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Ernestina in der Öffentlichkeit - Festrede zum Oberfrankenkommers 1998 PDF Drucken E-Mail
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Stellung und Bedeutung von Schülerverbindungen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert

Festrede zum Oberfrankenkommers 1998 in Coburg von AH-Vorsitzenden Alexander Luthardt

Hohes Präsidium, sehr geehrte Corona, liebe Bundesbrüder,
wenn ich mich in dieser Runde umsehe, so sehe ich eine große Anzahl Farbenträger verschiedener Verbindungen. So ich richtig gezählt habe von mindestens einem Dutzend unterschiedlicher Bünde. Dahinter stehen viele Jahre, Jahrzehnte, ja manchmal sogar mehrere hundert Semester an Verbindungserfahrung, an Korporationstradition, die wenn man näher ins Detail geht, sich sicherlich sehr unterschiedlich darstellt. Aber was uns hier vereint ist die Tatsache, daß wir uns als Schülerverbindungen bezeichnen und aus dem oberfränkischen Raum stammen, womit ich unsere befreundeten und heute hier anwesenden Gastverbindungen und Gäste nicht ausgrenzen möchte. Darüber hinaus sind wir der Auffassung, daß wir uns im festlichen Rahmen eines Oberfrankenkommerses treffen und präsentieren wollen. Sei es, um Kontakte untereinander zu knüpfen oder zu pflegen, sei es, um einfach nur einen Grund zur gepflegten Gemütlichkeit zu haben. Was auch immer der Beweggrund für Sie war, heute hierher nach Coburg zu kommen, Sie werden es für sich selbst und Ihre Verbindungen hoffentlich genau wissen.

Für meinen Bund, die Schülerverbindung Ernestina zu Coburg, ist es auf jeden Fall eine Ehre und zugleich eine Verpflichtung Ihnen und uns allen einen harmonischen und hoffentlich unvergeßlichen Kommers zu bieten. Bei derartigen Anlässen stellt sich immer die Frage nach einem adäquaten Thema und einem diesem Thema auch gewachsenen Festredner. Nun ja, mein Bund ist der Meinung, daß ich dafür der geeignete Mann sei, und als solcher sollte ich mal schauen, welches Thema dem heutigen Kommers angemessen sei. So möchte ich heute abend versuchen Ihnen einige Gedanken zu folgendem Thema "Stellung und Bedeutung von Schülerverbindungen an der Schwelle zum 21. Jahrhundert" näherzubringen.

Dabei erhebe ich keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit oder Vollständigkeit, sondern bin mir im Gegenteil sehr wohl bewußt, daß nun folgende Ausführungen sehr subjektiv geprägt sind, sowohl aus meiner Erfahrung als Erstchargierter, Aktivenbetreuer und derzeit Altherrenvorsitzender meiner lieben Ernestina, als auch aus den Erfahrungen, die ich in meinem studentischen Bund, der Landsmannschaft "Franco-Borussia" zu Coburg sammeln konnte.

Ich möchte mich an drei Elementen orientieren, die für uns in der Ernestina von besonderer Bedeutung sind. Dies sind:

1. Unser Zirkel, der bedeutet: "Fatres ernestinae vivant in aeternum!
2. Unser Wahlspruch:"Dem Bunde treu und treu dem Vaterlande"
3. Unser Motto: "Oberste Pflicht eines jeden Ernestiners ist es auch auf den Kneipen die allgemein anerkannten Regeln des Anstandes und der guten Sitten zu wahren."

Zum ersten Element "Fratres ernestinae vivant in aeternum" - die Brüder der Ernestina mögen in Ewigkeit leben.

Daraus ergibt sich für uns das Lebensbundprinzip, das auch über den Tod hinaus Bestand hat. Daß dies nicht nur eine hohle Phrase ist, lernen unsere jungen Bundesbrüder jedes Jahr aufs Neue, wenn wir am Totensonntag all unserer verstorbenen Bundesbrüder gedenken. Und dies geht meiner Meinung nach weit über irgendeine Traditionspflege hinaus.

Das Lebensbundprinzip geht aber noch weiter. Es beinhaltet auch das bundesbrüderliche "Du". So sitzen am Kneiptisch Jung und Alt beisammen und schaffen es, ohne eine künstliche Hemmschwelle durch ein förmliches "Herr Soundso" miteinander ins Gespräch zu kommen.

Sei es der honorige Schulleiter oder der 2. Bürgermeister der Stadt Coburg, sei es der damals älteste praktizierende Zahnarzt Deutschlands oder der Präsident unserer "Kegel-Schlumpschützen", mit denen jeder junge Fux oder Bursche der Aktivitas ein ungezwungenes und direktes Verhältnis aufbauen kann. Aus diesem Lebensbundprinzip heraus entstehen aber auch noch tiefergehende Beziehungen, wie die zwischen Leibbursche und Leibfux oder wie die zu großväterlichen und väterlichen Freunden, wie ich es selbst er leben durfte und darf. Wenn es dabei auch noch gelingt, den nötigen Respekt vor den älteren Semestern und derer bisherigen Leistungen zu vermitteln so hat dieses Lebensbundprinzip meiner Meinung nach eine wesentliche Bedeutung für das Leben in unserem Bund.

Zum zweiten Element: Dem Bunde treu und treu dem Vaterlande. Dem Bunde treu - heißt nicht Kadavergehorsam bis zum Umfallen, aber es heißt eine Verpflichtung für jeder Burschen, für jeden Fuxen, aber auch für jeden Alten Herren. Warum für unsere Burschen? Weil für jeden von ihnen die Verpflichtung besteht, eine Charge oder ein Amt zu übernehmen und damit den Bund zu repräsentieren. Für unsere Fuxen, die bei der aktiver Ausgestaltung unserer Kneipen und anderen Veranstaltungen aktiv einge spannt sind; aber nicht als billige Kellner oder willenlose Befehlsempfänger, sondern als Mitglieder unseres Bundes, als Teil ihrer Lehrzeit, ihres Heranwachsens in einer Verbindung wie der unseren. Eine Lehrzeit, die auch ein heute fast hundertjähriger Alter Herr unseres Bundes ebenfalls durchlaufen hat.

Dem Bunde treu heißt aber auch eine Verpflichtung für unsere Alten Herren, die nicht nur jedes Jahr zu unserem Osterkonvent kommen sollen, um dort kluge und wohlgemeinte Worte zu sprechen oder gar ohne Kenntnis der aktuellen Situation des Bundes Kritik zu äußern, sondern als eine Verpflichtung für sie durch ihre Anwesenheit bei möglichtst vielen Veranstaltungen des Bundes den jungen Aktiven ein lebendiges und durch Lebenserfahrung geprägtes aktives Bundesleben vorzuleben.

Dies ist um so wichtiger für Verbindungen, die im Gegensatz zu der unseren, über viele Jahre hinweg auf Grund geringer oder gar keiner Zuwächse ihrer Aktivitates auszubluten drohen. Aber auch für recht aktivenstarke Verbindungen wie meine Ernestina ist das lebendige Vorleben von Verbindungswesen und Tradition essentiell. Ich hoffe, daß dieser unterschwellige Appell an die richtigen Ohren gelangt. All diese genannten Verpflichtungen sind aber keine Einbahnstraße, denn bringen diese Verpflichtungen uns allen das automatisch daraus entstehende lebendige und attraktive sowie abwechslungsreiche Verbindungsleben, so ist dies doch genau das, was hoffentlich jeden von uns vor mehr oder weniger vielen Semestern dazu veranlaßt hat, in unsere Verbindungen einzutreten.

(Dem Bunde treu) Und treu dem Vaterlande. Hierunter verstehen wir a) die kritische Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen und politischen Gegebenheiten in unserem Lande und anderswo, b) die politische Betätigung, ohne hierbei irgendeine politische Richt ung vorzugeben oder zu manifestieren. Bei uns kann jeder politisch tätig sein, egal in welcher Richtung, vorausgesetzt es handelt sich um eine demokratisch legitimierte Partei, und der jeweilige Bundesbruder hält seine parteipolitische Überzeugung aus unse rem Bund heraus; daß heißt er versucht nicht andere von seiner eigenen politischen Linie zu überzeugen, oder gar in dieser Hinsicht zu manipulieren. Und treu dem Vaterlande heißt zu guter Letzt aber auch das Einstehen für eine freiheitliche demokratische Grundordnung, wie sie unser Grundgesetz vorschreibt. Eine Verfassung, die uns eine in der deutschen Geschichte bisher einmalige Friedensperiode bescher hat. Das heißt natürlich auch Toleranz gegenüber Andersdenkenden und deren Meinungen.

Zum dritten Element: Oberste Pflicht eines jeden Ernestiners ist es, auch auf den Kneipen die allgemein anerkannten Regeln des Anstandes und der guten Sitten zu wahren.

Dieses Motto stammt von unserem Alten Herrn Dr. Ernst Bär, der von 1899 bis 1900 in unserer Ernestina aktiv, und von 1912 bis 1948 Leiter unserer Alma Mater, unseres Gymnasiums Ernestinum, gewesen ist. Aber was heißt dies Motto für uns heute und hier? Heißt es etwas flapsig und provokant ausgedrückt "saufen bis zum Umfallen ohne zu kotzen, ohne zu randalieren oder sich sonst danebenzubenehmen"? Nein, genau dies steckt nicht hinter dem Motto unserer Ernestina, weder zum Zeitpunkt des Entstehens noch in unser er heutigen Zeit. Wir im Altherrenverband unserer Ernestina haben gelernt, daß neue Zeiten und neue Generationen von Aktivitates andere und neue Sitten mit sich bringen. Ganz nach dem lateinischen Ausspruch "o tempora, o mores".

Aber nichtsdestotrotz ist es für uns wichtig und bedeutsam althergebrachte Sitten und Umgangsformen im Rahmen unseres Bundes aufrecht zu erhalten, auch wenn diese heutzutage altmodisch erscheinen, oder gar aus der Mode gekommen sind. Sei es der schon angesprochene Respekt vor Älteren und deren erbrachten Leistungen, oder seien es solche Dinge, wie jemandem die Türe aufzuhalten, einem älteren Menschen einen Platz anzubieten, wenn er in einen überfüllten Bus einsteigt, oder aber solche Dinge wie beispielsweise tanzen zu lernen oder pünktlich zu vereinbarten Terminen zu erscheinen bzw. bei Nichterscheinen rechtzeitig vorher abzusagen. All dies ist nicht nur als ein Teil einer lästigen Pflichterfüllung innerhalb des Bundes oder bei dessen Veranstaltungen zu sehen, sondern als ein wie selbstverständlich gelebtes Lebensmotto.

Hochgeschätzte Corona, lassen Sie mich zum Abschluß meiner Ausführungen noch ganz bewußt und kurz aufzeigen, was wir als Schülerverbindung aber auf keinen Fall sind. Wir sind keine Elite und sehen uns auch nicht als eine solche an, aber wir haben bei uns in unseren Verbindungen einen gewaltigen Vorteil, frei nach dem Text eines christlichen Liedes "besser sind wir nicht, aber besser sind wir dran". Besonders dann, wenn wir unser Bundesleben aktiv leben und es schaffen, all dessen Vorzüge für uns im Positive n zu nutzen.

Wir wollen aber niemanden aus unseren Reihen bevorzugen oder anderen voranstellen ohne Ansehen der tatsächlichen Leistung oder Persönlichkeit. Eine Sache, die, bzw. deren Gegenteil uns von unseren "Gegnern" nur allzu gerne vorgeworfen wird.

Wir sind kein Saufverein, der nur glücklich ist, wenn er bis zur Hutkrempe abgefüllt ist. Wir sind als Schülerverbindung kein williger und billiger Keilclub für irgendwelche Studentenverbindungen.

Wir sind - und das sage ich mit aller Deutlichkeit und im vollen Bewußtsein - auf keinen Fall eine Gemeinschaft von fremdenfeindlichen, frauenverachtenden, ewig Gestrigen, Revanchisten oder Neonazis.

Sondern wir sind, zumindest an umserem Gymnasium Ernestinum in Coburg, ein aktives und lebendiges Mitglied der vielzitierten Schulfamilie, das, wie ich meine, voll und kritisch mitten im Leben steht.

In diesem Sinne erhebe ich mein Glas und trinke auf ein Wachsen, Blühen und Gedeihen der hier und heute demonstrierten Schülerverbindungstradition und des gesamten Schülerverbindungswesens.

14.03.1998