13. Es baut auf der Grundschule auf, schließt mit der Abiturprüfung ab und verleiht die allgemeine Hochschulreife.

  2. 2) Gymnasialbildung entfaltet die Fähigkeit zur Ordnung der Vorstellungswelt, zu Abstraktion und Theoriebildung. Sie entwickelt die musischen Fähigkeiten und leitet zu einem angemessenen Umgang mit den Emotionen an. Sie fördert in besonderem Maß Verantwortungsbereitschaft und Verantwortungsfähigkeit auf der Grundlage eines geschichtlich begründeten Verständnisses der abendländischen Kultur.

Diese grundlegende Zielsetzung für das Bayerische Gymnasium ist Basis meiner weiteren Ausführungen. Im Dezember 1995 haben die Kultusminister der Länder in Main Richtungsentscheidungen zur Weiterentwicklung der Prinzipien der gymnasialen Oberstufe und des Abiturs getroffen, die sich den bayerischen Zielsetzungen annähem. Ich versuche zunächst den Begriff der vertieften Allgemeinbildung und seine Grundlagen zu präzisieren.

Grundlagen der vertieffen Allgemeinbildung
Zur Allgemeinbildung gehören heute noch genau wie zu Zeiten Pestalozzis die Kulturtechniken Lesen, Rechnen und Schreiben. Hinzu kommen Grundkenntnisse aus dem Bereich der Naturwissenschaften, aus der Geschichte, aus dem gesellschaftswissenschaftlichen Bereich und in wenigstens einer Fremdsprache. Der Gebrauch der modemen Kommunikationsmittel ist auf jeden Fall hinzuzuzählen.

Was kennzeichnet nun die im Lehrplan geforderte vertiefte Allgemeinbildung?

Sprachkompetenz als ein unstrittiges Charakteristikum des Gymnasiums
Grundlage gymnasialer Bildung ist unstrittig die Entwicklung einerumfassenden Sprachenkompetenz. Die Fächer Deutsch, Mathematik unddie Fremdsprachen legen dabei das Fundament.

Auf gymnasialen Niveau kommen zur fehlerfreien Beherrschung der Muttersprache fundierte Literaturkenntnisse hinzu, die einen Einblick in die Geistesgeschichte vermitteln.

Gymnasiales Niveau bei den Fremdsprachen geht über die aktive Sprechfähigkeit hinaus und strebt das Verständnis des Wesens der Sprache und der Kultur des Landes an. Es gilt, Grundlagen für den leichteren Erwerb weiterer Fremdsprachen zu legen. Diese Zielsetzung spricht für den Erhalt von Latein als erste Fremdsprache. In der Mathematik geht es nicht alleine um die Einübung von Rechentechniken und ihre Anwendung. Dem Gymnasiasten soll aufgehen, daß Mathematik die universelle Symbolsprache der Wissenschaft und Technik, die Sprache des die Welt verändernden Menschen ist.

Wegen der grundlegenden Bedeutung dieser Fächer haben sich die Kultusminister in Mainz darauf geeinigt, daß Deutsch, Mathematik und eine Fremdsprache in der gesamten Kursphase der Kollegstufe belegt und auch eingebracht werden müssen. Bayem wollte diese drei Fächer zu verpflichtenden Fächern im Abitur machen. Andere Bundesländer, die das Fächerprinzip abschaffen möchten, konnten nur mit großen Anstrengungen für einen aus meiner Sicht unbefriedigenden Kompromiß gewonnen werden, auf dessen Einzelheiten ich hier in der Kürze der Zeit nicht eingehen kann. Heftiger umstritten ist die Konkretisierung der gymnasialen Zielsetzung und die Form des Unterrichtes in den anderen Fächern. Da wird das Faktenwissen abgewertet und sog. Orientierungswissen gefordert. Worin zeigt sich nun

Orientierungsfähigkeit in einer immer komplexer werdenden Welt?
Die Folge der eingangs erwähnten analytischen Weltsicht war eine Aufsplitterung der Wissenschaft in immer mehr Teilgebiete, die sich verselbständigten. Am Gymnasium führte diese Entwicklung zur Aufteilung des Unterrichtes in eine zunehmende Zahl selbständiger Fächer, die, jedes für sich, auf spezifische Weise zur Erreichung der allgemeinen Bildungsziele des Gymnasiums beitragen sollten. In der Kollegstufe wurde dann sogar die Gleichwertigkeit aller Fächer hinsichtlich ihres Beitrages zur Studierfähigkeit postuliert. Deshalb köðnnen nach dem geltenden Kollegstufenmodell grundsätzlich alle Fächer als Leistungskurs gewählt werden. Sport oder Hauswirtschaft tragen nach dieser Doktrin genau so viel zur allgemeinen Studierfähigkeit bei wie etwa Deutsch oder Mathematik. Heute wird nun die analytische Weltsicht zunehmend kritischer betrachtet. Man sieht wieder deutlicher, daß das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile. Die Fülle der Detailkenntnisse fügt sich nicht mehr problemlos zu einem Verständnis des Ganzen. Es droht die Gefahr, in der Wissensflut zu ertrinken. Deshalb besinnt man sich wieder stärker auf das Gymnasium als Hort der ganzheitlichen Bildung, wie sie zu Beginn des Abendlandes konzipiert wurde. Bildungspolitiker aus dem linken politischen Spektrum schießen aber weit über das Ziel hinaus, wenn sie das Fächeprinzip, ein Charakteristikum des ihnen verhaßten Gymnasiums als überholt ablehnen und Fächergruppen zu einem Einheitsfach zusammenfassen möchten. Physik, Chemie und Biologie beispielsweise sollen nicht als getrennte Fächer unterrichter werden, sondern zu einem Fach Naturlehre zusammengefaßt werden. Geschichte, Erdkunde und Sozialkunde werden zu einem Fach Gesellschaftslehre zusammengefaßt.

Ganzheitliche Bildung soll nach übereinstimmender Auffassung aller Bildungspolitiker wieder stärker ins Blickfeld rücken. Dies muß aber nach den Richtungsentscheidungen von Mainz auf einem Fundament von solidem Fachwissen aus dem naturwissenschaftlichen und dem gesellschaftswissenschaftlichen Bereich geschehen.

Die KMK hält am Fächerprinzip fest. Jedes Fach muß aber den Blick über die engen Fachgrenzen hinaus richten und das Wissen verschiedener Facher muß zur Lösung komplexer Probleme vernetzt werden. Man spricht von fachübergreifendem und fächerverbindendem Unterricht. Die Fülle der sich anbietenden Themen erfordert hier eine individuelle Wahlmöglichkeit und Schwerpunktsetzung im Abitur für jeden Schüler.

Als grundlegendes Fundament der Hochschulreife wäre also ein für alle verpflichtendes zentrales Abitur in Deutsch, Mathematik und einer

Schule als lernfähiges System
Kritik wird zu Recht an der Dominanz der Prüfungssituation im Unterricht geübt. Das Notenmachen steht zu sehr im Vordergrund. Dies hängt damit zusammen, daß die Schulabschlüsse sinnvollerweise Qualifikationen und Berechtigungen bestätigen. Die Entscheidungen der Schule stellen einen hoheitlichen Venvaltungsakt dar, gegen den in einem Rechtsstaat Widerspruch erhoben werden kann. Punktuelle Leistungserhebungen gelten allgemein als juristisch leichter überprüfbar und spielen deswegen eine so große Rolle im Schulalltag. Sie ergeben aber nicht immer ein verläßliches Leistungsbild, weil sie sich oft auf die Wiedergabe von abprüfbarem Faktenwissen beschränken. Schüler lernen vielfach nur das, was abgefragt wird, um es dann möglichst schnell wieder zu vergessen. Der Leistungsbegriff wird hier für mich zu eng gefaßt. Das Verhalten in Lernsituationen und die Teamfähigkeit werden beispielsweise nicht bewertet. Es gilt einen Bestand an Grundwissen und an Können im Langzeitgedächtnis zu speichern und mehr Lernsituationen zu schaffen, in denen vorhandenes Wissen und Können vernetzt werden kann, in denen Problembewußtsein gefördert wird und Problemlösungsstrategien erprobt werden.

In der Prüfungssituation möchte man aus verständlichen Gründen möglichst wenig Fehler machen, zur Lernsituation gehören Fehler wesentlich dazu, da man aus ihnen bekanntlich am besten lernt. Werden Lernsituationen von Lehrern wie Schülern nur als Vorspiel zu Prüfungssituationen gesehen, so hemmt die Angst vor Fehlem die Lernfähigkeit.

Soll Schule sich stärker als lernfähiges System entwickeln, so setzt dies eine andere Einstellung zum Lernen bei den Schülern und Lehrern voraus. Die Lehrer dürfen nicht nur Fragen stellen, auf die sie schon eine festgelegte Antwort haben. Es müssen auch Fragen und Probleme erörten werden, auf die man keine Antworten weiß. Man darf auch Sinnfragen nicht ausweichen, auch nicht der Frage nach Gott.

Bei den Schülem muß die Einsicht geweckt werden, wofür man lernt, nicht für die Schule, sondern um über mehr Gestaltungsrnöglichkeiten des eigenen Lebens zu verfügen.

Begabungsgerechte Schullaufbahn
Die grundlegende Zielbeschreibung des Lehrplanes geht deshalbausführlich auf das gymnasialspezifische Persönlichkeitsprofil ein. Esheißt dort: "Das Gymnasium ist eine Schule fur Kinder und Jugendliche,die sich in besonderem Maße geistig beweglich, lernbegierig und phantasievoll erweisen, die schnell, zielstrebig und differenziert lernenkönnen, ein gutes Gedächtnis haben, sich dem selbständig, ausdauernd und von verschiedenen Seiten mit Denk- und Gestaltungsaufgaben beschäftigen und in allem die Bereitschaft erkennen lassen, die Anstrengungen auf sich zu nehmen, die der Bildungsweg des Gymnasiums ihnen abverlangt."

Leider stützt sich die Wahl der Schullaufbahn vielfach nicht auf das in der Grundschule schon sehr gut erkennbare Begabungsprofil, sondem wird von der angestrebten gesellschaftlichen Stellung bestimmt. Das Gymnasium ist die Schule, die den Aufstieg in die anerkanntesten Stellungen verspricht. Da man für seine Kinder das vermeintlich Beste will, schickt man sie dort hin, oft genug auch dann, wenn erkennbar ist, daß die Realschule oder die Hauptschule für sie besser wäre. Ich muß es im Rahmen dieses Vortrages bei der knappen Andeutung des Problems belassen. Es ist aber ein brennendes Problem, von dessen Lösung die Quälität des gegliederten Schulwesens abhängt.

C. Zum Erziehungsauftrag des Gymnasiums Schule soll aber nicht nur bilden, sie soll auch erziehen. Bilden und Erziehen gehören untrennbar zusammen. Das Lernklima an einer Schule wird wesentlich davon geprägt ob geltende Norrnen aus innerer Überzeugung befolgt und mit Leben erfüllt werden oder nur aus Angst vor Sanktionen. Eine kritische Rückbesinnung auf die bisher tragenden Werte, auf die Grundlagen eines Weltethos sollte Auswirkungen auf das Leben in der Schulgemeinschaft haben. Verantwortungsbereitschaft und Verantwortungsfähigkeit sind keine theoretischen Themen, sie müssen sich im Schulalltag bewähren. Gemeinschaft baut auf gegenseitigem Vertrauen auf, Vertrauen kann man aber nicht einfordern, es muß einem geschenkt werden. Der Wunsch nach Selbstverwirklichung steht heute ganz hoch im Kurs. Die Einsicht, daß man sich nicht nur durch Erfüllung aller individuellen Ansprüche, sondern durch Dienst an der Gemeinschaft selbst verwirklichen kann, reift nur schwer in unserer Wohlstandsgesellschaft. Der Spruch "Leistung muß sich lohnen" wird im materiellen Sinne verstanden, und der Lohn sollte schon klar sein, bevor man überhaupt etwas geleistet hat. Zur Überwindung unserer gegenwärtigen Krise werden Innovationen und neue Investitionen gefordert, denn ohne sie wird es keine neuen Arbeitsplätze geben. Die notwendige Risikobereitschaft ist aber bei uns aus Angst vor dem Verlust des Besitzes völlig unterentwickelt.

Am Gymnasium gibt es zu viele Minimalisten, welche die Qualifikationshürden des Abiturs gerade noch überspringen und dann mit diesern schlechten Abitur wenig Chancen im hart gewordenen Wettbewerb haben.

Ich bekenne mich an dieser Stelle offen zur Forderung nach Leistungseliten, die ich allerdings klar von den Anspruchseliten abgrenzen möchte. Anspruchseliten passen nicht in eine demokratische Leistungsgesellschaft, wohl aber Leistungseliten, denn sie sehen selbstkritisch Leistung als permanente Aufgabe, der sie sich aus Verantwortungsbewußtsein für die Gemeinschaft verpflichtet fühlen. Leistungseliten sind von Visionen beseelt, setzen sich neue realistische Ziele, wollen die Zukunft gestalten.

Leistungseliten können allerdings nicht von anderen gebildet werden, sondern müssen sich bilden. Die Gesellschaft und der Staat können ein für Leistungseliten freundliches Klima schaffen. Das staatliche Schulwesen muß den Spitzenstandard der Bildung festlegen. Eine Eliteausbildung darf keine Frage des Geldes sein. Alleine Eignung und Befähigung des einzelnen darf entscheiden. Bildung ist unser entscheidender Standortvorteil. Ihn dürfen wir nicht durch Sparen am falschen Platz aufs Spiel setzen, gerade jetzt in der heutigen Krisenzeit. Investitionen in das Bildungswesen sind die beste Zukunftssicherung.

Schluß
Zusammenfassend möchte ich sagen. daß Schule als Institution heute keineswegs schlechter ist als früher. Sie erweist sich durchaus als ein lernfähiges System und sie tut gut daran, nicht jede Neuerung, auch nicht jede technische Neuerung kritiklos zu übernehmen, sondern auszuwählen, was ihrer genuinen Zielsetzung dient. Irn Augenblick gilt es z. B. angesichts der Internethysterie kühlen Kopf zu bewahren. Das Gymnasium steht vor der Aufgabe, die modeme Komrnunikationstechnik sinnvoll zu nutzen. Dem Lehrer fällt dabei die Aufgabe zu, den Kindem einen Weg durch den Informationsdschungel zu zeigen. Was unter einer vertieften Allgemeinbildung zu verstehen ist, muß angesichts des Paradigmenwechsels mit Blick fiir das bewährte Alte neu reflektiert werden. Schule muß angesichts der veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse ihre Erziehungsaufgabe überdenken. Sie kann diese Aufgabe nur zusammen mit den Eltern bewältigen.

Heute schließt man gerne Pakte um drängende Probleme zu lösen. Ich schließe mit einem Appell an alle gesellschaftlich relevanten Gruppen, insbesondere die Medien, zu einem Pakt für Bildung und für Erziehung auf der Grundlage eines sich in seinen Umrissen abzeichnenden Weltethos.

 


 


 

Grußwort des Oberbürgermeisters

"Einen kritischen Freund an der Seite, kommt man immer schneller vom Fleck."

Diese Worte Goethes faszinieren vor allem deshalb, weil sie aus dem "Freund" einen "kritischen Freund" machen. Ich denke, es sind tatsächlich die "kritischen Freunde", die einen Menschen oder eine Gemeinschaft weiterbringen.

Kritikfähigkeit aber muß man erlernen. Man muß lernen, wo sachliche Kritik fruchtbar ist und daß persönliche Verletzungen trotz aller Kritik vermieden werden müssen.

Seinen Wissensdurst stillt man in einer guten Schule. Sich selbst zu erproben, seine Meinung zu stärken und sich im Wortgefecht zu üben, die Gemeinsamkeit und Kameradschaft und den Einsatz für eine Sache, all das lernt man in einer Verbindung wie der Ernestina.

Wenn also die Ernestina in diesem Jahr 125 Jahre alt wird, dann zeigt das, daß die Verbindung "kritischer Freunde" sehr wohl dauerhaften Bestand haben kann.

Ich wünsche der Ernestina für Ihre Zukunft alles Gute und hoffe, daß noch viele Generationen von Schülem das Gefühl von Gemeinschaft und Freundschaft kennenlemen werden.

Norbert Kastner
Oberbürgermeister

 

Grußwort des Oberstudiendirektors

Wenige Gymnasien in Deutschland haben eine Schülerverbindung und noch weniger eine mit 125jähriger Geschichte. Stolz und dankbar feiern wir das Jubiläum unserer Ernestina.

Das Gründungsjahr 1871 markiert in der deutschen Geschichte die Erfüllung des Wunsches nach nationaler Einheit, wenn auch nur in Form der kleindeutschen Lösung Bismarckscher Prägung. Nationale Begeisterung ergriff die Jugend und Hingabe für Volk und Vaterland galt als höchste Tugend.

Ähnlich wie bei den Studentenverbindungen prägte diese Geisteshaltung das Gesicht der jungen Schülerverbindung Ernestina und gab ihrer Gemeinschaft Lebenskraft. Die Katastrophe der beiden Weltkriege, die den schändlichen Mißbrauch dieser edlen menschlichen Tugenden offenbarte, stürzte auch die Ernestina nach 1945 in eine Sinnkrise, die eine Existenzkrise darstellte. Doch besann sich die damalige Generation, daß echte Gemeinschaft tiefere Wurzeln hat, die ihr auch in Krisenzeiten Lebenskraft spenden. Dank gebührt dem damaligen Schulleiter OStD Karl Schmorl, daß er 1948 die Schülerverbindung nach dem Verbot in der Nazizeit und den Kriegswirren neu gründete.

Schule ist nicht nur Lernort sondern für jede Schülergeneration Lebensraum während der wichtigsten Reifungsphase ihres Lebens. Volles Menschsein entfaltet sich für mich erst in der Gemeinschaft, deshalb liegt mir als Schulleiter die Pflege des Gemeinschaftslebens besonders am Herzen. Ich betrachte die Emestina als einen Glücksfall für unsere Schule, verbindet sie doch mehrere Schülergenerationen in besonderer Weise, z.B. auf der alljährlichen Weihnachtskneipe, bei der die Aktivitas der Oberstufe zusammen mit den "Alten Herren" und den über 70jährigen Hundertsemesterbandträgern feiert. Ich habe mich gefreut, daß ich in den Bund der Ernestiner aufgenommen wurde und wünsche unserer Schülerverbindung für die Zukunft Wachsen und Gedeihen.

Hans-Georg Kosuch
Oberstudiendirektor

 

Grußwort des AHV-Vorsitzenden

Der 125. Geburtstag der Schülerverbindung Ernestina zu Coburg - gleichzeitig Erinnern an 90 Jahre öffentliche Anerkennung - erfüllt alle Bundesbrüder mit Stolz; er ist aber auch ein Ereignis, das zum Nachdenken verpflichtet. In den 125 Jahren ihrer Geschichte ist unsere Ernestina durch viele Höhen und Tiefen gegangen; der innere Wert unserer Gemeinschaft - ausgedrückt durch den Begriff Bundesbrüderlichkeit - hat aber unseren Bund immer gestärkt und beflügelt.

Unsere Bundesgeschichte soll zeigen, wie sich in der Vergangenheit junge Menschen für ihr ganzes Leben zusammengeschlossen haben und daß diese Freundschaft über Jahrzehnte, Kriege und Schicksalsschläge hinweg fest gehalten hat. Sie soll unsere heutigen jungen Bundesbrüder aber auch mahnen, den richtig erkannten Grundsätzen treu zu bleiben, den vorangegangenen Generationen in ihrer zu allen Zeiten bewiesenen Bundesbrüderlichkeit und Einsatzfreude für den Bund nachzueifern und unseren Bund immer wieder mit neuem Leben zu erfüllen.

Ich danke den Bundesbrüdem R. Würstlein, A. Kuschbert und D. Räppold aufbauend auf die Darstellungen der schon verstorbenen AHAH A. Lerch und F. Flessa - für ihre Mühen sowie W. Lorenz, dessen jahrelang vorbildlich geführte Bilderchronik uns die Anreicherung dieser Festschrift mit historischen Fotografien ermöglichte.

Unserer Ernestina wünsche ich auch in Zukunft ein ewiges
vivat, crescat, floreat!

Jürgen Marpert